Nö zu Noél

Ein Fundstück aus dem Netz: „Für unseren Sohn finden wir den Namen Noél schön.“ Auf den Einwand, das Strichelchen auf dem e mache die Sache unnötig kompliziert und sei zudem leider falsch, entgegnete die werdende Mutter, man wolle so die gewünschte Aussprache sicherstellen, „damit er nicht Nöl gerufen wird“.

Ich würde ja sagen: Entweder, ich vertraue darauf, dass dieser Name zumindest der jüngeren Generation hinlänglich bekannt ist – sollte man bei Platz 102 eigentlich meinen –, oder ich lasse die Finger davon. Für selbst kreierte bzw. falsche Schreibweisen „zur Verdeutlichung“ wäre ich mir zu schade. Oder zu sehr Snob?! Ganz abgesehen davon, dass eine eigenwillige Schreibweise zu neuen Fehlern führt, weil man sich diese auch erst mal merken muss („Wie schreibt sich noch mal der Noe`l von Melzers?“).

Dabei ist es gerade im Fall von Noel so einfach: Das Französische kennt diesen Namen mit zwei Punkten auf dem e, Noël. Trema nennt sich dieses Sonderzeichen, das sich mit deutschen Tastaturen nur mit Getrickse herstellen lässt. Noel „ohne alles“ ist jedoch ebenfalls gebräuchlich, siehe zum Beispiel den Brit-Popper Noel Gallagher. Im Fall der Kinderbuchautorin Noel Streatfeild (1895–1986), „der Astrid Lindgren der englischsprachigen Welt“, wurde der Name in dieser Form sogar von einer Frau getragen.

e mit Trema

Doch ob nun Noel, Noël oder Noél, Zoe/Zoë/Zoé (Platz 52 bei den Mädchen) oder Noemi (195) – ein bisschen ö liegt für mich eigentlich immer in der Luft, wenn o und e sich küssen. Auch bei Namen, die ich kenne – man hat sich eben daran gewöhnt, sei es bei der Mailadresse von Kollege Möller (joerg.moeller@…) oder bei „Fack ju Göhte“. Schlimm? Nö. Meine Freundin Nicole stört sich schließlich auch nicht daran, dass sie ganz selten im Scherz mal mit Ni-kohle angeredet wird. Das gibt’s weitaus Übleres. Zum Beispiel Nikoll.

Psst: Nikoll und Nikol gibt es offenbar wirklich, bei albanischen Jungs und kroatischen Mädchen, die meinte ich hier natürlich nicht. Zum Abschluss ein Blick in die Datenbank von beliebte-Vornamen.de: 98 Prozent der gesammelten Erstnamen-Noels der Jahrgänge 2006 bis 2017 werden so geschrieben – ohne alles. Allerdings sind die Daten in diesem speziellen Fall mit Vorsicht zu genießen, so Knud Bielefeld. Nicht selten dürfte die Serie der Schreibfehler, an die sich vor allem deutsche Noéls/Noëls/Noèls (ja wirklich!) gewöhnen müssen, bereits in den Fotogalerien der Geburtsstationen ihren Anfang nehmen.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

10 Kommentare zu "Nö zu Noél"

  1. Martina sagt:

    Ich habe mal von ein Bruderpaar gehört die Noel und Joel heißen, aber Nöl und Jöl gerufen werden. Ob es stimmt ist fraglich, kenne sie nicht persönlich.

    • elbowin sagt:

      Die beiden sind bestimmt mit dem Üffes (Yves) verwandt!

    • Jan sagt:

      Die beiden sind bestimmt mit dem Üffes (Yves) verwandt!

      Yeah, das wäre auch noch mal ein Thema: „Urban legends“ zum Thema Vornamen! 😀 Die Üffes-Geschichte ist mir vor ca. zehn Jahren wirklich mal als reale Anekdote aus dem Krankenhaus-Alltag („habe ich von einer Bekannten gehört“) erzählt worden. Da war das aber schon – erwartungsgemäß – dutzendfach im Netz zu finden…

    • Maria Th. sagt:

      Genau, dazu gehört auch der „Pürschelbär“, der neue Kindergartenfreund Pierre Gilbert!

    • Jan sagt:

      Das mit dem Pürschelbär (genau, das war hier auch schon einmal aufgetaucht!) ist heute aber etwas realistischer als die Üffes-Story oder dieses „Schantahle, geh nisch bei die Assis!“ – weil es mit einem Kindergarten-Kind operiert, das eben noch nicht richtig sprechen und lesen kann und einen nurmehr beschränkten Horizont hat.

      Während die beiden Üffes- und Schantahle-Anekdoten halt Zeitläufte zur Grundlage haben, in denen sich meine Klassen-Schwestern aus dem Proletariat ihre Träume noch aus Groschenheftchen zusammengebastelt haben – und noch nicht aus dem Privatfernsehen. Heute wäre es eher umgekehrt: Sie könnten die Namen aussprechen, aber eben nicht mehr schreiben.

    • Knud sagt:

      Falls es jemand noch nicht kennt: Die Legende vom Pirschelbär

    • Maria Th. sagt:

      Selbst wenn man die beiden No-el und Jo-el ausspräche, wäre die Brüder-Kombi schon sehr fragwürdig, um es mal vorsichtig auszudrücken 😀 um wieviel mehr dann die (wohl tatsächlich „legendäre“) Nöl&Jöl-Aussprache.
      Nö zu Noél, Nee zu Neele!

    • Rebecca Sophie sagt:

      Aber doch lieber Neele als Noél
      Und Nöl und Jöl find ich wirklich nicht schön, das klingt schon sehr nach jammernden Kindern.

    • Jan sagt:

      wäre die Brüder-Kombi schon sehr fragwürdig, um es mal vorsichtig auszudrücken

      Hähä, allerdings. :mrgreen: Fehlte noch ein Groel als drittes Brüderchen – aber die Neudeutschen haben es ja nicht so mit harten Konsonanten-Kombinationen in Jungens-Namen.

      Nö zu Noél, Nee zu Neele!

      Neele Noelle née Neumann 😀

  2. Chiocciola sagt:

    „Ein Fundstück aus dem Netz: „Für unseren Sohn finden wir den Namen Noél schön.“ Auf den Einwand, das Strichelchen auf dem e mache die Sache unnötig kompliziert und sei zudem leider falsch, entgegnete die werdende Mutter, man wolle so die gewünschte Aussprache sicherstellen, „damit er nicht Nöl gerufen wird“.

    Ich würde ja sagen: Entweder, ich vertraue darauf, dass dieser Name zumindest der jüngeren Generation hinlänglich bekannt ist – sollte man bei Platz 102 eigentlich meinen –, oder ich lasse die Finger davon. Für selbst kreierte bzw. falsche Schreibweisen „zur Verdeutlichung“ wäre ich mir zu schade. Oder zu sehr Snob?! Ganz abgesehen davon, dass eine eigenwillige Schreibweise zu neuen Fehlern führt, weil man sich diese auch erst mal merken muss („Wie schreibt sich noch mal der Noe`l von Melzers?“).“

    Dass ein Noel als „Nöl“ ausgesprochen worden wäre, habe ich ja noch nie gehört. Ich halte den Namen auch für hinreichend bekannt, dass er im Allgemeinen richtig ausgesprochen wird.

    Wenn es mir trotzdem ein Anliegen wäre, die Aussprache durch das korrekte Akzentzeichen zu verdeutlichen, würde ich mich darüber informieren, welches das korrekte Zeichen ist (wenn ich das nicht weiß).

    Bei Zoe finde ich die Aussprache-Frage schon schwieriger, da hilft mir ein Akzentzeichen aber auch nicht weiter.

    Ich kannte mal eine alte Dame namens Henny, Taufname eigentlich Henriette, die erklärte, dass sie ihren Taufnamen nicht mochte, weil er von vielen „Henriete“ mit langem i ausgesprochen werde.

    Viele Grüße

Kommentieren