Roswitha reitet

Meine Tochter reitet jetzt einmal die Woche („… und Reiter werden ja immer gebraucht“). Das und die Tatsache, dass der Sohn meiner Cousine Philipp heißt, hat mich zu meinem heutigen Beitrag inspiriert: einer Namenssammlung für Pferdemädchen und -jungs und allen, die es werden sollen. Tatsächlich passt Philipps Name ziemlich gut, bedeutet er doch – vom griechischen „philos“ und „hippos“ – „Pferdefreund“, weshalb, nebenbei bemerkt, die in Deutschland mit 70 Prozent am häufigsten anzutreffende Schreibweise mit einem l und doppeltem p naheliegend ist. Pferde spielten für die Familie meiner Cousine eine wichtige Rolle. Philipp zog allerdings Fußball vor.

Das weibliche Gegenstück zu Philipp, Pferdefreundin Philippa, verdankt seine relative Popularität – ein Platz in den Top 500 seit 2011 – womöglich weniger seiner Bedeutung als vielmehr Philippa „Pippa“ Middleton, die ihre Kehrseite just in jenem Jahr bei der Hochzeit des britischen Thronfolgers ins beste Licht setzte. Auch der Name Pippa ist mir seither ein paarmal begegnet.

Auf der Suche nach mehr Namen für Pferde-Fans bin ich auf den arabischen Faris und den indianischen Unisex-Namen Tasida gestoßen; beide bedeuten „Reiter“. Außerdem kursiert eine Herleitung des Namens Lio von „Ka Lio“, was auf Hawaiianisch „das Pferd“ bedeuten soll und vermutlich mit Vorsicht zu genießen ist. Ich denke bei dem immer mal wieder in den „Babynamen der Woche“ vertretenen Modenamen – Platz 122, Tendenz steigend – eher an einen Löwen. Auch zum englischen Namen Ryder habe ich die Bedeutung „Reiter“ gefunden. Ob’s stimmt? Klanglich könnte man auf den Gedanken kommen.

Pferde

Außerdem müssen genannt werden: Bibiana, auch wenn Bibi Blocksberg eigentlich Brigitte heißt, und die etwas aus der Mode gekommene Tina, Amadeus nach Tinas fuchsfarbenem Hengst, Wendy nach dem Pferdemädchen-Magazin, Bille nach der Pferdemädchen-Buchreihe „Bille und Zottel“ aus den 70ern sowie Vicky nach der Heldin der in derselben Zeit aktuellen Fernsehserie „Black Beauty“ (Vickys Bruder hieß übrigens Kevin). Fantasyfans wählen Eowyn – nach J. R. R. Tolkiens mit „Freude an Pferden“ übersetzter Schildmaid.

Vermutlich ließe sich manches ergänzen – gibt es zum Beispiel berühmte Reiter, die ihre Namen geprägt haben? Paul (Schockemöhle) sehe ich hier eher nicht, dazu ist dieser Name wieder zu allgegenwärtig. Stattdessen bin ich eher verspielt unterwegs und denke etwa an (P)Ferdinand oder auch Peer, Pferd auf Plattdeutsch. Oder an Roswitha – siehe den eingangs zitierten Loriot-Sketch von Reiterin Roswitha („Der Kosakenzipfel“). Viele sprechen diesen von mir bislang mit weißen Rosen verbundenen Namen ja „Ross-witha“. Die erste Silbe könnte aber tatsächlich vom germanischen „hros“ für „Pferd, Ross“ stammen. Eine männliche Variante gibt’s auch: Roswin – der Pferdefreund.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 8-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

30 Kommentare zu "Roswitha reitet"

  1. Jan sagt:

    Als Niedersachse (in unserem Wappen springt hier so ein Viech rum, bei den uns verwandten Westfalen auch) kann ich nur sagen: hübscher Blogartikel! 🙂

    Hengist und Hors, also Hengst und Stute, d.h. die Pferdeköppe über den Häusern der reichen Bauern hier. J.L. Borges schreibt irgendwo von den „Pferdegöttern der Sachsen“. Oder sein Gedicht „Hengist will Männer“.

    Im Platt meiner engeren Heimat war „Perd“ (mit ganz hellem e) das Wort für Pferd.

    Im Roman „Der letze Rittmeister“ von Werner Bergengruen gibt es einen wunderschönen Abgesang auf die Pferdekultur des Abendlandes. Komischerweise sind Pferde heute wirklich „Frauentiere“, keiner weiß, warum.

  2. Kathrin sagt:

    Oh „Ihre Frau ist ja auch berufstätig“, wie schön hier davon zu lesen! Ich liebe diesen Sketch!

    Zwar hat der Name nicht direkt mit Pferden zu tun, aber ist St. Leonhard nicht der Schutzheilige der Reiter? Hier in Bayern gibt es im ländlichen Raum überall noch den Leonhardi-Ritt zu seinen Ehren. Und hier ist Leonhard als Rufname derzeit sehr populär, wie ich empfinde.

    • Jan sagt:

      Hö, der Schutzpatron zumindest der Ritterschaft (also in der Tat nicht aller Leute, die auf Pferden sitzen) ist aber schon der heilige Georg…

      Hinreißend die (weitgehend fiktionale) Schilderung Werner Bergengruens des verzweifelten burgundischen Adels-Angriffs gegen die Schweizer in der Schlacht bei Grandson im Jahre 1476. Der Wortführer brüllt, als schon alles verloren ist: „Sankt Andreas! Sankt Georg! Ritterschaft!“ – und die Burgunder reiten mit Verve in die Spieße der Schweizer. 🙂 (Sankt Andreas war der Schutzheilige Burgunds.)

    • Ayame sagt:

      Ja genau, St. Leonhard ist der Schutzpatron der Pferde und Reiter. Ich habe mal in Bayern (FFB) gewohnt, da gab es jedes Jahr einen großen Leonhardiritt- eine schöne Tradition!
      Der Name Leonhard gefällt mir auch sehr gut, besser als einfach „nur“ Leon. (Wobei die meisten Leonhards vermutlich doch Leo oder Leon gerufen werden dürften.)

      Als weitere „Pferdenamen“ fallen mir sondt nur noch Conny und Lissy ein – da gab es doch mal so Pferdezeitschriften für Mädchen, die so hießen. (Ich oute mich mal als ehemalige Wendy-Leserin. ;-))

    • Maria Th. sagt:

      St. Leonhard ist der Schutzpatron der Pferde und Reiter

      Richtig, aber auch allgemein der Schutzpatron der Haustiere und wurde/wird von den Bauern hoch in Ehren gehalten.
      https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Leonhard_von_Noblat.html
      Außerdem noch eine Leonhard-Geschichte:
      Wie sehr der Heilige Leonhard verehrt wurde, zeigt nicht zuletzt die Geschichte vom Riekoferer Knecht: In der Karwoche geht ein Bauer auf eine Leich (Beerdigung), und der Riekoferer Knecht arbeitet grad mit dem Ochsengespann auf dem Acker. „Wo gehst denn hin?“ fragt der Knecht. „Auf a Leich!“ schreit der Bauer hinüber. „Wer isn g’storbn?“ „Unser Herrgott!“ meint der Bauer. „Soso,“ meint der Knecht. „Ich hab gar net g’hört, dass er krank war. – Wer wird denn jetzt Herrgott werd’n?“ Nach kurzem Nachdenken: „I wüßt scho oan: vom heiligen Leonhard hat man noch nia nix Unrechts g’hört und der verstandt (verstünde) mehra vom Viech!“ 😀
      aus dem Gedächtnis zitiert nach Reinhard Falter, Warum ist Bayern anders.

  3. Jan sagt:

    Vor einiger Zeit hat hier angeblich (laut HAZ, nicht laut Bildzeitung) eine junge Dame mal folgendes gebracht: Sie wollte ihr Pony mit in die Straßenbahn nehmen – weil sie auf dem Ausritt vom Regen überrascht worden war(en).

    • cassis sagt:

      In der Berliner S-Bahn soll es dieses oder letztes Jahr auch mal ein Pony gegeben haben. Und meine Mutter hat in der U-Bahn mal ein Schaf getroffen (wir haben im Süden der Stadt so ein Museumsdorf mit Tieren und die eine Linie fährt da vorbei, sodass sie genutzt werden kann, um mit einem Schaf zum Tierarzt zu fahren).
      Und zum Thema: Hippolyt. Ich komme aber gerade nicht drauf, was der zweite Teil des Worts bedeutet. Graecum zu lange her und kein Griechisch-Wörterbuch im Haus. Den Namen verbinde ich in erster Linie mit Racines „Phèdre“ (Phaidra), er ist das junge Objekt der Begierde.

    • mgl sagt:

      lyt. sowas wie lösen. der Mann wurde an Pferde angebunden und hinter ihnen hergeschleift. so ist er gestorben, aber ich weiß nicht mehr was er zuvor verbrochen hatte oder was es sollte.

    • Maria Th. sagt:

      Hippolyt = der Pferdebefreier

  4. Jan sagt:

    Mir fällt gerade noch der Name des Indianer-Häuptlings Crazy Horse ein, also des militärischen Kopfes der Sioux in der Schlacht am Little Big Horn. Auf indianisch hieß der Tsaschunke Witko oder so ähnlich.

    Zur Pferdekultur der nordamerikanischen Prärie-Indianer gibt es in Osterhammels „Verwandlung der Welt“ bemerkenswerte Passagen:

    https://janwilhelms.wordpress.com/2013/03/28/die-verwandlung-der-welt-22-die-indianer-die-pferde-und-die-bisons/

    Und Herodot schreibt über die Erziehung junger Adliger im achämenidischen Persien, daß sie vom fünften bis zum zwanzigsten (?) Lebensjahr dauern würde, sie aber nur drei Dinge lernen würden: Reiten, Bogenschießen und die Wahrheit sagen. 🙂

  5. Martina sagt:

    Jorid, Rosalinde und Rosamunde.

    • Annemarie sagt:

      Jorid, „das schöne Pferd“, finde ich ja spannend! Spricht man den „Joried“ oder eher „Joritt“?

      Bei Rosalinde und Rosamunde wäre ich ja auch nie auf das Pferd gekommen, zu stark war das Bild von Rosen bzw. einem rosaroten Kussmund …

  6. Jan sagt:

    Ich weiß, ich nerve hier mal wieder durch Schlaumeierei, aber das muß ich unbedingt noch loswerden: Xanthippe! Das „blonde Pferd“! 🙂 Die bedauernswerte Ehefrau des notorischen Marktplatz-Schwätzers Sokrates mit ihrem sehr hübschen Namen; ausgerechnet der rechte Joachim Fernau hat mal einen sehr amüsanten und klugen Text zu ihrer Ehrenrettung geschrieben. Tenor: Eine Frau, die mit einem wie Sokrates verheiratet ist, wird eben zänkisch, sofern sie überhaupt ein Gefühlsleben hat.

    Ferner: Hippias…

    Vive la cavallerie! 🙂

    • Kathrin sagt:

      Oh ja, ich hatte auch einen Lehrer, der sich redlich bemüht hat, die Dame zu verteidigen: „Stellen Sie sich mal vor, sie hätten einen Gatten wie Sokrates…“. Ich denke daher immer noch mit viel Sympathie an sie, wenn ihr Name irgendwo fällt.

    • Jan sagt:

      Genau, das ist es! 🙂

      Man kann sie sich vielleicht als hochgewachsene, schöne und energische Frau vorstellen – die natürlich nicht damit klarkommt, daß sich ihr sehr kluger, aber auch extrem verantwortungs- und rücksichtsloser Mann nicht mehr um sie und die Kinder kümmert. Er sucht sich nicht mal eine Geliebte, das wäre ja normal – nein, er labert auf dem Marktplatz herum und sucht sich dabei irgendwelche harmlosen Leute als Opfer aus, die er als Trottel lächerlich machen kann. Und sein Kumpel Platon fördert das auch noch. 🙁

      Ein Hoch dem Andenken der armen Xanthippe! 🙂

    • Kathrin sagt:

      Jawohl!!

  7. Jantje sagt:

    Ich weiß, ob das als Vorname in Deutschland akzeptiert würde, aber es gibt auch noch die römische Göttin der Pferde Epona.

  8. Chiocciola sagt:

    Philipp gefällt mir, wenn er auch sehr häufig ist.

    Philippa würde ich persönlich nicht wählen, finde es aber einen respektablen Namen.

    Pippa gefällt mir überhaupt nicht (habe da die Assoziation zu menschlichen oder tierischen Ausscheidungen).

    In die Reihe Bibi(ana), Tina, Amadeus gehört dann auch noch Sabrina (das Pferd von Tina).

    Ich spreche die Ros-Namen auch mit langem geschlossenen o und assoziiere Rosen, kenne aber auch die Aussprache mit kurzem offenen o, so dass es nach „Ross“ klingt, z.B. bei „Ros(e)marie“.

    Viele Grüße

    • Annemarie sagt:

      Stimmt, Sabrina … hab ich weggelassen, weil ich mir den Namen derzeit am wenigsten an einem Baby vorstellen kann 😉

  9. Maria Th. sagt:

    Ergänzend dazu mal noch Namen aus den alten Schmökern:
    Alec – der Besitzer von Blitz, dem schwarzen Hengst (Jugendbuch von Walter Farley)
    Lou – aus Lou und Lakritz (Kinderbücher von Julia Boehme, die sind aber nicht so alt, hat meine Tochter damals sehr gern gelesen)
    Wilhelmina, genannt Will – aus den Dolly-Internats-Büchern (Enid Blyton), Pferd: Donner
    Gloria – aus „Das schönste Pferd für Gloria“, das Pferd hieß Prinzessin
    Erika – „Erika reitet ins Glück“ (Erika Ziegler-Stege)
    nicht zuletzt Old Shatterhand (= Karl May als Ich-Erzähler)und Winnetou mit Hatatitla und Rih

    und dann noch Dick und Dalli (2 Mädchen!) aus den Immenhof-Filmen
    😀

    • Maria Th. sagt:

      …und Pippi (Philippa???) Langstrumpf, die hatte schließlich auch ein Pferd. 😉

    • Rebecca Sophie sagt:

      Die hieß glaube ich wirklich Pippi (Viktualia Rollgardina Pfefferminska Efraimstochhter Langstrumpf).
      Michel hatte aber auch eins, meines Wissens aber namenslos.

    • Maria Th. sagt:

      Don Quijotes Pferd Rosinante und seine Angebetete Dulcinea

    • Maria Th. sagt:

      Ja, die Namen von Pippi kenn ich auch, aber vielleicht hat sich Astrid Lindgren das von Philippa abgeleitet, so meinte ich.

      Und Michels Pferd hieß Lukas!

    • mgl sagt:

      Maria Theresia du kennst aber viel.

      und bei Aschenbrödel heißt das Pferd Nikolaus.

    • Maria Th. sagt:

      @mgl
      – wobei aber Eigennamen in den klassischen Grimm-Märchen eher selten vorkommen. Zumeist wird da abstrakt vom König, der Prinzessin, der Stiefmutter, der Hexe der ältesten und der jüngsten Tochter als Archetypen . gesprochen, ohne Namen zu nennen. Ausnahme: das Märchen „Die Gänsemagd“ , da kommt das sprechende Pferd Falada vor: „o Falada, da du hangest…“

      Das Pferd Nikolaus hört sich für mich eher nach Aschenbrödel-Spielfilm an, in der gedruckten Form kommt das nicht vor.

    • Jan sagt:

      Die (angebliche) Rasse des Pippi-Langstrumpf-Pferdes (Knapstrupper) gibt es auch in in Niedersachsen:

      http://www.ardmediathek.de/tv/Hallo-Niedersachsen/Pipi-Langstrumpf-Pferde-vom-Aussterben-b/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=25231206&documentId=39057830

      Aus „Hallo Niedersachsen“, der hiesigen Landesschau, lief gestern. Länge 3 Minuten. Fachlich kann ich das nicht beurteilen (also was den Zusammenhang der Lindgren-Bücher und der Verfilmungen angeht, ob Lindgren das überhaupt so schreibt), aber sehr, sehr hübsche Aufnahmen. Liebenswerter Bericht.

    • Maria Th. sagt:

      Das bist du ja wieder, Jan!
      Stimmt, sehr schöner Beitrag, sehr nette, liebenswerte Pferde. Danke für den Tipp!

      Pippi Langstrumpfs Pferd heißt Kleiner Onkel (ganz ehrlich: das fand ich als Kind schon blöd, sorry);
      das Pferd Nikolaus aus Aschenbrödel hab ich mittlerweile nachgegoogelt; wie ich es mir dachte, handelt es sich um das Pferd aus dem tschechischen 70er-Jahre-Märchenfilm „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Ich muss gestehen, ich hab den noch nie (!) gesehen, weil ich zwar Märchen mag, aber keine Märchenfilme.

    • Jan sagt:

      Tja, Maria Th., es ist halt sehr schwer für einen Niedersachsen, sich zwischen einem klaren Wort und Pferden zu entscheiden. Im Zweifelsfall für die Landwirtschaft. 😉

      Das hat schon Karl der Große gewußt, als er unserem Herzog Widukind nach dessen Zwangs-Kotau und Taufe (freilich nach jahrzehntelangem und nicht nur tagelangem Streit 😉 ) ein Pferd geschenkt hat. Einen Schimmel zur Versöhnung und als Taufgeschenk. Nach einer (natürlich ahistorischen) Legende war das die Entstehung des Niedersachsenrosses.

      Ein befreundeter Ösi hat mich vor Jahren oft mit dieser Georg-Danzer-Schnulze aus den 80ern „Ich träume von weißen Pferden“ aufgezogen. 😀

      Auf Paul Schockemöhle übrigens lasse ich auch als Sozialist nichts kommen. 🙂 Der war als Besitzer eines Landwirtschaftskonzerns ein sehr guter, fairer und moderater Chef, der nicht nur mit Pferden, sondern auch mit Menschen umgehen konnten. Das ist mir mehrmals von Leuten bestätigt worden, die es wissen müssen.

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