In Tadschikistan sollen fremde Namen verboten werden

Zwar sind die meisten Einwohner des zentralasiatischen Staats Tadschikistan Anhänger des Islams, seitens der Regierung wird jegliche Religionsausübung aber nicht gerade gefördert – diplomatisch ausgedrückt. Um die Säkularisierung voranzubringen hat der tadschikische Präsident Emomali Rahmon ein neues Gesetz vorgeschlagen: Er will fremde Vornamen verbieten. Dazu gehören arabische und russische Namen (Tadschikistan war bis zur Unabhängigkeit Teil der Sowjetunion). Auch nach Tieren, Pflanzen und Gegenständen soll in Tadschikistan kein Baby mehr benannt werden. Eintönig wird die Namenslandschaft trotzdem nicht: die Liste der zugelassenen Vornamen umfasst mehr als 3.000 Einträge.

Schon in den 1980er Jahren gab es einen Trend zur Vergabe tadschikischer Namen, was in der damaligen Sowjetrepublik durchaus politisch brisant war.  In den letzten Jahren kamen islamische Vornamen mehr in Mode.

Einige Abgeordnete wollen das Gesetz sogar so weit fassen, dass auch bestehende Namen geändert werden müssen, wenn sie den neuen Vorschriften widersprechen. Das würde dem Präsidenten vermutlich nicht gefallen, Emomali bedeutet nämlich „Imam Ali“ und ist islamischen Ursprungs.

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

3 Kommentare zu "In Tadschikistan sollen fremde Namen verboten werden"

  1. Jan sagt:

    Schon in den 1980er Jahren gab es einen Trend zur Vergabe tadschikischer Namen, was in der damaligen Sowjetrepublik durchaus politisch brisant war.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, wie diese Bemerkung zu verstehen ist… Aber die Russifizierung ging in der SU niemals so weit, daß Angehörigen nicht-russischer Minderheiten irgendwie „nahegelegt“ worden wäre, ihren Kindern russische Namen zu geben. Nicht mal unter Stalin, erst recht nicht unter Breschnew. Sicher, viele der angepaßteren Minderheiten haben ihren Kindern russische Namen gegeben: Wolga-Finnen, sibirische Klein-Völkerschaften, Deutsche… Und so ist Helene Fischer eben als Jelena Petrowna Fischer geboren. Aber gerade unter den muslimischen Völkern Zentralasiens und des Kaukasus haben die allermeisten Kindern immer autochthone Vornamen bekommen – also islamisch oder nationalkulturell-historistisch grundierte Namen. (Unter der assimilierten Moslems der Mittleren Wolga – Tataren, Baschkiren – weniger oft.)

    Eine russische Besonderheit, die aber auch schon auf Zarenzeiten zurückgeht, ist die, daß muslimische Familiennamen im Russischen mit einer russischen Endung versehen werden: Also Alijew von Ali, Gadzhiew von Hadschi, Magomedow von Mohammed, Gusseinow von Hussein etc. (Wobei die Verpflichtung, sich überhaupt Familiennamen zuzulegen, den Juden und den Moslems ja in Rußland genauso wie im Westen von außen, von den Obrigkeiten auferlegt wurde.)

    Die Stoßrichtung des neuen tadschikischen Gesetzes dürfte wirklich der Islamismus sein, mit dem sich alle post-sowjetischen Regierungen mit moslemischer Bevölkerung auseinanderzusetzen haben. (Bekanntlich auch Rußland selbst.)

    Warum auch Vornamen nach Tieren und Pflanzen verboten werden sollen, verstehe ich allerdings überhaupt nicht.

    Hm, Tadschikisch ist bekanntlich ein persischer Dialekt, während in den anderen zentralasiatischen Staaten Turksprachen gesprochen werden – vielleicht sollen die Tadschiken genötigt werden, sich an der wirklich jahrtausendealten iranischen Kultur zu orientieren und eben nicht am Islam. Unter dem Schah hat das Iran bekanntlich weniger gut geklappt.

  2. Mark sagt:

    Knud,

    Kennst Du zufällig ein paar Beispielen von tadschikischen Namen? Und weißt Du, welche islamischen Namen dort populär wurden, nun aber verboten sind? Nehme mal an, dass darunter auch Mohammed ist.

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