Von 20. September 2012 Weiterlesen →

Das lachende A – Namen und das Schreibenlernen

Es ist schwer, etwas wegzuwerfen, was einen nett anlacht. Es ist sogar fast unmöglich. Und so stapele ich, liebende Mutter einer Viereinhalbjährigen, weiter Kinderzeichnung auf Kinderzeichnung und verstaue in immer korpulenteren Mappen Mondgesichter und lachende Sonnen, Strichmännchen und -mädchen, Kritzelkatzen sowie Zwerge, die in der Hauptsache aus dem Buchstaben A (mit Gesicht und ausgemaltem Spitzhut) bestehen.

„Schreiben“ ist für meine Tochter ein großes Thema, und so sind auf vielen Werken auch Buchstaben zu sehen. Ihr erstes selbst geschriebenes Wort war tatsächlich ein Vorname. Nur nicht ihr eigener: MIA – ein Zufallstreffer. Mit viereinhalb muss man nicht schreiben können, aber ihr Name reizt sie nun doch. Schon um diverse Selbstporträts (Lachgesicht, von Locken umkränzt) kennzeichnen zu können. Während Mama es zugegebenermaßen toll fände, wenn das Kind Urlaubs- und Glückwunschkarten unterschreiben könnte. Der Sechsbuchstabenname und insbesondere die Konsonanten R und C erweisen sich allerdings, wohl durch ihre asymmetrische Form, als harte Nüsse. Ein unerwarteter Vorteil für Kinder, die Mia heißen – oder Tom. Oder wenigstens Emma.

In gewissen Vornamens-Freak-Kreisen werden Mia, Mila, Mina, Lara, Lena, Lina, Lia (fast klingt es wie ein Lied) und ähnliche schon für die Kleinen einfach zu schreibenden beliebten Zweisilber übrigens als „magere Namen“ bezeichnet. Auch Selteneres wie Juna, Nela, Nika, Yara gehört dazu. Bei den Jungen sind es eher Einsilber (Finn, Tim, Jan) sowie die wunderbar in die Mädchenriege passenden Jona, Mika, Bela und Levi.

Schön klingende, unkomplizierte Namen passen eben irgendwie immer. Für Sperrigeres wie Roswitha, Merlind oder Nathaniel braucht es dieser Tage weitaus mehr Mut – und Schreibfähigkeiten. Ich wüsste gerne: Stellt es beim Kind womöglich schon gewisse Weichen, wenn die einfache Schreibweise seines Namens ihm frühe Erfolgserlebnisse beschert (gibt schon Autogramme, während Henriette und Thaddäus noch an ihrer Kinderzimmertür herumbuchstabieren)? Das wäre doch mal ein Thema für die Wissenschaft!

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 6-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

10 Kommentare zu "Das lachende A – Namen und das Schreibenlernen"

  1. Anonymous sagt:

    Wie heißt sie denn nun? Rachel? Carina? Chiara?

    • elbowin sagt:

      Hallo Anonymous,

      Annemarie hat den Namen im Interview vor 2 Monaten verraten: Aurica Selma.

      Namen mit C und R sind ziemlich ausgefallen heutzutage …

  2. Joduma sagt:

    Kleiner Tip gegen die überquellenden Mappen: Ich scanne unterdessen schöne Bilder ein und integriere sie gleich wie Fotos in die Fotobücher, die ich online gestalte. Sieht super aus (ob in Gross- oder Kleinformat).

    • annemarie sagt:

      Danke! Werde ich wohl wirklich machen, das allweihnachtliche Fotobuchprojekt wartet schon. Allerdings stehe ich dann ja wieder vor der Frage, was tun mit den Originalen? Soll ich wirklich …?! Na, mal gucken :-)

  3. Veronika sagt:

    Also, ich kann natürlich keine Aussagen über die große Mehrheit der Kinder machen und bin bestimmt nicht repräsentativ – aber ich habe mit etwas über 4 Jahren geschrieben und ALLES mit meinem Namen versehen. Und zwar dem vollständigen, keine Abkürzungen. (Ist mir gerade wieder aufgefallen, als ich meine Bilderbücher für meine Tochter entmottet habe.) Ich glaube nicht, dass Kinder, die wirklich schreiben wollen, an komplexen Namen scheitern.

  4. bianca sagt:

    huhu annemarie, ich lese ja hier auch oft. ich grüße dich mal bekannterweise…ich hab ja nen vornamenfetisch iorgendwie… hi hi.

    ich hoffe, du weisst, wer ich bin ? (eine freundin von tine und sandrine).

    lg

  5. Nina sagt:

    Lustig, dass du Roswitha als Beispiel gewählt hast, den hab ich grad vor kurzem für mich entdeckt.

    Ich fands als große Schwester mit magerem Namen immer schön, dass mein Name zu den ersten Wörtern gehörte die meine kleinen Geschwister sagen konnten. Meiner Tochter hab ich trotzdem einen Namen mit etwas mehr “Substanz” gegeben.

    • annemarie sagt:

      Ja, Roswitha gefällt mir irgendwie :-) Nicht so süßlich wie Rosalie, und trotzdem schwingt Märchenhaftes à la “Schneeweißchen & Rosenrot” mit. Allerdings würde es mich nerven, wenn der Name “Ross…” wie das Pferd gesprochen wird.

  6. Jule sagt:

    Ein HALLO von der “mageren” Front! Wir mögen’s mager und diese Schreiberfolge bei unseren Jungs waren in der Tat ein toller Einstieg zum Schreiben, Buchstabieren und Lautieren. Das Thema würde mich sehr Reizen. Vielleicht sollte ich doch noch was Wissenschaftliches erarbeiten ;-)
    Meine Mutter heißt im übrigen Roswitha und fühlte sich inmitten der Helgas, Karins und Renates eher benachteiligt mit ihrem Namen. ” Alle sagen immer Ross-witha. Die kapieren gar nicht, dass da die Rose’ drinsteckt!” , war immer ihre Klage. Jetzt mit 70 hat sie sich ein wenig damit angefreundet ;-)
    LG Jule