Allein unter Trendnamen

Allein unter Trendnamen

Jetzt bin ich schon seit fünf Monaten Referendarin *hier bitte trötendes und konfettiwerfendes Emoji einfügen* und ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Namen auf einmal gehört habe. Natürlich ist das angesichts meiner Berufswahl nicht verwunderlich. Schließlich ist die Schule neben Babygalerien und Kindergärten der Ort, um an viele Namen auf einmal zu kommen.

Also muss ich mich korrigieren. Ich hatte damit gerechnet viele Namen zu hören, aber nicht damit, dass so viele Baby- bzw. Trendnamen darunter sind, schließlich arbeite ich mit Kindern ab zehn Jahren (Mia und Ben standen da auf Platz 1). Aber nicht nur in der Schule schnappe ich Namen auf, auch auf dem Weg zum Studienseminar (das zwischen mehreren Schulen liegt), im Studienseminar und beim Einkaufen und Spazierengehen in meiner Nachbarschaft. Trendnamen überall und ich, die ich ja eher das Gegenteil eines Trendnamens habe, mittendrin.

Sehr stimmige Kombinationen

Wenn ich aus den häufigsten hier gehörten Namen Kombinationen bilden müsste, hießen meine zukünftigen Kinder Lily Katharina und Max Philipp Johann. Beides sehr stimmige Kombinationen wie ich finde. Die jeweils ersten beiden Namen gefallen mir persönlich sehr gut, die zweiten Namen würden viele als Butterkeksnamen bezeichnen. Beide Namen erfreuen sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit, wobei sich an der Schreibweise von Philipp / Philip / Phillip / Filip ja die Geister scheiden. Max und Lily sind typische Kurzformen, die einen lieben sie (ich gehöre dazu), die anderen bevorzugen die Langformen Maximilian und Lilian (wobei Lily ja auch eine Kurzform von Elisabeth sein kann).

Das Erstaunliche an den Namen ist, wie häufig sie mir begegnet sind, in der Schule und auch außerhalb. Aktuell liegen sie ja total im Trend. Lily belegt Platz 22, Max 27 und Maximilian 20. Aber „meine“ Namensträger sind alle in der weiterführenden Schule oder längst in der Berufswelt. Dennoch schreit mein namensverliebtes Gehirn jedes Mal „Babyname“, wenn ich auf Klassenlisten oder Steckbriefen (nicht nur von Schülern, wir Referendare mussten auch welche für das Seminar anfertigen) etwas über Matteo, Johann, Max, Lily, Mattes oder Pauline lese. Dabei sind Lilly / Lily / Lilli und Co. seit Anfang der 2000er in der Top 100 und Max sogar seit den 90gern, da ich aber keinen Lilys im Kinder- und Jugendalter kenne und auch nur einen Max vom Hörensagen, lese ich diese Namen immer nur auf diesem Blog und verbinde sie damit mit Babys.

Mit dem Ururgroßvater verbunden

Daher überraschte mich die Häufigkeit von Johann am meisten. Den Namen habe ich bis vor einigen Jahren nur mit meinem Ururgroßvater verbunden, aktuell befindet er sich auf Platz 50. Retro, kurz und mit der beliebte „Jo“-Silbe (Joris, Johanna, Jorik, Jonathan, Josephine) – so passt er gerade hervorragend in die Top 100. Aber war der Name auch schon vor zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren so beliebt, dass er mir so gehäuft begegnet, und meine Heimatstadt hat den Trend einfach nicht mitgemacht?

Der von Johannes stammende Name wurde Ende des 19. Jahrhundert häufig vergeben (aha, Ururopa Johann war also ein Trendnamenkind). Seine Beliebtheit (die des Namens, nicht die von Ururopa) nahm bis in die 1970er immer mehr ab. Doch dann, langsam und stetig feierte er sein Comeback und pendelte sich ab 2005 in den Top 100 ein. Die Schreibweise Johann wird dabei Johan und vor allem Yohan vorgezogen. Noch trendiger ist aber natürlich Matteo, der sich aktuell auf Platz eins befindet und der 2010 das erste Mal in den Top 100 landete. Hah, jetzt habe ich wohl doch ein paar Trendsetter entdeckt, denn der Name taucht mindestens ein Mal pro Stufe und Schule auf. Ebenso interessant ist Mattes / Mattis. Diese Matthias-Kurzformen sind nicht mehr aus den „Babynamen der Woche“ wegzudenken. Wobei Mattes aktuell „nur“ auf Platz 342 liegt, Mattis hingegen auf 77. Ich war sehr erstaunt, dass Mattis sich bereits seit 2005 in den Top 100 eingependelt hat. Aber ich lebe ja in Süddeutschland, da schwappen die norddeutschen Namensformen erst nach und nach rüber und während man im Norden an Fiete, Jonte und Janne nichts Ungewöhnliches erkennen kann, staunen einige im Süden bereits über Marieke. Daher war ich sehr überrascht wie viele norddeutsche Namen ich in den letzten Wochen gehört habe, einige zum ersten Mal.

Gut voneinander zu unterscheiden

Viele Namen habe ich auch nur während Hospitationsstunden (sowohl an meiner eigenen Schule als auch an den Schulen meiner Mitreferendare) gehört und so passierte es mir bei mehr als einer Schülerin, dass ich anstelle von Lily Julie und Billie verstanden habe, dabei sind diese zumindest auf dem Papier doch gut voneinander zu unterscheiden.

Besonders spannend finde ich den Namen Philine. Zugegeben, mit Platz 412 ist er eigentlich kein Trendname, aber er ist mir hier gleich drei Mal begegnet. Jetzt könnte man einwenden, dass es nur logisch ist neben den vielen Philipps (Philippi? Philippen?) hier auch der weiblichen Form des Namens zu begegnen. Aber Philine stammt nicht vom „Pferdefreund“ ab, wobei die Namen sich die Herkunft der ersten Silbe teilen: φίλος (philos) geliebt / lieb / freundlich bzw. φιλεῖν (philein) lieben. Spontan hätte ich den Namen „Fi-li-ne“ gesprochen, doch die eine Philine, deren Namen ich gehört habe, wurde ohne das e gesprochen „Fi-LIEN“ In den „Babynamen der Woche“ taucht der Name immer mal wieder auf: Philine Christel, Aurelia Valerika Philine, Alessia Philine. Ich prophezeie Philine einen stetigen Aufstieg, passt er doch gut in die aktuelle Namensmode: weich, feminin mit ph wie Sophia, Sophie oder Ophelia und den hellen Vokalen i und e wie bei Emilie. Außerdem reiht es sich gut neben Felina, Finja, Fiona und Philippa ein.

Möglichst viele Tastenkombinationen

Zum Schluss ist da noch ein Name, der mit in letzter Zeit (auch auf diesem Blog) gehäuft in einer ungewöhnlichen Schreibweise begegnet ist: Léo. Wieso? Spricht den Namen irgendjemand Le-O aus und soll das um jeden Preis vermieden werden? Wollen die Eltern ihre Söhne schon früh an möglichst viele Tastenkombinationen heranführen? War Leo einfach zu häufig? Oder ist dies irgendwo auf der Welt eine korrekte Schreibweise und ich habe dies ähnlich wie beim Johann-Trend einfach nicht mitbekommen? Vielleicht liegt es aber auch an der Schule, an der ich bin und Eltern mit einem ähnlichen Namensgeschmack (retro, nordisch oder trendsettermäßig) bevorzugen die gleiche Schule oder leben im gleichen Stadtteil. Ich erinnere mich daran, dass die Kinder in einem meiner ersten Praktika über alle Klassen hinweg häufig alte Namen hatten: Lene, Almut, Anton (natürlich ist der Name heute mit seinem Platz 18 überhaupt nicht ungewöhnlich, damals war ich aber sehr verwundert), also vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang. Ich werde die Sache jedenfalls genauer beobachten.

Und, lebt ihr auch allein unter Trendnamen?

19 Gedanken zu „Allein unter Trendnamen“

    • Für die Kinder in der Klasse war es normal, dass eine Mitschülerin so hieß, in der Klasse hatte jedes dritte Kind einen alten Namen, wenn Almut auch herausstach.

      Ich glaube aber, dass er ihr selbst nicht gefiel. Auf ihrem Heft hatte sie nämlich nicht ihren ersten Vornamen ausgeschrieben stehen, sondern als fiktives Beispiel: A. Luise.

      Ich weiß noch, dass der echte Zweitname meiner Meinung nach wesentlich besser zu dem kleinen Mädchen gepasst hat.

    • Man gewöhnt sich ja an alles, insbesondere im Kind- und Jugendalter. Da hatte ich noch wenig Gespür für „gängig“ oder „merkwürdig“. Das eine Margarita in meiner Stufe war, war schon hervorstechend, aber irgendwann so normal wie die retro-Greta (das ist schon paar Jahrzehnte her :/) oder ein Ahmed, Martin, Hannah…
      Eine Almut war tatsächlich auch im weiteren Umkreis der Schule dabei, genannt Almi. War auch normal.
      Insbesondere in gut durchmischen Gruppen, wo die Herkunft und der Bildungsgrad der Eltern sehr unterschiedlich ist, kommen solche gemixten Namenslisten häufiger vor.

    • wie kommt es dass Almut vielen Leuten nicht so gut gefällt? weil er ungewöhnlich endet? Alma ist gerade ein Retroname, damit können sich Leute eher anfreunden.
      oder weil man an Alm erinnert wird und am Ende klingt es wie „muht“?
      ich denke zuerst an eine sehr nette Almut und ein bisschen denke ich an den Joghurt Almighurt…

    • Ich denke, es liegt an „mut“ bzw. an dem „ut“, das alt wirkt. Deshalb gibt es ab und zu eine kleine Gerda, aber keine Gertrud, Alma anstelle von Almut und Irma anstelle von Irmtrud.

    • Almuth hätte fast meine kleine Wilhelmine geheißen.
      Wegen der Großeltern Alma und Helmut.
      Wilhelmine fand ich dann klanglich schöner, aber es war wirklich knapp zwischen Almuth, Wilhelmine, Ottilie und Marthe (wegen besten Freund Martin).
      Wilhelmine ist nun auch eine Zusammensetzung aus Willi und HELMut.
      Und mir Drittnamen heißt sie Alma. Und mit Viertnamen Martine. 🙂
      Almut(h) ist so schön und recht gängig, wenn auch für Otto Normalverbraucher ungewöhnlich. Ich kenne einige Almuts verschiedener Altersgruppen, ist ein zeitloser Namen. Gerne in evangelisch-christlichen Elternhäusern vergeben.
      Manchmal frage ich mich, ob ich den nicht doch hätte vergeben sollen. Dem Namen Ottilie trauer ich auch ziemlich nach.
      Hach, ich würde nochmal so gerne einen Namen vergeben 😉
      Vor allem einem Mädchen.
      Ottilie. Und Alfred 🙂

    • Almut ist für mich der Öko-Name schlechthin. Wenn ich an diesen Namen denke, sehe ich sofort eine Frau in Latzhose, Batik-T-Shirt und Jesuslatschen vor mir.
      Da gibt’s irgendwie auch keinen Namen, der sonst so in diese Richtung geht. Bei den Männern sind’s für mich Wieland, Friedhelm und Henning, aber bei den Frauen steht Almut in dieser Niesche ganz alleine.

  1. Lily ist schon seit Jahren im Abwärtstrend. Es ist also nicht verwunderlich mehr ältere Kinder oder junge Erwachsene mit dem Namen zu treffen als Babys.

    Der Name war mal die #5 der häufigsten Vornamen, jetzt abgestürzt auf #22.

    Max, Maximilian, Philipp, Katharina – auch alle im Abwärtstrend. Eventuell verlässt Katharina für 2022 sogar die Top 100 zum ersten Mal in Jahrzehnten (ist extrem stark gefallen).

    Für mich sind das alles eher 90er-Namen (Philipp und Katharina eher 80er) und Lily ein Name der frühen 2000er.

    Lily ist auch ein vollständiger Blumenname (Lily = Lilie, auf englisch).

    Überraschend finde ich es jetzt eher nicht. Es ist auch bekannt dass Namen erst in der Oberschicht und Mittelschicht vergeben werden und dann nach unten rutschen. Wenn man sich eher in der Mittelschicht bewegt dann sind in den 90ern geborene Lilys, Emmas, Leons etc. keine Seltenheit.

    Einige Namen kommen in bestimmten Bubbles (z.B. unter Akademikern oder in bestimmten Stadtteilen) öfter vor. Kenne z.B. auch mehrere Mädchen namens Hedi, alle aus Berlin und diesen Kreisen und in den letten 5 Jahren geboren. So würde ich Philine auch einschätzen.

    Léo ist einfach die korrekte französische Schreibweise. Das é sagt nicht aus auf welche Silbe der Name betont wird sondern verlängert das e nur 😉

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    • Ich stimme zu.

      Die meisten der oben genannten Namen kamen in meiner Generation (Jahrgang 92) oder kurz danach wieder auf.

      Das erklärt auch vielleicht, warum die Namen wieder im Abwärtstrend sind. Das sind teilweise schon die Namen der Elterngeneration.

    • Trendname bedeutet für mich, Namen, die in den Top 50 sind, wie bei Lily und Max schon seit Jahrzehnten. Ich persönlich kannte aber keine Jugendlichen mit diesem Namen, sondern nur Babys. Dass die Namen erste heute modern sind, habe ich damit nicht gesagt, nur dass sie hier -anders als in meiner Heimatstadt- sehr häufig sind.

      Die Johanns, Matteos und Co sind ihrer Zeit da eher voraus.

      Unter Trendnamem gibt es wohl auch Klassiker und Modenamen, in den Top 100 stehen sie beide 🙂

    • Oh ja, kenne auch viele kleine Hedis unter 5 Jahren. Alle aus MeckPomm und Berlin.
      Ein paar Hedwigs kenne ich auch, die älteste ist sogar erwachsen und ihrer Zeit voraus.

  2. Wenn ich eine neue Klasse bekomme, interessiert mich immer eine Frage: gibt es Schüler/innen, deren Namen wirklich aus dem gängigen Modeschema herausfallen? Und die Antwort ist meistens entweder: Nein, kein einziger Name in dieser Klasse fällt aus dem Modeschema heraus, oder es ist nur ein einziger Name darunter, bei dem das der Fall ist (Beispiel: Franz). Da sitzen Lea und Tabea nebeneinander, dann sind da Lia und Emilia und Emily und Amelie und Emma, dann noch Leon, Ben, Luis, Jonathan, Jonah, Josia, Noah, Elias, Aaron, lauter Hiate und helle Vokale, viel L und J als Anfangsbuchstaben, viel Hebräisches bei den Jungs, alles unheimlich ähnlich. Da freu ich mich echt, wenn’s Mal so was wie einen Franz gibt, aber in jeder Klasse ist höchstens ein solcher Name.

    Ich träume von einer Klasse, in der die Mechthild neben der Kreszentia sitzt, und dann sind da der Hans und der Ernst und auch noch der Christoph, und die Ruth und die Hedwig…. Knackigere, konsonantenreichere Namen, mit einem guten Anteil altdeutscher Namen, das wäre was…. Ich kannte mal einen in Deutschland geborenen Koreaner, dessen Eltern ihn Jürgen genannt hatten–das fand ich richtig cool.

    Was meinen Namen, Mark, angeht, der liegt gerade nicht im Trend, natürlich, war aber in meiner eigenen Generation häufig. Der Kollege, der im Leherzimmer neben mir sitzt, heißt Markus. Als Einsilber und internationaler Name ist Mark ja immer noch nicht total aus dem heutigen Schema raus–aber er hört sich schon kantiger an als die meisten heutigen Namen (Max und Fritz mal ausgenommen) und ist neutestamentlich, was auch ungewöhnlich ist (Altes Testament ist ja gerade in). Meine beiden Söhne haben übrigens beide griechische, neutestamentliche Vornamen.

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    • Dann würde es dir an meiner Schule gefallen, es gibt viele außergewöhnliche Name, die ich aber aufgrund dieser Ungewöhnlichkeit nicht erwähnen kann. Aber einige der Namen aus deiner Wunschliste sind dabei 🙂

  3. Ich bin während der Schule und Studium auf Reinhold, Heike und Jutta gestoßen. Diese Namen waren ein oder zwei Generationen vor mir in.

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    • Ich habe mit einem Karsten studiert, was ich sehr ungewöhnlich fand.

      Reinhold ist wirklich sehr aus der Zeit gefallen.

      Mir ist letzter Jahr eine etwa zehnjährige Sandra begegnet (außerhalb des schulischen Kontextes).

    • Reinhold gefällt mir. auch Reinhard. das sind ordentliche Namen, mit denen kommt man gut durchs Leben. es sind sogar deutsche Namen, das ist auch mal was Anderes als die international wirkenden Kindernamen überall.
      ich kenne einen 35 jährigen Ulrich, das finde ich auch schön.

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