Januar 2022: Gili, Avina und mehr

Auch im neuen Jahr bleibe ich meiner Angewohnheit treu: Namen, die mir über den Weg laufen und über die ich sonst nur kurz nachgedacht und sie dann wieder vergessen hätte, fürs Blog notieren und kommentieren. Meine zehn Fundstücke des Monats:

Gili (f) * Avina * Taylor-Joy * Stehalus * Nantke * Pitt * Clavigo * Vanna * Ilko * Fenimore (m)

Annemaries Namen des Monats

Aus dem Corona-Umfeld: Gili und Nantke

Professor Gili Regev ist mir in Berichten über Corona-Studien in Israel aufgefallen, und ich musste kurz herumsuchen, um herauszufinden, dass es sich um eine Frau handelt. Wikipedia zufolge war meine Verunsicherung berechtigt: Gili („meine Freude“) ist unisex. Streicht man allerdings das zweite i, wie bei Gil Ofarim, entsteht ein Männername, der von Gilbert, Gilead oder auch Ägidius hergeleitet werden kann. Auch auf Nantke bin ich im Zusammenhang mit der Pandemie gestoßen: Eine junge Journalistin, die öfter darüber schreibt, heißt so – und dürfte aus Ostfriesland stammen. Ihr Name gehört jedenfalls zu jenen, denen man die Verwurzelung in einer bestimmten Region deutlich anhört.

Mit V: Clavigo, Vanna und Avina

Clavigo ist mir im neuesten Kerstin-Gier-Schmöker untergekommen. Dass auch die Titelfigur eines Trauerspiels von Goethe so heißt („Ihr letztes Wort war dein unglücklicher Name!“), war bisher an mir vorbeigegangen. Vanna Olivieri – eigentlich Arlette Anna Biasini – wirkte bei dem Film „Drei Männer im Schnee“ von 1955 mit, den ich mir neulich angesehen habe; ihr Künstler-Vorname kommt über Giovanna von Johanna. Und Avina ist mir in einer Familienanzeige begegnet. Woher dieser Name stammt? Großes Fragezeichen. Google spuckt aus: althochdeutsch („große Kämpferin“), persisch („klar“), kurdisch („Liebe“) und dass es sich um ein Kürzel von Avelina handeln könnte. Jedenfalls – und ohne dass das in eine bestimmte Richtung weisen würde – tragen die Eltern von Fund-Avina typisch deutsche Vornamen.

Fast Vornamen: Stehalus und Taylor-Joy

Stehalus

Das musste ja passieren: Ich beschäftige mich so viel mit Namen, dass ich jetzt von Eltern geträumt habe, die mir ihre auf einem Post-it notierte Namensidee für einen Jungen präsentiert haben. Stehalus eben, „eine Kurzform von Stehhaltus“. Totaler Nonsens. Hat hier noch schon mal jemand von einem Namen geträumt, den es gar nicht gibt – und ihn vielleicht sogar vergeben? Ja, und TaylorJoy  ist zwar deutlich namiger, in diesem Fall aber trotzdem kein Vorname: Die argentinisch-britische Schauspielerin Anya Taylor-Joy heißt so mit Nachnamen. Ganz schön viele Ypsilons! Wie zur Abmilderung trägt die 25-Jährige noch weitere Vornamen: Josephine und Marie.

Adel verpflichtet: Pitt und Fenimore

Bestimmt gibt es viele Leute mit „von“ und dazu womöglich „Gräfin“ oder „Freiherr“ im Namen, die Sabine und Thomas heißen. Oder Mia und Ben. Ich finde allerdings, dass die Kombination „Seltener Vorname“ plus adeliger (oder adelig wirkender) Nachname, wenn man sie denn mal trifft, gleich viel mehr ins Auge sticht. So ist mir in diesem Monat der Name des Journalisten Pitt von Bebenburg aufgefallen – ich kannte vorher nur Pit. Bei jüngeren Pitts würde ich mich ja fragen, ob die Schwester Jolie heißt … Deutlich spektakulärer tritt Fenimore auf. Ein Freiherr mit diesem Vornamen ist mir als Jurist in den Medien begegnet. Ob seine Eltern wohl die Indianer- und Seefahrts-Romane von James Fenimore Cooper geliebt haben? Interessant: Der 1789 geborene amerikanische Schriftsteller fügte Fenimore – den Mädchennamen seiner Mutter – seinem Namen erst mit 37 Jahren hinzu. Nach diesem Muster würde ich Annemarie Mollhagen Lüning heißen.

Übrigens: Ilko

Dass ich Menschen, denen ich über Online-Flohmärkte Sachen verkauft habe, auf ihre Vornamen angesprochen habe, gab es schon öfter, die Namensbloggerin schläft eben nie. Diesmal war es aber andersherum: Eine Frau, der ich etwas verkauft habe, hat mich erkannt als „die von beliebte-vornamen.de“ – witzig! An unseren kleinen Handel schloss sich dann ein Plausch über den seltenen Namen ihres Sohnes an: die Elias-Variante Ilko. Lieben Gruß noch mal!


38 Gedanken zu „Januar 2022: Gili, Avina und mehr“

  1. Ich mag die Reihe.

    Ich dachte vor Kurzem auch, dass Anya Taylor-Joy in Prinzip drei Vornamen hat, man beachte, dass überall ein y ist.

    Joy gefällt mir tatsächlich gut. „Freude“ ist eine schöne Bedeutung.

    Avina (oder wie die Autokorrektur wünscht Alina und Stina) finde ich hübsch. Ich mag weiche Mädchennamen, die auf ina enden. Adelina finde ich auch sehr hübsch.

    Ich wäre nie darauf gekommen, dass Ilko von Elias kommt.

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  2. Ich träume manchmal, dass mir mein neues Haustier seinen Namen verrät und so nenne ich das dann auch. (ich halte Hamster und habe daher immer mal einen Neuen)
    Und dann war ich schwanger und wollte meinen Bauchzwerg den schönen Namen Eleanor geben, bis ich träumte, wie mir das Baby ihren Namen verriet. Ja und so heißt sie nun nicht Eleanor.
    Aber ich denke mein Unterbewusstsein arbeitet im Traum und sagt mir dann, welchen Namen ich eigentlich will.

    Mein Fundstück des Monats ist aber Bode (Bodi gesprochen) aus der Serie Locke and Key. Ich mag die Schreibweise nicht, aber mag die Aussprache. Die Schwester von Bode trägt den Namen Kinsey, welcher mir auch unbekannt war.

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  3. Mir letzte Woche in der Zeitung begegnet – ich habe zweimal hingeschaut und mich vergewissert, dass es weder ein Druckfehler ist noch ich mich verschaut habe:

    Dörg (die Autokorrektur mag ihn auch nicht…)

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  4. Gili
    … ist auch eine Figur in der Zeichentrickserie „Bing“ und dort lustigerweise auch eine recht androgyne Eisverkäuferin(?), zumindest klingt ihre Stimme im englischen Original eher weiblich. Jedenfalls ist sie bei den Kinderfiguren der Serie natürlich sehr beliebt 😉

    Xiomara
    … ist mir auch aufgefallen diese Woche 🙂 und war auch schon mal in den Babynamen der Woche. Damals hatte @Mark recherchiert, dass es wohl vom westgotischen Namen Wigmar abgeleitet ist.

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  5. Moin,
    die Idee von diesem Blog finde ich klasse.
    Hilfreich für eine gute Namensfindung, gut, dass seltene Namen angeboten werden.
    Namen wie Hillrich und Ulfert werden immer seltener. Warum ?

    Alles herzlichst Gute

    Wollefi

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    • Die Namen Hillrich und Ulfert sind schon seit mindestens 130 Jahren sehr selten, da hat sich in letzter Zeit nichts geändert.

  6. Meine Schätze aus Januar 2022

    * Sophocles – Mitautor eines aktuellen Fachartikels aus den Neurowissenschaften
    * Annegert – Annegert Fuchshuber. Hier habe ich mehrmals hinschauen müssen. Ist hier ein Buchstabendreher drin? Sollte das vielleicht Annegret heissen? Aber nein, die Autorin und Illustratorin wird genau so geschrieben.
    * Marja – Marja Baseler, Autorin von «die Kackwurstfabrik», wird vermutlich genauso gesprochen wie Maia, Maja und Maya oder doch eher wie Maria, nur etwas zusammengezogen und mit betontem R?
    * Afrem – dieser Name ist mir womöglich vorher auch schon untergekommen, wirkte jedoch unbekannt und doch nicht fremd. Erinnert an Ephraim mit einem Hauch von Adam.
    * Flavien & Flavian – nach langer Recherche: beide männlich
    * Gaudenz – wie Lorenz oder Laurenz
    * Kühnemund – Held eines aktuellen Kinderbuchs, das im Mittelalter spielt
    * Tame Impala – als ich Tame Impala im Radio hörte, fragte ich mich bei der Stimme bereits, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Der Name brachte keinen Aufschluss. Es stellte sich heraus, dass das der Name der Band war und der Sänger heisst Kevin. Aha! Und in der Band gibt es ausserdem:
    * Dom – Dom Simper, Gitarrist von Tame Impala, eigentlich Dominic.
    * Rosanna – ist mir auf Deutsch noch nie begegnet
    * Brix – spannend
    * Esme – Dame aus den Niederlanden
    * Friederik – Es gab doch diese Frieder-Diskussion. Hier taucht er plötzlich wieder auf. Eigentlich als Nachname. Diese Variante finde ich bedeutend schöner als Frederik, mit dem ich mich kaum anfreunden mag.
    * Tonia – Tonia Maria Zindel, schweizer Schauspielerin. Es erinnert an Tanja, ist aber vermutlich die Kurzform von Antonia. Da fragt man sich nach der Aussprache: 2 oder 3 Silben?
    * Ebi – Ebi Naumann, Autor. Na, was meint ihr? Vermutlich eine Kurzform, ich habe nichts gefunden. Es handelt sich um einen Mann.
    * Andrina/ Audrina – ich kann meine Schrift nicht mehr lesen. Das nächste Mal geh ich direkt digital.
    * Jostein – Jostein Gaarder, der Autor von «Sofies Welt», über seinen Namen hatte ich vorher nie nachgedacht. Kommt er von Jost oder eher von Stein? Ich hatte immer Jo-Stein gesagt, aber das ist vermutlich falsch.
    * Tama – kurz für Tamara?
    * Philibert – das klingt doch nett.
    * Phryne – so heisst eine australische Fernsehfigur. Ich hatte immer Franny verstanden, aber sie spricht sich (bei deutscher Synchronisation, aber mit engl. R) Freini. Diesen Namen finde ich ganz entzückend. Ein Wort, das ich selten gebrauche, hier aber sehr passend finde.
    * Fola – Fola Evans-Akingbola, junge britische Schauspielerin
    * Sibongile – eine Schauspielkollegin von Fola. Aussprache?
    * Birla – eigentlich ganz nett
    * Drenusha – ich muss mir meine Quellen notieren!
    * Wido, Witiko, Wito
    * Sileno – Sileno Cheloni, Meister Parfümeur aus Florenz
    * Eurídice & Guida – zwei Figuren eines brasilianischen Filmes. Aussprache: eu-‘RI-diß-e (Betonung auf der 2. Silbe) und Gi-da, wie Guido nur mit A. Guida find ich richtig gut!

    Mut, mutig – das ist doch unisex. Wird die Endung «-mut» eigentlich männlich oder weiblich vergeben? Ein paar mir unbekannte Varianten:
    * Freimut – männlich
    * Frohmut – unisex
    * Adelmut – weiblich
    * Edelmut – habe ich vergeblich gesucht, fänd ich aber schön.
    * Edelwald – männlich
    * Edel – weiblich

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    • Phyrne- ich kenne den Namen auch durch „Miss Fisher“. Ich habe anfangs auch immer Franny verstanden. Noch verwunderter war ich aber über den Namen ihrer Schwester: Jane. Dass passt überhaupt nicht zusammen.

    • Ebi ist wahrscheinlich ein Eberhard, jedenfalls kenne ich persönlich einen, bei dem es so ist.

    • Philibert mit ph, das tut in den Augen weh, (etwa wie Pholker oder Phrederik). Filibert ist letzlich ein germanischer Name und da ist nichts Griechisches drin, der erste Teil ist mit dem neuhochdeitschen Wort „viel“ verwandt.

    • Ich hätte bei Philibert an eine Verschmelzung von Philipp und Heribert gedacht.

      Eine sehr irritierende Schreibweise, die ich vor Kurzem gesehen habe, war Noha.

    • Ein Philibert kommt in dem Buch vor, das ich gerade lese: „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda.

      Bei Tonia denke ich an Tonya von „Dr. Schiwago“.

    • @Annemarie: Zu Tonya fällt mir die amerikanische Eiskunstläuferin Tonya Harding ein, die versucht hatte, ihre Konkurrentin mit einem Schlag aufs Knie ausschalten zu lassen.

  7. Hadmute und Reinmut sind mir irgendwo schon einmal untergekommen.
    Wegen Anne hätte ich auch auf eine weibliche Annegert getippt, bin seit der Lektüre skandinavischer Mädchenbücher aus den 50ern aber etwas vorsichtig. Inge war männlich und Gert weiblich.
    Anne hat mich trotzdem aufs Glatteis geführt: Anne de Vries ist Verfasser einer weit verbreiteten Kinderbibel und war Niederländer.

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    • Ich kenne nur Hadumod. Als Studentin dachte ich, H. Bußmann sei ein Mann, aber nein, das „Lexikon der Sprachwissenschaft“ stammt von einer Frau.

  8. Zu Tonia:
    Den Namen würde ich mit langem geschlossenem o sprechen, also wie Antonia ohne an.

    Tonja würde ich mit kurzem offenem o sprechen, also wie Sonja.

    Mir ist mal eine Tonija begegnet, die Tonnja gesprochen wurde.

    Tonya Harding wurde meiner Erinnerung nach etwa Tounia ausgesprochen.

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  9. Meine Fundstücke der letzten Wochen:

    Lea-Lina – Autorin der Klassenlektüre meiner Tochter

    Anne-Ev – Autorin eines Jugendbuchs, das meine Tochter zu Weihnachten bekommen hat

    Barb – Name einer Ärztin auf einem Praxisschild

    Und der schön erwähnte

    Dörg – aus der Zeitung

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    • Lea-Lina könnte auch aus den Babynamen der Woche stammen.

      Meine Namen der Woche

      Onno- habe ich auf einem Steckbrief gelesen.

      Ikarus- von dem wurde mir aber nur berichtet, persönlich bin ich ihm nicht begegnet.

      Theophanu- eine Äbtissin aus dem 11. Jahrhundert, habe ich beim Stöbern auf Wikipedia entdeckt.

  10. „Lea-Lina könnte auch aus den Babynamen der Woche stammen.“

    Der Gedanke kam mir auch schon.
    Die Autorin ist 1998 geboren und das Buch heißt „Was wir dachten, was wir taten“. Ein Roman über einen Amoklauf in einer Schule.

    Onno ist glaube ich eine friesischen Kurzform von althochdeutschen Namen mit „Ot-“

    Theophanu erinnere ich mich, glaube ich, aus dem Geschichtsunterricht. Hatte urgendwas mit einem Kaiser Otto zu tun, wenn ich mich recht entsinne.

    Ikarus kommt aus der Griechischen Mythologie – wollte hoch hinaus und ist über dem Meer abgestürzt.

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    • Mir ist vor einigen Monaten mal Theofania als Vorname einer offenbar griechischstämmigen Kundin begegnet. Er bedeutet „Erscheinung Gottes“. Die betreffende Kundin hatte dazu auch noch einen sehr religiös klingenden Nachnamen – ich glaube, sie hieß Sotiriadou, was meiner Meinung nach etwas mit dem Erlöser zu tun hat. Der Name ist bei mir hängen geblieben, weil ich ihn als schönes Gesamtkunstwerk empfunden habe.

    • Maria Theresias Link ist genau der Artikel, den ich gelesen habe. Kaiser Otto taucht auch auf 🙂

      Dass lustige an Ikarus ist, dass ich den Ikarusstoff in Deutsch mit meiner Klasse behandelt habe und mir dann von einem echten Ikarus erzählt wurde. Vor Jahren habe ich mal über einen Mann namens Adonis gelesen, da war ich genauso verblüfft.

      Zu Lea-Lina ich gehe mit. Heute in einer Geburtstagsanzeige gratulierte vermutlich die Enkelin Lina-Lou.

    • „Ein paar Klassen über mir gab es seinerzeit eine Ariane von Falk.en.ried. Und sie hatte auch noch blaue Augen und blonde Rauschgoldlocken. Sowas vergisst man nicht.“

      Klingt wie aus einem Kitschroman!

  11. „Der Name ist bei mir hängen geblieben, weil ich ihn als schönes Gesamtkunstwerk empfunden habe.“

    Das ist mir auch schon mit manchen Namen so gegangen.
    Zwei besonders schöne Fundstücke, die zu deinem Beitrag passen, da auch mit religiösem Bezug:

    Angelika Lobgesang
    Und etwas ähnliches auf Italienisch:
    Celeste Serafini

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    • Gesamtkunstwerke sind wirklich immer sehr schön. Obwohl mir spontan keine Nameskombi einfällt, die ich aus dem echten Leben kenne.

    • Ein paar Klassen über mir gab es seinerzeit eine Ariane von Falk.en.ried. Und sie hatte auch noch blaue Augen und blonde Rauschgoldlocken. Sowas vergisst man nicht.

    • In meiner Schule gab es einen Jungen namens Björn B.üchsens.chütz.
      Ich finde das grandios.
      Nicht nur haben seine Eltern aus seinem Namen eine Alliteration gemacht, sie haben ihm zu den zwei Umlauten, die er im Nachnamen bereits hatte, vorne einen dritten gegeben. Das hätte man nur mit einem Zweitnamen wie Bärtram toppen können.

  12. Ich habe gerade viel mit Frauen zu tun.
    Alleine dieses WE:
    Thekla
    Armine
    Lioba
    Rabea
    Mariola
    Cathleen

    Es waren tatsächlich wenige 0815 Namen unterwegs. Fand ich spannend.

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