Babynamen von 1880 – Einige Kombinationen klingen wirklich vertraut!

Babynamen von 1880

Ich hatte vor einiger Zeit über die 14 Kinder der Maria Josepha und ihren 90 Namen geschrieben (was soll ich sagen, ich liebe lange Namenslisten). Dieses Mal dachte ich mir, nutze ich doch meine Quellen, die mir dank der Ahnenforschung offenstehen, und schaue mir mal selbst einige Geburtsregister aus zwei deutschen Städten an. Ich musste nicht nur feststellen, dass sich nicht nur die Handschriften, sondern auch die Namen von Region zu Region stark unterscheiden. Die Geburtsregister zeigen dabei so viel mehr als eine Reihe von Namen. Manchmal kann man ein ganzes Leben damit verfolgen, wann eine Person geheiratet hat, wann sie verstorben ist. Durch die Dokumente sieht man stellenweise auch die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Dann ist eingetragen, dass die Namen Sara und Israel fortan zu tragen waren. Ich dachte, warum auch immer, dass die stigmatisierenden Namen nur im Ausweis standen, dass sie sogar ins Geburtsregister eingetragen wurden, war mir neu. Bei genauerem Nachdenken ist dies logisch, die Namen in einem Ausweis müssen ja mit dem Namen aus der Geburtsurkunde übereinstimmen, vielleicht macht es das alles noch verachtenswerter. Nach dem Krieg wurden diese erzwungenen Zweitbenennungen durch das Gesetz wieder gelöscht, dies geschah stellenweise aber zeitverzögert (1948 und 1955 sind mir ins Auge gesprungen).

Marie und Sophie schon damals beliebte Zweitnamen

Das Register ist aber auch ein Zeugnis für die Kaiserzeit, wenn am Rande vermerkt ist, dass das uneheliche Kind nun doch von seinem Vater anerkannt wurde (manchmal erst nach Jahren, aber hey, eben mal schnell nach jemanden googlen war damals noch nicht möglich gewesen und wenn man den Namen des Kindes beim ersten Mal nicht richtig nennen kann, was solls).
Nun aber zurück zu den Namen: Marie, Maria, Louise und Sophie wurden damals schon gerne als Zweit- oder Drittname vergeben, gerne auch in der Kombination Marie Sophie. Weitere beliebte Zweitnamen waren Anna, Elisabeth und Margarethe, die auch 2020 unter den Top 100 der beliebtesten Zweitnamen waren. Bei den Zweit- und Drittnamen der Jungen gibt es zu den heutigen Zweitnamen mit Carl und Wilhelm zwar ebenfalls zwei Namen aus den Top 100, doch dann gibt es auch Namen wie Heinrich, Wilhelm, Alfred oder August (gerne auch eine Kombination davon).

Dafür, dass die Namen 141 Jahre alt sind, klingen einige Kombinationen wirklich vertraut: Emil Hugo und Emma Marie könnten auch in den aktuellen Babynamen der Woche stehen. Erstaunt war ich auch über die mehrfache Vergabe der Namen Caesar, Erdmann und Ermuthe, für die ich je ein Beispiel herausgesucht habe. Erdmuthe stammt übrigens von dem althochdeutschen erda („Erde“) und muot („Sinn, Gemüt, Geist“) und war im 18. Jahrhundert recht beliebt, da waren die Eltern meiner Erdmuthen doch etwas spät dran.

Geburtsregister aus zwei deutschen Städten

Nun dürft ihr aber in Namen schwelgen und mir verraten, in welchen Städten die Babys geboren wurden:

Babynamen A

  • Philomene
  • Karline
  • Amalie Minna
  • Gitella
  • Caesar Oscar
  • Emma Maria Rosa
  • Jette
  • Emil Hugo
  • William Henry
  • Elsa Elisabeth Catharina
  • Carl August Dorotheus Johannes
  • Wilhelm Heinrich Ernst Hans
  • Erdman Karl Martin
  • Mary Johanne Dora
  • Elsabe Helene Friederike
  • Peter Max Ernst Jens
  • John
  • Gesche Friederike Sophie
  • Ferdinande Auguste Julchen
  • Emmy Martha Frieda
  • Auguste Margarethe Siegmunda
  • Adolphine Goldine
  • Mathilde Harriet
  • Emma Hedwig Hannchen
  • Felix Fritz Ludwig

Babynamen B

  • Fritz
  • Wanda
  • Martha Hedwig Antonie
  • Friedrich Wilhelm
  • Otto Franz Robert
  • Marie Auguste
  • Louise Anna Helene
  • Frieda Clara Florentine
  • Wilhelmine Emma
  • Albert Wilhelm Richard
  • Elwira Ida Henriette
  • Anna Pauline Erdmuthe
  • Paul Albert Alfred
  • Carl Otto Paul
  • Alexander Ewald Gustav Max
  • Mathilde Martha Emma
  • Carl Emil
  • Wilhelm Roman Otto
  • Anna Emilie
  • Julius Heinrich
  • Emma Marie
  • Theodor Herman Louis
  • Louise Amalie Auguste
  • Fritz Otto
  • Helene Therese

16 Gedanken zu „Babynamen von 1880 – Einige Kombinationen klingen wirklich vertraut!“

  1. Als Tipp, für diejenigen, die sich das auf dem Handy durchlesen: dieses bitte queer halten, dann sind die stellenweise viernamigen Kombination in voller Länge zu genießen (mein Handy ist da im Längsformat ein wenig überfordert 😉 ).

    Meine Lieblingskombis sind für A: William Henry und Emma Maria Rosa und wenn ich es umdrehen darf Minna Amalie
    B: Louise Amalie Auguste, Anna Emilie und Julius Heinrich

    Weiterhin viel Spaß beim Raten 🙂

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  2. denke A könnte Hamburg sein. Harriet, John, Henry, Mary, Jens, Jette klingt einerseits nordisch und gleichzeitig englisch. Klaas hat das doch immer als Erklärung gebracht, dass Hamburg als Hansestadt internationale Kontakte hatte und die Leute dann auch manchmal englische Namen hatten.
    Gitella könnte auch eine neue Kreation von heute sein. Erinnert ein bisschen an Gisela, aber auch an Gitarre.

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    • Zu Gitella habe ich leider nichts Vernünftiges gefunden. Zwei Namensseiten meinem, der Name bedeute „Göttin“, aber seriöse Quellen sind da etwas anderes. Alle anderen Seiten verweisen auf Gisela/Gisella

  3. Babynamen A: Es sind viele englische Namen dabei (John, William, Henry, Mary, Harriet), einige vermutlich jüdische (Gitella, Goldine) und typisch norddeutsche (Elsabe, Gesche, Jens). Aber auch nicht zu friesisch (Koseformen mit -chen statt -ke). Könnte für eine Hansestadt sprechen.
    -> Hamburg?

    Babynamen B: Nichts Regional-Mundartliches, aber relativ viele französische Namen (Marie, Louise, Louis, Florentine, Henriette). Wanda sticht als slawischer Name etwas heraus. Typisch katholische Heiligennamen sind nicht so stark vertreten. Also vlt eine Großstadt irgendwo im evangelischen Südwestdeutschland.
    -> Stuttgart?

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  4. Also, A würde ich in der norddeutschen Tiefebene verorten – England-Bezug, typisch lutherische Namen wie Erdmann als Eindeutschung von Adam, Elsabe als mundfaul-norddeutsche Elisabeth-Variante, Movierung von typischen Frauennamen ins männliche (Dorotheus). Also Hannover, Bremen oder Hamburg …

    B sieht seltsam aus: Irgendwie solide, up-to-date und gleichzeitig sehr standardisiert. Tippe auf Berlin.

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    • Noch ein Tipp zu A: Altona würde perfekt passen, war damals noch eine selbständige Großstadt und kam erst 1937 zu Hamburg.

  5. Ohne Frage die meisten Namen würden bzw. werden auch heute so vergeben, mit ein paar Ausnahmen.

    Die für mich stimmigsten vergebenen Namenkombis:
    Emma Maria Rosa
    William Henry
    Elsa Elisabeth Catharina
    Carl August Johannes (den Drittnamen hab ich rausgenommen)
    Emmy Martha Frieda
    Friedrich Wilhelm
    Otto Franz (den Drittnamen hab ich rausgenommen)
    Louise Anna Helene
    Frieda Clara Florentine
    Wilhelmine Emma
    Albert Wilhelm Richard
    Ida Henriette (ohne Elvira vorne dran)
    Anna Pauline (den Drittnamen hab ich mal rausgenommen)
    Paul Albert Alfred (aber lieber nur Alfred oder nur Albert angehängt)
    Alexander Gustav Max (den Zweitnamen hab ich rausgenommen)
    Carl Otto Paul
    Carl Emil
    Anna Emilie
    Julius Heinrich
    Emma Marie
    Helene Therese
    Theodor Louis (den Zweitnamen hab ich rausgenommen)
    Louise Amalie Auguste (den Drittnamen hab ich rausgenommen)

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  6. A definitiv Norddeutsch, schließe mich elbowin an und sage Altona. B klingt für mich durch Fritz Otto nach Berliner Ecke. Ich tippe auf Spandau, gehört erst seit 1920 zu Berlin.

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  7. A eindeutig norddeutsch, also Altona, Hamburg oder evtl. auch Bremen.
    B ist schwieriger zu verorten, ich tendiere zu Berlin oder Spandau oder Potsdam, könnte aber auch Frankfurt am Main sein.
    Bis auf Helene Therese, die im München von damals nicht weiter aufgefallen wäre, sind viele für Süddeutschland damals unübliche Namen dabei.

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  8. Es ist so weit (Trommelwirbel bittet):
    Babynamen A stammen aus Hamburg.
    Babynamen B aus Berlin.

    Nächstes Mal muss ich es vielleicht schwieriger machen 😉

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