Ist der Vorname Linnea rassistisch?

Ganz hübsch, so ein Moosglöckchen, oder? Kein Wunder, dass es die Lieblingsblume des schwedischen Botanikers Carl von Linné (1707 – 1778)war. Auf diesem bekannten Portrait des Superstars der Pflanzenforschung trägt er das Moosglöcken sogar am Revers:

Carl_von_Linné

Linné schuf unter anderem die Grundlage für das bis heute übliche wissenschaftliche System zur Benennung von Tieren und Pflanzen. Im Fall des Moosglöckchens lautet dieser botanische Name Linnaea borealis – und es ist kein Zufall, dass da Linn drin steckt, denn tatsächlich wurde die Blume zu Ehren des schwedischen Wissenschaftlers so benannt.

Somit gehört auch der schwedische Vorname Linnea zu den vielen schönen Mädchennamen, die vom Namen einer Pflanze inspiriert wurden. Oder vom Namen des Naturforschers? Weil man das nicht trennen kann, würde ich den Vornamen Linnea auf keinen Fall vergeben, denn Carl von Linné hatte auch eine dunkle Seite: Er kategorisierte nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Menschen. Er war der erste, der Menschen nach ihrer Herkunft systematisch in Rassen einteilte und den Rassen typische Farben, Körperhaltungen und Temperamente zuordnete. Die irrsinnige* Theorie von den weißen Europäern, schwarzen Afrikanern, roten Amerikanern und gelben Asiaten stammt von Carl von Linné. Als einer der Urheber der Rassenlehre hat er viel Leid und Unheil begründet. Wenn ich den Namen Linnea höre, muss ich immer daran denken. Keine Sorge, ich halte nicht alle Linneas und deren Eltern für Rassisten, schließlich war dieser Zusammenhang bisher nicht so bekannt**. Aber mag nach der Lektüre dieses Beitrags noch jemand diesen Vornamen vergeben?

*Warum irsinnig? Stell dir vor, du kaufst im Baumarkt weiße, schwarze, rote und gelbe Farbe und die Farbtöne entsprechen denen der Hautfarben von Menschen aus Europa, Afrika, Amerika und Asien. Irrsinnig, oder?

** Ich habe das von der Journalistin Alice Hasters im Podcast Durch die Gegend erfahren und anschließend auch in ihrem Buch Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen gelesen.

30 Gedanken zu „Ist der Vorname Linnea rassistisch?“

  1. Linné war mir bis jetzt nur als Botaniker benannt. Das er ein Rassist war, wusste ich nicht. Die widerliche Denkweise des Namensgebers ist definitiv ein Argument den Namen nicht zu vergeben. Der Gedanke, dass einige Menschen anderen überlegen sein, einzig aufgrund des Melaninanteils in der Haut, ist einfach bescheuert und krank.

    Ich mochte Linnea bis jetzt immer sehr gerne (Blumennamen finde ich im Allgemeinen sehr schön) , weil er weich und feminin klingt, aber doch nicht so zuckersüß wie Rosalie. Abgesehen davon mag ich Moosglöckchen und hätte den Namen auch darauf zurückgeführt, dies könnte man als Argument für den Namen sehen. Man nennt seine Tochter nach der Blume und nicht nach dem Rassiten.

    Dann spukt mir noch ein Gedanke im Kopf herum:

    Wenn man seine Tochter nicht Linnea nennen sollte, darf man seinen Sohn Carl nennen? So hieß Linné ja mit Vornamen.
    Ich bin auch nicht dafür sein Kind Amon zu nennen, weil der Name so vorbelastet ist und man es seinen Sohn nicht antun sollte, wie ein Nazi- Massenmörder zu heißen.

    Durch die Blumenbezeichnung finde ich die Entscheidung bei Linnea ein Tick schwieriger.
    Die Frage ist dann, auf was man mehr Wert legt (ähnlich wie bei Lilith) Klang oder geschichtlicher und in diesem Fall damit verbunden rassischer Hintergrund.

    Wie seht ihr das?

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    • Ich würde denken, dass Carl noch mehr Namensvetter hat, und Linné da nicht groß hervorsticht. Also ist Carl für mich eine andere Nummer.

      Linnea ist da schwieriger – man könnte es nur auf die Blume zurückführen, dann ist man fein raus. Dass die Blume ja auch schon nach ernannt wurde ist dann wiederum das Zünglein an der Waage, welches jeder selber bewerten muss. Ich finde alles ok.

      Nervig finde ich für mich nur Eltern, die Kindern Namen mitgeben, deren Bedeutung und Historie ihnen unbekannt ist. Wenn sie ihnen egal ist, wäre mir das noch lieber als Unwissenheit bzw. Ignoranz für ein bisschen Recherche. Wir sind ja nicht mehr im Brockhaus- sondern im Google-Zeitalter. Da sollte man den Namen doch wenigstens einmal gesucht haben. Und wenn man dann entscheidet, dass die Bedeutung oder Historie nicht so wichtig ist: Bitte.

    • Männer namens Carl gab und gibt es viele, so dass die Verbindung zu einem bestimmten Carl in den Hintergrund tritt.
      Besonders an Linnea ist, dass es den Vornamen ohne Carl von Linné nicht geben würde. Der Name geht ja wirklich direkt auf diesen Menschen zurück, was sehr ungewöhnlich ist, aber den Vornamen auch sehr interessant macht. Weil ich mich inzwischen so intensiv mit dem Namen Linnea beschäftigt habe, gelingt es mir nicht, die Verbindung zu Linné zu verdrängen.

  2. Nein, der Name ist (meiner Meinung nach nicht rassistisch).
    Der Herr Linné war ja einer von Vielen, welche Rassentheorien aufgestellt hatten. Ich habe eben ein bisschen darüber gelesen, direkt nach Linné folgt zb Immanuel Kant usw.
    Linné hat ja, soweit ich weiß, seine Theorie nicht missbraucht…das taten ja dann andere. In seine Zeit wusste er es wohl nicht besser.
    Ich glaube auch nicht, dass rassistische Menschen ihre Töchter extra Linnea nennen, eher Odin. Wobei ich mich, durch meine Arbeit (Kinderheim), immer mal mit rechten Klientel auseinander setzen muss ….und die denken anscheinen null über die Namen ihrer Kinder nach…so haben die Kids sogar jüdische Namen etc.

    Aber ich finde es auch nervig, dass Eltern es nicht mal schaffen den Namen des Kindes zu googlen und ihn dann falsch schreiben oder irgendeine blöde Bedeutung den Kinder mitgeben.

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  3. Ich sehe das genauso, es gibt einfach zu viele Namen, die man dann nicht mehr vergeben könnte.
    Ich denke, wenn ich Linnéa höre, dass die Eltern sich für Schweden interessieren. Mit gefällt der Name nicht so gut: erst Doppelkonsonant und dann Hiat, hmm.

    Das mit den Namen von Kindern rechtsextremer Eltern finde ich sehr interessant, gleichzeitig macht es mich aber auch ein bisschen wütend. Es gibt bestimmt auch unpolitische oder linke Eltern, die Namen wie Odin oder Freya toll finden, aber vergeben kann man die nur, wenn es einen nichts ausmacht, in die rechte Ecke sortiert zu werden.
    Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass es schon schräg ist, sein Kind wie eine Gottheit zu nennen, aber es kommt vor, siehe Belana, Loki und Juno.

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    • Ja, den Gedanken, dass man dann viele Namen nicht mehr vergeben könnte, hatte ich auch (siehe Carl). Aber einige Namen sollte man wirklich nicht mehr vergeben. Ob Linnea dazugehört? Schwierig.

      Ich denke, wenn ich den Namen Linnea höre, dass sich die Eltern für Blumen interessieren.

      Ich stimme euch allen zu, man muss sich als Eltern mit den Namen auseinandersetzten, die man seinen Kindern geben möchte.

      Zu Götternamen als Kindernamen. Ja, ist schon etwas merkwürdig, aber in dem recht beliebten Theodor steckt das altgriechische „theos“ drin, was „Gott“ bedeutet.

    • Wer beispielsweise die Eltern eines Odin in die rechte Ecke sortiert, einfach so, der hat für mich große Probleme mit Vorurteilen und scheint mehr Rassist zu sein als er es anderen zuschreibt…

      LG

    • Ja, bei Jospeh denke ich auch immer gleichzeitig an den biblischen Joseph und an Stalin und an einen entfernten Verwandten.

      Aber wiegt der eine (auch außerhalb meiner Familie bekannten) den anderen auf? Ich denke, gerade in Deutschland würde die Vergabe von Adolf wesentlich kritischer und ungläubiger angesehen werden als Joseph, da es hier eben andere, positive Bezüge gibt wie die vielen biblischen Joseph oder Joseph von Eichendorf. Damit will ich nicht sagen, dass Joseph Stalin nicht so schlimm gewesen ist wie Hilter (beide waren große Ungeheuer), aber wie Knud über die Vergabe des Namens Carl gesagt hat, gibt es bei Joseph so viele positiven berühmte Namensvertreter das sie den schlechten irgenwie abschwächen.
      Bei Adolf denke ich (und vermutlich viele ander auch) aber gleich an Hilter.

    • Naja, Theodor mir den -dor ist ja vernünftig. Theo allein finde ich hingegen, wie oft gesagt, grenzwertig. “Das ist unser kleiner Gott.” Äh, aha. Größenwahnsinnig? Eltern eines Gottes? Die scheinen echt gute Gene zu haben.

  4. Ich sehe das Problem nicht. Man muss sich nicht mit der Historie oder Herkunft eines Namens auseinandersetzen, nicht zuletzt, weil sich immer etwas Negatives finden lässt.

    Man kann einen Namen auch einfach schön finden und ihn vergeben. Ganz ohne Hintergedanken.

    Genauso wie man auch jemanden fragen kann, wo er herkommt. Ganz ohne Rassismus. Das mit Rassismus gleichzusetzen ist Unfug. Aber das würde jetzt offtopic sein.

    LG

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    • Nein, man muss sich nicht mit der Herkunft des Namens auseinandersetzen. Ja, man kann einen Namen ohne Hintergedanken schön finden.
      Mein Problem (wenn man es so nennen möchte): Ich habe mich mit der Herkunft des Namens auseinandergesetzt und jetzt habe ich Hintergedanken und finde den Namen nicht mehr schön.

    • Nur müsste man das Ganze auch im Kontext der Zeit sehen und nicht von unserem erhabenen und fortschrittlichen Standpunkt aus.

      Das macht die Rassenlehre natürlich nicht weniger wirr als das Zusprechen des Stigmas “Rassist” oder “Rechtsradikaler” an die Eltern des kleinen Odin. Da sehe ich keinen Raum für Hintergedanken, die aufgrund von Vorurteilen oder Ähnlichem nicht ohnehin schon da sind. Grundsätzlich aber jedem seins. Gibt doch genug, die aus diesen Gründen Lucifer, Lilith, Adolf und wie sie alle heißen ablehnen …

      LG

    • Jemandem zu unterstellen, dass er Rassist ist, weil er seine Kinder Odin und Freya oder Linnéa nennt, ist nicht richtig.

      Jedes Mal wenn ich den Namen Freya lese (ein kleiner Odin ist mir noch nie begegnet) denke ich an die germanische Göttin, weil ich mich für Mythologie interessiere und die Verflechtungen der verschieden Götter der griechisch/römischen und germanischen und slawischen Mythologie spannend finde, aber das führt jetzt ein wenig vom Thema weg.
      Jemand anders denkt vielleicht: „Freya, da ist jemand ein Fan von „The Originals“
      Jeder hat andere Bezüge und Assoziationen zu Namen.

      Und wenn Leute Namen nach klang wählen, ist das natürlich in Ordnung, auch wenn für mich Klang, Bedeutung und Geschichte zusammenpassen müssen.
      Bei Linnea sehe ich das ein wenig wie Knud, ich mochte den Namen immer und jetzt kenne ich den Hintergrund und weiß nicht, ob ich ihn noch mögen kann, da er meinen eigenen Ansprüchen an Namen nicht mehr entspricht.

      Zwischen Lilith und Adolf sehe ich aber doch einen Unterschied, das eine ist eine mythologische Figur, bei Adolf gibt es neben bestimmt sehr netten Vorbildern Adolf Hilter, mit dem man diesen Namen unweigerlich assoziiert. Und Hilter war einer der schrecklichsten Personen der Weltgeschichte. Da stellt sich dann bei mir auch die Frage, warum man seinen Sohn so nennen möchte (ungeachtet, ob es vielleicht nur eine Nachbenennungen ist.)

    • Ich bin mir nicht sicher, ob die Argumentation so sinnvoll ist.

      Dann lehnt ihr auch Josef ab? Stalin steht Hitler in nicht so viel nach. Wäre nur konsequent und realer als ein biblischer Josef ist der auch gewesen.

      LG

    • Wenn wir schon beim Thema sind, fällt mir zu Joseph dann Goebbels ein. Also ein Name, der nicht sein muss.

      Wobei mich an Josef aber eher die katholische Assoziation “alter impotenter Ehemann der Maria, die immer Jungfrau bleibt” stört.

  5. Wer sagt denn, dass wir glauben, dass alle Eltern eines Odins rechts sind? Ich weiß nur aus Erfahrung, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder extra deswegen so nennen. Dennoch habe ich eine Freundin, dessen Sohn Odin heißt und nicht “recht” ist.

    Ja den Namen Adolf lehne ich ab. Jeder verbindet den Namen nun einmal mit Hitler, aber Josef kaum jemand mit Stalin. Das ist einfach so, ich kann es nicht ändern. Aber ich kann es einem Kind im Leben einfacher machen und es eben nicht Adolf nennen.

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  6. Ob Rassisten ihre Tochter jetzt ausgerechnet Linnea nennen? Ich finde es irgendwie zu oft um die Ecke gedacht. Wem es sooo wichtig ist, die politische Meinung im Namen des Kindes auszudrücken, sucht doch vermutlich “deutlichere” Namen wie Adolf, Mohammed, Che usw.

    Ich würde den Namen Linnea nicht vergeben, weil er nicht mein Geschmack ist. Aber ich würde nie dermaßen in Geschichtsbüchern wühlen, um Namen in “gut” und “böse” einzuteilen, weil dann wahrscheinlich kein Name mehr übrig bleibt, außer irgendwelche neu erfundenen 😀

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  7. Ich fühle mich gerade dazu verpflichtet, mitzuteilen, dass der Spruch “Jedem das Seine” über dem Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald stand.

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    • Jetzt wurde die Messlatte ziemlich niedrig gelegt. Zum Glück fühle ich mich jetzt nicht verpflichtet, einen Exkurs zum suum cuique zu geben…

      Bleiben wir bei den Namen: jedem seins. Ich für meinen Teil bleibe dabei, dass das Ablehnen von Namen aufgrund von einem historischen Sachverhalt, den wir aufgrund des Kontexts gar nicht mit unserem Elfenbeinturm vergleichen können, ein Jammerdiskurs ist.

      LG

  8. Ich verstehe das Problem nicht so wirklich. Klar sind Rassentheorien schon lange überholt, aber dass Linné diese vertrat, macht ihn ja nicht zu einem Verbrecher (Mir wäre jedenfalls nicht bekannt, dass er einer gewesen wäre). Man wird bei jedem Namensvorbild etwas finden, was (heute) nicht mehr akzeptabel ist. Ich denke nicht, dass man sagen kann, dass Linné den Rassismus an sich begründet hat, der ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Und selbst, wenn wir davon ausgehen, dass Linné ein schlechter Mensch war, sind wohl die wenigsten Linneas nach ihm direkt benannt. Dann kann man ja genauso kommen, dass der Vorname “Arya” rassistisch ist.
    Ich finde auch das Beispiel mit den Hautfarben schlecht gewählt. Das schlimme an Rassentheorien ist nämlich nicht die Einordnung in Ethnien an sich, sondern die unterschiedliche Behandlung dieser aufgrund besagter Ethnie.

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    • Finde Deinen Kommentar recht differenziert.

      Manchmal geht es mir auf die Nerven, dass heutige westliche Menschen so stolz darauf sind, angeblich nicht rassistisch zu sein. Aber Suppe austeilen in der Suppenküche oder ähnliches, für so etwas würden die meisten sich keine Zeit nehmen, und einen großen Teil ihres Einkommens für die dritte Welt spenden, das steht auch nicht auf dem Programm.

      Unsere Vorfahren hatten viele Fehler, aber letztendlich waren sie nicht schlechter als wir, allgemein gesprochen. Wir können unsere eigenen (auch ideologischen) Fehler nur nicht so gut wahrnehmen, wie die unserer Vorfahren, weil wir zu unserer eigenen Zeit und Kultur kaum Abstand haben, zu der Vergangenheit aber schon.

    • Das mit den Hautfarben ist kein von mir gewähltes Beispiel, sondern die Essenz dessen, was Herr Linné zu dem Thema veröffentlicht hat. Mit seinen Veröffentlichungen hat er Argumente dafür geliefert, dass es legitim sei, Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu diskriminieren.

      Das Problem ist ganz einfach: Seitdem ich das weiß, ist der Name Linnea für mich nicht mehr neutral; ich kann ihn nicht mehr hören, lesen oder schreiben, ohne an Rassismus zu denken.

    • Ich habe mich jetzt nicht näher mit Linnés Rassentheorien auseinandergesetzt, aber wenn wirklich es wirklich die Essenz dieser war, Menschen verschiedener Erdteile verschiedene “Farben” zuzuordnen, dann sehe ich darin noch weniger ein Problem. Denn dann scheint er ja nicht einmal eine Hierarchie aufgestellt zu haben, was aber notwendig für die Definition des Rassismus ist. Zumindest in den USA ist es heute immernoch normal, sich selbst klar als eine (oder mehrere) Ethnien zu bezeichnen, auch wenn die Namen dieser teilweise anders sind.

    • Nein, es sind nicht nur die Farben. Linné hat den Menschen auch typische Eigenschaften zugeordnet, zum Beispiel seien Schwarze phlegmatisch, Rote cholerisch und Gelbe melancholisch.

    • verstehe was du meinst. es ist eine neue Bedeutung aufgekommen und die wirkt stärker. man vergisst es nicht.

      neulich eine Familie gesehen, deren kleiner Sohn Benito hieß.
      aber der Sohn konnte nichts dafür, er war erst 2 oder so.

  9. Ich denke, dass Linné als Botaniker einfach daran gewöhnt war, alles in Klassen zu sortieren – das tut man bei Pflanzen und bei Tieren – und da könnte ich mir vorstellen, dass er das, harmlos gemeint, einfach bei Menschen analog angewandt hat, oder?

    Auch denke ich, dass es zu fast jedem Namen fragwürdige Namensträger gibt. Und ich denke, dass jeder Mensch seine guten und schlechten Seiten hat, was man evtl. auch bei Linné so sehen könnte. Ebenso gibt es häufig unterschiedliche Bedeutungen zu Namen. Maria z.B. heißt auch “die Bittere” und wird dennoch so häufig vergeben. Cecilia kann “die Himmlische”, aber auch “die Blinde” heißen – und wird trotzdem vergeben … Linnéa hat eben auch mehrere mögliche Bedeutungen: nach der Pflanze oder nach Linné.

    Also: Augen auf für Ambiguitäten! Der Name Linnéa ist so hübsch! 🙂

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  10. Ich bleibe bei Linnea erst mal entspannt. Tatsächlich denke ich an die Blume und an ein gartenbegeistertes Mädchen (aus dem Buch “Linnea und die schnellste Bohne der Stadt”). Außerdem ist der Name in letzter Zeit häufig genug vergeben worden, dass es bald diverse Linneas geben wird, die öffentlich bekannt werden und dem Namen neue Namensvorbilder geben.

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  11. Interessante Diskussion!
    Nein, ich finde nicht, dass der Vorname Linnea rassistisch ist. Ich halte allerdings überhaupt keinen Vornamen für rassistisch, auch nicht Odin, Freya oder Adolf.
    Dass man selbst einen Vornamen nicht seinem Kind geben würde, weil er mit bestimmten Personen oder Haltungen assoziiert ist, halte ich allerdings für gut nachvollziehbar. Daraus kann man aber ja kein allgemeingültiges “Gesetz” ableiten, dass bestimmte Namen nicht mehr gegeben werden dürfen.
    Ich persönlich hätte mit Linnea, Edda oder Adolf dieses Problem nicht, weil mir diese Namen sowieso nicht bzw. nicht so gut gefallen, dass ich sie einem Kind geben würde.
    Bei Joseph allerdings ist es tatsächlich so, dass ich die ph-Variante unter anderem mit Joseph Goebbels assoziiere und deshalb wohl nicht vergeben würde. Josef steht dagegen ziemlich oben auf meiner Bubennamenliste, aber definitiv nur mit f.
    Bei Linnea ist, glaube ich, die Assoziation zu Linne und seiner Rassentheorie nicht so allgemein bekannt, dass man den Namen Linnea automatisch damit verbinden würde.
    Adolf dagegen ist in der allgemeinen Wahrnehmung schon sehr mit Adolf Hitler verbunden und deshalb als Rufname problematisch. Einem Kind den Vornamen Adolf als zweiten oder dritten Vornamen im Gedenken an Opa oder Uropa Adolf zu geben, wäre für mich persönlich aber nicht undenkbar.

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  12. Spannende Diskussion. Ich habe eine kleine, fast zweijährige Linnea Zuhause und liebe diesen Namen. Nach diesen Informationen bin ich ein bisschen nachdenklich, aber bis zu diesem Artikel wusste ich nichts über die Rassenlehre Linnés. Wir sind viel in Schweden und haben dort natürlich diesen Namen kennengelernt. Der Klang gefiel uns, die Bedeutung „Moosglöckchen“ auch, nach einem Mann benannt, na gut, ist zu vernachlässigen. Mit Linné selbst haben wir uns kaum befasst, schließlich benannten wir unsere Tochter nach dieser wunderschönen seltenen Blume. Und auch dieser Gedanke überwiegt beim Anschauen meiner kleinen schlafenden Linnea.

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