Erklärung zur Reihenfolge der Vornamen

Ab dem 1. November 2018 ist es in Deutschland erlaubt, die Reihenfolge der Vornamen zu ändern, wenn man zwei oder mehrere Vornamen hat. Der Bundestag hat die Erweiterung des Personenstandsgesetzes um den Paragraphen 45a „Erklärung zur Reihenfolge der Vornamen“ beschlossen:

(1) Unterliegt der Name einer Person deutschem Recht und hat sie mehrere Vornamen, so kann deren Reihenfolge durch Erklärung des Namenträgers gegenüber dem Standesamt neu bestimmt werden (Vornamensortierung). Eine Änderung der Schreibweise der Vornamen sowie das Hinzufügen von neuen Vornamen oder das Weglassen von Vornamen ist dabei nicht zulässig […].

(2) Ein in der Geschäftsfähigkeit beschränktes Kind, das das 14. Lebensjahr vollendet hat, kann die Erklärung nach Absatz 1 nur selbst abgeben; das Kind bedarf hierzu der Zustimmung seines gesetzlichen Vertreters.

(3) Zur Entgegennahme der Erklärung ist das Standesamt zuständig, das das Geburtenregister für die Person führt, deren Vornamen neu sortiert werden sollen. […]

Gerechtigkeitsgöttin © helmutvogler - fotolia.com

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Zur Zeit ist es problematisch, den im Alltag gebräuchlichen Vornamen (also den Rufnamen) in Reisedokumente und behördliche Unterlagen zu übernehmen, wenn dieser Name nicht der erste Vorname ist. Wer möchte, kann künftig den Rufnamen als Erstnamen eintragen lassen und so dafür sorgen, dass auch Banken, Versicherungen, Fluggesellschaften und Behörden den im täglichen Leben gebräuchlichen Vornamen verwenden.

Für Träger von mit Bindestrich verbundenen Namen ändert sich nichts, denn diese gelten als ein einziger Vorname, der nicht neu sortiert werden darf.

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

17 Kommentare zu "Erklärung zur Reihenfolge der Vornamen"

  1. Katrin sagt:

    Toll. Statt die Computerprogramme zu ändern, damit der Rufname im maschinenlesbaren Teil des Personalausweises auftaucht, muß der Betroffene jetzt (selber) aktiv werden. Im Zweifel sorgt die Änderung der Reihenfolge aber dann auch dafür, daß Namenskombinationen, die vorher harmonisch klangen jetzt nur noch wie eine lieblose Aufzählung klingen.

    • Johannes Marcus sagt:

      Offensichtlich verstehen manche den Sinn der Regelung gar nicht.
      Aber Hauptsache nörgeln…..
      „Namenskombinationen, die vorher harmonisch klangen….“ bringen dem Namensträger herzlich wenig, wenn er den stummen Erstnamen wie Ballast herumschleppen muss.

    • Jan sagt:

      wenn er den stummen Erstnamen wie Ballast herumschleppen muss.

      Na, ich bin einer der Leute, bei denen das so ist, die sich also offensichtlich durch die neue Regelung obrigkeitlich beglückt fühlen sollen – und ich käme nie auf den Gedanken, sie in Anspruch zu nehmen.

      Bei mir sind der „Erstname“ und der „Drittname“ „stumm“, aber ich empfinde das nicht als „Ballast“ – es sind (im onomastischen Jargon) Nachbenenennungen, Namen von ehrwürdigen Vorfahren, die ich mit großem Stolz trage, während der Rufname eben an zweiter Stelle steht. Irgendwelche Bürohäkchen in Versicherungen, Fluggesellschaften, Behörden etc. sollen das, bitt’ schön, zur Kenntnis nehmen – und wenn sie’s nicht tun, ist es mir auch egal. Für diese Leute bin ich allemal „Herr B.“ – ich duze mich nicht mit irgendwelchen Verwaltungsfachangestellten und Stewardessen. (Und wenn ich das im Einzelfall doch einmal tun will, reicht ein einmaliger Hinweis, was denn der Rufname sei.)

      Wenn sich ein anderer Betroffener über die Neuregelung freut, so sei’s ihm von Herzen gegönnt. Aber meines Erachtens ist schon die Tatsache, daß dieses Gesetz gleichsam unterstellt und voraussetzt, daß es einen überhaupt interessieren könnte, wie man in irgendwelchen Behörden-Datenbanken einsortiert wird, ein typischer Bürokratismus. Mir ist das egal. Interessiert mich nicht. Me ne frego.

      In der Praxis kommt es ab und zu (selten) vor, daß ich in irgendwelchen Behördenbriefen mit allen drei Vornamen angeschrieben werde. Na und?

  2. Katrin sagt:

    Herr ‚B‘, sie sprechen mir aus der Seele.

    • Johannes Marcus sagt:

      Wenn es hilft…
      Dass hier ein Problem gelöst wird, erscheint manchem nicht klar.
      Und persönlicher Stolz auf nicht genutzte Vornamen lassen wir doch denen, die ihn brauchen.

      „Herr Müller, Herr Alkibiades Müller, gebucht nach Stockholm, bitte zum Info-Schalter…..“

      „Karl-Heinz…….geh schon !!!)

    • Jan sagt:

      Oh, furchtbar witzig. Subtil-luzides Beispiel, ich hoffe, seine Konstruktion hat keine allzu großen Mühen bereitet.

      Meines Erachtens spricht aus der Formulierung „nicht genutzte Vornamen“ die gleiche bürokratisch-schematische Denkweise wie zuvor schon aus der Formulierung „Ballast“. Namen sind keine Gebrauchsgegenstände, sie sind ein Teil der Persönlichkeit, des Ichs – und im Falle von Nachbenennungen verbinden sie ihren Träger mit seiner Familie, ähnlich wie sein Nachname. Etwas bombastisch formuliert: Ich „benutze“ nicht den Namen Klaas, ich bin Klaas, so wie ich Bähre bin, und ich bin auch Jan, auch wenn das im realen Leben nicht mein Rufname ist.

    • Knud sagt:

      Namen sind keine Gebrauchsgegenstände

      Gegenstände sind Namen sicher nicht, ich finde aber schon, dass man Namen benutzt. Darum meine ich, dass man bei der Auswahl darauf achten sollte, dass der Name praktisch und alltagstauglich ist.

    • Jan sagt:

      Gegenstände sind Namen sicher nicht, ich finde aber schon, dass man Namen benutzt.

      Hö, schwierig.

      Aber was passiert in den Ausnahmesitutionen, in denen sich Leute ihre Namen wirklich selbst aussuchen?

      Beispiel 1: Das „alte Internet“ vor ca. 2007/08/09, bevor es mit der Repersonalisierung des Netzes durch Facebook und Twitter losging. Da hatte man seinen selbstgewählten Nick. Und hat man auch kaum je gesagt: „Ich nennen mich Gandalf“ oder „Ich verwende den Nick Gandalf – sondern: „Ich bin Gandalf“. Und das wurde akzepiert – als übliche Anredeform auch in den Agenturen, also wirklich nicht in Rollenspielen, sondern im realen Leben.

      Beispiel 2: Eine Frau heute mag ihren Migri-Namen nicht und legt sich einen anderen zu. Aus einem für Deutsche nicht verständlichen libanesischen weiblichen Vornamen wird Kira. Sie sagt natürlich auch „Ich bin Kira“ und nicht „Ich verwende den Namen Kira“.

      Beispiel 3: Herbert Frahm will unbedingt Willy Brandt, der deutsche Arbeiter, sein. Er will nicht nur so heißen.

      Beispiel 4: Die Konvertitin Ulrike Schnoddringhusen nennt sich „Schwester Teresa Elektrisata“.

      Es ist immer dieses „Ich bin…“, das Vornamen aus der Kategorie der Adjektive und der Gebrauchsgegenstände heraushebt. Vornamen sind einfach ein Sonderfall, denen man mit anderen Maßstäben schlecht beikommt. Das macht das Thema ja auch so interessant. 🙂

      Ob nun von den Eltern zugeteilt (wie es sein sollte) oder selbstgewählt: Namen sind nach meinem Empfinden ein Teil des Ichs. Eine eigene Kategorie – eben nicht benutzbar, sondern dazugehörig.

  3. Katrin sagt:

    Die weit verbreitete Abneigung vieler Mitmenschen gegen die Vergabe und das Tragen mehrerer Vornamen kann ich nicht verstehen. Neben meinem ‚Rufnamen‘, haben meine Eltern mir noch die Namen meiner beiden Großmütter gegeben. Nicht nur, weil ich beide nicht kennenlernen konnte, bin ich sehr froh darüber. Es verbindet mich mit meinen Vorfahren und erinnert mich daran, daß ich Teil einer Familie und Glied einer Kette bin. Meiner Tochter habe ich deshalb selbstverständlich (u.a.) auch den Namen meiner bereits verstorbenen Mutter gegeben. Ein Blick in meinen (durch und durch bürgerlichen) Stammbaum zeigt, daß drei oder vier Vornamen inklusive Nachbenennungen seit vielen Generationen üblich war.
    Es ist aber durchaus möglich, daß die Reihenfolge nicht Rufname, Nachbenennung 1, Nachbenennung 2 sein soll, weil das Metrum dann nicht stimmt.
    In solchen Fällen MUSS es möglich sein, den zweiten oder dritten Vornamen als Rufnamen zu wählen und dies für Kreditkarten und Flüge ins Ausland auch im maschinenlesbaren Bereich des Personalausweises zu dokumentieren.

    • Knud sagt:

      In solchen Fällen MUSS es möglich sein, den zweiten oder dritten Vornamen als Rufnamen zu wählen und dies für Kreditkarten und Flüge ins Ausland auch im maschinenlesbaren Bereich des Personalausweises zu dokumentieren.

      Das WIRD es aber nicht geben, denn es gibt keine Pläne, den Rufnamen im Personalausweis zu kennzeichnen.

    • Jan sagt:

      Exakt! 🙂

      Gerade das hier gefällt mir sehr, obwohl ich kein Familienmensch, sondern eher Einzelgänger und Eigenbrötler bin:

      Es verbindet mich mit meinen Vorfahren und erinnert mich daran, daß ich Teil einer Familie und Glied einer Kette bin.

      So ist es.

      Diese Namen sind kein Ballast, sie erden.

      Nun, es kommt vielleicht darauf an, was in der jeweiligen Region üblich ist. Aber bei uns in Niedersachsen ist es eben so, daß die Kinder die Namen der Paten mitbekommen. Onkel Johann und Onkel Wilhelm wären eben meine Patenonkel geworden – wenn den meine Mutter nicht in dorf-revolutionärer 68er-Attitüde beschlossen hätte, mich nicht taufen zu lassen. Gott sei Dank bin ich nicht getauft, Gott sei Dank trage ich trotzdem die Namen meiner Nicht-Taufpaten. (Es handelt sich um einen Großonkel väterlicherseits und um einen sehr verehrten Großonkel mütterlicherseits, der für mich als Kind so etwas wie ein Großvater war.)

      Genau, diese Namen ordnen in eine Kette ein, das ist es; und das finde ich gut, wenn es denn den regionalen Sitten entspricht. Sie verpflichten auch ein bißchen, den Stärken der Namenspaten nachzueifern, ihre Schwächen hingegen zu vermeiden.

      Das Eltern mit solchen Nachbenennungen auch Praktisches im Sinn haben können (Onkel Jürgen als Notfall-Kreditgeber und Fußball-Trikot-Käufer für Ben, Tante Simone als Hilfskindergärtnerin für Nele), versteht sich von selbst. 😀 Na und?

    • Jan sagt:

      In solchen Fällen MUSS es möglich sein, den zweiten oder dritten Vornamen als Rufnamen zu wählen und dies für Kreditkarten und Flüge ins Ausland auch im maschinenlesbaren Bereich des Personalausweises zu dokumentieren.

      Und bei aller begeisterten Zustimmung zu Katrins sonstigen Ausführungen – das würde ich etwas milder sehen… Ich fände es *wünschenswert* wenn man den Rufnamen wieder in den Papieren kenntlich machen könnte, halte es aber nicht für unbedingt notwendig.

      Gut, dann tauchen auf Flugscheinen, Behördenschrieben oder Kreditkarten (weiß nicht, ich hab keine, auf meiner EC-Karte steht nur der Rufname) eben ab und zu alle Vornamen auf. Na und? Dadurch wird es doch maximal ein bißchen zeremonieller. Die Anrede bleibt in fast allen amtlichen Vorgängen der Nachname mit Herr oder Frau.

      Nahezu die einzig denkbare Situation, in der der Vorname einer unbekannten Person öffentlich und mündlich genannt wird, ist ein Ausrufung bei einer Veranstaltung oder etwa auf einem Flughafen. Das ist mir zumindest noch nie widerfahren (ich bin vermutlich gar zu unwichtig), und wenn es mir denn widerfahren wäre und die Ausrufe-Tussi den ersten Namen (also einen Nicht-Rufnamen) genommen hätte, wäre es mir egal gewesen. Noch einmal: Na und? Daß ich gemeint gewesen wäre, wäre mir klar gewesen – der Rest fällt unter das Gebot der Desinvolture.

      Und solange man auch nur ein allerkleinstes Mindestmaß an Prominenz erreicht hat (sagen wir mal: Stadtrat in Kleinkleckersdorf, Bäckermeister in Kyritz an der Knatter oder schwarz-grüne Landtagsabgeordnete in Niedersachsen), hat man alle Möglichkeiten der Welt klarzustellen, was denn der Rufname sei.

  4. Michael-D. sagt:

    Hallo, wie kommen Sie denn auf das Datum 01.11.2018? Das Gesetz steht doch längst im Bundesgesetzblatt, d.h. es müsste bereits vollzogen werden.

  5. Maria Th. sagt:

    Ohne das im konkreten Fall geprüft zu haben, treten Gesetze nicht immer sofort mit bzw. nach ihrer Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft, sondern zu dem im jeweiligen Gesetz ausdrücklich genannten Zeitpunkt, das ist vermutlich hier der 01.11.2018.

  6. Britta sagt:

    Mein Sohn hat den zweiten Vornamen als Rufnamen, nennen wir ihn hier mal Finn Ole, Rufname ist also Ole. Auf der Krankenkassenkarte war es nicht möglich, dass nur Ole da steht, unterstrichene Rufnamen gibt es nicht mehr. Auch der Hinweis auf meine Oma, gleiche Krankenkasse und zweiter Vorname als Rufname, der der einzige auf der Karte war, brachte keine Änderung. Mit dem Kind beim Arzt oder im Krankenhaus, aufgerufen wird fast jedes Mal „Der Finn bitte!“. Ohne Ole, ohne Nachnamen. Nun ist es so, dass der Name nicht selten ist, wir aber darauf einfach nicht reagieren, bei „Finn Ole bitte!“ hätte ich zumindest geguckt, ob jemand anderes aufsteht. Immer wieder gab es deshalb Stress. Dann folgte die Geburt unserer Tochter, der erste Name ist der Rufname. Bei der Anmeldung bei der Krankenkasse fragt die Dame, ob es reicht, wenn Anna da steht und nicht Anna Lena, ich sage „Klar, aber bei meinem Sohn ging das ja auch nicht!“. „Doch, natürlich geht es, dass nur der Rufname da steht, ist doch für den Zweck der Karte unerheblich, wenn der andere Name nicht genutzt wird.“ Also nur Anna auf die Karte schreiben lassen und bei Ole gleich mit geändert. Es kommt halt immer auf das Wollen der Mitarbeiter an… Früher, auch zu Zeiten maschinengeschriebener Personalausweise, war es durchaus möglich, den Rufnamen durch Unterstreichen zu kennzeichnen. Warum das jetzt nicht mehr möglich ist, frage ich mich tatsächlich. Es würde die Sache erheblich vereinfachen, und man muss es ja nicht machen lassen, wenn man nicht will (ich kenne beispielsweise eine Familie, bei der der eine Teil den türkischen und der andere Teil den deutschen Vornamen nutzt). Durch Verdrehung der Vornamen ist doch nichts gewonnen, wir haben die Reihenfolge so festgelegt, wie es am Besten zum Nachnamen klingt, alles andere wäre (in unserem Fall, unsere Kinder heißen nicht wie o.g.) ein zusammenfließender Vornamenbrei, bei dem die Namen ineinander laufen.

  7. Luise sagt:

    Vielleicht um die Diskussion etwas aufzulösen (@Jan, Kathrin & Johannes Marcus) hier mein Fall. Ich freue mich sehr über dieses Gesetz und ich kann einigermaßen nachvollziehen, was Johannes Marcus meint.

    Bei meiner Geburt wollte mich meine Mutter Marie-Luise nennen mit Luise als Rufnamen (Bindestrich konnte auch weggelassen werden, hatte sie damals gesagt). Die Hebamme meinte, das ginge so nicht (Rufname muss immer vorn stehen) und hat mich auf meiner Geburtsurkunde dann als Luise Marie eingetragen.
    Gemerkt haben wir das erst richtig als ich mit 17 meinen Personalausweis und Führerschein bekommen sollte (wer weiß, warum meine Mutter es nicht früher gemerkt hat..)
    An sich stört es mich nicht sonderlich, aber ich merke, wie es meine Mutter immer etwas traurig macht, wenn sie offizielle Dokumente von mir mit Luise Marie sieht. Briefe an mich adressiert sie auch klein-rebellisch mit Marie-Luise

    Für sie würde ich es gerne ändern. Egal wie rum die Namen nun stehen, ich bin immer Luise, wie Herr B das schon gesagt hat. Aber meine Mutter würde es glücklich machen, weil sie mich damals Marie-Luise benannt hat. Und das würde ich ihr gerne wieder schenken.

    1. November 2018 kann also gar nicht früh genug kommen 😉

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