Keine Angst vor Modenamen!

Es hat sich wohl rumgesprochen, dass ich mich mit Vornamenstatistiken ein bisschen auskenne. Jedenfalls werde ich ab und zu um Rat gebeten, z. B. so:

Seit Monaten stöbern wir in Vornamenslisten. Meine Frau sieht meinen Favoriten aber gerade total im Vormarsch auf dem Weg zu einem der beliebtesten Namen und hat keine Lust, auf einen Trend aufzuspringen und dass unser Kind so heißt wie demnächst alle. Sehen Sie den Namen auch gerade auf einem sprungartigen Vormarsch in Sachen Beliebtheit?

Oder so:

Mein Partner und ich haben bisher nur einen Namen gefunden der uns beiden gefällt. Jetzt werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich um einen Namen handelt der in den nächsten Jahren zum absoluten Modenamen mutiert. Es stört uns nicht wenn auch andere Kinder so heißen, aber halt nicht zu oft sodass es in der Schulklasse bestenfalls je nur einen geben würde. Glauben sie der Name wird in den nächsten Jahren in der Top Ten auftauchen bzw. jetzt schon so beliebt ist, dass er zu den Modenamen zählt?

Hilfe, mein Kind hat einen Modenamen © drubig-photo - Fotolia.com

Hilfe, mein Kind hat einen Modenamen! Foto © drubig-photo – Fotolia.com

Die Vornamen aus diesen beispielhaft ausgewählten Fragen sind tatsächlich mögliche Top Ten-Namen, die sich im Aufwärtstrend befinden. Ob es so kommt, weiß ich auch nicht, ich kann es aber auch nicht ausschließen. Aber selbst dann heißt noch nicht einer pro Schulklasse so. Auf ungefähr hundert Neugeborene kommt durchschnittlich ein Ben, welcher ja gerade die Nummer eins der Jungennamen ist. Die Zeiten, in denen es in jeder Schulklasse vor Michaels und Anjas wimmelte, sind vorbei.

  • 2,2 % aller Jungen wurden 2012 Ben genannt.
  • 17 % haben einen Namen aus den Top 10.
  • 50 % haben einen Namen aus den Top 59.
  • 87 % haben einen Namen aus den Top 500.
  • 2,6 % aller Mädchen wurden 2012 Mia genannt.
  • 17 % haben einen Namen aus den Top 10.
  • 50 % haben einen Namen aus den Top 58.
  • 84 % haben einen Namen aus den Top 500.

Also: Keine Angst vor Modenamen!

Thema: Namensgebung

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

17 Kommentare zu "Keine Angst vor Modenamen!"

  1. Interessanterweise kommen die beliebtesten niederländischen Vornamen relativ gesehen noch viel seltener vor als die deutschen. Nur 0,95 % aller Jungen wurden 2012 Daan genannt und nur 0,79 % aller Mädchen Emma. 8,1 % der Jungen und 7,2 % der Mädchen bekamen 2012 einen Namen aus den Top 10.

  2. Mark sagt:

    Eigentlich finde ich es ganz schön, wenn Namen häufig vorkommen. Wenn ich häufige Namen aus meinem eigenen Jahrgang höre–Andreas, Stefan, Kerstin, Petra, Nina, Thorsten–dann werden bei mir heimatliche Gefühle wach, so vertraut sind diese Namen.

    Ich habe mich eigentlich immer gefreut, wenn es noch andere Marks/Marcs oder Markusse gab. Einen häufigen Namen zu tragen kann ein Gefühl Zusammengehörigkeit stiften, glaube ich. Weiß nicht, ob ich die extreme Namensvielfalt heutzutage als Bereicherung empfinde…

    Ja, ich würde auch keine Angst vor Modenamen haben, so lange der Name irgendwie auch traditionell und nicht nur rein neumodisch ist.

    • neuhier sagt:

      Ich stimme Dir vollkommen zu, gerade in diesem Punkt „Ja, ich würde auch keine Angst vor Modenamen haben, so lange der Name irgendwie auch traditionell und nicht nur rein neumodisch ist.“

      In unserem Kindergarten (100 Kinder) hat sich übrigens im letzten Jahr der Name Helen gedoppelt – in 2008 Platz 170. Von der damaligen Jungen-Top5 hatten wir hingegen nur einmal Lukas. Also wen Dopplungen stören, der sollte auf den ganz abgeschiedenen Plätzen suchen…

      Und nicht mal dann ist man auf der sicheren Seite, manchmal geht es auch sehr schnell aufwärts. Für unser erstes Kind hatten wir die Liste von 2007 – da war der Name Emilia noch Platz 40. Mittlerweile ist er Platz 12!

  3. Saphira sagt:

    Ich finds immer wieder faszinierend, wie „selten“ selbst die häufigsten Namen vergeben werden. Man hat ja wirklich manchmal das Gefühl, dass jedes 5. Kind so heißt. Kurios ist es immer dann, wenn es sogar Namen betrifft, die nicht mal in den Top50 sind.

    Knud, hast du eigentlich eine Übersicht, welcher Nummer-1-Name in einem Jahr prozentual am häufigsten vergeben worden ist? Ich hoffe, die Frage ist verständlich.

    • Knud Bielefeld sagt:

      Die Frage ist nicht verständlich 🙁

    • Saphira sagt:

      Dann muss ich doch ausführlicher schreiben. 🙂 Den Namen Ben haben im letzten Jahr 2,2% der Jungen erhalten. Was ist denn der höchste prozentuale Wert, den je (soweit wie du das überblicken kannst) ein Topname in einem Jahrgang erreicht hat? Ich hoffe, die Wortwahl war aufschlussreicher.

    • Knud Bielefeld sagt:

      Ich habe nur für die Jahrgänge seit 2006 so detaillierte Daten, für die älteren Jahrgänge kann ich das leider nicht ausrechnen. Und seit 2006 hat sich da nicht so viel geändert.

    • Saphira sagt:

      Schade! Aber trotzdem danke. 🙂 Da muss ich wohl in 50 Jahren nochmal fragen. *grins*

  4. Alana sagt:

    Hauptsache der Name gefällt einem.. Schlussendlich macht nicht der Name das Kind, sondern das Kind den Namen! 🙂

  5. Nicole sagt:

    Hm.. also ich wills mal so sagen: Ich habe einen „klassischen“ Modenamen. Das war so schlimm, dass wir 4 Nicoles in einer Klasse waren. Zur Unterscheidung wurden wir mit Nachnamen gerufen und da ich einen wenig schmeichelhaften Nachnamen hab, war das für mich extrem belastend, einen Modenamen zu haben. Als mein Sohn geboren wurde, wusste ich leider nicht, dass sein Name ebenfalls ein Modename ist. Ergebnis: 3 Kinder in einer Klasse mit dem Namen Maurice!! Nun bin ich wieder schwanger. Wir wissen noch nicht, was es wird und haben daher noch keine Namen diskutiert. Aber eins ist klar: Diesmal wähle ich mit Bedacht einen Namen, der nicht in der Top 100 auftaucht denn selbst wenn nur 2,2 % aller Kinder denselben Namen tragen, ist die Wahrscheinlichkeit immernoch hoch, dass es mittelfristig auf ein Kind mit demselben Namen trifft. Das möcht ich wenigstens der kleinen #2 ersparen. Das können manche wohl nicht nachvollziehen, wie ätzend das ist, wenn ein Name so häufig vorkommt, dass man noch zig andere mit diesem Namen kennt 🙁

  6. Jule sagt:

    Aber: da Viele Modenamen ähnlich klingen, kann es doch leicht zu Verwechslungen kommen. Wie z.B.: Emil, Emilia, Amelie, Emily, Mila, Milan,…

    Oder auch Luis, Luisa. Oder Leo, Leonard, Leonhard, Leopold, Leon, Leonie.

    Aber auch auf Grund gleicher Vokale und fast gleicher Buchstaben, wie z.B. Laura- Paula.

    Selbst wenn ein Name insgesamt nur weniger vergeben wird, ist auch auf die regionale Verteilung zu achten. So würde ich niemandem im südbayerischen Raum raten, sein Kind Max/Maximilian oder Emil zu nennen.

  7. Emilia sagt:

    Also ich bin Dezember 2002 geboren und da war der Name Emilia absolut ausgestorben! Also gaben mir meine Eltern den Namen, weil sie seltene Namen für mich und meine Brüder wollten. Bei meinen Brüdern ist es auch so, nur Emilia heißt jetzt jedes Kleinkind!
    Mein voller Name: Emilia Margarete Agnes (2.und 3. Name von meinen Uromas)
    Mein Brüder (11&10 Jahre alt)
    Ariel Gregor Heinrich (2. Name nach meinem Vater, 3. Name uropa)
    Severin Justus Georg (2. Und 3. Name nach uropas)
    Ich finde Emilia ist ein sehr schöner Name, aber ich hätte Lieber einen selteneren Namen.

    • Mutter von Emma sagt:

      Na ja, jedes Kleinkind heißt nun doch nicht Emilia. Außerdem, betrachte es doch einmal so, dass viele Menschen Deinen Namen schön finden. Das ist doch auch ein Kompliment, oder? Zudem ist es so eine Sache mit den vermeintlich seltenen Namen. In bestimmten Umgebungen können auch seltene Namen häüfig auftauchen. Ich kenne zum Beispiel zwei Jungen die Gregor heißen, aber keine Emilia. Ich kenne auch vier Jungen, die Konstantin heißen und gleich vier Konrad’s. Außerdem auch vier Linda’s- auch eher nicht so häufige Namen. Ich selbst trage einen alten und klassischen Namen, der zum Zeitpunkt meiner Geburt auch relativ beliebt war. Ich mag meinen Namen und es ist mir nie wirklich aufgefallen, wenn es noch andere Mädchen/Frauen mit dem gleichen Namen gab. Wenn ich heute zurückblicke, so gefällt mir mein Name auch heute noch gut und ist auch jetzt noch gut vergebbar. Viele andere, seltenere Namen meines Jahrgangs finde ich heute eher befremdlich.

  8. Jan sagt:

    Zudem ist es so eine Sache mit den vermeintlich seltenen Namen. In bestimmten Umgebungen können auch seltene Namen häüfig auftauchen.

    Genau. Es ist meines Erachtens einfach ein Irrweg, das mit den ach so originellen und seltenen oder gar selbstgeschnitzten Vornamen.

    Meine erste Freundin hieß Maria. (Genauer: María – es war eine Spanierin.) Also der wohl häufigste und ehrwürdigste Name im ganzen Abendland. Niemals werde ich ihr Gesicht vergessen und mit einem anderen verwechseln. Die nächsten beiden dann jweils Andrea, ein typischer Modename meiner Generation – auch die würde ich nie verwechselt haben. Und Andrea heißt heute auch meine nette Nachbarin in der Wohnung links oben. Verwechselungen ausgeschlossen. Die Frau meines besten und liebsten Kommilitonen heißt Steffi – wiederum ein Modename unserer Alterskohorte. Stefanie hieß auch eine Freundin von mir, und so heißt die Tochter eines guten Bekannten. Es gibt dieses Verwechslungs-Problem einfach nicht.

    Schopenhauer sagt: „Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“

    • Rebecca Sophie sagt:

      Sehe ich genauso, wenn ich Namensvettern treffe freue ich mich und unterhalte mich vielleicht vorerst auch ein bisschen mehr mit ihnen. Aber dadurch verliere ich nichts von meiner Identität und identifiziere mich nicht übermäßig mit der anderen Person.

    • Jan sagt:

      Oder man denke an Willy Brandts berühmten Besuch in Erfurt im Jahre 1970. Die Leute haben da „Willy! Willy!“ gerufen. Man konnte sich denken, ob da nun Willy Brandt oder Willy Stoph gemeint war. Verwechselt hätte die beiden jedenfalls niemand.

      Willy Brandt war bekanntlich ursprünglich ein Kampfname. Ich habe mal irgendwo gelesen (ich weiß ad hoc leider nicht, wo), daß sich Brandt/Frahm diesen Namen bewußt so ausgesucht hat – und zwar (und das ist das Entscheidende) nicht, weil es aus taktischen Gründen opportun gewesen wäre. Sondern weil er aus psychologischen Gründe wie ein einfacher Arbeiter heißen wollte. Er wollte heißen wie jeder.

      Und ein weiterer Bundeskanzler, Gerhard Schröder, denkt nicht im Traum daran, seinen Namen zu ändern oder im Stile der 80er durch ein lächerliches Mittelinitial origineller zu machen. Obwohl es schon einmal einen BRD-Politiker dieses Namens gegeben hatte, immerhin ein Außenminister.

      Morgen ist der 175. Geburtstag des großen englischen Königs Eduards VII. Wer würde ihn mit Eduard VIII. (auch ein m.E. respektabler Monarch) verwechseln? Als Kind wurde Eduard VII. „Bertie“ genannt. Wie Bertie Vogts. 😉 Und Rudi Völler ist auch nie mit Rudi Dutschke verwechselt worden.

  9. Julia sagt:

    Ein Modename kommt ja nicht nur im Geburtsjahr sondern meist auch in den Jahren davor und danach häufig vor. Oder wie in meinem Fall noch Jahrzehnte danach.

    Ich denke das kann jemand, der das nicht erlebt hat schwer nachvollziehen.

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