Was Mia, Nick und Andrea gemeinsam haben

Zum vierten Mal in Folge auf Platz 1 der Charts – herzlichen Glückwunsch, Mia! Was mir dazu jedoch einfällt, ist die gewisse sprachliche Tücke, die in diesem an sich sehr netten und harmlosen Namen steckt. Man spiele einfach mal ein paar Alltagssituationen durch (bitte laut lesen):

Mutter: „Wem gehört die Monster-Barbie?“
Kind: „Mia.“
Mutter (erschrocken): „Dir?!“

Oder auch:
Chef: „Wem kann ich für diesen grandiosen Einfall danken?“
Angestellte (in aller Bescheidenheit): „Mir.“
Chef: „Ah, Mia, na, das überrascht mich nicht.“

Heillose Verwirrung im Dativ. Vergleichbare Szenen ereignen sich auch im Umfeld von Jungen oder Männern namens Nick, aktuell auf Platz 50. Nur eben ein wenig anders:

Mutter: „Wo kommt denn das Laser-Schwert her?“
Kind: „Das ist Nicks.“
Mutter: „Wie, das ist nix, willst du mich auf den Arm nehmen?!“

Da werden Erinnerungen an den alten Homer wach: Odysseus gibt sich gegenüber einem einäugigen Riesen in listigem Wortspiel als „Niemand“ aus und blendet ihn wenig später. Verzweifelt ruft der Zyklop seine Kumpane herbei: „Niemand hat mich geblendet! Niemand wollte mich töten!“ – worauf diese achselzuckend wieder an ihr Tagewerk gehen.

Andererseits weiß natürlich jeder, der das 80er-Jahre-Teenager-Roadmovie „Der Volltreffer“ kennt: Nick ist ultracool. Einen schöneren Lobgesang auf einen Vornamen hörte ich zumindest kaum jemals in einen Film:

Elliot?!? Du willst dein Kind Elliot nennen? Das kannst du nicht machen! Elliot ist ein fettes Kind mit Brille! Nein, du musst ihm einen richtigen Namen geben. Einen NAMEN! Wie Nick. Nick ist ein Name, der klingt! Nick ist mein Kumpel. Das ist ein Junge, dem du vertraust. Mit so einem kannst du ein Bier trinken gehen. Ein Typ, dem es egal ist, wenn du ihm in seinen Wagen kotzt. Nick!

Es sind aber nicht zwingend nur besonders kurze Namen wie Mia und Nick, die für Missverständnisse sorgen. Ein Beispiel aus der Elterngeneration: das seinerzeit äußerst beliebte Namenspaar Andrea und Andreas. Nur ein Buchstabe mehr oder weniger für den kleinen Unterschied – und zwar ausgerechnet das für die Genitiv-Bildung benötigte s. So dass die Antwort auf die Frage: „Wessen Auto ist das?“ auch ganz und gar nicht eindeutig ist – oder hören Sie etwa den Unterschied zwischen „Andreas“ (=das Auto gehört Andrea) oder „Andreas’“ (=der Fahrzeughalter heißt Andreas)?!

Ich möchte nicht kleinlich erscheinen, denke bei „Klaus“ nicht an eine Aufforderung zum Diebstahl und bei „Wilma“ nicht an ein williges Wesen. Aber die Sache mit dem Genitiv-Apostroph trübt für mich persönlich doch etwas den Gesamteindruck von auf s oder x endenden Namen. Justus‘ Ranzen, Felix‘ (oder Felixens?) Schwester … hm. Also, dann doch lieber Mia.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

18 Kommentare zu "Was Mia, Nick und Andrea gemeinsam haben"

  1. lyn sagt:

    Lange war es auch „in“ im Chat „mia“ oder „dia“ zu schreiben, anstatt mir und dir und noch weitere sachen…..
    das ist noch verwirrender.
    vielleicht mochte ich den namen mia deshalb noch nie wirklich 😉

  2. Schtroumpfette sagt:

    Ich bin auch überhaupt kein Fan des Namens Mia. Für mich ist das Wort „mia“ noch immer eher das weibliche Possessivpronomen (1. Pers. Sg.)der italienischen Sprache.

  3. neuhier sagt:

    hmmm… ich würde ein End-S wesentlich schneller mit dem letzten Vokal aussprechen als ein Genitiv-S und ein End-r unterscheidet sich denke ich bei einem Großteil der Bevölkerung deutlich von einem End-A. Daher sehe ich darin nicht so ein Problem. Diana und die Jana, Dilara und die Lara finde ich im Alltag da verwirrender.

    • Mirjam sagt:

      Im österreichischen gibts oft kein End „R“ im Dialekt 😉 wir sagen aba, mia, dia, unsra, eura, deina…
      Aber wir sagen auch nicht oft „Das ist Andreas‘ Auto“ sondern eher „S ghert m Andi“ oder auch, wie Elisabeth vorschlägt, und auch wenn es Deutschlehrer bewusstlos zu Boden sinken lässt, „das ist Andrea ihres“.

    • Maria Th. sagt:

      Analog natürlich bei uns in Bayern.
      Oder eigentlich noch genauer: „…das ist der Andrea ihres.“
      Stimmt’s? 😀

    • Jan sagt:

      Ich glaube nicht mal, daß das nun so typisch bairisch ist… Ich habe (wirklich) eine Nachbarin namens Andrea. Und deren Auto steht hier keine 50 m Luftlinie von mir entfernt. Ich würde in gesprochener Sprache immer sagen „Das is’ das Auto von Andrea“ und nicht „Das ist Andreas Auto“. Gerade unter halbwegs literaten Leuten darf es eben in den Umgangssprache um Gottes Willen nicht nach Schulmeister klingen. 😉

  4. Clara sagt:

    Mia ist ja vielleicht ein schöner Name, aber ich würde ihn nicht meinem Kind geben. Zumal ich ja in Bayern wohne. Hier ist dieses „Mia“ als wir sehr geläufig. So beim FC Bayern: „Mia san Mia.“

  5. JM19 sagt:

    Zu dem angesprochenen Film „Der Volltreffer“: Dahinter könnte sich (in der Originalsprache) auch ein Wortspiel verstecken: „Nick“ + name = nickname.

    • annemarie sagt:

      Hm, aber gab es denn 1985 schon Nicknames? Heute natürlich … Vor allem aber haben Heranwachsende namens Nick hierzulande wohl mit dem Diminutiv „Nicki“ zu kämpfen 😉

  6. Elisabeth sagt:

    Es wurde doch hier schon mal über den Sinn und Unsinn der Verwendung des Artikels vor Vornamen diskutiert (die Jana? Diana!..etc.)
    Manchmal ist es trotzdem hilfreich, auch wenn es Deutschlehrern hohen Blutdruck verursacht.
    „Wem gehört die Monster-Barbie?“ – „Der Mia.“
    „Wo kommt das Laser-Schwert her“ – „Das ist dem Nick seins.“
    „Wessen Auto ist das?“ – „Das ist der Andrea ihres“ bzw. dem Andreas seines.
    Somit ist die Sachlage doch eindeutig geklärt!

    • Ich fürchte, angesichts der Formulierungsvorschläge “dem Nick seins” und “der Andrea ihres” sind die mitlesenden Deutschlehrer und weiteren Germanisten bewusstlos zu Boden gesunken.

    • Jia sagt:

      Dem Nick seins? Elisabeth, entschuldige, aber hast du jemals in der Schule richtiges Deutsch gelernt? „Es gehört DER Mia“ ist ja nicht falsch, aber „der/dem XY ihres/seins“… das tut furchtbar weh und da nehm ich lieber Missverständnisse in Kauf, als mich so auszudrücken!

  7. ;) sagt:

    Bei Nick stört mich auch das man es als Befehlsform verstehen kann von wegen „nick“ wie : nick mal 😉

  8. Sophia sagt:

    Zwischen „das ist Andreas“ und „das ist Andreas'“ gibt es aber in der Aussprache einen Unterschied, da das letzte a in „Andrea“ länger ausgesprochen wird als in „Andreas“ 🙂 Sogesehen sollte das also keine Probleme geben. Und auch die anderen Probleme lassen sich lösen: „Das gehört Nick“ statt „das ist Nicks“ zum Beispiel, oder eben „die gehört Mia“. Mir scheint, hier wird ein Problem erfunden, wo es keins gibt. 😉

    • Knud sagt:

      Zwischen „das ist Andreas“ und „das ist Andreas’“ gibt es aber in der Aussprache einen Unterschied

      Wenn ich spreche gibt es da keinen Unterschied.

    • Maria Th. sagt:

      „das ist Nicks“

      zwischen „Das ist Nicks“ und „Das ist nix“ ist aussprachetechnisch kein Unterschied, wohl aber in der Bedeutung 🙂 von daher sollte mal wohl unterscheiden (können).

    • Jan sagt:

      Zwischen „das ist Andreas“ und „das ist Andreas’“ gibt es aber in der Aussprache einen Unterschied, da das letzte a in „Andrea“ länger ausgesprochen wird als in „Andreas“

      Auch meines Erachtens stimmt das nicht. Hochsprachlich wird beides gleich ausgesprochen, in norddeutschen dialektalen Färbungen auch. Vielleicht in anderen deutschen Dialekten?

      Ein Problem sehe ich hier allerdings auch nicht; jedenfalls hätte ich noch nie auch nur halbwegs ernsthafte Verständnis-Schwierigkeiten oder Mißverständnisse wegen dieser Gleichklänge erlebt… Und in meiner Alterskohorte (Generation X) gibt es Heerscharen von Andreas und Andreasen…

  9. nick1 sagt:

    wie kann man Nicks mit nix verwechseln? nur jemand mit einer hörstörung mit der man kein ck erkennen kann kann das verwechseln die übrigens nicht existiert!

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