Von Lieblingsbuchstaben und der Liebe

Neulich, beim Zeitungslesen, sprangen sie mich an: drei nette Rentnerpaare aus Stapelfeld bei Hamburg, die jetzt gemeinsam ihre dreifache Goldene Hochzeit feiern. Oder besser: die Vornamen sprangen mich an. Karin und Dieter. Karla und Kurt. Helene und Horst. Gleich zwei von drei Paarkombinationen also mit einer prägnanten Alliteration, die man schöner kaum erfinden könnte.

Einige Zeitungsseiten weiter begegneten mir dann in den Familienanzeigen die „grünen“ Hochzeitspaare Melanie und Marcel, Melanie und Mike sowie Wiebke und Wolf. Gleiche Initialen, wohin das Auge blickt. Frei nach Pat und Patachon, Fix und Foxi, Donald und Daisy, Bernhard und Bianca. Oder man denke an Helmut und Hannelore (Kohl und Schmidt), Heino und Hannelore, Marianne und Michael, Charles und Camilla. Alles bloß selektive Wahrnehmung? Sollte man meinen. Doch – Überraschung – die Wissenschaft sagt nein.

Es gibt tatsächlich Studien amerikanischer Psychologen, nach denen es statistisch wahrscheinlicher ist, dass Hans sich in Helga verliebt und nicht etwa in Uschi. Auch unabhängig von der Häufigkeit bestimmter Anfangsbuchstaben in den jeweiligen Jahrgängen. Julia tut sich lieber mit Jürgen zusammen als mit irgendeinem dahergelaufenen Romeo. US-Forscher John Jones begründet das mit „unbewusster Ichbezogenheit“: Wer sich selbst gut leiden kann, überträgt das auf seinen Namen. Umgekehrt kennt man das ja von Namen, die einem unsympathisch werden, weil man eine unnette Person kennt, die so heißt. Nach „Lieblingsbuchstaben“ wird selten gefragt, aber es erscheint durchaus logisch, dass wir jene mögen, die wir im eigenen Namen so oft hören. Die Vorliebe für die Buchstaben des eigenen Vor- und Nachnamens, besonders für die Initialen, wurde in zahlreichen Ländern nachgewiesen.

Partnersuchende fanden in den Studien – besonders wenn sie gerade etwas unsicher und nervös waren, wie man es beim Kennenlernen ja oft ist – Kandidaten mit gleichen Initialen ein irrationales Quäntchen anziehender als andere. Der Name beeinflusst laut den Forschern aber nicht nur die Partnerwahl, sondern auch die Wahl des Wohnortes, des Berufs (!) und die Vorliebe für bestimmte Produktnamen. Da kommt man doch ins Grübeln. Ich selbst bin offenbar recht ichbezogen: Mein Wohnort und der Name meiner Tochter – allerdings nicht der meines Mannes – beginnen wie mein Name mit A. Wird unsere Kleine später mal Ärztin, Archäologin, Artistin? Ich bin gespannt.

Thema: Wissenschaft

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

10 Kommentare zu "Von Lieblingsbuchstaben und der Liebe"

  1. neuhier sagt:

    Demnach würde man seinem Kind für die Partnersuche einen großen Gefallen tun, mindestens eine Silbe im Namen mit L oder M anfangen zu lassen.

    Bei der Top 30 der Mädchen trifft dies auf 22(!) Namen zu, bis auf Hannah/Hanna, Anna, Sophia, Sophie, Johanna, Sarah, Clara/Klara (dort ist das L aber auch versteckt) und Pia. Bei den Jungen sind es mit 16 immerhin mehr als die Hälfte. Hier enden mit Paul, Tim und Tom noch drei einsilbige Namen auf L oder M.

  2. Kati sagt:

    hmmm, daher lebe ich mit meinem Kjell schon 9 Jahre zusammen…Und meine Großmutter Else war mit ihrem Emil immerhin 37 Jahre verheiratet, bevor sie Witwe wurde.
    Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber auch mal Gedanken gemacht, weil in meiner Familie so einige „Alliterationspärchen“ sind.
    Kirill und Katerina, Inna und Igor, Antonina (Tonja)und Anatolij (Tolja), und die sind alle teils seit Studienzeit (also seit dem 18./19. Lebenjahr) zusammen und nicht geschieden, während alle anderen, meine Eltern und Großeltern mit eingeschlossen, geschieden sind….
    Und so richtig ist mir das immer bei den Großelternpaaren der Hochzeitspaare, die ich ab und an betreue, aufgefallen. Wenn sie in 1. Ehe waren, hatte sie oft den gleichen Anfangsbuchstaben.

    • annemarie sagt:

      🙂 Dass es besser passt, lässt sich von den gleichen Anfangsbuchstaben sicher nicht ableiten. Aber dass man offenbar gegenüber Trägern des eigenen Anfangsbuchstabens schon im Vorfeld positiver eingestellt ist – was das ganze Kennenlernen beeinflussen kann -, ist ja auch schon was … Vermutlich wird meine Tochter später für Jungs namens Alexander schwärmen – oder vielleicht noch Anton. Na ja.

    • neuhier sagt:

      Naja, ganz soweit, den Erfolg einer Beziehung/Ehe über Anfangsbuchstaben der Vornamen vorhersagen zu wollen, sollte man m.E. nicht gehen. Eine unbewusste Selektion danach am Anfang erscheint mir noch plausibel, sucht man ja gerade in diesem Stadium nach Gemeinsamkeiten.

  3. Lilly sagt:

    Ich heiße Lilly, mein Mann Lorenz und und unsere Kids heißen Lene (12), Levi (4), Leandro (2) und Liv (1). Aber das unsere Kinder alle mit „L“ anfangen, war geplant.Wir finden das lustig!

  4. ;-) sagt:

    Gibt es auch eine Studie darüber bei den eigenen Kindern?Wo der gleiche Anfangsbuchstabe ausgewählt wurde?

    • annemarie sagt:

      Wenn ich dazu was finde, werde ich es hier verkünden. Bis dahin nur ganz unwissenschaftlich ein paar Beispiele aus meinem Umfeld: Monika & Sohn Max, Nicole & Tochter Nele, Maren & Tochter Maja, Annette & Sohn Ari, Marco & Sohn Maximilian.

  5. Anna :) sagt:

    Das istmir auch schon aufgefallen. Bei den Erwachsenen sowi deren Kindern. Wenn man die odesanzeigen regelmäßig liest fällt eindeutig die liebe zu einem Buchstaben auf. Auch ich trage den selben Anfangsbuchstaben wie meine mutter und meiner Schwester. Das ist so meine Wahrnehmung .

  6. Wenke sagt:

    Interessant….

    In meinem Umfeld gibt es das GAR nicht.
    Ich kenne flüchtig eine einzige Familie, deren Vornamen alle mit A beginnen: Alfred, Angelika, Annett(e), Anja

    Wenke

  7. Chiocciola sagt:

    Grins. Der Vorname von meinem Mann und mir beginnt auch mit dem gleichen Anfangsbuchstaben, det von unserer Tochter ebenfalls (war keine Absicht, es waren auch Namen mit anderen Anfangsbuchstaben im Gespräch). Ist allerdings auch einer der häufigsten Anfangsbuchstaben.

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