Was ist eigentlich mit Thusnelda?

Eigentlich hat sie das Zeug zur Neuentdeckung: nicht so herb wie Hildegard, Heidrun oder Gertrud, nicht so religiös geprägt wie Christel. Dieselbe Endung wie der neue alte Modename Mathilda, markanter und einprägsamer als die üblichen Zweisilber. Ein Name mit Charakter, bei dem bei Bedarf auch die niedlichen Kurzformen Nell oder Nelli denkbar wären. Eigentlich.

Tatsächlich ist es aber so: Nahezu jeder Deutschsprachige dürfte den Namen Thusnelda kennen, doch niemand vergibt ihn (mehr). In der bis 1890 zurückreichenden Datenbank von beliebte-Vornamen.de findet sich sogar nur eine einzige Thusnelda, Jahrgang 1918. Auch wenn die Sammlung nicht vollständig ist – derzeit wird etwa jeder vierte Name erfasst – und vermutlich doch die eine oder andere alte Dame oder Vorfahrin Thusnelda heißt: ein vernichtendes Urteil. Und schuld ist natürlich die Tussi.

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Das lachende A – Namen und das Schreibenlernen

Es ist schwer, etwas wegzuwerfen, was einen nett anlacht. Es ist sogar fast unmöglich. Und so stapele ich, liebende Mutter einer Viereinhalbjährigen, weiter Kinderzeichnung auf Kinderzeichnung und verstaue in immer korpulenteren Mappen Mondgesichter und lachende Sonnen, Strichmännchen und -mädchen, Kritzelkatzen sowie Zwerge, die in der Hauptsache aus dem Buchstaben A (mit Gesicht und ausgemaltem Spitzhut) bestehen.

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Über kurz oder lang – wer hat Angst vor niedlichen Namen?

Wer hat Angst vor niedlichen Namen?

Wo mehrere Menschen sich über ihre favorisierten Namen austauschen, kommt es schnell zur Bildung sich voneinander abgrenzender Lager – zum Beispiel, wie in der letzten Woche Thema, „Klassisch oder individuell“. Heute nun: „Kurz oder lang“. Da gibt es einerseits diejenigen, die bewusst Kurzform-Namen (Lenny, Leni) vergeben. Weil’s niedlich klingt zum niedlichen Baby (oder „cool“) und „der Name sonst ja sowieso nur abgekürzt wird“. „Mit uns nicht!“, rufen prompt die anderen. Und nennen ihre Kinder weit förmlicher Leonhard oder Magdalena, auch mit Hinblick auf eine spätere berufliche Laufbahn. Obwohl Vertreter der ersten Gruppierung darauf pochen, dass wir uns in den nächsten Jahrzehnten an vieles gewöhnen würden, an Chefärzte oder Staatsanwälte namens Lenny sowieso.

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Edna vs. Anna: Alles nur Selbstverwirklichung?

Allzu gestylte Kinder seien gar nicht seine Welt, so äußerte sich der Berliner Schauspieler Lars Eidinger kürzlich im Elternmagazin Nido. Der Nachwuchs in Szene-Stadtteilen lasse ihn ihm das Gefühl aufkommen, „da verwirklichen sich Eltern in den Kindern“. Das Kind als Accessoire. Befragt nach dem Namen seiner eigenen Tochter, musste Eidinger dann allerdings zugeben, dass auch er nicht frei von solchen Bestrebungen ist: Die 5-Jährige heißt Edna und ist nach einer Comicserie aus den 80ern benannt. „Vielleicht hätten wir sie lieber einfach Anna nennen sollen.“

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Olympia – eine Inspiration

Mein Mann liebt sportliche Großereignisse. Nach der Fußball-EM jetzt Olympia – kann es Schöneres geben?! Ich finde: Ja! Zum Beispiel: das – völlig zweckfreie – Sinnieren über Vornamen. Und so treffen wir uns dann doch auch in den nächsten zwölf Tagen auf dem heimischen Sofa vor dem Fernseher. Er fiebert und leidet mit den Athleten mit, und ich … nun ja.

Olympia 2012 © WimL – Fotolia.com

„Paul Biedermann – klingt ja wie der Partner von Erika Mustermann.“ Von derart unorthodoxen Einwürfen meinerseits lässt sich mein Mann nicht aus der Ruhe bringen. Er flachst auch schon mal mit. Und ich freue mich gerne auch im Stillen an den Namen aus aller Welt. Vor allem an solchen, die ich für deutschlandtauglich halte und gern mal an Neugeborenen hören würde. Nathan, Gideon, Darian (Schwimmer, USA und Südafrika) zum Beispiel. Obwohl es sich dabei um breitschultrig-ausgewachsene Twens handelt, wirken ihre Namen für mein Ohr weit frischer als so mancher Elternliebling aus den aktuellen Top Ten. Und natürlich allemal weniger staubig als die Namen der meisten deutschen Olympioniken (Britta, Michael).

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