Auch an den Nachnamen denken – Vornamen-Interview mit Dieter Richter

Ein schöner Vorname – aber harmoniert er auch wirklich mit dem Nachnamen? Dieter Richter plädiert dafür, diese Frage bei der Namenswahl nicht außer Acht zu lassen. Vielleicht auch deshalb, weil der Bremer mit fränkischen Wurzeln bei seinem eigenen Namen ein gewisses „Klappern“ bemerkt. Was er damit meint, verrät er in unserem Vornamen-Interview. Der Germanist und Autor war auch schon als Namensforscher tätig: in Süditalien, wo er den Trend zum individuelleren Namen bestätigt fand.

Dieter Richter

Wie lautet Ihr vollständiger Vorname?

Dieter.

Wie werden Sie genannt?

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Mein seltener Name und ich: Merlin

Unisex-Namen, die Mädchen ebenso tragen können wie Jungen, haben ihre eigene Fangemeinde, aber auch ihre Tücken. Noch kniffeliger wird es eigentlich nur, wenn man einen Unisex-Namen trägt, bei dem alle Welt überzeugt ist, ihn eindeutig zuordnen zu können. So wie die 22-jährige Merlin aus München. „Jeder, der meinen Namen liest, geht davon aus, dass ich ein Mann bin. Es gab schon mal überraschte Blicke bei einer Bewerbung, und ich werde regelmäßig als ‘Herr’ angeschrieben. Auch in der Schule haben neue Lehrer erst mal gefragt: ‘Wer von euch ist denn der Merlin?’“

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Alles Rainer Wahnsinn, Kinder

Nun also auch Nutella. Zwei Jahre nach der „Meine Coke“-Aktion bewirbt die allseits beliebte Nussnougatcreme mit viel Tamtam personalisierbare Etiketten. Und was soll ich sagen … musste ich natürlich haben (siehe Bild). Dabei mag ICH das Zeug nicht mal sonderlich. Aber die Namen meiner Lieben – hach ja!

Nutellagläser mit Vornamensetiketten

Und dann: die Plakatwerbung zur Nutella-Aktion. Ich weiß nicht so recht, wie ich derartige Wortspielereien finden soll: „Frühstück mit Tiffany“. „Rainer Wahnsinn“. Überhaupt, wer heißt schon Tiffany? Rainer könnte man immerhin noch als Verweis darauf sehen, dass auch die Kinder von gestern (oder vorvorgestern) den braunen Aufstrich mögen. Vor allem aber sind mir, Nutellas Kampagne sei Dank?!, die Alle-Kinder-Witze wieder eingefallen, die die Nutella-Werbung an Kühnheit allerdings weit übertreffen. Überraschenderweise gibt es zu diesem Relikt aus den 80ern im Netz umfangreiche Sammlungen. Die Namen waren schon damals eher oll:

– Alle Kinder essen Schnitzel, nur nicht Susanne, die liegt in der Pfanne.
– Alle Kinder rennen über die Straße, nur nicht Rolf, der klebt am Golf.
– Alle Kinder stehen um das brennende Haus, nur nicht Klaus, der schaut raus.

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Schreib wie du sprichst?

Als Mutter einer Erstklässlerin horche ich auf, wenn über Methoden des Schreibenlernens diskutiert wird. Immer vorn dabei: „Schreib wie du sprichst“. Über das Für und Wider will ich mich hier nicht auslassen, aber: Ich entdecke Parallelen in der Welt der Vornamen. Siehe zum Beispiel Schaklin. Entspricht es einem gesamt-(?) gesellschaftlichen Bedürfnis, Fehlern vorzubeugen oder diese regelrecht salonfähig zu machen? Das Kind schreibt „füa“ statt „für“ und tituliert den österlichen Eierboten mit „Ostahase“, und die Eltern dürfen daran – über Jahre – ebenso wenig Kritik üben wie am Namen des Nachbarjungen, der Jeyden heißt.

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Generation Denglish

Gerade gelesen in einer Vornamensdiskussion im Netz:

„Ist XY nicht ein türkischer Name? Das geht gar nicht, würde ja auch nicht zum Nachnamen passen.“

Okay. Wenn ich auch finde, dass es durchaus türkische Namen gibt, die zu deutschen Nachnamen passen, – aber so was ist natürlich nicht jedermanns Sache. Was ich an obiger Aussage so frappierend finde: Sie stammt von einer deutschen Mama, die gezielt nach amerikanischen Namen sucht. Passt Brian besser zu MüllerMaierSchulze als Cem?

Namensfrage © Piotr Marcinski - Fotolia
Foto © Piotr Marcinski – Fotolia

 

Natürlich haben Amis hierzulande ein anderes Image als Türken, ihre Namen sind auch durch Filme und Serien vertrauter fürs Ohr. Mehr und mehr habe ich aber das Gefühl, dass Ami-Namen wie Jayden oder Maddox mittlerweile komplett assimiliert sind (Achtung, Fremdwort, hat nichts mit „assi“ zu tun!). Wenn im eigenen Umfeld englisch auszusprechende Kindernamen sehr verbreitet sind, wirken sie auf den einen oder die andere vielleicht ebenso „deutsch“ wie Andreas oder Sabine. Nur modischer eben.

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