Wähle keinen Namen, der nur dir gefällt!

Wähle einen Namen, der dir gefällt

„Wähle einen Namen, der dir gefällt und nicht einen Namen, von dem du weißt, dass er allen anderen gefallen wird.“

So ähnlich, auf Englisch, habe ich diesen Spruch in letzter Zeit gleich auf mehreren Social-Media-Profilen gesehen und er hat jedes Mal ganz viele Likes und Herzchen bekommen. Aber nicht von mir, denn ich bin sowas von anderer Meinung!

Ich finde, du solltest einen Namen wählen, der vor allem deinem Kind gefallen wird. Schließlich wird dein Kind sein Leben lang von diesem Namen begleitet. Und wahrscheinlich wird dein Kind einen Namen lieber mögen, der (fast) allen gefällt, als einen Namen, der nur dir gefällt.

24 Gedanken zu „Wähle keinen Namen, der nur dir gefällt!“

  1. Ich finde, es ist ein Balance-Akt. Zu viel Einfluss von außen schadet bei der Namenssuche auch und es sollte nicht das erste Ziel sein, es allen mit dem gewählten Namen recht zu machen. Wenn man Pech hat, fühlt sich der gewählte Name dann für die Eltern wie ein ewiger Kompromiss an und das sollte nicht sein… Andererseits finde ich auch sehr kritisch, wenn Eltern sich zu sehr in ihrer Kreativität ausleben, um auf Teufel komm raus einen besonderen und einzigartigen Namen zu kreieren. Teilweise sind der Phantasie da ja keine Grenzen gesetzt.. und das kann im Zweifel tatsächlich den Kind schaden, denn ein außergewöhnlicher Name, den keiner kennt, macht das Kind auch immer sehr sichtbar. Und das auch, wenn das Kind vielleicht lieber mal in der Masse untergehen möchte anstatt immer direkt aufzufallen. Das gilt sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Auch ständige Bewunderung kann ja nerven.. genauso wie ständiges Buchstabieren und Nachfragen.
    Ein bekannter und beliebter Name macht es einem da sicher leichter. Dennoch sollte er natürlich das Herz der Eltern berühren und ihnen wirklich gefallen.

    Antworten
  2. Ich denke mir: Der Name muss nicht Musik in den Ohren der Mehrheit sein. Im Moment sind ja eher weiche, kurze Namen in, d.h. ein kerniger, konsonantreicher Klang wird tendentiell weniger Leuten gefallen. So eine reine Geschmacks-Bewertung (momentane Tendenz: Sigrid und Bernhard klingen hässlich, Emilia und Lias schön) wäre mir egal – Moden ändern sich wieder und sind stark mit Gewohnheit verbunden.
    Mag sein, dass das dazu führt, dass das Kind in manch jungen Jahren gerne auch einen Trendnamen mit kompatiblem Klangschema hat. Aber ebenso kommt es vor, dass Leute sich seltenere Namen wünschen. In meiner Generation (90er) habe ich auch schon öfter von Erwachsenen gehört, dass sie sich einen etwas härteren Klang wünschen würden, obwohl wir da erst auf den Peak von LaLeLu Namen zusteuerten.

    Anders ist es für mich, wenn ein Name starke Reaktionen auslöst, die über den Geschmack hinaus geht (oder hohes Verwirrungspotential, z.B. wegen sehr komplizierter Aussprache). Dann wirkt sich das sicher langfristig negativ darauf aus, ob dem Kind sein Name gefällt.
    Und das würde sich dann wieder negativ auf mein Gefallen auswirken, weil der Name gewissermaßen den Praxistest nicht besteht.

    Antworten
  3. Na ja, der Spruch überspitzt natürlich stark. Einen Namen wählen, der dem Kind gefallen wird, ist auch schwierig – ich kann das Kind ja schlecht fragen 😉 Und ein kleines Mädchen, das begeistert ist, sagen wir … Lillifee zu heißen, kann diesen Namen 20 Jahre später, bei zunehmender Ausprägung der Persönlichkeit und ggf. auch Wechsel der Namensmoden, richtigdoof finden.

    Ich lese in dem Spruch auch nicht, dass „ein Name der mir gefällt“ automatisch ein Widerspruch sein muss zu „ein Name, der allen anderen gefällt“. Ich finde es durchaus wichtig, nicht bloß auf die Reaktionen anderer zu schielen, sondern (auch!) auf sein Herz zu hören. Allen kann man es eh nie recht machen. Eine Welt voller Namesträger*innen, deren Eltern den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sind, wäre auch langweilig. Zumal es, wie wir hier schon oft gesehen haben, auch stark auf die Kreise, in denen man sich bewegt, ankommt, welche Namen für „alle“ als schön gelten, auf Alter, Bildungsstand, Region …

    Antworten
    • Und: Aus meinen diversen Interviews mit Leuten mit seltenen Vornamen weiß ich, dass zwar nicht alle, aber viele ihren Namen heute sehr mögen. Einige hatten in ihrer Jugend zwar Phasen, in denen sie ihn nicht mochten, haben sich später aber anders besonnen.

      Dass man mit einem seltenen (= gefällt ggf. nicht so vielen Eltern – oder: trauen sich nicht so viele zu wählen, obwohl sie ihn schön finden?!) Namen mehr auffällt, stimmt schon. Ich denke aber, dass der Effekt bei Kindern von heute sehr viel schwächer ausfällt als zu unserer Zeit, als die Namensvielfalt nicht so groß war. Seltene Namen sind – gerade für Kinder – normaler geworden.

    • Genau, der Spruch überspitzt stark. Namen, die nur mir gefallen, gibt es genauso wenig wie Namen, die allen gefallen.

      Habe ich den Eindruck erweckt, dass ich gegen seltene Vornamen bin? Das sollte nicht so sein. Ich möchte mit diesem Beitrag dafür sensibilisieren, dass nicht die Befindlichkeiten, Wünsche, Träume und Sehnsüchte der Eltern im Mittelpunkt der Namensgebung stehen sollten, sondern dass es vor allem das Leben des Menschen betrifft, für den man einen Namen auswählt.

      Grundsätzlich problematisch finde ich zum Beispiel Namen mit ungewisser Aussprache wie Ixchel und Saoirse. Die Eltern mögen mit der Sprache der Maya oder dem Irischen vertraut sein, für die meisten Menschen gilt das aber nicht. Das führt dann immer wieder zu unangenehmen Situationen. Das muss man seinem Kind nicht antun!

  4. Wer sind „alle anderen“? Die (Groß-)Familie, die Umgebung (Region, in der das Kind aufwächst), die Welt? Es gibt vermutlich keinen Namen, der allen gefällt. Selbst hier im Blog gehen die Meinungen zu einzelnen (teils auch sehr geläufigen) Namen oft weit auseinander.

    Ich weiß von (Ur-)Großeltern bzw. deren Bekannte/Freunde gleicher Generation, die über Namen wie Frida oder Emil für das (Ur-)Enkelkind entsetzt waren. Wie kann man nur…? Hintergrund: Sie verbanden den Namen mit (meist nicht mehr lebenden) Personen, die in ihrer eigenen Kindheit schon alte Leute waren (und evtl. auch besondere Charaktereigenschaften hatten). Für die namensvergebenden Eltern waren das jedoch „neutrale“ Namen, die mit keiner speziellen Person verbunden waren. Und was soll ich sagen: Die (Ur-)Großeltern mögen nach etwas Gewöhnung mittlerweile die Namen sehr.

    Sollte mit dem Spruch also nur ein begrenzter Personenkreis gemeint sein, so lasse ich ihn noch durchgehen.

    Sollte jedoch damit auch das weitere Umfeld gemeint sein, so sollte der Name jedoch zumindest neutral sein und nicht negativ aufgenommen werden. „Negativ“ ist jetzt natürlich etwas schwierig zu definieren. Selbst wenn ich den Namen Adolf lieben würde, so würde ich ihn nicht an mein Kind vergeben (zu sehr polarisierend). Und mit einem Namen wie Chenekwahow tue ich ihm auch keinen Gefallen (kann sich kein Mensch merken bzw. erst nach vielen Anläufen). Auf schwierige Aussprachen oder Schreibweisen würde ich ebenfalls verzichten, auch wenn ich sonst die Namen lieben sollte (wo ist z.B. bei Auður, Aþena, João, Zoë nochmals das Sonderzeichen auf Tastatur?).

    Ich finde generell, dass ein Name nach einmal gehört und einmal geschrieben gesehen „sitzen“ sollte. Für die in den Babynamen erwähnte Sonika trifft das zu. Auch Erik „mit k“ oder Louisa
    „mit ou“ stellen kein Problem dar. Hingegen dürfte ein Przemek vermutlich außerhalb Polens wenig(er) Freude an seinem Vornamen haben und ständig buchstabieren und die Aussprache erläutern müssen.

    Antworten
    • Da hat der Gagautor mal schön ignoriert, dass der Name Emil 2011 schon längst wieder modern war 🙂

      Interessant finde ich es schon, dass der Name Emil ausgerechnet dann in Mode gekommen ist, als die E-Mail etabliert wurde.

    • Stimmt, Emil war zu diesem Zeitpunkt (2011) schon ein gutes Jahrzehnt in den Top 200 und hatte im Vorjahr (2010) die Top 50 geknackt. Allerdings bedeutet Platz 50, dass so ungefähr in jeder 20. Schulklasse ein Kind dieses Namens vorkommt. Und bei Platz 100 oder 200 nimmt die Häufigkeit nochmals ab. Dass man zu diesem Zeitpunkt persönlich einem kleinen Emil begegnete (sofern man nicht viel mit kleinen Kindern zu tun hat), war also eher gering.

      Ich habe ohnehin das Gefühl, dass die Namensmoden bei der breiten Bevölkerung (also bei allen, die nicht Kindergärtner, Standesbeamte, Kinderärzte, Hobbynamensforscher oder ähnliches sind) erst mit einer Verzögerung von rund 5-10 Jahren eintreffen. Nämlich dann, wenn die Kinder auch selbst verstärkt in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten und man z.B. in der Zeitung liest „X aus der F-Jugend hat im Spiel gegen … alleine 10 Tore geschossen“ oder im Weihnachtskonzert der Musikschule hört „nun wird uns Y am Klavier ein Stück von Mozart darbieten“.

      Wäre mir im Jahr 2011 ein Emil begegnet, hätte ich damals ohne Zuhilfenahme von Namensstatistiken auch noch nicht einordnen können, ob ich auf einen frisch aufstrebenden Retro-Namen oder auf ein generell seltenes Exemplar (wie z.B. Burkhard) gestoßen bin.

  5. Also erstmal, ich finde die ganzen Reflexionen hier sehr durchdacht und differenziert.

    Mein Gedanke wäre, dass es bei der Namenswahl einfach unheimlich viele komplexe Faktoren gibt, und dass man „Vorsicht“ und „Anpassung“ mit anderen Interessen, wie Schönheit, Bedeutsamkeit, faszinierender Exotik, Kreativität, Originalität, oder, was für mich relevant wäre, Traditionsidealismus abwägen muss. Ich stünde mit meinem Idealismus vor einem Dilemma, wenn ich denn eine herkunftsmäßig ganz deutsche Familie hätte (und dazu noch eine Frau mit ähnlichem traditionalistischen Geschmack). Dann würde sich nämlich die Frage stellen, ob ich in der Benennung meiner Kinder, die alten, jetzt eher verpönten deutschen Namen germanischen Ursprungs wiederbeleben dürfte, oder ob das dem Kind zu sehr schaden würde.

    Ich muss sagen, dass ich bei vielen altdeutschen Namen wenig Bedenken hätte, auch was die Akzeptanz durch andere angeht: Hedwig, Wilhelmine, Kuno, Albert, Rudolf, Bernhard und Gerhard könnten, glaube ich, ohne große Probleme durch’s Leben gehen; bei Hildegard, Wendelburg, Adelheid, Walter und Dietmar würde ich mir schon etwas mehr Sorgen machen, es aber, glaube ich, immer noch wagen.

    Dann kommt der nächste Schub: Reinhild, Waltraud, Kunigunde, Albrecht, Engelbert und Berthold. Ist hier eine Grenze überschritten, wo der Name zu weit weg ist von der heutigen Gesellschaft und ihren Normen? Sagen wir es mal so: an dieser Stelle wäre mir bewusst, dass die Benennung wirklich ein Wagnis darstellt. Unter Umständen würde ich das wagen, aber ich würde mir vorher sehr viele Gedanken machen und die Reaktionen im Umfeld austesten.

    Allerdings, hier meine Erfahrung: ich kenne eine junge Mutter namens Hildrun. Ihr Name ist einfach kein Thema: jeder nennt sie ganz selbstverständlich Hildrun, und das ist dann halt so. Auch ein Schüler namens Reinhard scheint keinerlei Probleme mit seinem Namen zu haben. Ich kann nicht wissen, ob er mal deswegen gehänselt wurde, aber schon seit Jahren erlebe ich, wie alle ihn schlicht und einfach Reinhard nennen, ohne großes Aufhebens und ohne Kommentar. Auch ein Junge namens Ernst an unserer Schule erntet, soweit ich das mitbekomme, keine Kommentare. Ich glaube, in der wirklichen Lebenswelt ist alles letztendlich meistens halb so wild. Und ich finde es eben gar nicht so unwichtig, einer gewissen Modediktatur entgegenzusteuern, auch um der Kulturpflege willen, denn Namen sind ja ein wichtiges Kulturgut.

    Antworten
    • Interessant, ich hätte deine germanischen Namen teilweise ganz anders kategorisiert. Berthold und Albrecht zum Beispiel- ungewöhnlich, mitunter polarisierend im Klang, aber kein Problem.

      Aber z.B. Wendelburg oder Reinhild find ich schon sehr „wortgetüm“, und das ist die Vornamensmode seit ca. Nachkriegszeit eben überhaupt nicht mehr. Dann ist es eben nicht nur ein Name, dessen Klang einem gefällt oder nicht, sondern auch eine ganz direkte wortige Bedeutung wie Rein oder Engel, die sich aufdrängt.
      Deshalb könnte ich mir hier auch stärkere (Anti)Reaktionen wie Befremdlichkeit auf diese Namen vorstellen, als es ein bloßes „klingt das altmodisch und kratzig“ auslösen kann.
      Katharina und Angelina bedeuten zwar auch rein und Engel, aber es drängt sich einem nicht direkt auf.

      Wenn man deutsche Wortnamen gewöhnter wäre, wäre es aber wahrscheinlich kein Problem mehr. Ich denke an englische Daisy, Sunny oder Poppy, die ich in UK als gar nicht mehr plakativ empfunden habe. (in D fallen sie wegen anderer Konnotation wieder eher auf)

    • Bei „diesen Namen“ könnte eine Erprobung im näheren Umfeld eben auch zu grosser Verunsicherung führen, wie oben beschrieben, obwohl die Wahl den Praxistest kommentarlos bestehen würde. Dabei ist es ja in der Praxis genau genommen kein Test mehr. Es sei denn man vergibt mehrere Namen und erwählt auch einen „sicheren“ dazu, quasi als Airbag, falls der andere unglücklich verunfallt. Dann kann man das sogenannte Risiko mit Absicherung sorglos eingehen. Für manche kann solch ein besonderer Name ja auch ganz grossartig sein und ein Zugewinn fürs Leben bedeuten, von dem sie profitieren. Also ich persönlich bin sehr froh über meinen seltenen Namen.
      Bei alten deutschen aussergewöhnlichen Namen, wie die oben genannten, würde ich zum Beispiel eher hier im Forum nach der Meinung und den Assoziationen fragen, aber mit dem Vermerk, dass man den Fokus auf das positive legen und Negatives nur mit triftigem Grund anmerken soll. 10× „also ich persönlich würde den Namen nicht vergeben“ ist nicht hilfreich. Dann wird man zu manchen Namen vielleicht keine Kommentare bekommen, will niemandem etwas Positives dazu einfällt und das ist ja auch ein Statement. Und andere werden womöglich gefeiert.

      Hedwig * hat einen eigentlich sehr eigenwilligen, unmoderen Klang, aber scheint mir sehr weithin akzeptiert und wirkt auf mich irgendwie stark. Ich bin pro Hedwig.

      Wilhelmine, Albert * werden hier ständig diskutiert. Kann man gut vergeben.

      Kuno * unter meinen persönlichen Top 10

      Rudolf * den finde ich klanglich etwas sperriger, obwohl mein Opa so hiess. Ich sehe aber keinen Grund ihn nicht zu vergeben, ausser vielleicht die Kurzform Rudy.

      Bernhard oder Bernard * könnten vom Klang her weit neben Leon(h)ard platziert sein

      Gerhard * Schröder. Ansonsten weder besonders positive oder negative Assoziationen. Machbar.

      Hildegard, Reinhild * den Bestandteil „Hild“ mag ich sehr gerne, alternativ ginge hier auch Hilda.

      Wendelburg * während Wendel sehr weich wirkt, kommt -burg bedeutungstragend doch etwas sehr schwerfällig daher. Wenn man aber diesen Namen dringend als Rufnamen vergeben möchte, dann kommt das Kind als Wendy bestimmt gut durch die Schulzeit und macht anschliessend in zukünftige Bewerbungen neugierig, so dass sie in Erinnerung bleibt und auf jeden Fall zum Gespräch eingeladen wird – allein des Namens wegen und hat damit womöglich besser Berufschancen als andere mit gleicher Qualifikation.

      Adelheid * wurde in der Schweiz so inflationär vergeben. Der Name kommt hier garantiert wieder! Sie werden ja (fast) alle nur Heidi gerufen.

      Walter * hier steckt für mich der Wald drin, darum mag ich den Namen sehr gerne.

      Waltraud * hier höre ich auch den Wald heraus und die Endung -traud bedeutet „Mut“. Das finde ich grossartig. Darum würde ich den Namen mit d schreiben, um das zu unterstützen, also Waldtraut. Sonst kommt der Name wie Walter von walten/herrschen, was ich persönlich weniger reizvoll finde. Für die Schule könnte man sich hierzu ggf. einen attraktiven Spitznamen überlegen, um die Sperrigkeit zu dämpfen. Walda beispielsweise. Es ginge aber bestimmt auch so.

      Dietmar, Albrecht * warum nicht. Bei Albrecht wäre das „ch“ vielleicht noch anzumerken, dass für fremdsprachige Menschen tricky in der Aussprache ist. Aber gleichsam finde ich es sehr sympatisch, weil das einer der besonderen Laute im Deutschen ist, wie auch die Umlaute, die ich in Namen ebenso schätze.

      Kunigunde * Wie bei Kuno gefällt mir, dass „kühn“ mehr oder weniger offenkundig im Namen steckt. Ich empfinde den Namen dennoch als klanglich besonders eigensinnig, aber ich bemerke, dass je öfter ich ihn sage, desto mehr gefällt er mir. Ich vermute, dass er den „Praxistest“ mit Bravour bestehen würde.

      Engelbert * weich und keine negative Assoziation. Wie Gottlieb heutzutage einfach ungewohnt, weil sie so „wortig“ anmuten, aber das sind doch im Grunde total schöne Namen.

      Berthold * keine negative Assoziation und durch Brecht sehr geläufig noch dazu. Würde ich auch vergeben, auch schon wegen meiner Vorliebe für das O.

  6. Ich musste sofort daran denken: Im Kindergarten meiner Nichte war ein kleiner Nikolaus. Diese Namensvergabe hatte wohl einiges an Kopfschütteln in der Kleinstadt hervorgerufen, auch meine Eltern haben sich fast nicht wieder eingekriegt.

    Mir selber gefällt er besser als bloß Nico (ein guter Name, aber doch mit beiden Silben zu je zwei Buchstaben mit Konsonant + langem Vokal doch langsam und so schlicht, dass eine davon abweichende zusätzliche Silbe alles andere als überflüssig wirkt) und Nicolas (auch kein verkehrter Name, aber im direkten Vergleich: klassisch und verwurzelt zu auf modisch und international getrimmt). Durch unter anderem die Beliebtheit von Nico und Nicolas ist Nikolaus nun auch klanglich nicht aus der Welt gegriffen. Bei Valentin und Martin stören auch nicht die danach benannten Bräuche.

    Wie seht ihr das? Hätten die Eltern diesen mittlerweile seltenen Namen vergeben sollen, auch wenn dieser offensichtlich vielen nicht mehr gefällt?

    Antworten
    • Nikolaus ist für mich auch ein sehr schöner klassischer Name. Die Assoziation mit den Supermarkt Nikoläusen drängt sich mir aber zu sehr auf. Wohingegen ich die Tradition zum 6. Dezember mit den gefüllten Stiefeln die schönste im ganzen Jahr finde.
      St. Martin hat es nicht bis in meine Heimat in Niedersachsen geschafft. Davon habe ich das erste mal im Erwachsenenalter gehört. Ich sympathisierte aber auch nicht besonders mit dem Namen.
      Bei Valentin überrascht mich die Begeisterung für den Namen, trotz des USA-Kitschs, der sich nach Europa zwängt. Auch eher ein Supermarkt-Feiertag mit herzförmiger Pizza usw. Aber auch ohne „Feiertag“ ist der Name nicht meins.
      Nikolaus ist von den Dreien mein Favorit.

    • Eine Klassenkameradin wurde in der 8.oder 9. Klasse vom Lehrer gefragt, ob sie etwa noch an den Nikolaus glaube, worauf ihre prompte Antwort kam: „Natürlich! Mein Bruder heisst Nikolaus!“
      Mir gefiel der Name schon damals, und ich finde ihn immer noch schön.
      Was da (gefühlt seit den Sommerferien) in den Läden steht, hat mit Nikolaus ohnehin nichts zu tun. Es sind Weihnachtsmänner, denn wirkliche Nikoläuse mit Bischofsstab und Mitra finden sich eher selten darunter.

  7. Ursprünglich hiess es ja „Wähle einen Namen, der dir gefällt und nicht einen Namen, von dem du weißt, dass er allen anderen gefallen wird“.
    Da höre ich heraus:
    1. Hör nicht nur auf die anderen.
    2. Wähle nicht unbedingt einen Namen, weil er unter den Top 10 platziert ist.
    3. Hör auf dein Herz.

    Zu 1. Lass dich nicht von anderen belabern, etwas kaputt reden oder überreden, wenn das nicht dir entspricht. Manchmal können das auch gute sinnvolle Ratschläge sein, aber wenn Oma Emil zu altbacken ist, dann ist das nicht relevant. Vielleicht gibt es aber auch Traditionen in deiner Familie oder der deines Partners/ deiner Partnerin, die dir persönlich eigentlich gar nicht gut gefallen. Du musst das nicht machen oder findet vielleicht einen Kompromiss mit mehreren Namen.

    Zu 2. Abgesehen von den mehreren Kindern mit demselben Namen in der Klasse, im Freundeskreis, im grösseren Familienkreis etc, lässt sich dies auch mit dem 3. Punkt erklären.

    Zu 3. Mit der Intention die du beim Namen verspürst, sprichst du auch dein Kind an. Das prägt das Selbstwertgefühl und die Entwicklung des Kindes. Liebst du den gewählten Namen und möchtest dein Kind so ansprechen, dann schwingt das immer ein Stück mit. So ist das auch mit anderen Attributen, die man selbst in dem bannen sieht. Wie ich schon mal erwähnt hatte, sagte eine Tiertrainerin zu mir „Nennst du deinen Hund Rambo, wird das auch ein Rambo“. Menschen sind da zwar etwas selbstbestimmter, aber ein Stück weit halte ich das für übertragbar. Wie man deinen Namen ruft, so prägt er dich.

    Und da komme ich zu Knuds Einwand. Wenn nur die Eltern deinen Namen lieben und der Rest der Welt lacht über dich oder schüttelt den Kopf, ob der Name dazu einlädt oder sie es erzwingen: Das prägt das eigene Selbstbild und das kann sehr schmerzhaft sein. Das kann einem Wege im Leben verbauen.
    Ich weiss gar nicht, ob ich bei der Partnerwahl bisher Glück hatte oder ob ich unbewusst Menschen mit mir unsympathischen Namen kategorisch ausgeschlossen habe, die Namen mochte ich jedenfalls alle. Und ich tendiere womöglich dazu Menschen mit spannenden Namen spannend und sympatisch zu finden. So am Rande.
    Jedenfalls wäre es begrüssenswert, wenn auch die Umwelt über den Namen positiv oder wenigstens wertneutral auf dein Kind zugehen kann, ohne dass die Eltern dies mit einer ausserordentlich suspekten Namenswahl unnötig erschweren und man sich fragen muss, ob diese skurrile Einstellung schon auf das Kind abgefärbt hat…

    Sowohl den einen wie den anderen Hinweis der Ausgangslage halte ich für relevant und bedenkenswert.

    Antworten
    • Lustig, mein Mann hatte früher einen Hund namens Rambo (der ausgewachsen sehr groß und respekteinflößend war) und die Familie schwärmt noch heute von dem ausgesprochen lieben Tier. Ein Rowdy war Rambo jedenfalls nicht 🙂

    • Ach witzig. Und wieso ausgerechnet Rambo? War der Hund so lieb, dass es eine Art Gegengewicht brauchte?
      Meine Wahl fiel bei unserer Hündin auf Gloria, weil sie so ängstlich ist und ich nämlich genau so Gegengewicht für sie wollte. Ein Name der ihrem Selbstvertrauen mehr Raum geben sollte quasi.

    • Er hatte wohl so dicke Pfoten, dass man ahnen konnte, dass er mal ein Großer werden würde. Rocky hätte da natürlich auch – vielleicht noch besser – gepasst, aber letztlich gefiel der Klang von Rambo wohl besser. Der Name wurde deutsch gesprochen.

    • Wahrscheinlich ist es dann vor allem der selbst gebildete Diskurs über den Namen, den man ausgewählt hat, der Einfluss hat 😉
      Wenn man Rambo wählt, weil man sich einen dominanten Hund vorstellt, wird man den entsprechend erziehen.
      Wenn man einer Victoria immer wieder erzählt, „wir wollten einen ordentlichen, traditionellen Namen“, dann lebt man selbst höchstwahrscheinlich ein ordentliches und traditionelles Leben vor, und beeinflusst das Kind.
      Wenn man bei Rambo einfach nur den Klang witzig fand für einen Hund als Spielgefährten, strahlt das sicher anders ab, genau wie bei einer Victoria, der erzählt wird, sie sei nach der Hauptstadt von British Columbia benannt, weil man sich da bei Work&Travel kennengelernt habe.

  8. Ich finde, dass alle Kommentare irgendwie Recht haben. Ich bin Lehrerin an einer weiterführenden Schule und es tut mir immer sehr Leid, wenn ich für manche Schülernamen gefühlt ewig brauche, um sie richtig auszusprechen. Z. B. Join, Guan, Janine, Danny…. Wobei ich es immer sehr erfrischend finde neben 4 Tom und 3 Max auch mal eine Raja oder Rika sitzen zu haben 🙂 Ich bleibe da offen und bin gespannt, welche Namen mir irgendwann noch begegnen.

    Antworten
  9. Für mich ist die Bedeutung des Namens wichtig, und ich mag Namen, die nicht zu weich sind, das Kind wird einmal groß es muss sich im Leben bewähren. Darum mag ich lieber volle Namensformen als Abkürzungen. Ja, und ein Mensch muss sein Leben lang mit diesem Namen leben. Daran sollte man als Eltern auch denken.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar