Lucy, Margarida, Raquel und Cassidy spielen Handball

Von Eva (Stammleserin dieses Blogs)

In meiner Freizeit schaue ich gerne und oft Handball. Kurz vor der Sommerpause werden einige Turniere gespielt und so kam es, dass Mitte Juni das Vier-Länder-Turnier der weiblichen U-20 Nationalmannschaft in Hamm ausgetragen wurde. Vornamensbegeistert wie ich bin, habe ich mir die Namen der Spielerinnen mal genauer angeschaut. Alle Spielerinnen sind zwischen 2002 und 2004 geboren.

In Klammern hinter dem Namen stehen jeweils die Platzierungen in den jeweiligen Geburtsjahren in Deutschland, wenn diese eindeutig angeben werden können.

Deutschland

Alexandra
Annabell
Marie (Platz 1 (2004), Platz 11 (2003), Platz 12 (2002))
Lucy
Lara (2002: 8, 2003: 4, 2004: 7)
Emma (2004: 22)
Mia
Lotta
Judith
Nina (35 (2002), Platz 52 (2004))
Leni
Anika (Annika: 2002: 26, 2003: 23, 2004: 21)
Jonna

Von der Nord- und Ostseeküste bis in Schwabenland sind die Heimatvereine der jungen Frauen vertreten. Lotta, den viele als norddeutschen Namen wahrnehmen, taucht einmal im südlichen Deutschland (aktueller Verein Schozach-Bottwartal), einmal gebürtig aus Kiel auf. Außerdem sind Leni und Emma Schwestern, die Eltern folgen dem Trend, sind aber gleichzeitig mit Leni auch dem Trend vorausgeeilt. Leni war in ihrem Geburtsjahr noch um Platz 121 vertreten, danach folgte ein steiler Aufstieg (2021 Platz 12). Außergewöhnlich sind in dieser Namensliste sicherlich Judith und Jonna, auch Anika und Alexandra fallen ein Stück weit aus dem Trend. Neben der Namensdopplung Lotta heißen auch zwei der Mädchen Emma. Interessant fand ich noch, dass Lotta ein Auf und Ab erlebt hat. 2002 kratze der Name an den Top-50, stürzte dann aber wieder weit in die Top-200 ab und erlebte dann einen zunächst sprunghaften, dann stetigen Aufstieg. Momentan hat er sich in den Top-30 eingependelt.

Portugal

Rita
Claudia
Luana
Mariana
Constanca
Leonor
Maria
Júlia (2002: 7, 2003: 2004: 10)
Denise
Margarida
Joana
Luciana
Ana Beatriz (Anna 2002: 1, 2003: 1, 2004: 2)

Interessant empfinde ich auf portugiesischer Seite die für deutsche Ohren alt klingenden Namen. Rita, Claudia, Constanca fallen in Deutschland aus der Mode. Rita mit der Bedeutung „Perle“ ist in der Großelterngeneration zu verorten. Beim Hören habe ich mich gefragt, was den Namen heute so unattraktiv macht – ist es das dominante R oder die Kürze? Nora geht für mich in eine ähnliche Richtung, ist auf Platz 30, Romy mit dem R auf Platz 42. Generell tauchen wenig Namen mit R in der aktuellen Hitliste auf, stirbt das R als Anfangsbuchstabe aus?

Die Bedeutung des Namens Claudia („lahm“, „hinkend“) empfinde ich nicht als besonders schön. Warum erfreute sich der Name zwischen den 60ern und 80ern so großer Beliebtheit? Claudia Schiffer als berühmtes Namensvorbild kann die Eltern heute wohl nicht mehr reizen. Steckt in Claudia zu viel „klauen“?
Der dritte Name, der mir aufgefallen und in Erinnerung geblieben ist, ist Constanca. Für deutsche Zungen ist die portugiesische Aussprache kaum machbar, das deutsche Konstanze klingt mir aber zu hart. Konstanze wäre vielleicht aber eine Option als Zweitname statt der häufig vergebenen Johanna, Katharina oder Charlotte.
In dieser Nationalmannschaft tauchen Maria und Mariana jeweils zweimal auf.

Frankreich

Melina (2004: 39)
Siobann
Lena (2002: 3, 2003: 6, 2004: 8)
Romane
Zaliata
Cassidy
Iona
Coura
Naemi
Maureen
Laura (2002: 11, 2003: 10, 2004: 4)
Helena
Keran

Frankreich hat wohl die internationalsten Namen vergeben. Zunächst einmal Siobann, ein gälischer Name für Johanna, die französische Jeanne. In meinen deutschen Ohren, die des Gälischen auch nicht mächtig sind, klingt ganz deutlich der „Bann“ mit. Das wäre mir eine zu starke Assoziation. Auch Iona hat ihren Ursprung auf dem englischen Kontinent. Eine Insel vor Schottland heißt so. Iona ist leicht mit Jona oder Ilona zu verwechseln. Für mich wirkt der Name aber weiblicher als Jona, der unisex ist.

Zaliata und Keran sowie Coura tauchen außerdem als internationale Namen auf. Zwei der drei Spielerinnen haben in ihrer Vita eine Verbindung zu Afrika, Coura scheint ein Name zu sein, der in der Elfenbeinküste häufiger vergeben wird. Zur Bedeutung konnte ich, ebenso wie bei Zaliata nichts finden. Keran ist wohl ein armenischer Name. Die Bedeutung „Pfosten“ und der harte Klang, sowie die Möglichkeit den Namen auch für Jungen zu vergeben, würden mich daran hindern, ihn selbst für ein Kind zu wählen. Auch die ähnlichen Namen Karen und Karina, die in Deutschland häufiger auftreten, fallen heute ein wenig aus der Mode.

Spanien

Carlota (2004: 53)
Almudena
Maria
Raquel
Andrea
Carmen
Julia
Laura
Amogoia
Ester
Paola
Zaira
Lucía
Elena

Vier Namen sind mir als besonders interessant aufgefallen. Almudena, arabisch für Stadt. Die Bedeutung des Namens fiel mir auf, weil es eine Kombination des arabischen Sprachraums mit der heiligen Maria, Mutter Jesu ist. Beide Kulturen sind in diesem Namen vereint. Vielleicht eine Überlegung für Eltern, die aus den beiden Kulturkreisen stammen?

Zu Amogoia habe ich keine Informationen gefunden. Ich konnte mir vorstellen, dass es eine Zusammensetzung aus Amo[re] und G[i]oia, dementsprechend Liebe und Freude ist. Sollte dies so sein, empfinde ich den Namen als durchaus hübsch, in Deutschland hätte er aufgrund der Schreibweise und vermutlich auch Aussprache kaum eine Chance.
Nerea ordne ich dagegen durchaus Chancen ein. Der Name ist baskisch und bedeutet „vom Himmel kommend“. Durch das N und die Vokalhäufig passt er wiederum gut in die heutige Mode.
Auch Zaira gefällt mir persönlich gut. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet die Blühende, die Blume.

Auffällig sind die ganzen unterschiedlichen Formen des Namens Maria, die sich durch alle Nationen ziehen. Auf deutscher Seite mit Marie und Mia, Portugal wählt Maria und Mariana, Frankreich ist mit Maureen, der englischen Koseform von Mary, dem englischen Maria vertreten, Spanien mit María.

Müsste ich aus jeder Nation eine Tochter benennen, hießen sie Jonna, Luana, Naemi und Ester.

Welche Namen würdet ihr wählen?

13 Gedanken zu „Lucy, Margarida, Raquel und Cassidy spielen Handball“

  1. Amogoia ist wahrscheinlich falsch übertragen, auch Suchmaschinen finden nichts. Amagoia (zweiter Vokal ein a) ist ein baskischer Vorname, seitdem dieser Name in einem historischen Roman mit baskischem Hintergrund verwendet wurde. Eine Bedeutung ist nicht bekannt.

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    • Almudena Grandes war um die Jahrtausendwende durch einige Romane populär. Vielleicht hat sie die Eltern inspiriert.

  2. Ich kann mich nicht so ganz entscheiden zwischen den Namen, weshalb ich jetzt einfach mal die Namen die mir am Besten gefallen kombiniert habe:
    Lara Annabell
    Emma Lucy
    Lotta Annika
    oder: Annika Lara, Lotta Annabell

    Luana Maria
    Julia Joana
    oder: Julia Luana

    Melina Naemi

    Carlotta Elena Lucia
    oder: Elena Carlotta Lucia

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    • Ich wähle:
      Alexandra, Leonor, Helena und Lucia

      Wenn ich Zweitnamen vergeben dürfte, hätten die ganzen Maria-Varianten ihren großen Auftritt:
      Marie Alexandra
      Leonor Maria
      Helena Maureen
      Maria Lucia

  3. Meine vier Töchter heißen:
    Judith
    Annika
    Helena
    Laura

    Ja, ist etwas gemogelt, der portugiesische Name fehlt. Jetzt nochmal mit Portugal:

    Judith
    Mariana
    Helena
    Laura

    Ich habe dabei auch berücksichtigt, dass die Namen in eine Familie passen. Sonst hätte mir Julia gefallen, aber nicht mit einer Schwester, die Judith heißt.
    Luana gefällt mir auch noch ganz gut, finde ich aber zu den Namen der Schwestern nicht so passend.

    Judith ist in meinem Umfeld gar nicht so selten. Unter den 18 – 20jährigen kenne ich zwar keine, aber in meinem Alter und etwas jünger gibt es ein paar Judiths.

    Denise hätte ich eher unter den französischen Spielerinnen vermutet.

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    • Meine vier, gemäß der Regel:
      Judith, Maria, Naemi, Raquel

      Müsste ich Frankreich nicht berücksichtigen, fiele meine Wahl auf:
      Emma, Leonor, Maria, Carlota

  4. Meine Töchter hießen Raquel, Leni, Júlia, Helena – natürlich würde ich Leni und Helena nicht wirklich Schwestern geben.

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