Theophrastus, Polyxena und weitere Namen aus dem September 2021

Annemaries Namen des Monats

Wer sich für Namen interessiert, macht immer mal wieder auch jenseits des großen Weltgeschehens Entdeckungen, die zum Nachdenken anregen. Hier meine ganz persönliche Liste aus dem September – und kommentiert habe ich sie auch gleich:

Marin * Telerik * Polyxena * Oskar * Ethelbert * Tüti * Wolfgang * Luna * Stella * Theophrastus

Die Historischen: Theophrastus und Polyxena

Und da dachte ich, ich kenne schon alle Theo-Namen – Theophrastus war mir neu. Es ist der Rufname des Arztes, Naturphilosophen und Alchemisten Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim (1493–1541), der trotz (oder wegen?) dieser wahrhaft bombastischen Namensgebung als Paracelsus bekannt wurde. Als Bedeutung des aus dem Griechischen abgeleiteten Theophrastus wird „Der das Göttliche in Worte fasst“ angegeben.

Polyxena ist mir beim Üben für eine Geschichtsarbeit mit meiner Tochter aufgefallen. Unter anderem hieß eine im 17. Jahrhundert lebende böhmische Adelige so, Polyxena von Lobkowicz, die ihren Sohn, den sie erst 42-jährig bekam, übrigens auf den Namen Wenzel Eusebius taufen ließ. X und Y in einem Namen, das ist schon etwas speziell. Man könnte auch ganz gut eine Polly daraus machen. Polyxena entstammt der griechischen Mythologie und bedeutet „viele Fremde beherbergend“, also: „die Gastfreundliche“.

Aus Büchern und Filmen: Tüti und Ethelbert

Ich nehme mal nicht an, dass Tüti als Name zulässig bzw. empfehlenswert wäre. Aber lustig ist er. Mit Mann und Tochter höre ich gerade noch mal die Hörbuchfassung von Michael Endes „Der Wunschpunsch“, und da wird eine der Hauptfiguren so genannt. Also jedenfalls von ihrem liebenden Neffen, ihr richtiger Vorname ist Tyrannja – stimmig für eine böse Hexe.

Wer weiß, wo ich Ethelbert ausgegraben habe? Tja, meine Tochter sollte endlich die Vorläufer der „Bibi und Tina“-Geschichten kennenlernen: die alten „Immenhof“-Filme. Es gibt keine Hexerei, dafür viel Nachkriegsflair, die Pferde sind kleiner und der eingebildete Feriengast heißt nicht Sophia, sondern Ethelbert. Komischerweise macht sich in den Filmen nie jemand über seinen hochgestochenen Namen lustig. War für die Cousinen wohl ganz normal. Die werden kess „Dick“ und „Dalli“ genannt, heißen aber eigentlich Barbara und Brigitte – hey, genau wie Bibi (Brigitte) und ihre Mutter!

Echtes Leben: Telerik, Luna und Stella, Wolfgang und Oskar

Der Name Telerik ist mir (nur geschrieben) im beruflichen Kontext begegnet, scheint was ganz Seltenes zu sein. Ich lese immer Tele-rik, Tell-Erik ginge aber wohl auch …? Luna und Stella sind noch Kinder und (natürlich!) Schwestern. Ich habe sie in meine Liste aufgenommen, weil ich immer etwas schmunzeln muss, wenn Geschwisternamenskombinationen so erwartbar sind. Außerdem heißen die Hauptfiguren im Lieblingsbuch meiner Tochter so.

Wolfgang arbeitet im selben Unternehmen wie ich und ist mir deshalb aufgefallen, weil er fast genauso heißt wie ein als „Wolle“ bekannter Schlagersänger … sein Nachname weicht nur schriftlich minimal von dem des Promis ab. Wie oft er wohl Anspielungen auf den Namensvetter hören muss? Hier können die Eltern aber nichts dafür, beide Wolfgangs dürften aus ähnlichen Jahrgängen stammen. Oskar schließlich habe ich (plus Nachnamen) auf dem Lieferwagen eines Handwerkers gelesen und musste daran denken, dass es (zumindest gefühlt) noch gar nicht so lange her ist, dass dieser Name ebenso altbacken wirkte wie heute etwa noch Oswald, Ortwin oder Waldemar. Es ist das alte „Was hat Greta, was Gerda fehlt“-Phänomen, das mich immer wieder fasziniert.

Unisexname des Monats: Marin

Mit einem oder einer Marin hatte ich über Ebay Kleinanzeigen Kontakt. Marie, Marina versus Martin oder Marius – dieser Name erinnert so sehr an bekannte Frauen- und Männernamen, dass man wirklich ins Schwimmen kommt (passend, denn er bedeutet „aus dem Meer stammend“). Ich habe deshalb nachgefragt. „Meine“ Marin ist weiblich, die männlichen Namensträger sollen aber überwiegen.

17 Gedanken zu „Theophrastus, Polyxena und weitere Namen aus dem September 2021“

  1. Oh, da hatten wir die gleiche Idee, einen Artikel über ungewöhnliche Namen habe ich auch in Planung 🙂

    Paracelsus und damit Theophrastus habe ich hier tatsächlich kennengelernt, weil jemand mal in einem Kommentar über ihn geschriebenen hat. Seine Namenskombi ist schon bombastisch 😉

    Ich habe als Kind der Serie „Wunschpunsch“ geliebt (da sagte der Neffe immer Tantchen) und auch das Buch (gibt es mehrere?) gelesen, an „Tüti“ kann ich mich aber nicht erinnern.

    Stella und Luna ist genauso hübsch wie erwartbar, ich habe auch schon von Mädchen mit der Kombi Stella Luna gelesen. Ich persönlich mag Stella lieber, wobei mir mit Luna Lovegood aus Harry Potter, Luna Wunderwald aus der gleichnamigen Büchern und Luna aus „Die Schule der magischen Tiere“ gleich drei Lunas aus der Kinder- und Jugendliteratur kenne.

    Marin finde ich hübsch, wenn es „Ma-Riiiin“ ausgesprochen wird.

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    • Ganz vergessen

      Telerik- erinnert mich einerseits an das englische „Tell Erik“, anderseits klingt es ein wenig wie ein Adjektiv zu Teller. „Das Objekt sieht irgendwie tellerig aus“

    • Marine – also in der französischen Aussprache Ma-riiin – klingt eigentlich hübsch, aber erinnert zu sehr an Marine Le Pen, sehr schade

    • Mir ist kürzlich eine Marines begegnet. Den Namen hatte ich zuvor noch nicht gehört und hielt ihn zunächst für männlich.

    • @chiocciola

      Wie wurde der Name ausgesprochen? Ma-ri-NESZ? Oder MA-ri-nes? Oder doch anderes?

      Passend dazu Marillis (bei der Schreibweise bin ich mir aber unsicher), ich bin mit einer zur Schule gegangen.

    • Ich habe ihn spontan Marínes ausgesprochen, also wie Marina, nur wie es. Habe den Namen aber glaube ich nie von der Person selbst ausgesprochen gehört und weiß darum nicht, ob diese Aussprache die korrekt bzw. gewünschte ist.

    • An Tüti kannst du dich nicht erinnern, weil sie im Buch Tyti geschrieben wird. Ich hab’s letztens meinem Sohn vorgelesen.

    • Hab mal kurz geinternetsuchmaschint:

      – Tante Tyti heißt mit vollem Namen „Tyrannja Vamperl“

      – In den USA gibts wohl vereinzelt den Vornamen Tytiana (vlt eine Variante von Tatjana oder Titania?)

      – Es gab eine altägyptische Königin, die tatsächlich „Tyti“ hieß

    • Huch, ja, das kommt dabei heraus, wenn man Namen nach dem Hörbuchhören aufschreibt – Tüti statt Tyti … Aber wenigstens ist mit Umlaut die Aussprache klarer 😉

  2. Zu Stella und Luna. Ich finde es eigentlich gar nicht schlecht, wenn Geschwister durch thematisch gleiche Namen miteinander verbunden sind.

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  3. Ich finde thematische Verbundenheit auch nicht schlecht, bei Blumennamen bietet sich das ja gut an: Iris und Susanna, Linnea und Rosalie etc.

    Luna und Stella ist aber so erwartbar, das ist ja nicht schlimm, einer meiner Lieblingskombis Emma Luise ist auch erwartbar, aber der Himmel hat mehr zu bieten als Mond und Sterne. Vielleicht verfasse ich einen Artikel dazu

    Esther und Stella finde ich übrigens sehr hübsch, beide bedeuteten Stern.

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    • Mir sind einmal Zwillinge begegnet, die Stella und Clara heißen. Ihr Nachname war ein lateinisches Wort (ich will hier jetzt nicht den vollen Namen schreiben, Datenschutz und so), sodass die Namen mehr oder weniger „Sternenlicht“ und „Helles Licht“ bedeuten. Fand ich irgendwie süß!

  4. Huj, Telerik ist etwas sehr außergewöhnliches. Assoziationen führen schnell in Sackgassen: Tolkiens Teleri (ein Untergruppe der Elben) helfen nicht weiter, und der Versuch, ein germanisches -rik wie Herrscher abzutrennen führt zu einem kaum weiterverwendbaren Rest (tila „Ziel“?). Eine Recherche führt dazu, dass der Name wahrscheinlich bulgarisch ist, die Suche wird jedoch durch eine Softwarefirma dieses Namens sehr erschwert.

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    • @elbowin:

      Danke für die Recherche, ich bin auch besonders fasziniert von Telerik! Dachte zuerst an Telemachus, den Sohn des Odysseus. Telemachus bedeutet „der weit Reisende,“ wobei „tele“ „weit“ bedeutet, aber auch „Ziel“ („telos“).

      Es wäre schon seltsam, wenn es sich hier um einen griechisch-germanischen Mischnamen handeln würde, aber ganz ausgeschlossen ist das nicht, denn in Bulgarien gab es am Schwarzen Meer zeitweilig eine gotische Kultur, gleichzeitig aber auch (ebenfalls am Schwarzen Meer) viele griechische Kolonien und griechischen kulturellen Einfluss. Sollte der Name bulgarisch sein, könnte es sich tatsächlich um einen griechisch-gotischen Mischnamen handeln, aber wer weiß–da müssten dann die Experten heranrücken, um das wirklich aufzulösen. Manchmal gibt es in nicht-germanischen europäischen Kulturen überraschenderweise ganz alte germanische Namensformen, die dann aber durch sprachliche Überlagerung umgeformt wurden. Das tritt ja besonders stark in Spanien auf, wo die Westgoten ihre Spuren durch Namen wie Fernando hinterließen. Vielleicht ist Telerik ein ähnlicher Fall. Oder, es ist ein Name, der sich ähnlich ableitet wie der Komponistennachname Telemann, und ganz vereinzelt hier und da mal in der deutschen Namenslandschaft auftaucht.

      Auf jeden Fall ist dieser Name ein faszinierendes Mysterium.

    • Sollte ich jemals Gelegenheit zur Kommunikation mit jenem Herren haben, werde ich unbedingt versuchen, das Rätsel zu lösen 🙂

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