Eine von vielen, aber mit Klasse

Kennen Sie eine Sabine (oder zwei, drei, vier …)? Dann sind die bewussten Damen mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 1955 und 1975 geboren. Vielleicht etwas früher oder einige wenige Jahre später: Der Name Sabine war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr lange ein Elternliebling. Seine Popularität während des Nachkriegs-Babybooms ist auch der Grund dafür, dass in der derzeit lebenden Bevölkerung Deutschlands so viele Sabines anzutreffen sind (Platz 9).

Was lässt sich also – zugegeben, mit ein wenig Orakelei – über eine Frau namens Sabine sagen?

1. Sie hat Erfahrung – schon rein aus Altersgründen. Bekannte Namensträgerinnen sind die frühere Tagesthemen-Moderatorin Sabine Christiansen (Jahrgang 1957) oder, als noch etwas älteres Modell, die ehemalige Bundesministerin der Justiz Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Jahrgang 1951). Tennisspielerin Sabine Lisicki, 1989 geboren, ist dagegen ein Küken. Nach 1990 wurde der Name zur Rarität.

2. Sie hat Klasse. Oder jedenfalls einen Namen mit klassischen Wurzeln: Er geht auf die alten Römer zurück, auf den Beinamen Sabinus – „der Sabiner“. Dieser bezieht sich auf eine gebirgige Region in Mittelitalien. Die heilige Sabina ist Schutzpatronin von Rom, der Hausfrauen und der Kinder, und der mythologische „Raub der Sabinerinnen“, eine Massenentführung junger Frauen, regte insbesondere in der Renaissance die Fantasie vieler Künstler an.

3. Sie taugt zur Heldin von Moritaten. „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ heißt eine Ballade von 1849, in der eine „gar holde und tugendhafte“ Magd aus Liebe zur Diebin und schließlich sogar ermordet wird. Etwas besser ergeht es dem „Hühnchen Sabinchen“ (Amazon-Partnerlink), einer Bilderbuchfigur von 1940 vom „Häschenschule“-Verfasser Fritz Koch-Gotha. Allerdings wirkt die Geschichte des Federviehs, das fröhlich herumbummelt, bis es, weil ihm der Kochtopf droht, doch lieber eine brave Legehenne wird, aus heutiger Sicht befremdlich.

Hühnchen Sabinchen
Hühnchen Sabinchen. Illustration von janjf93 auf Pixabay

4. Sie ist fleißig und weiß sich zu wehren. Viele Menschen assoziieren den Namen Sabine mit der für unser Ökosystem äußerst wichtigen Biene, die in harter Arbeit leckeren Honig erzeugt – und durchaus auch mal stechen kann. Auch die Schreibweise „Sabiene“ wurde gelegentlich schon gesichtet.

Während die älteren Sabines stets eine von vielen waren, sich also auf andere Weise „einen Namen machen“ mussten oder auch bequem in der Masse verschwinden konnten, wäre ein Kind namens Sabine heute wieder ein echter Hingucker. Doch warum eigentlich nicht?! Fest steht: Die jüngeren und jüngsten Sabines werden von Menschen, die zunächst nur ihren Namen hören, leicht für älter gehalten. Doch – und das kann ich als Annemarie beurteilen – so etwas muss ja kein Nachteil sein. Es sei denn vielleicht, Sie möchten Ihren Klarnamen bei der Online-Partnersuche nutzen. Aber wer macht das schon …?

Und außerdem …

8 Gedanken zu “Eine von vielen, aber mit Klasse”

  1. Schöner Beitrag!
    Ich habe mich schon öfter gewundert, warum der Name so out ist.
    Ich würde den Namen Sabine selbst eher nicht wählen, aber in meiner persönlichen Top-Liste rangiert Sabine deutlich vor einigen der aktuellen Modenamen.
    Und dass der Name aktuell nicht unter den Top 100 ist, wäre für mich eindeutig ein Pluspunkt.
    Viele Grüße

    P.S.: Bin ja gespannt, ob mein eigener Name in dieser Kommentar-Reihe auch mal drankommt – und wenn ja, mit welchen Assoziationen.

  2. Liebe diesen Namen. Für mich ist er sehr vertraut–in der eigenen Generation war der Name gerade schon nicht mehr angesagt, aber die, die nur ein bisschen älter waren als wir, hießen oft Sabine. Der Name umgab mich irgendwie von allen Seiten in der Jugend, und da haftet dann doch für mich etwas Nostalgie an diesem Namen. Zudem fand ich ihn aber auch immer schlichtweg sehr wohlklingend, mit dem A, I, und Schwa-Auslaut, dazu das weich-gesprochene, säuselnde S, und das Weiche B und N. Der Anklang an das für mich sehr positiv besetzte Insekt Biene kam noch verstärkend hinzu. Später dann noch der Anklang an die klassische Welt und an die Heilige. Alles in allem ein ganz wundervoller Name. Würde ich ohne weiteres selber vergeben.

  3. Als ich 1995 meinen Job im Kindergarten aufnahm, hatte ich in meiner Gruppe einen kleinen Axel. Als sei das nicht schon ungewöhnlich genug, hieß seine kleine Schwester – eine lockige ca. Anderthalbjährige mit Brille! – Sabine. Ich selber war grade 17 damals und habe mich sehr über diesen Namen gewundert, kannte ich doch bis dahin nur gleichaltrige oder ältere “Sabinen”. (ja gut, ich wunderte mich noch öfter zu Berufsbeginn, denn tatsächlich gab es unter den Kindern auch einen Ignaz und eine Gisela, was ich damals schon für längst out hielt…)
    Auch unter meinen Kolleginnen fand und findet sich bis heute immer mind. eine Sabine.

  4. In meiner Wahrnehmung wurde Sabine von Sabrina abgelöst, in den 80er Jahren. Jüngere Sabrinas (also <30) kenne ich mehrere, Sabines allerdings tatsächlich nur Ü40.
    Sabine finde ich angenehm zu sprechen, bei Sabrina stört mich immer vor allem das harte r, aber auch die a-Endung – warum, kann ich aber nicht wirklich sagen.

    • Wenn man das R deutlich spricht (Grüße nach Bayern ;-)), dann erinnert es an den Ausruf brr. Das muss einen nicht stören, aber man ist automatisch mehr bei Pferden oder in der Polarregion als bei Bienen.

      Ich habe mit Trägerinnen beider Namen nur gute Erfahrungen gemacht – und ja, Sabrinas sind jünger als Sabines, aber auch schon erwachsen.

    • Schließe mich meinen beiden Vorrednerinnen grosso modo an. Nur: Sabine war/ist wohl in meiner Generation doch wesentlich häufiger als Sabrina in der Generation danach.

      Das Zungen-r gibt es übrigens auch durchaus im nord/plattdeutschen Akzent („De grode Mandrenke“) und auch noch anderswo in Deutschland. Manchmal habe ich den Eindruck, daß es in den deutschen Regionen häufiger ist als das standarddeutsche Zäpfchen-r. Auch in England – und zwar nicht nur im schottischen und nordenglischen Akzent, sondern auch in feineren südenglischen Soziolekten – gibt es ja durchaus das Zungen-r und eben nicht das „Standard-r“ des „internationalen Englisch“.

      Über das schauderhafte alt-hannöversche r („rch“) habe ich hier schon so oft gelacht – daß ein weiteres Mal nicht schaden kann: „Kurcht, die Garchtentürch knarcht!“. Es ist fast der gleiche Laute wie das französische r – aber es klingt gnadenlos proletig. 😀

      Auf der Lutherschule hieß mein Französischlehrer Horst mit Vornamen. Feiner Kerl, den alle gerne mochten. Aber bei der Konstellation „Hannoveraner, der Französisch unterrichtet“ konnte einfach der Spitzname „Horchst“ nicht ausbleiben.

      Im Spanischen gibt es übrigens sowohl in der Orthographie als auch in der Aussprache teils bedeutungsunterscheidende zwei „Qualitäten“ von Zungen-r’s: Ein r mit ein ober zwei Anschlägen und ein rr mit mehreren Anschlägen:

      pero = aber
      perro = Hund

      Und im Japanischen geht das r in den L-Laut über.

      Na, bin ich ein pfiffiges Kerlchen? 😀

    • In meinem Umfeld war Sabine auch einer der häufigsten Mädchennamen, ein Name der Generation Ü40. Ich finde Sabine immer noch schön. Und die Abkürzung Bine mag ich auch (wegen der fleißigen Biene). Sabine kann gerne wieder entdeckt werden. Zur Zeit ist die Schwalaut-Endung ja sehr beliebt (Pauline, Marlene … Sabine). Wer weiß, in ein paar Jahren ist Sabine wieder ‘in’.

      Sabrina ist viel jünger und hat für mich auch diesen englischen Touch. Klanglich wirkt Sabrina wie die Nachfolgerin von Sabine. Aber Sabine ist klassischer, während Sabrina eher ein Modename war. Sabrina war nicht über einen so langen Zeitraum beliebt wie Sabine. Sabrina klingt auch hübsch, ein Problem mit dem “br”-Laut gibt es in Ostwestfalen nicht. Das ‘r’ wird hier weicher gesprochen als in Bayern.

      Dann gibt es ja auch noch Sabina. Die lateinische oder italienische Form von Sabine. Eine Sabina muss vermutlich ständig erklären das sie nicht Sabrina bzw. Sabine heißt. Es gibt hier im Blog eine Sabina, die gelegentlich kommentiert.

  5. Hier ist eine der jüngeren Sabinen. Bin Jahrgang 86.
    Bis vor einigen Jahren gefiel mir mein Name nicht sehr. Fand ihn sehr altmodisch.
    Mittlerweile mag ich ihn ganz gern. Vor drei Jahren hab ich das erste Mal eine Sabine getroffen, die genau so alt ist wie ich. Wir sind gleich Freunde geworden 🙂

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