Der Paul unter den Fiffis

Nein, um Hundenamen geht es heute nicht. Eher um Hunderassen. Diese Dackeldame da drüben … schon ganz drollig. Und der Riesenschnauzerrüde – ein charmantes Raubein. Ich hätte trotzdem keinen von beiden gewählt. Auch der Chihuahua kann mich nicht becircen. Seit Elly bei uns lebt, geht es mir wie wohl vielen (Hunde-)Eltern: Ich sehe zwar wohlwollend auf mögliche Spielgefährten für meinen Wauwau, beglückwünsche mich aber insgeheim. Das eigene Kind … äh, der eigene Hund ist einfach der tollste!

Es war am Rand von Ellys Tobeplatz, wo mir eine Analogie zum Thema Namen auffiel: Was für einen Hund wir wählen, kann einiges über uns aussagen – wie die Namenswahl für unsere Kinder. Sind wir sportlich, angepasst oder avantgardistisch unterwegs? Mögen wir es groß und mächtig, elegant oder putzig? Wie stehen wir zu Trends?

Labradoodle © otsphoto - fotolia.com
Labradoodle © otsphoto – fotolia.com

Der Labradoodle zum Beispiel: ein frecher Wuschel, der dazu überraschend unkompliziert ist (nervt nicht mit herumfliegenden Haaren, gilt als allergikertauglich). Er ist quasi der Oskar/die Lotta unter den Hunden. Weitere angesagte Familienfiffis wie Labradore in Schokobraun oder Golden Retriever sind die Pauls und Emmas, windschnittig-fragile Windhunde die Eleonoren oder Constantins. Knuddelige Kläffer, die dank Handtaschenformat nie aus dem Kleinkind-Stadium herauszukommen scheinen, entsprechen in dem Modell den sehr niedlichen Namen. Zoey vielleicht, Leni oder Lenny.

Bitte das Gedankenspiel nicht zu ernst nehmen – es hat noch mehr Haken und Ösen als mein früherer Versuch, die Vorlieben für bestimmte Kinderklamotten und Namen unter einen Hut zu bringen. Natürlich sollte es in erster Linie von unserer Zeit, Energie und sonstigen Lebensumständen abhängen, für welche Hunderasse wir uns entscheiden. Namen dagegen kosten nichts – ich kann mein Kind mit der opulenten Vierer-Kombi Olympia Seraphine Hildegard Marielle beglücken oder es einfach Pia taufen. Namen verlangen uns nichts Bestimmtes ab. Trotzdem: Bei der Wahl unseres bellenden Mitbewohners haben wir einen gewissen Spielraum, wie bei anderen Lifestyle-Entscheidungen (Automarke, Urlaubsort …) auch. Und bestimmt ist es nicht bloß Zufall, dass der Name meiner Tochter nicht in den Top 500 zu finden ist und mein Herz nun auch für einen bunten Hund – eine Vier-Rassen-Kombi – schlägt.

7 Gedanken zu “Der Paul unter den Fiffis

  1. Hunde sind hundiger als Katzen katzig sind.
    also beim Hund hat man mehr Auswahl welche Sorten es da alles gibt, die Katzenrassen sehen sich untereinander mehr ähnlich.
    ZEit ist auch ein Faktor. wenn man ein Hundefoto(mit dem Hundenamen beschriftet) betrachtet muss man die Jahreszahl dazu kennen um die Situationskomik zu erfassen.
    also in etwa: wie weit ist ein Name von der “Norm” entfernt.
    es ist ein lustiger Beitrag, Annemarie, der zum Gedanken weiterdenken ermutigt. spielt die Farbe des Fells auch eine Rolle?

  2. “spielt die Farbe des Fells auch eine Rolle?”

    Na, der heftigste aller Schutzhunde – der türkische Kangal – hat ein gelbliches Fell. 🙂

    Als die GSG 9 hier vor ein paar Jahren den Hanebuth hopps genommen hat, haben sie erstmal seinen Köter abgeknallt, obwohl das noch ein halber Welpe war. Kann ich aber auch verstehen. Der Kangal ist großartig – das beste, was es an Hunden gibt.

  3. Witziger Beitrag! Ich habe mir auch gleich noch Deinen älteren Beitrag zum Thema Kinderkleidung durchgelesen und muss bei Gelegenheit doch mal schauen, welche Namen eigentlich auf den Secondhandklamotten meiner Kinder stehen. 😀

    P.S.: Mein Mann und ich haben schon oft gedacht, dass es eine Verbindung zwischen Sportlichkeit und Geschmack bzgl. Hunderassen gibt. Sportliche und schlanke Menschen sieht man häufiger mit großen Hunden, mit denen man eben auch mal joggen geht. Der gemütliche Typ hat eher ein kleines flauschiges Hündchen dabei.

  4. Wir hatten in meiner Kindheit und Jugend einen kleinen, etwas dicklichen Rauhaardackel namens Bille. Von den Nachbarn zärtlich Kläfftöhle oder Drahtbürste genannt. Ein absolut fröhliches und liebenswertes Tier, mit ausgeprägtem Dickkopf. Nicht ganz die Lotta/Oskar-Fraktion, aber auch nicht so weit davon entfernt. Ein wirklich lustiger Beitrag. Solche Texte sind für mich der Grund regelmäßig diese Seite zu besuchen.

    • Hm, dem kann ich mich glatt anschließen. Auch bei uns war es eine liebenswert-resolute Rauhhaardackeldame, die allerdings unseren Nachbarn gehörte und den Namen Jule trug. Deine Beschreibung passt auf jeden Fall auch zu ihr, und der Name ist meiner Meinung nach auch zumindest aus der gleichen Kategorie. Bille und Jule – doch, könnten Schwestern sein. 🙂

  5. Das ist ein interessanter Artikel. Die Hunderasse und auch der Name lassen erahnen, wie Herrchen oder Frauchen ticken.

    Neulich mußte unser Kater Theo zum Tierarzt. In so einer Praxis sieht man dann die unterschiedlichen Tierhalter. Ein schlecht erzogener Dalmatiner (Name: Tracy). Tracy hat mit ihrem Gekläffe alle anderen genervt. Die anderen Hunde haben das recht cool hingenommen. Dann kam noch eine Frau mit Schoßhündchen “Rosi”, mit Jäckchen, wurde wie ein Baby auf dem Arm getragen. …

    Früher hießen die Hunde Wuschel oder Struppi. Getigerte Katzen hießen einfach nur Tiger. Und das schwarze Pony hieß Blacky.
    Heute haben Tiere oft menschliche Namen, manchmal sogar Modenamen. Sind Emma und Lotta nun Tiere oder Kinder?

    • Ich würde fast vermuten, daß sich auch hier eine Retro-Welle anbahnt, falls sie nicht schon rollt… In einer der wenigen kultiverten Winkel meines Stadtteils (direkt um das Fürstenhaus) wird ein kleiner Hund „Lumpi“ gerufen. Das habe ich vor Jahren schon gehört.

      Diese nervtötend-gequält-originellen Tiernamen meiner Jugend (80er/90er) dürften sich eben auch noch von selbst erledigen:

      – Robert für ein Chinchilla
      – Doktor Mayer für eine Katze. Gerne auch Batset oder so (nach dieser ägyptischen Göttin).
      – Das unvermeidliche Balou für einen Köter.

      Das ist Schnee von gestern wie Kevin und Chantal für Menschen. Die Zukunft gehört Struppi und Lumpi, Axel und Waldmann.

      (Was dann Nutten mit ihren Pfiffis machen, ist vielleicht eine andere Frage.)

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