Woran man Unterschichtennamen erkennt

Es machen Berichte die Runde, dass es Vorurteile gegenüber bestimmten Vornamen gibt und dass die Namensträger deshalb in der Schule und im Beruf benachteiligt werden. Vornamen werden in Schubladen gesteckt und die sogenannten Unterschichtennamen haben den schlechtesten Ruf. Viele werdende Eltern sorgen sich, dass sie ihrem Kind ausgerechnet so einen Namen geben. Das muss nicht sein, denn es wurde wissenschaftlich bewiesen, woran man Unterschichtennamen erkennt:

  • Unterschichtennamen enthalten verhältnismäßig viele Vokale.
  • Der Anteil heller Vokale (e, i, y) ist in Unterschichtennamen besonders groß.
  • Mädchennamen mit einem geschlossenen Auslaut (enden auf einen Konsonanten) und Jungennamen mit einem offenen Auslaut (enden auf einen Vokal) werden in der Unterschicht relativ häufig vergeben.
  • Mehrere Vornamen werden in der Unterschicht seltener vergeben als in höheren Schichten. Vornamen mit Bindestrich kommen dagegen in der Unterschicht häufiger vor.

Herausgefunden hat das Ute Utech in ihrer Arbeit „Rufname und soziale Herkunft: Studien zur schichtenspezifischen Vornamenvergabe in Deutschland“. Ich habe die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zusammengefasst: Typische Vornamen der bildungsfernen Schichten. Die Arbeit ist 2011 im Georg Olms Verlag erschienen.

Social Evolution © olly - fotolia.com

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Die Ergebnisse haben natürlich nur einen Sinn, wenn man weiß, wer überhaupt zur Unterschicht gehört. Ute Utech hat die sozialen Bevölkerungsschichten so definiert:

  1. Oberschicht
    Prestigeberufe und repräsentative Berufe mit Hochschulstudium, wie z.B. Professor/in, Minister/in, Richter/in am Bundesgerichtshof etc. und Adelstitel.
  2. Obere Mittelschicht
    Berufe mit Hochschulausbildung (Studium), so z.B. Jurist/in, Arzt/Ärztin, Ingenieur/in, Natur- und Geisteswissenschaftler/in.
  3. Untere Mittelschicht
    Berufe mit Fach- und Fachschulausbildung, u.a. Handwerksmeister/in, Techniker/in, Bürokaufmann/frau, Krankenschwester/-pfleger.
  4. Unterschicht
    Berufe mit Schulausbildung, Anlernberufe und andere einfache Ausbildungsberufe wie Fabrikarbeiter, Call-Center-Agent/in, Bäckereiaushilfe; außerdem Arbeitslose und Menschen ohne Beruf.

Hier ist der Punkt erreicht, an dem mir etwas Kritik angemessen scheint. Über die Definition der Schichten 2, 3 und 4 (studiert / ausgebildet / ungelernt) kann man sicher streiten, ich finde sie für diese Zwecke jedenfalls geeignet. Nicht so gut finde ich, wie Ute Utech die Oberschicht eingeteilt hat. Schon deshalb, weil von den 53.568 Kindern, deren Namen und soziale Stellung in der Studie untersucht wurden, nur 100 dieser Oberschicht angehören. Das sind meiner Meinung nach zu wenige, um signifikante Aussagen abzuleiten. Auch die Auswahl der Berufe finde ich zweifelhaft. Konkret gehören der Oberschicht in dieser Stichprobe ein Regierungsbeamter, ein Minister, 7 Professorinnen und 52 Professoren an; die Zahl der adligen Eltern ist mir nicht bekannt. Die Oberschicht besteht fast ausschließlich aus ProfessorInnen! Genießt dieser Beruf wirklich ein so herausragendes Ansehen? Das mag aus Sicht einer Doktorandin ein kluger Schachzug sein, schließlich werden wissenschaftliche Arbeiten von ProfessorInnen beurteilt und da schadet es nicht, sich einzuschmeicheln. Aus meiner Perspektive außerhalb der Hochschulwelt sehe ich aber viele weitere Berufe mit ähnlichem Prestige.

Thema: Kevinismus

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

64 Kommentare zu "Woran man Unterschichtennamen erkennt"

  1. Annemarie sagt:

    Interessant! Als „geschlossene“ Mädchennamen fallen mir natürlich zuerst solche wie Chantalle, Jacqueline, Chayenne ein, bei den „offenen“ Jungen vielleicht Luca, Jonah oder sowas wie Jamie? Zu beiden Gruppen ließen sich aber auch ganz „unverdächtige“ Gegenbeispiele finden, sodass die Aussagekraft für unsichere Namenssucher doch begrenzt bleibt …

    Ute Utech ist aber auch mal ein Hingucker-Name!

  2. Kathrin sagt:

    Und worunter fällt nun ein Adeliger ohne Hochschul- vielleicht sogar Schulabschluss? Oder ein Hochschulabrecher, oder jemand mit mittlerem Schulabschluss, der trotzdem ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut?

    Tut mir leid, mit solchen Studien kann ich nichts anfangen.

    • Knud sagt:

      Das meinte ich mit „Über die Definition der Schichten 2, 3 und 4 (studiert / ausgebildet / ungelernt) kann man sicher streiten“. Es gibt viele weitere Möglichkeiten, den sozialen Status der Menschen einzuordnen. Ich finde aber nicht, dass deswegen die ganze Studie unbrauchbar ist. Die Verfasserin musste schließlich ein System wählen, dass auch auf die zur Verfügung stehenden Informationen anwendbar ist und da fällt mir auch nichts ein, was besser geeignet ist.

  3. Rebecca Sophie sagt:

    Was mich vor allem srört ist der Adelstitel, obwohl wahrscheinlich was dran ist, dass Menschen mit Adelstitel eher selten zu Unterschicht gehören.
    Bei der Sache mit dem Auslaut fallen mir biblische Namen ein. Es gibt dort viele Jungennamen auf -a und noch mehr Mädchennamen, die auf einem Konsonant enden. Einige von ihnen haben außerdem sehr viele helle Vokale. Mir fällt jetzt ein
    Elisabeth, Judith, Ra(c)hel, Ruth sowie Elia(h), Jona(h), Noa(h) (alles natürlich deutsch gesprochen). Ich glaube, da gibt es bessere Kriterien, nach denen man die Namen einordnen könnte.

    • Knud sagt:

      Es führt aber zu weit, daraus zu schließen, dass biblische Vornamen vor allem von Eltern ohne Berufsausbildung vergeben werden.

      Das wäre auf jeden Fall auch eine Untersuchung wert, wie sich die biblischen Namen über die Schichten verteilen. (Wink zur Uni Mainz)

    • Rebecca Sophie sagt:

      Das wollte ich damit gar nicht ausdrücken, im Gegenteil, ich wollte zum sagen, dass es mMn ein besseeres Kriterium wäre die Namen nach der Herkunft einzuordnen. Wobei Jacqueline zum Beispiel nicht biblisch sondern französisch wäre.

  4. Jan sagt:

    Ich meine auch, daß die Oberschicht zu dünn definiert ist – schon weil dadurch die Menge (also 100 Nasen) kaum statistisch aussagekräftig sein dürfte. Andererseits: Wer käme auf die Idee, Leute wie Gabriel, Merkel oder Nahles (also Bundesminister oder gar deren Chefin) für Oberschicht zu halten? Lächerlich.

    Gut, die Autorin muß irgendein wissenschaftlich belastbares Kriterium finden, und da ist die Kombination Ausbildung/Beruf sicher immer noch besser als das Familieneinkommen. Ansonsten wäre Boris Becker mit seinen B…, B… *spotz* – besonders lieben, süßen und unschuldigen Kindelein auch Oberschicht. Und ein prolliger Noveau riche aka „Selfmademan“ mit 200 Angestellten vielleicht auch. Sind sie aber natürlich nicht.

    Man fragt sich, was ein Adelstitel sein soll… Ein „von” im Namen ist jedenfalls kein Titel. Anderseits kann es unter Insidern durchaus mal mehr wert sein als irgendein Freiherr Graf, nämlich dann, wenn die Familie Uradel ist. (Ich bin kein Insider, sondern eben Unterschicht. 🙂 ) Man kann jedenfalls nur hoffen, daß die Autorin das einigermaßen geschnallt hat. Es ist wirklich eine schwierige Materie.

    Ein gestandener Klempner-Geselle ist sicher nicht „Unterschicht“.

    M.E. ist „Unterschicht“ ein so amorpher Begriff wie es die politischen Zuordnungen „rechts“ und „links“ geworden sind.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ein anderer Vorschlag, nur drei Kategorien. Dass Lehrernicht unbedingt Oberschicht sind kann ich ja vielleicht noch nachvollziehen, aber Ärzte oder Anwälte? Und was ist mit Führungspositionen bedeutender Unternehmen. (Ja sogar bei VW). Natürlich gibt es da auch einige Ausreißer nach unten, aber ehrlich gesagt ist das meiner Meinung nach ein besseres Pauschalkriterium als ein Adelstitel.

    • Knud sagt:

      Die Idee mit den drei Kategorien hatte ich auch – schön, dass ich nicht der einzige bin, der das gut findet. Ich habe die Schichten 1 und 2 bereits für weitere Auswertungen zusammengefasst. Demnächst mehr!

  5. Katrin sagt:

    Was ist denn mit dem augenscheinlich durchschlagendsten Kriterium: Namen, die der sog. Unterschicht (ein soziologisch ziemlich problematischer Begriff) zugerechnet werden, stammen doch häufig eher aus dem anglo-amerikanischen (Kevin, Justin, Jamie) oder französischen Sprachraum (Chantal, Jacqueline)? Ist das der Autorin nicht aufgefallen?

    • Knud sagt:

      „Aufgefallen“ reicht im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit nicht, so eine These müsste belegt werden. Dieses Aspekt hat die Autorin aber nicht untersucht. Auch das wäre ein Thema für eine weitere Auswertung. Wer übernimmt das Thema?

  6. Agnes sagt:

    Die Adeligen waren mindestens früher alle hochgebildet (fünf Sprachen als Selbsverständlichkeit z.B.)…

    • Maria Theresia sagt:

      Ob man das verallgemeinern kann? Abkömmlinge von Herrscherhäusern wie die österreichischen Erzherzöge (m/w) vielleicht, die von Haus aus schon deutsch/tschechisch/ungarisch/italienisch und französisch lernen mussten. Aber da gab’s auch „doofe“, die es nicht so drauf hatten…manchmal genügte auch eine solide Halbbildung in Adelskreisen, man war ja schon wer durch Geburt. Und eine Berufsausübung war im 19. Jahrhundert auch nicht unbedingt üblich, wenn man vom Verwalten der Güter absieht. Der Bruder der Kaiserin Elisabeth (Sissi) musste innerhalb der Familie kämpfen, um Augenarzt werden zu dürfen, das empfand man als unpassend.

    • Jan sagt:

      Ich würde den Adel wirklich weder unter- noch überschätzen. In Carl Amerys wunderbarem Roman „An den Feuern der Leyermark“ (eine Parodie auf die bayerische Geschichte der letzten zweihundert Jahre, geschieben so vor vierzig Jahren) hat es eine Systematisierung des Adels um 1800, also zu der Zeit, als Napoleon den Laden ein bißchen aufgemischt hat: entweder sind es „blurünstige Wildbrätschützen“ oder homophile Bluter. 😉 Und das ist bis heute so.

      Letztlich ist es kennzeichnend für den Adel, ein Familienvermögen über die Zeitläufte retten zu können.

  7. Paul sagt:

    Für mich sieht das so aus, als hätte die Autorin die Namen nur durch eine Software analysieren lassen. Auf die Art findet man dann raus, ob da mehr A oder mehr I drin sind, aber an den eigentliche Kriterien, nach denen Eltern Namen auswählen, geht das doch völlig vorbei, und man erkennt daran auch keinen Unterschichtennamen. Es sind ja nur statistische Unterschiede, die meisten Unterschichtennamen in der Liste erfüllen die Kriterien gar nicht.

    Naja. Ich habe in Elternforen schon bemerkt, wie groß die Sorge ist, aus Versehen einen Unterschichtennamen zu vergeben. Eigentlich eine beknackte Welt. Und trotzdem werden meine Kinder nicht Jason und Celine heißen…

  8. Jan sagt:

    Naja. Ich habe in Elternforen schon bemerkt, wie groß die Sorge ist, aus Versehen einen Unterschichtennamen zu vergeben. Eigentlich eine beknackte Welt.

    Exakt. Auf den Punkt gebracht. 🙂

    Diese arschbackenverkniffene Angst, was falsch zu machen, sie nervt. Und diese Angst, das darf ich mir als Unterschichtler erlauben anzumerken, ist eben ganz typisch Mittelschicht.

    Wir haben da schon unsere Standards.

  9. lenchen sagt:

    Kann man eigentlich wirklich bei den Adelstiteln noch von Oberschicht sprechen, wenn sich diverse Leute einen Titel er“adoptiert“ haben? Gina-Lisa glaub ich ist doch so eine Prinzessin geworden, weil ein Adoptiv-Z-Promi einen Titel gekauft hat. Und die sollen Oberschicht sein aber eine Krankenschwester die oft mehr drauf hat als ein frischgebackener Arzt ist nur untere Mittelschicht?

    Wonach hat sich das Kategorie-Karussell eigentlich gestaffelt? Einkommen?

    • Maria Theresia sagt:

      Richtig, an diesen Aspekt hatte ich noch gar nicht gedacht, dass man sich ja das „von“ auch käuflich erwerben kann.

    • Maria Theresia sagt:

      Das kann aber wahrscheinlich statistisch in der Arbeit eigentlich gar nicht berücksichtigt werden, da man vermutlich keine belastbaren Zahlen über die Adoptionsrate in Adelskreisen hat und schon gar nicht über solche gekauften Adoptionen.

  10. Tu154 sagt:

    Und wozu zählen die, die einen Hochschulabschluss haben, dann aber durch Krankheit arbeitslos wurden?

  11. maria spohie sagt:

    Ich kann diese Debatten nicht so ganz nachvollziehen! Ich bin Jahrgang 1950, in einem erzkatholischem Umfeld geboren und es war in unserer Familie, (keine Adelstitel, gibt es nicht in Österreich) üblich, dass man dem Kind als ersten Namen den Namen der Taufpatin und als 2. Namen den Namen der Mutter gab, so bin ich zu Marie Sophie gekommen!

    • Elisabeth sagt:

      Das ist eine schöne Tradition! Aber dann hiesse ich Maria Maria!

    • Jan sagt:

      Das mit der Vergabe der Zweit- oder Drittnamen nach den Paten gibt/gab es auch in Evangelistan. So komme ich zu meinen Zweitnamen Jan (von meinem lieben und verehrten Großonkel Johann) und Wilhelm.

    • Maria Theresia sagt:

      Was genau meinst du mit Evangelistan?

    • Jan sagt:

      War dumme Alberei von mir! Ich meinte einfach den evangelischen Teil Deutschlands, also grosso mode den Norden und den Osten.

      Das Wort war so in Anlehnung an Afghanistan, Tadschikistan, Turkmenistan etc. gewählt. (Im NATO-Jargon übrigens heißen letztere Weltgegenden „the Stans“.)

    • Maria Theresia sagt:

      Ja, das mit der Anlehnung an die …stan-Länder war mir schon klar.
      Ich hab deswegen gefragt, weil das mit der Namensvergabe und den Taufpaten früher allgemein üblich war, nicht nur in „Evangelistan“, auch in „Katholistan“, wenn man so will.
      Wobei wir wieder bei Hanno Buddenbrook sind: „Justus Johann Kaspar“, Johann ist klar, und Justus Kröger und der Bürgermeister Kaspar Oeverdieck (die große Ehre!) sind die Taufpaten.

    • Jan sagt:

      Ach sooo. Ich wollte einfach nur rüberwachsen lassen / klarstellen, daß es daß mit der Benennung nach Paten nicht nur in Katholikien gibt bzw. gab… Na, sollte aber auch allgemein bekannt sein… Nur eben nicht den ersten Namen sondern den zweiten und evtl. der dritten. Das mit dem zweiten Namen nach dem Namen der Mutter kenne ich allerdings von hier nicht.

  12. FFM sagt:

    geht es nun darum welche Namen die Assoziation „ungebildet“ auslösen, bei dem gemeinen(auch zum Teil dummen) Volk oder darum welche Namen in welcher „Schicht“ tatsächlich vorkommen, (sofern es Schichten geben sollte).=?

    • Jan sagt:

      Ach hör bloß auf, tschuldigung, aber auf diese Wörterpolizei reagier‘ ich inzwischen allergisch

      Ich auch. Siehe auch unten. Und mir scheint der Softeis-Begriff „Milieu“ übrigens auch wieder viel aufgeladener als das halbwegs neutrale Wort „Schicht“ oder das marxistisch konnotierte „Klasse“. Nicht nur, aber auch wegen „Zille sein Milljöh“ oder „Rotlicht-Milieu“.

      „Milieu“ klingt warm, süßlich und gefühlig, kuschelig, irgendwie furchtbar sozial und weich. Es klingt so, als ob sich jeder in einer bestimmten Mischpoche zu Hause fühlen müßte oder gar fühlen wollte.

      Vielleicht gibt’s aber ja auch noch Leute, die sich gerade dann „diskriminiert“ fühlen, wenn ihnen ebendieser schnarchnasig-harmlose Kaninchen-Instinkt unterstellt wird.

      Ich gehöre jedenfalls zu keinem „Milieu“. Selbstverständlich aber zu einer Schicht (der Unterschicht) und zu einer Klasse.

    • FFM sagt:

      Entschuldigung, da handelt es sich wohl um ein Missverständnis.
      Es ging mir nicht darum ob Schicht ein angebrachter Ausdruck ist, sondern ich wollte die Frage näher betrachten.
      Ist die Frage: Welche Namen lösen die Assoziation „ungebildeter Mensch“ aus, sodass jemand bei der Bewerbung benachteiligt werden kann?
      oder
      ist die Frage: Welche Namen sind bei welchen Gruppen(hier eben Schichten genannt) tatsächlich vorhanden.
      Gedanke: Assoziationen sind manchmal von Vorurteilen etwas fehlgeleitet.

    • Jan sagt:

      @FFM

      Himmel, Arsch und Zwirn, es tut mit leid! 🙁 Das war einfach ein Verklicker meinerseits, ich wollte auf das vom Xaver bzw. auf die Bemerkung von Rebecca Sophie dazu antworten. Nochmals um Pardon, das ist wegen meiner Zerstreutheit war einfach falsch einsortiert worden.

      Horrido

      🙂

    • Anonymous sagt:

      Jan, du kokettierst aber schon auch mit deiner angeblichen Unterschicht-Zugehörigkeit! Du hast offenbar studiert (deine Studentenzeit hast du in letzter Zeit mal irgendwo erwähnt), bist belesen, machst auch sonst nicht gerade einen ungebildeten Eindruck und das kann man durchaus als Kompliment sehen. Damit gehörst du aber nicht der Unterschicht an, wie sie in der Studie unter Nr. 4 angeführt ist. Dass deine Vorfahren evtl. als Häusler der Unterschicht zugehörig waren, heißt ja nicht automatisch, dass du es auch noch bist. Nichts für ungut! 🙂

    • Rebecca Sophie sagt:

      Tut mir leid, das habe ich wohl auch falsch verstanden.
      Um deine Frage zu beantworten, in dieser Studie geht es wohl eher darum welche Namen in der Unterschicht tatsächlich häufiger vergeben werden, auch wenn das nicht immer für jeden Namen zutrifft. Assoziationen werden aber (unter Umständen) bei den gleichen Namen ausgelöst, wobei ein Name natürlich auch „die Schicht wechseln“ kann (Zum Beispiel Kevin).

    • Jan sagt:

      Helau.

      Nichts für ungut!

      Ach Anonymous, in der guten alten Zeit des Internets, bis vor so etwa zehn Jahren, war das alles noch einfacher und spielerischer. 😉 In der ollen „Foren“-Welt konnte sich jede/r ein Bärenfell umhängen oder ein Flitterkleidchen anziehen, ohne daß man sich viel dabei gedacht hätte. Durch die Re-Personalisierung des Webs durch den ganzen Social-Media-Fuck ist das alles wieder ernsthafter und verbissener geworden: Die Leute haben Bewerbungsfotos als Avatare, und alles soll immer furchtbar ehrlich und „authentisch“ sein. :-/

      Und ich will einfach nicht zur Mittelschicht und schon gar nicht zu irgend einem Milieu gehören, obwohl das, wie angerissen, schwierig ist. 🙂

      Im Jahre 2014 hatte ich aus beruflichen Gründen viel mit Leuten aus der „richtigen“ Unterschicht zu tun. Also da, wo alle zu fett sind und generationenübergreifend von Hartz IV leben, wo die erwachsenen Kinder wirklich Kevin heißen und die Leute Privatfernsehen gucken. Man glaubt es kaum, aber man findet da wirklich gute Leute, brauchbarer als all die Berliner Twitter-Spastis.

    • Xaver sagt:

      Der Begriff „Unterschicht“ ist offenbar umstritten.
      Tatsache ist jedenfalls dass ausser Jan offenbar kaum jemand dazu gezählt werden möchte. Anders lässt sich die große Sorge ausversehen einen „kevinisitischen“ Namen zu vergeben ja nicht erklären.

    • Jan sagt:

      D’accord. Es ist aber schon so, daß milde Begriffe nichts an bitteren Zuständen ändern. Daß diese Begriffe vielmehr recht bald im Rahmen von „Euphemismus-Tretmühlen“ selbst bitter klingen. Beispiele: „Behinderter“ und „Migrant“ waren auch einmal als sedierende, „antidiskriminatorische“ Freundlichkeiten gemeint und sind heute fast Beleidigungen.

      Übrigens operiert die von Dir verlinkte Graphik (deren Autoritativität ich nicht zu beurteilen vermag) ja ihrerseits durchaus mit dem Begriff Schichten, auch mit „Unterschicht“ – nur daß die Schichten in ihr nurmehr die Y-Achse eines Koordinatensystems bilden, mit dem ein komplexeres Modell der BRD-Gesellschaft visualiert werden soll.

      Amüsant übrigens, daß dieses Blasenmodell rechts unten gleichsam ein Loch hat – da würde dann wohl ich mich wiederfinden. 🙂

    • Maria Theresia sagt:

      „Im Jahre 2014 hatte ich aus beruflichen Gründen viel mit Leuten aus der „richtigen“ Unterschicht zu tun. Also da, wo alle zu fett sind und generationenübergreifend von Hartz IV leben, wo die erwachsenen Kinder wirklich Kevin heißen und die Leute Privatfernsehen gucken. Man glaubt es kaum, aber man findet da wirklich gute Leute, brauchbarer als all die Berliner Twitter-Spastis.“

      Das ist ja klar, dass es in allen Schichten/Klassen/Milieus „solche und solche“ gibt. Nur weil jemand aus kleinen Verhältnissen stammt, heißt das ja nicht von vornherein, dass er einen miesen Charakter haben muss. Bei den sog. kleinen Leuten gibts oft (nicht immer) mehr Anstand und Haltung als bei der sog. Haute volée. Und auch dort gibt es sowohl sehr nette Leute mit Charakter wie auch charakterlose arrogante Blödköpfe. Und in allen Schichten gibt es alle Ausprägungen dazwischen! Es lebe die Gauß-Kurve!

    • Rebecca Sophie sagt:

      Stimmt, allerdings wird auch vieles „vererbt“, bzw. anerzogen. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass alle Unterschichtler, dumme unfreundliche Assis sind. Aber es ist nun mal so, dass Jugendliche eher in bestimmte Milieus oder Gruppierungen abrutschen, wenn sie nichts anderes kennen lernen. Und wenn die Eltern wenig (oder kein) Geld haben, gerät man eben früh damit in Kontakt. Und gerade die, die in der Schule (warum auch immer) schwächeln finden so etwas besondersattrektivund rutschen wieder dorthin ab. Und auch Intelligenz kann „unterdrückt“ werden, wenn auch meist eher unabsichtlich, so dass in der „Unterschicht“ weniger Potenziale entdeckt werden, so dass die Jugendlichen es schwerer haben „aufzusteigen“.
      Und Jan, laut Knuds neuer Definition wärst du ja eher Oberschicht. Ich persönlich wäre auch lieber langweilig Mittelschicht als Unterschicht (schätze mal ich bin auch Oberschicht, bin mir aber nicht so ganz sicher…), ich verstehe auch nicht so recht was daran so schlimm ist.

    • Jan sagt:

      Ja, sicher, man kann in allen Milieus, anständige, brauchbare und angenehme Leute finden. (Obwohl man zum Beispiel in der grünen Bionade-Bourgeoisie schon etwas gründlicher suchen muß. :mrgreen: )

      Und über die Frage, warum gesellschaftliche Aufstiege scheitern, sind schon Hekatomben von Büchern aus unterschiedlichsten Blickwinkeln geschrieben worden.

      Nur muß man sich halt meines Erachtens fragen, warum die Unterschicht heute einen dermaßen schlechten Ruf hat. Warum haben zum Beispiel Eltern angeblich große Angst, aus Versehen einen „kevinistischen“ Voramen zu vergeben? Sicher spielt hier auch die Tatsache hinein, daß Eltern vielleicht heute doch oft etwas zuviel Angst haben, etwas falsch zu machen (Stichwort Hubschrauber-Eltern…), aber das ist aus der Perspektive meiner politischen Überzeugungen nicht das Ausschlaggebende. Es gibt eben eine massive Kampagne der rechten Presse gegen die Unterschicht – gerade der Springerpresse, die sich im wesentlichen an die untere Mittelschicht wendet, also an die Leute gerade knapp über der Unterschicht, an die Leute, denen selbst die Abstiegsangst im Nacken sitzt*) und deren Wut gleichsam von den Starken auf die noch Schwächeren umgelenkt werden soll und wird.

      Ich habe gar nichts gegen das Wort Milieu und verwende es selbst gelegentlich (siehe oben), nur weigere ich mich als Sozialist einfach, ein Wort, das zumindest noch etwas an die marxistische Klassentheorie erinnert, für diffamierend erklären und komplett durch einen postmodernen Weichspüler-Begriff ersetzen zu lassen.

      Und es ärgert mich auch, daß diese allgegenwärtige, übervorsichtige Wort-Auswechselei und -Verbieterei auch noch in der Regel als etwas Linkes wahrgenommen wird. Das ist sie nicht, sie ist einfach kleinbürgerlich.

      *) Wenn man sich seiner Klassemzugehörigkeit ganz sicher wäre, brauchte man ja z.B. auch kaum Angst haben, „aus Versehen“ einen falschen Vornamen zu vergeben – dann wüßte man, was geht und was nicht.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Na ja, ich denle, der schlechte Ruf der Unterschicht hrt einfach daher, dass es dort eben überdurchschnittlich viel Gewalt, Kriminalität aber auch Dummheit gibt (hat ja einen Grund wemm die Leute in die Unterschicht abrutschen, auch wenn wie schon gesagt natürlich nicht alle so sind). Außerdem sind viele Unterschichtler schlechter geblidet als andere und viele Elterm haben einfach Angst, dass ihr Kind nach seinem Namen beurteilt wird und sich so z.B. Jobchancen verbaut. Und ich denke auch das niemand gegen solche Vorurteile gefeit ist, mir selbst geht es auch teilweise so.
      Bezüglich der Wörterpolizei stimme ich dir zu, das ist weder rechts noch lings sondern eigentlich ziemlich Mitte, ich erinnere mich daran was passierte als Lucke „entartet“ sagte oder die Reaktion aug Seehofers „deportiert“ (wobei ich letzteres schlimmer finde, beides jich wirklich gut abrr auch nicht als Bekenntnis zum Nationalsozialismus). Das ist einfach ein Mittel, dass besonders dann gerne eingesetzt wird, wenn jemandem die Argumente ausgehen.

    • Jan sagt:

      Und ich denke auch das niemand gegen solche Vorurteile gefeit ist, mir selbst geht es auch teilweise so.

      Natürlich nicht. Und gerade dann nicht, wenn man sich für das Thema dieses Blogs interessiert. (Was man bei Leuten, die hier oft und auch wertend kommentieren unterstellen darf.)

      Und die von Dir namhafte gemachten Mißstände in der Unterschicht wird niemand leugnen wollen. Nur sind eben die das Problem und nicht die Bezeichnung der Schicht.

      Was mich aber übrigens weiterhin stört, ist die Ute-Utesche pauschale Einordnung von Professoren und Ministern als „Oberschicht“. Das klingt so, als ob eine Doktorandin dem Herrn Professor was Nettes sagen will. Kein Mensch, der mal anner Uni rumgehangen hat und seine fünf Sinne beieinander hat, kann das ernstnehmen. Und ich habe studiert bevor die deutschen Unis durch „Bologna“ verklippschult und der letzten Reste Humboldtschen Geistes beraubt worden sind. Und das Wort „professoral“ ist seit Ewigkeiten ein Schimpfwort. Na, und Minister: Es gibt wohl keine Berufsgruppe, die in der Öffentlichkeit ein so schlechtes Prestige hätte wie Politiker (und vielleicht noch Journalisten). Wie es vor ein paar Wochen der Chefredakteur der Titanic im FAZ-Interview gesagt hat: „Schäuble ist der einzige Deutsche, über den man Behindertenwitze machen darf.“

      Einerlei, daß die Schichten-Einteilung der Studie kritikwürdig ist, scheint hier immer Konsens zu sein.

    • Knud sagt:

      Noch etwas zu den Prestigeberufen: Feuerwehrmänner, Ärzte und Krankenpfleger haben den besten Ruf, siehe http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/wie-sich-das-ansehen-verschiedener-berufe-aendert-13785696.html

      Auch beim Allensbach-Institut stehen Professoren erst auf Platz 7: http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/PD_2013_05.pdf
      Politiker sind angeblich sogar angesehener als Bankangestellte, das kann ich gar nicht nachvollziehen 😉

    • Jan sagt:

      Politiker sind angeblich sogar angesehener als Bankangestellte, das kann ich gar nicht nachvollziehen

      Damit sind aber sicher nur die Kredit- und Riester-Renten-Berater gemeint, nicht die Statistiker, SysAdmins und ähnliches Nerd-Volk! 😉

      Meines Erachtens:

      Feuerwehrleute und die große Mehrzahl des Pflegepersonals: plus. Ärzte: manchmal plus, ab und zu sogar doppel-plus, meistens so lala, in D aber eher plus, viel zu oft aber auch absolut minus.

      Mein Prestigeberuf, der bei diesen Umfragen „Welche Berufe bewundern sie?“ leider nie genannt wird: Gerüstbauer. Die Jungs sind echt klasse! 🙂 Oder Leute in der Gastronomie, die da wirklich gut hinpassen.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Meine Antwort: Handwerker, einfach weil Ausbildungen in letzter Zeit irgendwie einen schlechten Ruf bekommen haben, kenne da ein Beispiel aus der eigenen Familie. Zwischenzeitlich habe ich auch mal überlegt quasi aus Prinzip eine Lehre zu machen, mich aber in Anbetracht meiner handwerklichen Fähigkeiten dagegen entschieden.
      Aber allgemein finde ich, dass jeder Beruf Anerkennung verdient, trotzdem ist „Bildung“ in Akademikerfamilien im Schnitt noch mal etwas wichtiger schätze ich, warum man beispielsweise Professoren herausheben muss weiß ich nicht, die diesbezüglichen Kriterien sind für mich überhaubt nicht ersichtlich.

    • Jan sagt:

      Hm, wenn ich (Jg. 67) noch mal unter den gleichen Bedingungen starten könnte, würde ich Abi machen, dann eine Handwerkerlehre und dann ’ne Ingenieurswissenschaft studieren. 🙂 Achtung, das kursiv Gesetzte bezieht sich darauf, daß ich erstens nur von meinen eigenen Stärken und Schwächen, gesehen aus der milden und weisen Perspektive des beginnenden Alterns, ausgehen kann und daß ich zweitens keine genaue Ahnung habe, wie das alles heute aussieht. Uni z.B. war in den 90ern wirklich etwas anderes als heute. Von den Schulen mal gar nicht zu reden… Ja, echt? Lehren haben letzthin einen schlechten Ruf bekommen? Das zum Beispiel war mir neu…

      Na, Gott sei Dank sind wir nicht immer alle vernünftig (sonst gäb’s in Deutschland nur noch Handwerksmeister, Ingenieure und Investment-Banker, und das wär auch nix), und leider entbehren die meisten von uns der Gabe der Hellsicht.

      🙂

  13. Xaver sagt:

    Statt Schichten spricht man doch heutzutage von unterschiedlichen Milieus? Die Einteilung ist differenzierter und weniger diskriminierend. Kriterien sind dafür z.B. Alter, Bildung, politische Einstellung, Stadt oder Land.

    • Knud sagt:

      Das sehe ich auch so, auch die Autorin hat sich in der Studie mit der Frage auseinandergesetzt. Das Problem ist, die nötigen Daten für so eine Untersuchung zu bekommen. Über die finanziellen Verhältnisse, das Alter und die politische Einstellung der Eltern zum Beispiel lagen keine Informationen vor.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ach hör bloß auf, tschuldigung, aber auf diese Wörterpolizei reagier‘ ich inzwischen allergisch, letzten Endes meint es ja doch alles dasselbe.Auch wenn ich dir zustimme, dass sich das ganze noch differenzierter hätte einteilen lassen können, würde das die ganze Studie doch enorm verkomplizieren und hätte vermutlich andere Einbußen zufolge, wenn es sich überhaubt durchführen ließe.

  14. Jan sagt:

    Ich bin kein Soziologe, aber daß der Begriff „Schicht“ nun auch schon „diskriminierend“ sein soll, höre ich hier zum erstenmal, ohne es freilich ganz glauben zu wollen. Ich finde das insofern amüsant, als kaum etwas charakteristischer für die Mittelschicht ist als gerade ihre unausgesetzte Angst, irgend jemanden zu diskriminieren oder zu beleidigen, und (schlimmer) das typisch mittelschichtige argwöhnliche Lauern darauf, anderen Diskriminierung oder Beleidigung unterstellen zu können. Selbstverständlich ist hier der natürliche Reflex dessen, der partout nicht zu Mittelschicht gehören möchte, auf dies nervtötende Attitüde der Grobianismus – das absichtliche Zerschmeißen von Porzellan, der stilistische Tabubruch, die Provokation, das zumindest rhetorische Draufkloppen.

    Asserate dazu (Manieren, S. 140 f.):

    Man merkt dem Wort »Grobianismus« an, daß es nichts mit den vielbeschrienen »einfachen Leuten« zu tun hat, denn ein »Ismus« ist immer den »besseren Leuten« vorbehalten. Grobianismus ist eine Sache der Intellektuellen und des Adels. Er kokettiert mit der Vulgarität, ohne selbst notwendig vulgär zu sein. Einer der namhaftesten Repräsentanten des deutschen Grobianismus ist der große Philosoph und Theologe Doktor Martin Luther, und er zeigt damit auch gleich die Lieblingsspielwiese dieser Geistesart: die Universität, die Zeitungen, den Raum der öffentlichen Meinung, die Literatur. Grobianismus kommt selten ohne eine, noch so verborgene, politische Zielrichtung aus. Es geht nicht einfach nur gegen die gezügelten, geschliffenen Manieren mit den plumpen und maßlosen Manieren, sondern auch gegen die herrschende Schicht, deren Sprach- und Verhaltenstabus umgestoßen werden sollen. Der Grobianist weidet sich am Erschrecken der Mächtigen, denen die Formverletzung als Vorbote des Umsturzes erscheinen soll.

    In der Gegenwart ist die riesengroße herrschende Schicht die mittlere Bourgeoisie mit ihren Idealen des gesellschaftlichen Konsensus, der nach allen Seiten hin rund geschliffenen Meinungen, des Euphemismus, des Vermeidens allzu scharfer Konflikte, der besänftigenden Sprachregelungen, der Hegung der Leidenschaften.

    Tjoar, die Mittelschicht… Es ist verdammt schwer geworden, nicht dazu zu gehören. (Auch wenn sie vielleicht nicht 92 % der Bevölkerung umfaßt, wie die Autorin dieser Studie meint…) Aber man will halt alles sein, nur eben nicht Mittelschicht. Und wenn einem so offensichtlich die materiellen Mittel fehlen, sich als Oberschicht zu definieren, man aber auch vor Extentrizitäten wie „Individualist“, „Unsortierbarer“ oder „Dandy“ zurückschreckt, bleibt einem einfach nur noch die Unterschicht. Oder eben, und das scheint mir nicht ganz zu vergessen, der marxistische Klassenbegriff.

  15. Larsen Malte sagt:

    Man freut sich ja sehr, wenn man liest, man wäre untere Mittelschicht…. Bisher dachte ich immer, ich würde in die normale Mittelschicht gehören. Ich bin FaMI im Bereich Archiv und finde es klingt irgendwie abwertend, wenn man immer so drüber redet als würden Menschen wie ich, mit einer Berufsausbildung und einer festen Arbeit, weniger Wert sein, als Leute die studiert haben. Ich hätte auch studieren können, aber ich hatte keine Lust aufs Abi und wollte ungebundener sein. Ich wollte schon mit 20 fertig sein, damit ich überall arbeiten kann. Jeder hat seine Prioritäten und das kann man einfach respektieren. Meine Halbschwester Martina hat auch studiert, war dann unglücklich und hat dann noch eine normale Berufsausbildung hintendran gehängt. Mein Halbbruder Jannick hingegen hat sein Studium fertig gemacht und ist jetzt glücklicher Mathe-Lehrer. Ich war früher auf einer Gesamtschule, deshalb ist mein Freundeskreis sehr durchmischt von Angestellten und Akademikern. Aber man merkt bei den Gesprächen keinen Unterschied! Selbst die Lohnunterschiede sind in vielen Sektoren nicht allzu hoch. Grade Handwerk wird in letzter Zeit wieder viel besser bezahlt, weil dafür dringend Leute gesucht werden. In meiner Zeit auf der Gesamtschule hatten wir mal eine Fabienne und eine Samantha, die waren Zicken die sich immer daneben benommen haben. Während meiner Berufsausbildung hatte ich einen Justin in meiner Klasse, der entgegen der Sticheleien von anderen sehr gute Noten hatte. Cheyenne hat ihrem Namen keinen Ruhm gebracht, die hat die Lehre geschmissen. In der Abschlussprüfung durchgefallen sind nur Martha und Leon. Ich denke, man sollte nicht so sehr auf Namensklischees setzen. Geht man nach der Liste da oben, ist Martha nämlich bestimmt ein Name für die Oberschicht und da erwartet man ja, dass die entweder in in tolles Studium machen oder wenigstens super Noten in der Ausbildung haben. Namen sagen etwas über den Geschmack der Eltern aus, aber Kinder müssen nicht unbedingt nach ihren Eltern kommen. Mein Vater ist Mathelehrer und meine Mutter Köchin, aber ich bin so eine Archiv-Assel und hocke entweder vorm PC oder sortier Unterlagen, etc… Und auch wenn ich ’nur‘ Realschulabschluss und Ausbildung hab, so hieß bei mir fast niemand mit einem „Unterschicht“ Namen. Die meisten hatten solche Namen wie Bastian, Florian, Kai, Lasse oder bei den Mädchen Lisa, Alina, Annika und Julia/Julie.

    • Knud sagt:

      Guter Hinweis, der Name läßt Rückschlüsse auf die Eltern zu und nicht auf das Kind, das den Namen trägt.

      Auch ich bin der Meinung, dass es nicht angemessen ist, Menschen in „oben“ und „unten“ einzuteilen ausschließlich anhand der Berufsausbildung. Darum habe ich in meiner eigenen weiterführenden Analyse die Schubladen sachlich nach den Kriterien benannt: Studierte / Ausgebildete / Ungelernte (siehe http://blog.beliebte-vornamen.de/2016/02/akademiker-lieben-alte-vornamen/ ). Ob da jemand „unten“ oder „oben“ ist, darf jeder für sich berurteilen.

  16. Kai sagt:

    Solange man seinem Kind nicht irgendwelche Vornamen verpasst, welche ihm das Leben später sehr erschweren, ist die Welt doch in Ordnung.
    Und leider gibt es nun mal bestimmte Vornamen, welche bereits bei Lehrern dazu führen, dass die dem Kind mit dem „falschen“ Vornamen eine schlechtere Note verpassen, als einem Kind mit einem „richtigen“ Vornamen…

    • Jan sagt:

      Und leider gibt es nun mal bestimmte Vornamen, welche bereits bei Lehrern dazu führen, dass die dem Kind mit dem „falschen“ Vornamen eine schlechtere Note verpassen, als einem Kind mit einem „richtigen“ Vornamen…

      Na, offensichtlich hat sich diese kuriose Studie, die da vor ein paar Jahren durch SpOn und Bildzeitung gejagt wurde (in Wirklichkeit war es, wenn ich mich recht erinnere, eine Diplomarbeit), ziemlich tief im Angst-Haushalt der Deutschen festgefressen. 🙄

      Aber wenn man schon den Mut hat, Kinder in die Welt zu setzen, sollte man sich dann wirklich um das Urteil von Grundschullehrinnen scheren?

      Ich meine: Was sind Grundschullehrerinnen? Erfahrungsgemäß dumme Gusten, die selbst keinen deutschen Satz unfallfrei zu Papier bringen können. Als ich in den 90ern studiert habe, haben wir die hiesige Pädagogische Hochschule, wo halt diese Ischen ausgebildet wurden, als „die Wollsocken“ bezeichnet. Die Semester-Partys da waren relativ beliebt, weil da halt viele dumme Mädchen rumliefen. Das Niveau wird sich seither kaum verbessert haben.

      Als vor einiger Zeit die Pädagogik-Diss von dieser Schawan wegen angeblicher oder tatsächlicher Plagiate zur Debatte stand, hat man sich schon gesagt: „Na, wer nimmt denn das Gebastel von Pädagoginnen überhaupt ernst?“

      Kurzum und wie schon öfter zum Ausdruck gebracht: Courage! Jedenfalls nicht von Schullehrern bange machen lassen und von Grundschulgusten schon mal gar nicht.

  17. Maria Th. sagt:

    Zur Ergänzung des Kevin-Themas:
    Ich habe neulich in München eine große Plakatwerbung für eine bekannte Chips-Marke mit folgendem Text gesehen:

    Kann man Kevin-Pascal heißen und trotzdem guten Geschmack haben? Aber natürlich!

    Einerseits ja ganz lustig, aber eigentlich eine Frechheit, oder?
    https://www.google.co.uk/search?q=werbung+chips+kevin+pascal&lr=lang_de&tbs=lr:lang_1de&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjUq4XA3pnUAhXlJ8AKHRPYB8MQ_AUIBigB&biw=1536&bih=718#imgrc=PO2a3LM_ey9vIM:

    • Knud sagt:

      Ja, lustig. Bei ernsthafter Betrachtung dieser Werbung kommt ein Denkfehler zum Vorschein: Wenn man davon ausginge, dass der Name „Kevin-Pascal“ und guter Geschmack sich widersprechen, dann wären es die Eltern des Jungen, deren guter Geschmack fraglich ist. Vernünftiger wäre also der Werbetext „Kann man sein Kind Kevin-Pascal nennen und trotzdem guten Geschmack haben?“.

    • Maria Th. sagt:

      Richtig, aber was ist in dieser Branche schon vernünftig? Die Werbeleute haben vermutlich impliziert, dass schlechter Geschmack in der Familie erblich ist. 😀

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