Babynamen der Woche 37/2015

Ilyas * Thora-Willow * Carlos Antonio * Evanthia Sofia Alicia * Mika Maxim * Darvin * Wiebke * Luke Sam * Samuel Benjamin * Remie Gerome * Smilla Lina * Josephine Louisa * Mialena Lieselotte * Niklas Francesco * Amelia Mila * Cord Ferdinand * Summer Amilia * Yannik Lenn * Else Annelies Wilhelmine * Emma Aliza * Daymien * Leopold Emil * Edita * Hannes * Pina


Zwillingspaar der Woche: Lilli Marlen & Lena Megan

Babynamen der Woche


Die „Babynamen der Woche“ – das sind schöne, furchtbare, normale, exotische, verrückte, lächerliche, populäre und ungewöhnliche Vornamen von Neugeborenen der letzten Tage. Handverlesen vom Team dieses Blogs und überhaupt nicht repräsentativ. Verzeichnis aller bisherigen Babynamen der Woche

29 Gedanken zu „Babynamen der Woche 37/2015“

  1. Else Annelies Wilhelmine–einzeln sind mir alle drei Namen sehr sympathisch, aber die Kombi finde ich nicht stimmig, da Else und Lies beides Kurzformen von Elisabeth sind. Schade, denn ich liebe alle drei Namen in dieser Kombi!

    Samuel Benjamin–solide, biblisch, klanglich weich und angenehm. Gefällt mir.

    Darvin–warum nicht gleich Darwin? Vielleicht fanden die Eltern den Namen an sich schön, wollten sich aber von einer Benennung nach Charles Darwin distanzieren. Aber man denkt natürlich sofort an Charles Darwin und den Darwinismus… Obwohl ich als Christ natürlich auch an eine theologische Dimension der Schöpfungsgeschichte glaube, habe ich trotzdem höchsten Respekt für Charles Darwin und verneine auch das Phänomen der Evolution nicht (wie gesagt, mit einigen theologischen Qualifikationen). Würde mein Kind aber nicht Darwin (oder Darvin) nennen–dem Namen haftet doch eine gewisse ideologische Aura an, als wolle man ein möglicherweise provokatives Statement machen.

    Die germanische Namenssible „win“ (Freund) finde ich sehr schön! Namen mit „win“ gefallen mir fast immer. Im Englischen mag ich die Namen Gladwin, Edwin und Sherwin sehr.

    Lieselotte–diesmal kommt der Name auch in meiner Lieblingsschreibweise vor!

    Smilla Lina–La auf Li finde ich zu gelallt, aber einzeln mag ich beide Namen. Smilla erinnert mich natürlich sofort an englisch „smile,“ und der Name hängt ja tatsächlich mit dem dänischen Wort für lächeln zusammen. Finde ich schön!

    Lina ist auch ein ganz netter Name, wobei er mir aber doch ein wenig zu sehr Abkürzung ist. Lieber Carolina, und dann Lina gerufen. Aber Lina für sich ist auch okay–würde halt nur die Vollform bevorzugen.

    Leopold Emil–

    Beide Namen ganz klassisch, haben beide aber zur Zeit auch etwas modisches und würden dem Kind somit keine Probleme bereiten. Die Namen passen gut zusammen, mit E und L als verbindenden Elementen.

    Remie Gerome–

    Dieser Name wirkt weder richtig französisch (Remy Jerome) noch richtig spanisch (Remigio Geronimo). Entstammen diese Namensformen einer anderen romanischen Sprache? Interessant wäre eine Transponierung ins Deutsche–Remigius Hieronymus.

    Mialena–

    Ähnelt dem häufigen Namen Milena zu sehr und stiftet somit Verwirrung. Eine Getrenntschreibung mit Bindestrich hätte dem abgeholfen–Mia-Lena. Mag den Namen Mia aber nicht so, muss ich gestehen.

    Evanthia Sofia Alicia–schön und ungewöhnlich! Evanthia gefällt mir im Englischen schon seit langem. Im Deutschen doch nicht ganz so gut, ist aber doch auch im Deutschen noch schön.

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    • Sehe erst jetzt, dass Lieselotte nur Zweitname ist. Schade–den mag ich um so vieles besser als den hier gewählten Erstnamen. So geht es mir oft. Die alten Namen, die sich an zweiter Stelle verstecken, finde ich oft viel besser als die moderneren Erstnamen.

  2. Obwohl Knud ausgesucht hat, sind die heutigen Namen eher „unaufgeregt“.

    Zu Kommentaren reißen mich zwei Namen hin, die ich beide schon länger nicht mehr gesehen habe:

    Wiebke * Ich weiß um die „kämpferische“ Herleitung des Namens, aber es wirkt für mich trotzdem wie eine norddeutsche Form von „Weibchen“

    Cord Ferdinand * Cord ist eine norddeutsche Variante von Kurt/Konrad. Die Vollform Ferdinand stellt dazu einen stilistischen Kontrast dar, ist aber mach als Zweitname nicht ohne Charme.

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  3. Zu Darvin siehe oben. Und auch ein deutscher Marxist würde sein Kind nicht Marx nennen – und erst recht nicht Marks. Dürfte aber aber wohl eher von Marvin kommen. Ich staune auch nach Monaten der Lektüre in diesem Blog immer noch, was deutsche Standesbeamten so alles durchgehen lassen – bzw. frage mich, wie dick dieses Buch, mit dem sie angeblich arbeiten, eigentlich ist.

    Über Wiebke habe ich mich auch gewundert. Für mich klingt das auch absolut norddeutsch, und zwar aus der Generation X. Sie wie Imke, Frauke oder Ulrike. Vielleicht ein bißchen bourgeoiser, lehrerhafter, aber das mag an persönlichen, nichtrepräsentativen Erfahrungen liegen. Keine Ahnung, was das etymologisch bedeutet – an Weibchen habe ich aber nie gedacht, obwohl es vielleicht naheliegend scheinen mag. Vielleicht deshalb nicht, weil „Weib“ auf plattdeutsch „Wief“ ist und nicht „Wieb“.

    Daymien – und ich frage ich auch weiterhin, wie man jemals auf den Gedanken kommen konnte, mit diesem Volk einen Angriffskrieg führen zu wollen. 😮

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    • Zu Wiebke ist ja schon alles gesagt worden: http://blog.beliebte-vornamen.de/2012/05/graue-maus-wiebke/

      Das dicke Buch hat 458 eng bedruckte Seiten, siehe http://blog.beliebte-vornamen.de/2009/02/internationales-handbuch-der-vornamen/
      Allerdings hat das Buch längst nicht mehr die Wichtigkeit wie früher. Die meisten Standesbeamten nutzen inzwischen auch andere Quellen.

      Dann muss ich noch anmerken, dass die Namen in dieser Reihe meistens noch nicht amtlich geprüft sind. Die Namen wurden so von den Eltern in der Geburtsklinik genannt, mag sein, dass es gelegentlich noch Ärger mit dem Standesamt gibt.

    • Danke für die Infos! 🙂

      (Tjoar, Blogger-Schicksal, daß die Leute einfach nicht dazu zu kriegen sind, die Suchfunktion zu benutzen – zumindest die Malaise hat sich seit den alten phpBB-Foren-Zeiten gehalten.)

      Ja, die Wertungen des Namens Wiebke (unter dem Link) haben was für sich… Ich mag den Namen weiterhin ausgesprochen gern und hab mich gestern gefreut, ihn hier zu sehen, aber er hat doch schon den Klang von „norddeutsche Studentin in den 90ern, Wollpulli, Eltern sind Öko-Lehrer auf dem Dorf“. Imke und Ulrike sind da nach meinem Empfinden sozial neutraler, einfach schon weil sie in der Generation und in den Landschaften häufiger sind.

      Und bei aller Liebe zur Buchpreisbindung (die wirklich wichtig für das kulturelle Leben unseres Landes ist): Immer wieder ärgerlich zu sehen, wie teuer Bücher gemacht werden, die sich bestimmte Leute oder Behörden anschaffen müssen. 🙁

  4. * Ilyas: Ich finde die Schreibweise nicht so toll, gehe aber mal von einem entsprechenden kulturellen Hintergrund aus.
    * Thora-Willow: Bitte ohne Bindestrich! Und ich hoffe, dass das Kind einen englischen Nachnamen hat…
    * Carlos Antonio: Mit spanischem Nachnamen völlig okay.
    * Evanthia Sofia Alicia: Wie ist da die Aussprache? Englisches „th“ oder nicht? (beeinflusst ja dann auch die Aussprache von Alicia)
    * Mika Maxim: Passt nicht zusammen und wirkt obendrein wie ein Name aus einem Kinderbuch.
    * Darvin: Ich bin auch hier nicht ganz überzeugt von der Schreibweise. Grundsätzlich finde ich den Namen nicht schlecht, sofern der Nachname dazu passt.
    * Wiebke: Schon immer eher selten, mir gefällt er.
    * Luke Sam: Beides schöne Namen, aber zusammen einfach zu kurz.
    * Remie Gerome: Ich mutmaße mal, dass das ein Junge ist. Die Schreibung mit -ie lässt den Namen aber spontan weiblich wirken. Und Jerome ist falsch geschrieben.
    * Mialena Lieselotte: Warum nicht Mia Lena? Oder von mir aus auch Mia-Lena? In einem Wort wirkt’s irgendwie seltsam.
    * Niklas Francesco: Das passt ja nun gar nicht zusammen!
    * Amelia Mila: Zu ähnlich. Das verschwimmt vor lauter i-a-i-a.
    * Cord Ferdinand: Cord ist ungewöhnlich und hat was. Ferdinand als Zweitname passt zwar von der Sprachmelodie, gefällt mir aber einfach nicht.
    * Summer Amilia: Amilia wirkt selbstgebastelt und weckt Chantalismusverdacht.
    * Else Annelies Wilhelmine: Das klingt ja wie zu Kaisers Zeiten! Übertreiben muss man es mit den „alten“ Namen nun auch wieder nicht.
    * Daymien: Kevinismus, ick hör dir trapsen.

    * Lilli Marlen & Lena Megan: Großes Kopfschütteln. Ein Kind Lilli Marlen zu nennen, finde ich furchtbar. Und der Name der Schwester wirkt mit Gewalt auf die gleichen Initialen getrimmt. Wie soll das denn jetzt ausgesprochen werden? Deutsch oder englisch?

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    • Ilyas: Ich finde die Schreibweise nicht so toll, gehe aber mal von einem entsprechenden kulturellen Hintergrund aus.

      Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, daß Ilyas die islamische Form von Elias/Elijah ist* – also eben nicht, wie man im ersten Moment denkt, von der Ilias kommt. Wenn das stimmt: eben doch ein „entsprechender kultureller Hintergrund“. 😉

      *) Vgl. auch den russischen Elias: Ilja. Früher ein häufiger Name in Rußland, auch weil der Prophet Elias in der Orthodoxie für’s Wetter zuständig ist wie im Westen Petrus. In Sowjetzeiten dann nahezu ausgestorben – und zwar nicht, weil er christlich konnotiert war, sondern fast umgekehrt, weil er als Vatersname von Lenin quasi sakralisiert war.

    • Bei Summer Amilia finde ich Summer ja viel ärger als Amilia. Ich lese da immer Summer wie bei Summsummsumm, Bienchen summ herum oder wie bei Türsummer.

      Die Kombination Lilli Marle(e)n ist mir schon häufiger begegnet. Ich vermute ja, dass das oft gar keine absichtliche Anspielung ist/das Lied gar nicht gekannt wird, sondern nur das diffuse Gefühl vorherrscht (weil irgendwann schon mal gehört), das passe so gut zusammen.

    • Die Kombination Lilli Marle(e)n ist mir schon häufiger begegnet. Ich vermute ja, dass das oft gar keine absichtliche Anspielung ist/das Lied gar nicht gekannt wird, sondern nur das diffuse Gefühl vorherrscht (weil irgendwann schon mal gehört), das passe so gut zusammen.

      Ich bin mir fast sicher, daß diese Vermutung hier zutrifft, schon insofern neben dem historisch extrem aufgeladenen Lil(l)i Marle(e)n eine völlig ges(ch)ichtslose (sozusagen mega-vegane) Eigenkonstruktion mit den gleichen Anfangsbuchstaben steht…

      In „genderkundlicher“ Hinsicht ist dieses Jahrhundertlied (Joseph Goebbels: „Totentanz-Schnulze“) übrigens auch interessant: Der Text ist nicht nur gleichzeitig extrem suggestiv und komplett unverständlich, sondern auch noch androgyn. Es singt natürlich eine Frau, aber mindestens die Hälfte der Zeilen ist aus der Perspektive des Mannes gesehen: „Kamerad, ich komm je gleich!“ „Deine Schritte kennt sie, Deinen schönen Gang!“ „Und sollte mir ein Leid geschehen…“ etc. pp.

      Mist, leider bin ich aus dem Dissen-Alter raus, sonst würde ich jetzt losziehen, schon um den Ohrwurm wieder loszuwerden. :mrgreen:

  5. Thora-Willow – der Bindestrich hätte nicht sein müssen; soll Thora deutsch oder als „ßora“ ausgesprochen werden?
    Evanthia, Darvin – nie gehört, nie gesehen. Bei Darvin frage ich mich, ob das ein Darwin ist, der mit einem deutschen „w“ ausgesprochen werden soll, oder ob es sich um einen ganz anderen Namen handelt?
    Wiebke – mag ich sehr. ich kenne selber zwei (die eine irgendwo in den 30ern, die andere 14 Jahre alt)
    Mialena Lieselotte – Mia Lena Liese Lotte? Sieht fast aus, als ob man sich nicht entscheiden/einigen konnte. Vier kurze Namen aneinandergehängt, vor allem die Alliteration Lena-Liese-Lotte finde ich klanglich nicht wirklich gelungen.
    Edita – „edited“? ein bearbeitetes Baby? (so meine erste Assoziation). Ich habe leider keine Ahnung, woher der Name kommt (oder ob es sich um eine Neukreation handelt)
    Emma Aliza – Alisa mit weichem oder scharfem S, oder als „Äleisa“?
    Daymien – Damian finde ich gut. Mit Damien kann ich mich sowohl in englischer als auch in französischer Aussprache ohne weiteres anfreunden. Aber das Y hätte nun wirklich nicht sein müssen…

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    • Editha hätte ich besser gefunden, und die Nähe zu Edit wäre dann auch nicht so groß gewesen. Edith kennt man ja. Vielleicht spekulieren die Eltern auf Dita (von Teese) als Spitznamen 🙂

    • Liebe sophie,

      nochmals: nicht bange machen lassen. Faß Dir ein Herz und mach Dir keine Kopfschmerzen! Sooo wichtig ist da mit den Vornamen auch nicht – es kann da eigentlich keine wirklich echten Katastrophen und auch kein „antun“ geben.

      🙂

    • Wenn ich das Thema „Vornamen“ nicht für extrem interessant und wichtig hielte, läse ich hier nicht mit und fiele den Leuten nicht mit meinen Bemerkungen auf die Nerven.

      Aber es ist einfach falsch und unangemessen, da eine Droh- und Angstkulisse dieses Stils aufzubauen: „Hach, was man da doch alles falsch machen kann! Und die Kinder müssen dann doch ihr Leben lang damit klarkommen!“ Irgendwie scheint mir das auch ein pränatales Hubschrauber-Eltern-Syndrom: „Bloß nichts falsch machen!“

  6. lieber jan, ich lasse mich nicht bang machen, aber so komentare: was tust du deinem kind an oder name xy ist eine strafe — das ist einfach dumm.
    namen sind geschmackssache und letztens füllen die einzelnen persönlichkeiten diesen – und das ganz individuell.
    und kein elternteil will sein kind von seiner ersten geburtsstunde an „strafen“.

    lg!

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    • Also, mit dem Geschmack ist das so eine Sache… Kann man über den streiten? Oder doch nicht? Das klassische Zitat dazu ist uneindeutig.

      Aber was es auf den Punkt bringt, ist das:

      und letztens füllen die einzelnen persönlichkeiten diesen

      Eben. 🙂

      Wir hatten in der BRD in den 90ern mal eine Bundeskanzler mit dem Erz-Langweiler-Namen Gerhard Schröder. Und der hat sich nicht die Bohne darum geschert, daß es in den 60ern schon mal einen BRD-Außenminister haargenau dieses Namens gegeben hat.

      Über den altbackenen Namen Helene hätte man vor sieben Jahren herzlich gelacht. Heute heißt ein Mega-Star in der BRD so. (Aus der russischen Jelena germanisiert – wen kratzt es?)

      Und nun stellen wir uns mal einen vielverprechenden Nachwuchspolitiker (Jg. 1997) namens Kevin vor. Auch das wäre sofort denkbar. Es gibt da einfach kein „antun“ oder „strafen“.

      Die Person macht es aus, so ist es.

    • Guter Hinweis, der kam hier schneller als in meinem RSS-Reader!
      Besonders interessant finde ich diesen Gedanken, den Damaris Nübling in dem Interview äußerte: „Jetzt sind kurze Namen beliebt, solche mit weichen Konsonanten und klangvollen Vokalen. Diese weichen Laute sind kindliche Laute, die Kinder in ihrem Spracherwerb schon sehr früh produzieren können. Das deutet darauf hin, dass wir seit einiger Zeit den Kindern Namen geben, die sie selbst aussprechen können. Wir benennen damit Kinder als Kinder.“

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