Babynamen – das kalte Grausen

Dr. Kai Lehmann, Museumsdirektor von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden (Thüringen), wundert sich über die aktuelle Babynamenmode seiner Heimatstadt:

Schlägt man zumindest in hiesigen Breiten am Morgen die Tageszeitung auf, und wirft einen Blick auf Seite zwei des Lokalteiles, da überkommt einen schon das eine oder andere Mal das Lachen, um nicht zu sagen das kalte Grausen; aber Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Auf Seite zwei des regionalen Blättchens sind nämlich die im ehemaligen Kreisgebiet von Schmalkalden geborenen Babys mit Foto und einem Kurztext abgedruckt. Das Schmunzeln oder Kopfschütteln rührt naturgemäß nicht vom Bild – Babys sind immer süß und niedlich –, sondern vom Vornamen, den sich die Eltern für ihren neuen Erdenbürger ausgesucht haben. Da wird à la Hollywood-Prominenz oder Fußballidolen, die nicht einmal den Namen ihres eigenen Kindes richtig schreiben können, mal so richtig in die Trickkiste des schlechten Geschmacks oder der eigenen Selbstdarstellung gegriffen. Da kombiniert man – augenscheinlich ohne großartig nach- oder die Zukunft des eigenen Sprösslings zu bedenken – urdeutsche Nachnamen wie Müller, Meier, Schulze (in Ordnung, fügen wir Lehmann mit hinzu) mit englischen, spanischen oder der eigenen Phantasie entsprungenen Vornamen. Wie gesagt, Geschmack ist bekanntermaßen verschieden, aber was man damit den eigenen Kindern antun kann, das zeigte vor kurzem ein Artikel in der „Zeit“, in welchem berichtet wurde, dass Personalchefs von großen Unternehmen mittlerweile nach Vornamen vorsortieren.

Quelle: “Leben und Sterben vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Gemeinde Fambach (1559-1703). Eine Kulturgeschichte anhand des ältesten Kirchenbuches von Kurhessen-Waldeck” von Dr. Kai Lehmann

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