Was kann für den Zweitnamen als Rufnamen sprechen?

Bei zwei Vornamen wird gern angenommen, Name eins sei der Rufname. Das stimmt auch meistens, muss aber nicht zwingend so sein. Was dafür sprechen kann, einen nachgeordneten Namen zum Rufnamen zu küren, und worauf Sie dabei gefasst sein sollten: Zweitname als Rufname – kein Problem?

Thema: Zweitnamen

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

36 Kommentare zu "Was kann für den Zweitnamen als Rufnamen sprechen?"

  1. cassis sagt:

    Ich habe ja schon einmal durchklingen lassen, dass ich den Namen Veronika sehr mag, aber nicht als einzigen Namen vergeben würde. Für mein Empfinden muss bei zwei Namen mit unterschiedlicher Silbenzahl der kürzere vorn stehen, demzufolge käme so etwas wie Laura Veronika oder Nele Veronika heraus. Veronika Julia z. B. klingt für mich falsch. Ja, dies wäre mein Grund.

    • Mark sagt:

      Cassis,

      Ich finde, diese Begründung ist überzeugend. Tatsächlich finde ich beispielsweise Marie Elisabeth viel besser als Elisabeth Marie oder Simon Alexander viel besser als Alexander Simon–aber vielleicht sind ja Elisabeth und Alexander die eigentlichen Wunschnamen…

    • neuhier sagt:

      Ich empfinde das Voranstellen des Namens mit weniger Silbenanzahl besonders dann wichtig, wenn sich die Silbenanzahl um mehr als eine unterscheidet (wie auch in Marks Beispielen – @Mark: wie findest du Elisabeth Maria, aus meiner Sicht macht die eine Silbe mehr einen deutlichen Unterschied). Der Klang wäre mir übrigens auch wichtiger als dass der erste Vorname der Rufname ist. Ich kenne mehrere Beispiele inklusive mir selbst, wo der Rufname der zweite ist – die Situationen, wo man korrigieren muss, halten sich wirklich in Grenzen.

      Zu deinen Beispielen: Laura Veronika und Julia Veronika gefallen mir am besten, wirken aber tatsächlich andersherum nicht. Falls ihr doch den Rufnamen an erster Stelle wollt, ohne dass er arg lang wird: mir gefällt Veronika Sophia klanglich und von der Bedeutung (Siegbringerin Weisheit).

    • cassis sagt:

      Stimmt, wenn der Unterschied der Silbenzahl nur 1 beträgt, geht es noch. Vanessa Maja finde ich weniger merkwürdig als Katharina Maja (Beispiele spontan aus der Luft gegriffen).
      Mit meiner fiktiven Veronika würde ich nur einen relativ kurzen Namen kombinieren wollen, damit es insgesamt nicht so lang wird, und der müsste dann halt nach vorn.

    • Mark sagt:

      Neuhier,

      Auch finde Deine Beobachtung zu der Silbenzahl sehr hilfreich. Tatsächlich hört sich Elisabeth Maria ganz anders (viel flüssiger) an als Elisabeth Marie.

    • Moni sagt:

      Nicht nur die Silbenzahl, auch die Betonung und Buchstabenkombinationen können wichtig für den Fluss sein.

      Meine Großmutter hieß z.B. Martha Elise, wobei Elise der Rufname war (und auch als einziger auf ihrem Grabstein steht). In dieser Reihenfolge gehen ihre Vornamen + Nachname viel flüssiger über die Zunge als umgekehrt.
      Dazu kommt noch, dass ihr Mädchenname mit A begann. Das -a von Martha hätte da etwas unschön drangestoßen. Durch den Kunstgriff, Elise als Zweit- und Rufnamen zu wählen, wurde das verhindert.

    • Jan sagt:

      Bei mir wurden die drei Namen einfach in norddeutscher Phantasielosigkeit nach Länge sortiert:

      Jan [einsilbiger Rufname] Wilhelm

      Jan und Wilhelm sind Nachbenennungen nach meinem Großonkel (Mutterseite) und einem Urgroßvater (Vaterseite).

      Dortomoln gevt dat jor noch mit dem Understriken von die richtigen Nomens… 😉

  2. Ina sagt:

    Mir ist eine Anna Rebecca bekannt mit Rufnamen Rebecca, deren Eltern den Namen so herum schrieben wegen zum einem dem schon genannten Argument des Klanges, so ist er als Ganzes flüssiger, und zum anderen wegen der Nachnamensinitiale. Sie wollten aus persönlichen Gründen nicht A.B. aufeinanderfolgend haben, mit A.R.B. gibt es für sie kein Problem

    Einen weiteren Grund dafür den Rufnamen als zweites zu stellen sehe ich in eher oder sogar sehr seltenen Namen, die man vielleicht beim ersten Lesen oder Hören auch nicht unbedingt zuordnen kann. So sind ja als Beispiel viele friesische Namen woanders und für das ungewohnte Ohr oder Auge Auslöser von Verwirrung mit wem man es da eigentlich zu tun hat. Ich erinnere mich an einen Hauke. Ich hatte den Namen irgendwo gelesen und in dem Zusammenhang ging es um einen Jungen, also war der Name für mich männlich. Meine damalige Chefin fand aber, es müsse eine Nebenform von Heike und damit eine Frau sein. Der Name kam bei uns im Süden eben so nicht vor. Es war ein Mann, der aus Lübeck zugezogen war. Wenn nun Eltern, die den Namen (oder andere natürlich, die die selbe Verwirrung bei Unkundigen stiften könnten) vergeben wollen und damit ihr Sohn aber gleich überall als Herr Hauke… erkannt wird noch einen Namen dazu eintragen lassen wollen und ihnen gefällt etwas Kurzes wie Jan, Tim, Nils, Fritz, Max, Kai, Kurt, Klaus, Hans etc. dann würde ich auch da einen Grund sehen den Rufnamen als zweites zu stellen. Mit Beispiel Hauke wäre es da natürlich bei den genannten kurzen Namen auch wieder eine ästhetische Sache des Sprachflusses, aber viele Behörden etc. schauen vielleicht beim Anschreiben, Registrieren etc. nur kurz auf den ersten Namen und wenn der sofort eindeutig ist, kann der entsprechende Mensch sich viel Rennerei ersparen, die er haben könnte wenn er erstmal überall erklären muss, dass er nicht Frau… sondern Herr… (oder andersrum, eine Frau mit Rufnamen Luca, Jona etc. könnte ja auch Post an Herrn Luca… bekommen, als Beispiel) ist.

    Oder auch wenn ein Name – vielleicht als Ehrung eines Ahnen – mitvergeben werden soll, der auch als Nachname gebräuchlich ist. Wenn der entsprechende Name an letzter Stelle vor dem Nachnamen stünde könnte er immer irrtümlich für einen Nachnamensteil gehalten werden. Dann vergibt man vielleicht eher nicht Georg Wieland Müller sondern Wieland Georg Müller.

    Oder auch bei Kindern aus mehreren Kulturkreisen, denn es kann ja in Herkunftskultur oder Herkunftsland eines Elternteils Tradition sein, dass entweder ein bestimmter Name immer an einer bestimmten Stelle steht oder zum Beispiel Paten- oder Großelternnamen weitergegeben werden, wenn man das nicht loslassen möchte und vielleicht aber einen Rufnamen aus dem anderen Kulturkreis oder sogar dem Land in dem man derzeit lebt vergeben möchte, ist das mit dem Zweitnamen als Rufnamen auch eine Option. Ich kenne neispielsweise einen vietnamesischstämmigen Junge der Nugyen Andreas heißt, der erste Name wird von allen Männern in der Famile getragen und ist dort normal der Rufname, aber die Eltern wollten so gern Andreas. So haben sie das dann geregelt. Familie nicht sauer und der Junge heißt trotzdem anders.

    Ansonsten kenne ich bei Menschen wo der erste nicht der Rufname ist eine Christa Angelika Helga (Helga ist der Rufname), einen Hans Holger und einen Christian Alexander Jürgen (die Eltern riefen Alexander, er hat sich für Jürgen entschieden)

  3. Bonaventura sagt:

    Ich oute mich mal als ein derartiger Fall. Wobei es nicht ganz stimmt – streng genommen wurde kein Rufname festgelegt, damit ich später selber wählen kann.

    Mein erster Name ist Valerie. Der Name gefiel meinem Vater besser als mein Zweitname. Daß er nicht als Rufname genutzt wurde, geht aufs Konto meiner Mutter. Original-Zitat: „Dann hätte ich sie auch gleich Walburga nennen können, wenn sie dann eh jeder Wally nennt.“ Und ganz nebenbei hat mir diese salomonische Lösung die wenig gelungenen Initialen JVA erspart. 😉

  4. weib1969h sagt:

    Mein erstes Kind bekam ihren klassischen Vornamen Maria, fand ich toll.
    Jahre vorher hatte ich meiner Oma versprochen, sollte es ein Mädchen werden, bekäme sie Magdalena mit hinzu.
    Um nicht dauerhaft den zu der Zeit rauf und runter laufenden Song „you’ll never be maria magdalena“ auf dem plan zu haben, tauychte ich die Positionen der Namen – mein Kind würde ja wirklich nie die besungene sein. 🙂

    Kurz nach der Geburt meinte dann der Vater des Kindes, wenn schon die Oma bedacht würde, solle doch mein Vorname hinten dran.

    So ergab sich für meine inzwischen 5 Kinder(3 Mädchen, 2 Jungs)

    langer Vorname – kurzer, klassischer Rufname – Vorname des Elternteils.

    Genutzt wird nur der Rufname, amtliche Post kommt nur mit dem ersten Vornamen. Eine Rufnamenänderung hat keins meiner Kinder bisher vorgenommen.

    • Mark sagt:

      Hey Weib,

      (Okay, ich konnte mir die Weib-Sache nicht verkneifen)–Es ist schön, von einer großen Familie zu hören. Meine Frau und ich haben zu spät im Leben geheiratet, sonst hätten wir das auch angestrebt.

      Eure familiäre Benennungsvorgehensweise hört sich schön und bedeutungsvoll an.

  5. Mark sagt:

    Früher war es ja oft so, dass ein ganz häufiger, geistlich bedeutender Name vorangestellt wurde, wie z.B. Johann oder Maria. Dieser Name war kein gutes Unterscheidungsmerkmal, da sehr viele Leute so hießen. Deshalb wurde dann meistens der mehr individualisierende Zweitname zum Rufnamen.

    Beispiel Maria Theresia: ihre Töchter hießen fast alle mit Erstnamen Maria, zu Ehren der Mutter Gottes. Gerufen wurden sie alle mit Zweitnamen. Auch Marie-Antoinette (Maria Antonia) wurde am Habsburger Hof nur mit diversen Formen des Namens Antonia angesprochen; in Frankreich hingegen, herrschte die Gewohnheit, durch einen Bindestrich verbundene Namen als Einheit zu gebrauchen, und so wurde sie dort tatsächlich Marie-Antoinette, mit Erst- und Zweitnamen, gerufen.

    • Maria Th. sagt:

      Bei den Nonnen ist es ja ähnlich, die haben auch oft Maria vornedran.

      zu Maria Theresia:
      Ich bin ja nicht aus dem Hause Habsburg, Habs 😀 aber, glaub ich, schon mal erzählt, dass bei uns die Kombination „Maria mit Theresia“ mindestens seit meiner Großmutter Therese Maria, meiner Mutter Theresia Maria, mir selbst Maria Theresia und meiner Tochter Maria Theresa in Variationen durchgängig ist. (Teilweise ist aber noch ein weiterer Name dabei.) Mal schauen, ob das später mal weitergeht und welche Varianten sich noch ergeben könnten, vielleicht Marie-Thérèse oder Teresa Maria, aber das hab ich dann nicht mehr in der Hand…
      Der Rufname ist bzw. war immer der erste, teilweise hier nicht genannte Name.

    • elbowin sagt:

      Wobei ich auch schon die Form Maresi gehört have, die Teile von beiden Namen in sich vereinigt.

    • Maria Th. sagt:

      Stimmt, auch das französische Maité soll damit zu tun haben (weiß ich aber nicht sicher; das i eigentlich mit Trema geschrieben).
      Also die nächsten Generationen-Variationen wären schon mal gesichert 😉

    • Maria Th. sagt:

      Maresa (Hörbiger) fällt mir auch grad noch ein!

    • cassis sagt:

      Ich kenne eine kleine Maresa, soll von Maria Theresia kommen. Die Betreffende kam zu ihrem Namen, da in der Familie der Mutter für Frauen Namen mit Mar- erblich sind und einiges schon ausgeschöpft war.

    • Maria Th. sagt:

      Wieviele (halbwewgs gebräuchlichen) Mädchennamen gibt es denn auf Mar-? Lasst uns mal überlegen:
      Maria
      Marlene
      Marion
      Margaret(e)
      Margot
      Maresa
      Maris(s)a
      Martha
      Mara
      Mary
      Mariella
      Marusha
      Maryam
      Marcella
      Marnie
      und außer Konkurrenz Marsupilami)

      Meine Güte, ich hätte jetzt selbst nicht gedacht, dass ich so viele finde. Wahrscheinlich gibt es noch einige mehr…wem fällt noch was ein?

    • neuhier sagt:

      Marie 😉
      Marianna/e
      Marietta
      Marilyn
      Marla
      Marlena
      Marlies

    • neuhier sagt:

      Martina

    • Maria Th. sagt:

      noch ein paar sind mir eingefallen:
      Martina
      Mareike
      Marilyn
      Marcia
      Maren
      Marla
      Margit
      Marianne
      Marika
      Marina
      Marita
      Marlies

    • Maria Th. sagt:

      Tut mir leid, neuhier, das hat sich jetzt während meines Nachdenkens überschnitten 🙂

    • Jan sagt:

      Marisol

      Marzipana
      Marxistka
      Marinière
      Marona
      Marschrutka

      😉

    • Maria Th. sagt:

      Marximiliane!
      Marshmallowia, die kleine Schwester von
      Marzipana und
      Marmelada 😀

    • Jan sagt:

      Jaaa! Die unsterbliche Marmelada aus „Asterix auf Korsika“ habe ich vergessen! 😀 („Marmelada, laß Dich nicht nochmal beim Schäkern mit den Gästen erwischen!“, nachdem sie zu Asterix nach seiner Bestellung „Ja.“ gesagt hatte…)

      Als Studenten haben wir eine sehr schweigsame oder gar unfreundliche weibliche Bedienung (und an muffeligen Leuten hat es in Hannover keinen Mangel) als „’ne Marmelada“ bezeichnet…

    • Maria Th. sagt:

      Das hab ich mir doch gedacht, dass du Marmelada aus Asterix kennst! 😉

  6. cassis sagt:

    Hallo Nicht-Habsburgerin, da hatten wir wohl fast den gleichen Gedanken zur gleichen Zeit.

  7. Wenke sagt:

    Am 28. 07. wurde, termingerecht, unsere Tochter

    Weike Irma Nimué Elisabeth

    geboren.

    Rufname: Irma

    Wir freuen uns sehr, kuscheln viel, sind recht entspannt. Die Geburt war rasant und intensiv. Nach einer Stunde im Geburtshaus war Irma da. 🙂

    Unser Sohn heißt Jenke Hugo Pan Theophil, Rufname Hugo, und freut sich über sein Schwesterlein.

    Liebe Grüße
    Wenke

  8. Rebecca Sophie sagt:

    Noch ein grund kann die Nachbenennung sein, wenn z.B. Klein-Charlotte (oder auch Karlina) nach Oma Lieselotte benannt werden soll, macht Elisabeth Charlotte (Karlina) mehr Sinn als Charlotte (Karlina) Elisabeth (oder gar Charlotte (Karlina) Lieselotte).

  9. connywuuh sagt:

    Man kann seinem Kind den Herzensnamen, der vielleicht etwas seltener vorkommt als Erstnamen geben und einen gewöhnlicheren Zweitnamen. Wenn der Erstname dem Kind später nicht gefällt, kann es auf den Zweitnamen zurückgreifen.

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