Immer diese Doppelnamen! Die armen Kinder! Die armen Lehrer, die sich die Namen alle merken müssen!
Weil ich doch ab und zu auf solche Bemerkungen stoße, möchte ich klarstellen: So schlimm ist das gar nicht. Die Babys aus den aktuellen Geburtsanzeigen mit zwei oder noch mehr Vornamen haben meistens auch nur einen Rufnamen, genau wie die Babys, die von vornherein nur einen Vornamen bekommen haben. Die weiteren Vornamen treten im Alltag gar nicht in Erscheinung. Richtige Doppelnamen, bei denen zwei Vornamen als Rufname geführt werden, sind heutzutage eher selten.
„Stumme“ Zweit- und Drittnamen zu vergeben ist nebenbei kein moderner Trend – vor 100 Jahren war der Anteil der Babys mit nur einem Vornamen viel kleiner als heute. Die Motivation für zusätzliche Vornamen war allerdings eine andere, damals stand die Nachbenennung nach Eltern, Großeltern und Paten im Vordergrund. Diese Tradition wird auch heutzutage in vielen Familien gelebt; eine größere Rolle spielt inzwischen bei der Entscheidung für einen zweiten Vornamen das Streben nach Individualisierung.