Meine Wohnung, Namen und ich

Eigentlich sollt an dieser Stelle ein Artikel über mein Leben in der Namensblase stehen, so hatte ich es ja in meinem letzten Artikel angekündigt (Memo an mich selbst, keine Artikel mehr ankündigen). Ich verspreche, dass er noch erscheinen wird, ich habe auch schon angefangen zu schreiben, aber irgendwie konnte ich mich nicht darauf konzentrieren, da ich viel lieber über meine Wohnung erzählen wollte. Keine Sorge, dies ist immer noch ein Namensblog und ich werde nun nicht zehn Tipps geben, wie ihr eure Wohnung optimal einrichten könnt. Halt, einen hätte ich doch, weil die Lesefüchsin in mir sonst einen Schreikrampf bekommt, ein Bücherregal ist für Bücher da und nicht, um die Hälfte der Regale mit Deko zu füllen (man sollte meinen, dass man das nicht extra erwähnen muss).

Sehr häufig in Einrichtungshäusern

Wie denn auch sei, ich bin letzte Woche umgezogen in meine erste eigene Wohnung. Deshalb war ich in den letzten Monaten sehr häufig in Einrichtungshäusern und was soll ich sagen, da waren Namen, wohin ich nur sah. Wie ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen musste, versieht nicht nur das schwedische Möbelhaus seine Waren damit. Meine hübsche Blumenlampe, deren Aufbau nur drei Leute bedurfte, heißt Hemma, eine Nebenform von Emma, über die ich letztes Jahr schon ausführlich geschrieben haben.

Zu der filigranen Lampe hätte letzter Name besser gepasst. Ich habe ja bekanntlich eine Schwäche für Vokalnamen Amalia, Emma, Isabella, Olivia finde ich alle sehr schön. Lampe Hemma zu kaufen war auch gar nicht schwer. Die Gardinen hingegen … Hilja hatte es mir angetan. Weiß, nostalgisch, nur leider viel zu lang. Den Namen finde ich gar nicht so schlecht. Namen auf „-ja“ sind sonst weniger mein Fall, aber die Verkleinerungsform von Hilla ist ganz nett. Noch schöner finde ich aber Hilla selbst, reiht sich doch gut neben anderen Doppelkonsonanten-Mädchenamen wie Ella, Philippa oder Hanna ein. Der Name erreichte zwischen 2010 bis 2021 Platz 2937, ein echter Geheimtipp also. Hilla selbst ist eine finnische Verkleinerungsform von Namen, die auf „Hil“ beginnen, darüber hinaus heißt Hilla auf Finnisch auch „Moltebeere“, niedlich. Eine ebenfalls hübsch weiße Gardine, die auch viel zu lang war, hieß Gjertrud. Die Schreibweise war auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig. Gertrud selbst gehörte bis 1925 zu den beliebtesten Vornamen. Ob es an der Bedeutung ger „Speer“ und trud „stark“ liegt? Wer es etwas moderner und klanglich weniger schwer mag, wie wäre es mit Gesa?

Halbtransparent und luftig

Letztendlich wurde es Sigrid. Halbtransparent, luftig und genau die richtige Höhe. Anders als Ingrid ist Sigrid weniger mein Fall. Der altisländische Name erfreute sich zwischen 1940-1950 recht großer Beliebtheit und leitet sich von sigr „Sieg“ und fridhr „schön“ ab. Die gleiche Bedeutung hätte übrigens auch die lateinische Victoria Bella. Ich finde die schwedische Variante Siri eigentlich ganz hübsch (liegt vielleicht auch an „The witcher“ und Prinzessin Ciri), doch durch die KI sind für den Namen wohl keine großen Sprünge zu erwarten. Trotz des Namens liebe ich meine neuen Gardinen, gerne hätte ich etwas über die im Schlafzimmer geschrieben, doch leider habe ich keine Ahnung mehr, wie sie heißen (Elisa, Elsa, Leo?).

Aber das macht nichts, durch meinen Umzug in eine andere Stadt habe ich schon viele Ideen für neue Blogeinträge mit vielen, vielen Namen im Kopf. Um nicht wieder in ein Artikel-Dilemma zu kommen, behalte ich sie aber erst einmal für mich, nur zu einem gebe ich einen Tipp, die Stadt hat einen schönen, alten Friedhof, wer weiß, vielleicht finde ich da ja die nächsten Trendnamen …?

24 Gedanken zu „Meine Wohnung, Namen und ich“

  1. Hemma klingt wirklich ganz hübsch. Allerdings schwingen – nur für mich? – auch „hämmern“ und die Hemmungen mit. So etwas passiert ja leicht bei sehr seltenen Namen.

    Bei Hilja fällt mir kein Gegenargument ein, den kann ich mir gut an einem kleinen Mädchen vorstellen – und Hilla auch. Es sei denn, jemand denkt dabei an den Namen Hitler, was aber hoffentlich zu weit hergeholt ist, oder?

    Viel Glück in der neuen Wohnung! 🙂

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  2. Mag sein, dass die Möbelindustrie ihre Produkte „Bücherregal“ nennt, bei mir zu Hause heißen die Dinger einfach „Regal“ und dann kann ich da reinstellen was ich will. Fällt es dir wirklich so schwer, andere Lebensstile zu tolerieren?

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    • Klar kann man in Regale stellen, was man mag. Ich muss aber auch sagen, dass ich es sympathisch finde, wenn Leute mit (ihren Lieblings-)Büchern leben, und mir so gefüllte Regale gern anschaue. Und zwar gerade in Zeiten, in denen E-Books und das Streamen frühere Verwendungszwecke von Regalen (auch das Aufbewahren und Zur-Schau-Stellen von DVDs und CDs) überflüssig zu machen scheinen.

    • @ Knud
      Natürlich kann man in Regale stellen, was man mag. Wenn du lieber CDs, Platten, DVDs oder Urlaubsandenken oder die Steinsammmlung stellen willst, nur zu 😉

      Der Tipp der Einrichtungsseite war aber so etwas wie: „Stellen Sie in Bücherregale nicht nur Bücher hinein“, was mich doch etwas gestört hat. Wo soll ich denn die Bücher sonst hineinstellen?! Ich habe das Bücherregal (ich unterscheide da tätschle in Regale und Bücherregale) doch extra dafür gekauft.
      Wobei eine andere Seite riet nicht mehr als zwanzig Bücher zu besitzen, weil sie unnötig Platz wegnehmen würden. Natürlich brauch nicht jeder hunderte Bücher zu Hause, aber bei dem Tipp stand mir kurz der Mund offen. Bücher sind für mich wie Namen etwas Wundervolles. Ich lese keine eBooks und mit jedem Buch verbinde ich eine Erinnerung. Abgesehen davon, sehen sie toll in meinem Bücherregal aus 😉

    • Danke, dass du das ansprichst, Knud!
      Ich kommentiere zwar nur selten, lese aber gerne mit – meistens. Dieser etwas herablassende Ton in den Artikeln und dann sich in den Kommentaren zurückrudernd rechtfertigen… Das gefällt mir überhaupt nicht.

      Vivi, deine ersten Artikel (z.B. zu den Farbnamen) haben mir wesentlich besser gefallen. Die waren sowohl spannender als auch inhaltlich fokussierter. Auf Namen nämlich, und nicht auf dein Studium, deine Schwester oder deinen bildungsbürgerlichen Lebensstil. Ich würde mir wieder „recherchelastigere“ Artikel wünschen.

    • @Nigthsong

      Sollte ich herablassend geklungen habe, war das nicht beabsichtigt. Ich bin in den Kommentaren auch keinesfalls zurückgerudert, sondern habe meinen Aussage und meinen Standpunkt näher erklärt, eben, dass ich in Regale und Bücherregale unterscheide und das ich nur Bücher in Bücherregale stelle. Ich habe nicht daran gedacht, dass viele Menschen eine solche Unterteilung nicht treffen und erst durch die Kommentare gemerkt, dass man dies ganz anders verstehen kann (was wie gesagt, nicht meine Intention war).

      Ich verbinde die Namen immer mit etwas aus meinem Leben und hänge daran die Artikel auf. Ich habe dieses Jahr auf sehr rechereintensive Artikel geplant.
      Ich werde aber auch weiterhin Artikel über meinen Alltag mit Namen schreiben.
      Zu meinem Alltag gehört auch die Familie und früher das Studium, über das ich zum Abschluss einen Artikel geschrieben habe, weil mir so viele Namen in dem letzten Jahr begegnet sind, die ich teile wollte.

      Ich recherchiere gerne zu Artikel, auch lang und intensiv. Manchmal habe ich aber zu keine Lust, dann möchte ich lieber darüber schreiben, wo man Name im Alltag begegnen kann.
      Ich probiere daher verschiedene Themen und Aufhänger aus, manche gefallen besser, andere weniger, das ist auch interessensabhängig.

    • Schreibe gerne weiter leidenschaftliche und persönliche Artikel! Sachlich kann ich selber 😉
      Das mit den Bücherregalen ist wohl einfach anders rübergekommen als beabsichtigt – die „Einrichtungsseite“ aus deiner Antwort taucht im Artikel ja gar nicht auf. Vermutlich hast du da den entscheidenden Aspekt vergessen beim Aufschreiben.

    • @Knud
      Danke 🙂

      Ach Mist. Ich habe den Satz, dass ich den Tipp von einer Einrichtungsseite habe, herausgekürzt. In meinem Kopf war der Bezug immer noch da, aber ihr könnt da ja nicht hineinsehen …

    • Für mich sind Bücherregale offene Regale.

      Praktischer ist es, wenn dort mit möglichst wenig Abstand zum nächsten Regalboden in den Reihen homogen nur Ordner, Bücher, Spiele- und Puzzlekartons oder Dinge in Boxen gelagert werden.

      Für alles andere sind Vitrinen ungemein praktischer. Ich verstehe den Tipp der Einrichtungsseite daher nicht… Richtig unpraktisch: die Legosammlung in offenen Regalen, weil Vitrinen für nicht cool genug gehalten werden ;-).

    • Holla, wie konnte das denn eskalieren?
      Ich schätze den Frieden dieses Forums doch so sehr, sonst würde ich hier auch nichts lesen oder schreiben.

      Das mit den (Bücher-)Regalen hatte ich unter Humor verbucht, sowohl bei Vivi als auch das entgegnende Necken von Knud, was wiederum etwas derb war. Aber letzteres verbuche ich wiederum unter norddeutscher Mentalität, damit eckt man im Süden leider übertrieben hart an, auch wenn es überhaupt nicht so gemeint ist.

      Warum machen Möbelgeschäfte das mit den Namen? Ich finde das Thema grundsätzlich schon passend, mich triggert das nämlich auch. Wenn es sich um „Pseudonamen“ handelt kann ich damit besser umgehen, als wenn ein Möbelstück den gleichen Namen trägt wie eine Person, die ich überhaupt nicht mag. Wenn mir der Name ins Gesicht springt und schon soo unsympathisch ist, dann gefällt mir das Möbelstück direkt auch nicht mehr.

    • Das war kein norddeutsches Necken, denn ich war wirklich sauer. Aber mittlerweile haben wir ja geklärt, dass es ein Missverständnis war. Ich fand es aber wichtig, das öffentlich zu diskutieren, weil ja auch andere den Witz nicht erkannt haben.

    • Übrigens haben sich bei uns die Ikea-Namen als Ortsangabe, wenn man etwas sucht, auch bewährt:
      Im Norden-Tisch, im Träby-Regal, auf der Molger-Bank etc sagt sich schneller als etwa „in der Schublade im Tisch, der im Wohnzimmer neben dem Sessel steht“.
      Und ja, man sollte nicht so viel bei Ikea kaufen, aber wir waren auch mal arme Studenten und nur, weil wir das jetzt nicht mehr sind, müssen wir uns nicht neu möblieren, das wäre nicht nachhaltig.

    • @Ruth

      Das Hemma hier nicht von Emma abgeleitet wird (man denke an (H)emma von der Normandie), finde ich interessant, auch, dass du die Namen der Möbel tatsächlich benutzt. So erfüllen sie ja ihren Zweck.

      Ich habe viele Möbel aus meinem Zimmer mitgenommen und nur Weniges dazugekauft, was ich eben noch nicht hatte
      🙂

  3. @Knud: Huch, wieso ist denn das Farbschema im Blog jetzt anders?
    Aber Lexikon, Hitlisten etc. sind weiterhin im vertrauten Blau-Rot?

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    • Da gibt es eine einfache Antwort: Weil ich es im Blog geändert habe und auf der Hauptseite (noch) nicht. Und um die nächste Frage vorzugreifen: Ich habe das geändert, weil ich mal Lust dazu hatte.

    • Übernächste Frage:
      Gefallen dir die neuen Farben?

      Ganz unten kam doch eigentlich die Übersicht des Blogs. Das ist irgendwie weg.
      Und könntest du vielleicht einen Pfeil einrichten, der einen wieder nach oben auf die Seite schickt? Die Blogeinträge können nämlich ewig lang werden und scrollen ist in meiner verwöhnten, modernen Welt etwas fürchterlich Anstrengendes geworden…

    • Auf Smartphones ist die Übersicht noch unten, nur auf dem Desktop ist sie jetzt am Rand. Das ist aber schon länger so. Die meisten rufen dieses Blog mit dem Smartphone auf, darum ist es nicht so vielen aufgefallen.
      Das mit dem Pfeil wäre komplizierter, das lasse ich erstmal. Ich habe aber dafür gesorgt, dass die Menüleiste beim Scrollen mitwandert, hilft das auch?
      Ob mir die Farben gefallen? Auf jeden Fall werden die (zur Zeit) orangenen Links häufiger geklickt als die bisherigen blauen, so dass pro User mehr Seiten aufgerufen (und hoffentlich gelesen) werden. Das finde ich gut!

    • @Knud: Wenn du Lust hast, kannst du auch gerne mal einen Statistik-Artikel über die Blog-Leser hier machen, fände ich spannend! Ich würd ggf. auch bei einer anonymisierten Umfrage mitmachen, um noch mehr Daten zu generieren.
      Also Daten zum Zeitvertreib für Statistik-Liebhaber, nicht für verbesserte Werbung 😉

      Was die neuen Farben angeht: Mein Gehirn nimmt (Design-)Veränderung eigtl immer erst mal skeptisch auf, aber ich glaub, ich gewöhn mich allmählich dran 😀

    • Das gedämpfte Dunkeltürkis finde ich, naja, gewöhnungsbedürftig. Aber ich bin ein Gewohnheitstier, und ich werde es bestimmt in ein paar Tagen nicht mehr bemerken.

      Rote Links signalisieren (in alter Tradition, nicht in der Wikipedia) ungelesene Links, also ist da erstmal ein Reiz, denen zu folgen. Merkt man aber, dass sie nach dem Lesen nicht blau werden, schwindet dieser Reiz auch sehr schnell.

    • Jetzt hatte ich mich gerade so einigermaßen an die neuen Farben gewöhnt und nun das XD
      Grellrot mit mintgrünen Überschriften ist schon recht … ähm … speziell.

    • Noch was zum Layout: Wenn ich bei den neune Kommentaren einen betimmten Kommentar anklicke, dann verdeckt die obere Navileiste den Autor des Kommentars, das sieht schon seltsam aus.

      Ein Pfeil nach oben solle ziemlich billig mit ganz klassischen HTML-MItteln machbar sein: Oben einen Anker „top“ setzen und dann per Link dahin hüpfen.

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