Gute Frage 15: Parlez-vous français, Jacqueline?

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Zu den Menschen, die ihren Namen ziemlich oft falsch geschrieben sehen, dürften unbedingt auch Frauen namens Jacqueline gehören. Speziell das c rutscht hierzulande gern mal durch (mitunter sogar gleich bei der Anmeldung im Standesamt). Im Gespräch mit einer Mittzwanzigerin dieses Namens bin ich neulich darauf gekommen, dass einen diese sprachliche Finesse und der ganze Klang des Namens eigentlich gleich für die dazugehörige Sprache sensibilisieren könnten. Schließlich hört, nennt und liest man seinen Namen immer und immer und immer wieder. Parlez-vous français, Jacqueline?

Man könnte diesen Gedanken noch weiterspinnen. Mag Wolfgang Wölfe? Kleidet sich Rosa gern in Pastelltönen? Geben Eltern mit einem Namen aus einem anderen Sprachraum oder aber einem „wortigen“ Namen somit gleich eine Prägung mit – oder erhöhen zumindest die Chancen für eine bestimmte Vorliebe? Dabei ziele ich vor allem auf Offensichtliches ab. Dass meine Tochter durch ihren (nur für Insider erkennbaren) rumänischen Vornamen mal über die Maßen auf Vampire abfährt, halte ich doch für eher unwahrscheinlich.

Jedenfalls, Jacqueline. Ja, sie spricht Französisch. Aber auch Spanisch: „Gefällt mir vom Klang her fast noch besser.“ Die Mutter meiner Gesprächspartnerin stammt übrigens aus Dänemark, sie fand den Namen einfach schön und überstimmte den Vater, dem Gesine noch besser gefallen hätte. Von besonderen Erwartungen, etwa von Französisch-Pädagogen, weiß Jacqueline nichts zu berichten, was sicher mit der Häufigkeit ihres Namens in den 90ern (Platz 9 im Jahr 1994) zusammenhängt. Sie mag die Bedeutung, „Gott möge schützen“ (von Jakob). In Frankreich war sie noch nie.

Wie sind Ihre Erfahrungen: Haben Sie einen ähnlich „sprechenden“ Namen, dem Sie letztlich Ihr Lieblingsland, Ihr Lieblingstier oder eine andere Vorliebe verdanken? Oder hatten Sie solche Gedanken bei der Namenswahl für Ihr Kind?

27 Gedanken zu “Gute Frage 15: Parlez-vous français, Jacqueline?”

  1. Die Aussprache von Jacqueline in Deutschland ist natürlich noch mal ein Kapitel für sich. Für mich beweisen aber eingedeutschte Formen wie Schaklin sowie Schakkeline-Scherze (?!), dass zumindest eines für die meisten feststeht: Dieser Name wird nicht so gesprochen wie geschrieben.

  2. Bin gespannt, ob unser Sohn mit dem auffällig rumänischen Namen Timotei einmal Rumänien geneigter sein wird als unser Sohn mit dem zwar typisch rumänischen, aber eben auch typisch deutschen, Namen Stefan.

    Wenn ich Jacqueline hieße, würde mich das, glaube ich, tatsächlich beeinflussen, Frankreich bereisen zu wollen.

    Mir hat es viel bedeutet, einen amerikanischen Vornamen zu tragen–Mark Peter–und mit diesem in den USA absolut ins Bild zu passen.

    Sprechende Namen: da muss ich auch an pietistische Namen wie Traugott und Gottlob denken. Es gibt an unserer Schule einen russlanddeutschen Jungen mit dem Namen Traugott. Ob er dadurch wirklich animiert wird, Gott zu vertrauen? Kann sein. An unserer christlichen Schule ist er vor Hänseleien relativ sicher. Fand es immer ironisch, dass der antiklerikale Aufklärer Lessing Pfarrerssohn war und Gotthold hieß.

    Man könnte auch fragen, ob Nachbenennungen zur Zuneigung zwischen den Namenspaten und Nachbenannten führen. Meine Schwester, Ruth, ist nach unserer Großmutter väterlicherseits benannt. Kann jetzt nicht wirklich sagen, ob dass zu einer tieferen Bindung geführt hat. Es gab da auch öfters Konflikte. Mein Vater war nach seinem Vater benannt, aber hatte große Distanz zu seinem Vater.

    Hmmm, sehr viel habe ich zu diesem Thema wohl nicht zu sagen, da ich nur wenige Leute mit sprechenden Namen kenne.

    Interessant wäre, ob eine Isabel in der Schule eher Spanisch als Fremdsprache wählt als eine Isabelle.

    • Mark,

      „Fand es immer ironisch, dass der antiklerikale Aufklärer Lessing Pfarrerssohn war und Gotthold hieß.“

      Unter uns Pastorentöchtern:

      Friedrich Nietzsche und Gudrun Ensslin waren auch Kinder von evangelischen Pastoren. Auch wenn sie keine christlichen Vornamen gehabt haben, derlei schützt vor Sündenfällen keineswegs. Das mißratene Pastorenkind ist ja nun fast schon ein stehender Topos. Die Redewendung „unter uns Pastorentöchtern“ hat mein Lehrer ab im Oberseminar verwendet, wenn er eine nicht für die Universitäts-Öffentlichkeit bestimmte Sache oder Anekdote erzählt hat.

      Daß zahlreiche Wortführer der französischen Revolution Jesuitenschüler waren, wäre sozusagen das Spiegelbild dieses Topos. Klar, je klüger die Kinder, desto rebellischer und bereit zum ideologischen Streit mit den Eltern sind sie meistens.

      Es grüßt Dich der zwischen Islam und Katholizismus schwankende Lutherschüler

      Jan

  3. Das Interessante bei französischen Vornamen ist ja, daß sie in Deutschland in den meisten Fällen an Mädchen vergeben werden. Gut, es gibt auch deutsche Andrés und Pierres – aber wohl doch weniger als Jacquelines, Carolines, Chantals, Nadines, Madeleines, Maries etc.

    Französisch wird eben von den meisten Deutschen mit Schönheit, süßer Lebensart, Kultur, Eleganz, Mode, guter Küche, Baskenmützen, Musette-Musik etc. verbunden – und vor allem eben auch mit Laszivität und schönen Frauen. Es wird als feminine Sprache gehört.

    Der Witz dabei ist: Sprachgeschichtlich gesehen stimmt das. Das moderne Französisch wurde in der Ära Richelieu im 17. Jahrhundert von der neugeschaffenen Académie française bewußt nach dem Vorbild der eleganten und modesten Frauensprache des französischen Hochadels geschaffen. Nach den Schrecken der Religionskriege hatte man einfach die Schnauze voll von dem wilden Argot der groben Kerle.

    Daß dann Französisch für uns als rechte Studenten einen völlig anderen Klang hatte, hatte ich ja kürzlich erklärt. Wir waren ja fast alle Frankreich-Fans. Frankreich und Französisch, das waren eben die Fremdenlegion und die Paras, der Erste Indochinakrieg und das (ganz, ganz vorsichtig ausgedrückt) robuste Vorgehen der Franzosen im Algerienkrieg. Die OAS und der Putschversuch gegen de Gaulle. Strategische, atomar bewaffnete U-Boote. Effiziente Geheimdienst. Etc. pp. Der berühmte „panache“, der Helmbusch, im übertragenen Sinne der Schneid, der Eigenstolz. Alles, was Deutschland unserer Ansicht nach fehlte – was haben wir Frankreich bewundert!

    Beide Grundwahrnehmungen Frankreichs – also als besonders feminin und als besonders maskulin – haben ihre Berechtigung. Nur ist Wahrnehmung des Französischen als feminine Sprache in Deutschland halt viel häufiger.

    Romanistikstudenten sind ja auch fast alles Mädchen. Das war an unserer Uni immer ein amüsanter (aber weiß Gott nicht unangenehmer!) Anblick: Wenn bei den Romanisten eine Vorlesung zu Ende war, strömte da immer ein Schwarm von schnatternden Mädchen aus dem Gebäude, fast alle schwarz gekleidet.

    Und daher würde ich, bei aller Bewunderung für Frankreich, in Deutschland einem Jungen keinen französischen Namen geben – das klingt hier halt immer ein bißchen nach „schwuler Friseur“.

    • Noch eine Studenten-Macker-Anekdote. Die hiesigen Architektur- und Graphik-Design-Studenten haben in Herrenhausen ihren Stützpunkt. Natürlich sind die Studenten zu mindestens drei Vierteln Mädchen. Vor dem Gebäude steht zur Straße hin eine ziemlich große, fest installierte Stellwand, ca. 2 x 5 m, auf der Sonderveranstaltungen (Ausstellung, Vernissagen etc.) angekündigt werden. Natürlich immer in kompletter Kleinschreibung.

      Vor ein paar Jahren, als mal gerade nix besonderes los war, die Stellwand also leer war, fand sich darauf eines morgens ein typographisch ziemlich sorgsam ausgeführtes und sehr großes Spraydosen-Graffito:

      wir machen
      es uns selbst

      Selten so gelacht. Hatte mir gedacht: „Weia, da hat aber ein junger Kommilitone mal einen richtigen Hals auf eine von den Ischen!“ Natürlich war das Graffito bis zum Abend entfernt.

  4. Jacqueline gehört bezüglich der Schreibweise wohl zu den schwierigen französischen Namen, die auch in Deutschland vergeben werden. Da haben es Nicole und Nadine leichter, deren Schreibweise haben die allermeisten noch hingekriegt.
    Das Jaqueline dadurch entstanden ist, weil selbst die Standesbeamten nicht wussten wie man das denn nun schreibt, glaube ich sofort. Eine Madelein (ohne e) habe ich hier auch schon mal erwähnt. Solche offensichtlich falschen Schreibweisen finde ich peinlich, vor allem wenn sie mal im französischen oder englischen Ausland unterwegs sind.

    Jan
    Es stimmt, es sind mehr französische Mädchennamen in Deutschland im Umlauf. Nicole, Nadine, Jeanette, Janine, Jacqueline, Madeleine, Isabelle, Caroline … (Die beiden letzten gibt es auch als Isabel und Carolin.)
    Bei den Jungen fallen mir André, Marcel und René ein. Maurice gibt es auch, zum Teil mit Schreibfehler (Morice).

    • @ Mareike

      „Das Jaqueline dadurch entstanden ist, weil selbst die Standesbeamten nicht wussten wie man das denn nun schreibt, glaube ich sofort.“

      😀

      Ansonsten mal wieder fast vollkommene Zustimmung zu Deinen Darlegungen.

      André, Marcel und René gibt es in Deutschland wirklich schon so lange, daß sie wohl als einbürgert gelten können. Ein Spielkamerad von mir als Kind hieß André – das war der, mit dem zusammen ich die Kunst des Bomben- und des Raketenbaus geübt habe. Ich darf das hier erwähnen – André lebt nicht mehr.

      Bei Maurice sieht das aber schon anders aus, eben im Sinne des zuvor von mir Gesagten. Ich mag die französischen Vornamen Jean-Luc, Charles, Etienne und Jacques sehr gerne – riete aber davon sie ab, sie in Deutschland zu vergeben.

      Keine Ahnung übrigens, woher das Stereotyp des „schwulen Friseurs“ kommt. Vermutlich ist es tiefenpsychologisch zu erklären: Männer, die sich beruflich hauptsächlich mit Frauen und ihren Körpern beschäftigen, sind schwul. Bei Modeschöpfern gibt es das Klischee ja auch – oft aber eben auch auf Tatsachen gegründet. Unter Medizinern gibt es dieses Stereotyp: „Zahnärzte sind Handwerker, Gynäkologen sind schwul.“

      (Gerade gegenüber Zahnärzten ist das übrigens absolut unrecht: Ein guter, moderner Zahnarzt muß über ein psychologisches Feingefühl verfügen wie kein anderer Mediziner. Ich habe das Glück, einen solchen zu haben – er hat mir meine jahrelange Zahnarztangst genommen. Mit Gynäkologen freilich habe ich nun keine Erfahrungen.)

    • In unguter Erinnerung habe ich André, der ja zum Glück nicht mehr in Mode ist. Ich stand einem Kind gegenüber, das behauptete, sein Name würde Andree geschrieben. Ich nach einem zweiten Blick: “Tatsächlich? Ich hätte dich für einen Jungen gehalten.” Er daruf: “Aber ich BIN ein Junge.” “Und warum hast du dann einen Mädchennamen?” Die Antwort war Schweigen. Natürlich konnte der arme Junge nichts dafür. Ich hoffe bloss, er hat das seinen Eltern unter die Nase gerieben!
      Und unter den Schackelienes, die ich kenne, sind mehr falsch als richtig geschriebene – warum sich dann überhaupt noch die Mühe mit J und Q machen?
      Ebenfalls etwas aus der Mode ist Jeannine. Ein Mädchen, das sich so sprach und ich auch so geschrieben hatte, beschwerte sich über meine “falsche” Schreibung. Sie hiesse doch “Janine”! Vielleicht hatte ich doch nicht so genau hingehörtn und sie hiess Schanien?
      Morice könnte natürlich auch verunglücktes Englisch sein. Ein englischer Bekannter zeichnet seine Post mit Morris, obwohl er Maurice heisst. Hat wohl auch schlechte Erfahrungen gemacht.
      Was mich wieder an die z.T. gruseligen Adressen auf meiner Post erinnert, als ich in einem Clemens-Brentano-Weg wohnte. Den kannte wohl keiner. Klemenz Betono war das Schrägste…

    • „Was mich wieder an die z.T. gruseligen Adressen auf meiner Post erinnert, als ich in einem Clemens-Brentano-Weg wohnte. Den kannte wohl keiner. Klemenz Betono war das Schrägste…“

      :mrgreen:

      Man kann manchmal die Dechiffrier-Experten der Post nur bewundern. Ich wohne in einer Straße mit dem skurrilen Namen „An Mußmanns Haube“. (Haube = platt für Hufe, also Feld.) Das ist sogar auf einen Straßenschild falsch geschrieben: „An Mussmannshaube“.

      Im Weserbergland gibt es die Stadt Hannoversch Münden, ursprünglich nur Münden, am Zusammenfluß von Werra und Fulda zur Weser. 50 km weserabwärts liegt die größere Stadt Minden. Vor der Einführung der Postleitzahlen sind Briefe nach Münden natürlich permanent in Minden gelandet sind, teils gar in München. Zur Unterscheidung hat man dann vor „Münden“ das „Hannoversch“ hinzugesetzt. (Weil Münden zum Königreich Hannover gehört hat, Minden hingegen zu Westfalen.) Mit dem Ergebnis, daß dann erstmal Briefe schonmal an „Hannover-Schmünden“ adressiert wurden und auf irgendeinem Postamt in der Stadt Hannover gelandet sind. 😀

      Heute heißt Hannoversch Münden lächerlicherweise offiziell (!) „Hann. Münden“ – Ergebnis einer „Volksabstimmung“. 🙄

    • Barbara
      Ja stimmt, Janine ist auch so eine nicht korrekte Schreibweise. Es müßte eigentlich Jeanine heißen. Aber Janine wird nicht als falsch empfunden, wie du ja festgestellt hast.
      Für Jeanette gibt es auch diverse Varianten Janette, Janet usw.

      Es ist jedenfalls kein Wunder, dass Jacqueline aus der 500er-Liste rausgefallen ist. Nach den Schackeline- und Chantalle-Witzen sind diese Namen absolut unvergebbar geworden.

  5. An Jungennamen, die aus dem Französischen kommen, fällt mir noch Marc in der Schreibweise mit -c ein. Marcel, René und André kenne ich auch. Für mein Empfinden sind das Namen meiner Generation, d. h. die Träger sind heute zwischen 30 und 40. Ich kannte mal einen Marc mit Zwillingsbruder André, die dürften heute auf die 40 zugehen.
    Einen deutschen Francois meines Alters kenne ich übrigens auch – der wird genau so geschrieben, aber französisch ausgesprochen. Ich glaube, für seine Eltern war die cédille ein unwichtiges Detail. Seine Geschwister haben auch etwas abgedrehte Namen.

    • Du wirst es wirst es mir nicht glauben, ich finde Marc aber im Deutschen auch nicht gut. Hauptgrund: Die Aussprache des -c ist für die meisten Deutschen unklar, und ich komme da auch immer durcheinander: als -k oder stumm?

      – Da haben wir den Tresterschnaps Marc de Champagne. Den haben die meisten Deutschen zwar noch nie getrunken*, kennen ihn aber doch als Aromat für Schokoladen-Ostereier. Da ist das -c stumm. (Was wiederum die meisten Deutschen nicht wissen.)

      – Im Vornamen hingegen ist es ein /k/. Im aristokratischen Nachnamen de Saint-Marc hingegen ist es soweit ich weiß (!) wiederum stumm. (Hélie de Saint Marc war als rechte Studenten eines unserer großen Vorbilder.)

      —> So, wenn das -c im Vornamen Marc ein /k/ ist, bliebe im Deutschen nur die frz. Aussprache des r übrig. („Marchk, die Garchtentür knarcht.“ 😉 ).

      Die Aussprache frz. Namen ist eben im Deutschland immer noch ein Problem. Zwar spricht heute keiner mehr Jean als /schang/ aus, und auch /schanTAHle/ für Chantal halte ich eher für einen doofen Studentenwitz („Schantahle, geh nisch bei die Assi!“). Die Sache hat eben immer noch ihre Tücken. Gerade auch wegen der Nasale.

      Habe ich vor vielen Jahren mal im Aldi erlebt: Als Sonderware gab es aromatisierte Teesorte, eine davon mit dem Phantasie-Namen „Mélange orange“. Ein Rentnerpaar steht vor der Stellage. Omma zu Oppa: „Guck mal, Kurcht, ‚Mehlangsch orangsch‘. Wolln wa den nehmen?“ Boah, das saß! 😀

      /archki/

      *) Das muß man auch nicht haben, er ist zwar nicht ganz so ekelig wie Grappa, aber ich mag ganz allgemein keine Tresterschnäpse. (Aber das ist wohl eher mein Spezialgebiet, wa?)

    • “– Da haben wir den Tresterschnaps Marc de Champagne. Den haben die meisten Deutschen zwar noch nie getrunken*, kennen ihn aber doch als Aromat für Schokoladen-Ostereier. Da ist das -c stumm. (Was wiederum die meisten Deutschen nicht wissen.)”

      Mich bis vor einigen Sekunden eingeschlossen *rotwerd*. Ich habe aber auch erst im x-ten Semester des Frz-Studiums erfahren, dass man das t in Montréal nicht mitspricht. Na ja, mit Québec habe ich mich nie so sehr beschäftigt, das tue ich erst in den letzten Wochen zumindest musikalisch.

    • @ cassis

      😀 🙂

      Es ehrt Dich als anständige Frau, wiewohl Romanistin, so doch nicht mit den Feinheiten der Schnaps-Kunde vertraut zu sein! 😀

      Da meine DVD-Laufwerk immer noch nicht wieder funktioniert, werde ich mir gleich mal eine Playlist mit Liedern von Lynda Lemay, Isabelle Boulay und vielleicht Fabienne Thibeault zusammenstellen.

      Von Lynda Lemay gibt es ein hübsches Album mit dem geschwätzigen Titel „Y“.

      Fabienne Thibeault stammt übrigens aus der Stadt Montréal. Als Kind war Montréal für mich mit dem ersten großen Sport-Fernseh-Erlebnis verbunden: nämlich den Olympischen Sommerspielen 1976. Und danach war die Stadt jahrzehntelang pleite. 😀

      Daß Montréal das wichtigste Schlachtfeld des Sprachenstreites zwischen Anglokanadier und Frankokanadiern war und teilweise auch noch ist, wußte ich damals natürlich nicht. Die Ober- und Mittelschicht sprach/spricht englisch, die Unterschicht französisch, bzw. dieses auf normannischen Dialekten der Frühen Neuzeit beruhende „Joual“, bei dem ich kein zumindest kein Wort verstehe. Während die eigentliche Provinz Québec inklusive der Stadt Québec praktisch rein frankophon ist. Ich klebe jedesmal unter der Decke, wenn irgendein deutscher Trottel Montréal auf englisch ausspricht („Montrijol“) – ich selbst behelfe mich oft mit der deutschen Aussprache, auch weil die Deutschen meist nicht wissen, was mit /monreALL/ überhaupt gemeint ist.

      Ich kannte mal eine Übersetzerin (EN/FR –> DE) , die immer gerne vom „möchtegern-zweisprachigen Kanada“ gesprochen hat.

      Mit den auslautenden Konsonanten des Französischen ist es aber echt link – für Nichtprofis wie mich erst recht. Aussprechen oder nicht?

      Übrigens: Ich bin eigentlich dagegen, in der deutschen Sprache beflissen die Diakritika aus anderen Sprachen mitzuschreiben – kriege jedesmal das Speien, wenn ich im Deutschen die Schreibweisen Erdoğan oder Zaimoğlu sehe. Aber bei französischen Namen haben sie den Vorteil, klarzustellen daß eine französische Aussprache erbeten ist. Eugénie macht eben klar: „Bitte, /öhzheNIE/ und nicht /euGEHni-je/“.

      Und wieder hängt die Sonne ein Stückchen tiefer. 😀

      Harki

  6. Was ist mit Pascal?
    Wundere mich etwas, das diesen noch niemand genannt hat.

    Persönlich kenne ich allerdings niemanden mit diesem Namen, der des Französischen mächtig wäre. Weckt in mir aber auch ähnliche Assoziationen, wie ein Alpha-Kevin.

  7. Wo wir hier schon Namen sammeln: Yvonne und auch Yvette sind mir in meiner Generation schon begegnet. Den Namen Yves habe ich (außer bei der Kosmetikmarke Y.R.) “in echt” nie erlebt, aber den “Üffes”-Witzchen zufolge müsste es ja welche geben …?

    Ein Name, der mir in aktuellen Lieblingsnamenlisten schon ein paarmal begegnet ist, ist Etienne. Keine Ahnung, wo diese Vorliebe herkommt, gibt es einen Etienne in einer Serie oder einem Film?

    @Mark: Falls Euer Sohn mit dem rumänischen Namen dem Land oder der Sprache eher verbunden sein sollte, würde ich das wohl doch unter Zufall verbuchen:-) Anders als bei uns gibt es bei Euch ja rumänische Wurzeln, die es nahelegen, sich mit dem Land zu beschäftigen. Für Außenstehende ist Timotei nicht als rumänisch erkennbar (auch wenn er sicher öfter nach seinem Namen gefragt werden wird), anders als bei Jacqueline und Frankreich. Mir fiel zu Timotei früher ehrlich gesagt vor allem Shampoo-Reklame aus den 80ern ein, eine barfüßige Blondine im weißen Kleid auf grünen Wiesen – oder so.

    • @ Annemarie & Mark

      Bevor Mark hier vor Jahr und Tag den Namen seines Sohnes erläutert hat, wäre mir zu Timotei auch nur das Shampoo eingefallen – mit den von Annemarie geschilderten frühlingsfrischen, protoökologischen Emotionen, mit denen es beworben wurde. Das Shampoo es gibt es aber nicht mehr, oder? (Ich selbst brauche keine Shampoos mehr. 😀 )

      Ich selbst hab mich in den Namen Etienne verguckt, weil ich ihn mit dem Stifter des Diptychons von Melun verbinde, eines absoluten Höhepunktes spätmittelalterlich-burgundisch-nordfranzösischer Malerei. Geschaffen von Jean Fouquet. Der rechte, viel bekanntere Flügel mit der irre-lasziven Softporno-Madonna (angeblich der Agnès Sorel nachbildet) hängt in Antwerpen, der linke mit dem Stifter Étienne Chevalier und seinem Schutzheiligen Stephan hingegen in Berlin.

      https://fr.wikipedia.org/wiki/Diptyque_de_Melun

      Und dann hätten wir da noch das FAMAS, das bisherige Standard-Sturmgewehr der Französischen Armee. Wird gerade durch ein Heckler&Koch-Gewehr ersetzt. FAMAS = Fusil d’Assaut de la Manufacture nationale d’armes de St-Etienne = Sturmgewehr aus der Nationalen Waffenfabrik St. Etienne.

      Aber das mit dem Gemälde und dem Gewehr ist wohl eher was für Feinschmecker, wa? 😀

      Einen Yves kenne ich Deutschland auch nicht, wohl aber zwei Ivos. Einer war im Studium ein Exfreund einer Exfreudin von mir. Ein anderer war ein Online-Bekannter, mit dem man sehr gut kniffelige Webdesign-Probleme lösen und über Typographie diskutieren konnte. Er stammte vom Messeparkplatz Ost, auf Landkarten auch gelegentlich als „Braunschweig“ ausgewiesen. Dieser Ivo hingegen hat Hannover nie anderes als „Die Verbotene Stadt“ bezeichnet. Wenn Hannoveraner und Braunschweiger zusammenkommen, ist zumindest immer für Unterhaltung gesorgt, das sind sozusagen Hochrisiko-Treffen.

    • Mir fällt gerade ein, dass eine Freundin sich mal lange über den Namen des Sohnes einer Freundin entrüstet hat: Yves-Lennox, genannt Lenny. Der Vater des Jungen heisst Yves-Alexander, genannt Alex. Es sei wohl Familientradition, dass der EN eines Sohnes Yves sein soll und der ZN Rufname ist.

  8. Ich frage mich gerade, warum Maurice in Deutschland viel populärer ist als Fabrice und Patrice. Immerhin gibt es doch Patrice Chéreau. Maurice könnte durch Maurice Chevalier und Maurice Béjart beliebt geworden sein. Aber hundertpro weiß ich es nicht. Was meint ihr?

    • Schtroumpfette

      Der Name Maurice gefällt mir selbst auch richtig gut. Ich mag den Klang und er hört sich edler an als der deutsche Moritz. Wenn ich mich recht erinnere, war Maurice lange vor Moritz beliebt.

      Fabrice und Patrice
      Vielleicht wurden die beiden in Deutschland nicht beliebt, weil es mit Fabian und Patrick schon ähnlich Namen gab, die ja auch recht häufig waren. (Fabrice und Fabian sind wohl verschiedene Namen. Fabien ist die französische Form von Fabian.) Fabien ist mir aber noch nie untergekommen. Dafür gibt es Fabienne bei den Mädels.

    • Nochmals ganz kurz zum Thema „Städtenamen“, bitte. Vor gut zehn Jahren hat das in Deutschland für ein Riesengelächter gesorgt: Eine Sächsin wollte am Flugschalter einen Flugschein nach Porto in Portugal kaufen. Sie sich spricht das aber als /BORdo/ aus – und bekommt von der Maus hinter dem Tresen prompt ein Ticket nach Bordeaux. Angeblich soll das Mißverständnis erst aufgefallen sein, als das Flugzeug nach Bordeaux schon in der Luft war. Auch wenn die Geschichte von der Boulevard-Presse (SpOn, Bild, Focus…) erfunden gewesen sein sollte – sie ist gut.

      @ Mareike

      In einem Nachbardorf meiner alten Heimat-Kleinstadt in der neblichten norddeutschen Tiefebene gab es eine Familie mit dem Nachnamen Morische. Das kam angeblich vom französischen Mauricier – halt von den Hugenotten.

    • Ich denke, Maurice war bekannter und als männlicher VN akzeptiert. Wie bereits erwähnt Chevalier, Ravel, Leblanc und Jarre fallen mir spontan ein, und der Name funktioniert auch auf Englisch: Maurice Gibb z.B.
      Mit Theater hat nicht jeder zu tun, und das Feuilleton wird gern überblättert – und zu Fabrice fällt mir auf Anhieb auch kein Namensvorbild ein.
      Und nachdem die Republik Dennis, Patrick und Konsorten verfallen war, wirken Namen wie Fabrice und Patrice doch eher weiblich. So wie Janice, Alice oder Beatrice. Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn ein Mädchen statt der als zu gewöhnlich empfundenen Patricia Patrice genannt worden wäre.

    • Maurice. Da gibt es einen alten jüdisch-deutschen Witz, überliefert von Salcia Landmann in ihrem Klassiker „Der jüdische Witz“. Aus dem Gedächtnis:

      „Wußten Sie, daß Maurice Lafontaine mal Moritz Wasserstrahl geheißen hat?“
      „Natürlich! Ich habe ihn sogar schon gekannt, als er noch Moische Pischer geheißen hat.“

      Es bestreitet doch niemand, daß es den Namen Maurice in Frankreich gibt – es fragt sich halt nur, wie angezeigt er in Deutschland ist.

      Patrice wird für mich immer mit Patrice Lumumba verbunden bleiben. Schnell weggewischter Unabhängigkeitspräsident des ehemaligen Belgisch-Kongo, zwischenzeitlich Zaire genannt, heute meist Kongo-Kinshasa (im Gegensatz zum ehedem französischen Kongo-Brazzaville nördlich davon).

      Patrice als Mädchennamen würde ich für einen finstereren Kevinismus halten als alle Kevins, Jaydens, Marys und Jeremys zusammen.

      Schon im Jahre 2002 habe ich mit Kollegen über den Assi-Namen „Pättrick“ gelacht.

      Übrigens hatte ich mich vor einigen Jahren mal mit einer anglokanadischen Online-Bekannten, wohnhaft in Ottawa, über den St. Patrick’s Day am 17. März unterhalten. Daß er auch in Nordamerika gefeiert wird, ist nun allgemein bekannt. Ich hatte der dann mit pfiffigem Gesicht geschrieben, daß er sogar in München begangen werde. Sie hat mir nonchalant geantwortet, daß sie das nicht wundere – gebe es in Ottawa doch auch ein Oktoberfest.

      Wir waren uns einig: Alles was Kneipiers, Jongleuren, Würstchenbuden-Besitzern und „Kleinkünstlern“ Umsatz bringt, wird zur „Tradition“ umgedeutet – so wie in Deutschland die Weihnachtsmärkte, die so Anfang November anfangen und irgendwann im Februar enden. Oder in Hannover das schreckliche „Maschseefest“ im August, zu dem dann die Prollen aus der Wedemark mit ihren SUVs hier einfallen. *kotz*

      Joanna/Giovanna aus Ottawa war eine nette und recht kluge Frau. Italienische Wurzeln. Fast genau mein Alter. Recht hübsch, vielleicht etwas zu mopsig. Ihr Broterwerb bestand in der amüsanten Tätigkeit, erotische Romane für Frauen zu lektorieren. Wie es sich für eine gute urbane nordamerikanische Linksliberale gehört, war sie in Psychotherapie. Da fällste unangenehm auf, wenn Du das nicht bist.

      Wir haben uns dann überworfen, weil sie in einer Kombination von italienischem Temperament und der üblichen kanadisch-linksliberalen Selbstgerechtigkeit gegenüber den USA gegen Trump war. Und ich war halt für Trump.

      Vielleicht geht man in Einwanderungsgesellschaften wie Kanada lockerer mit Vornamen um. Die Deern hatte überhaupt nichts dagegen, wenn ich sie mit dem deutschen Johanna angesprochen habe, fühlte sich offenbar eher ob der Internationalität geschmeichelt.

    • @ Mareike:

      Mir gefällt Maurice auch sehr gut – im Gegensatz zu meinen deutschen und französischen Freunden. Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass der Name mittlerweile generell oft heruntergeputzt wird. Schade.
      Ja, es kann schon sein, dass Fabian und Patrick so beliebt waren, dass sich keine anderen Formen etablieren konnten; vielleicht lässt Maurice vom Klang her ja einfach weniger an Moritz denken….

      @ Barbara:

      Es scheint wohl für Maurice doch insgsamt mehr Namensvorbilder gegeben zu haben.
      Als Kind (und auch heute noch) fällt mir zu Maurice der weibliche Vorname Marlies ein. Daher wirkt auf mich Maurice genauso weiblich (wenn man so will) wie Patrice und Fabrice.

      In Frankreich kenne ich mehr Männer namens Fabrice als Fabien
      und mehr Männer namens Patrick als Patrice.
      Einen Maurice habe ich in Frankreich nie kennengelernt. “So heißen nur Ur(ur)opas!” hieß es immer.

    • Maurice und Marlies? Für mich ergibt sich da keine Gemeinsamkeit. Optisch nicht (ich hatte eine Klassenkameradin namens Barbi, die ich NIE in Verbindung zu Barbie-Puppen gebracht habe), und Marlies war für mich familiär bedingt immer eine abgekürzte Maria Luise, obwohl es ja Maria Elisabeth hätte sein müssen.

      Dem französichen Maurice ergeht es ja vielleicht in Zukunft genau wie Theo und Emil: irgendwann wird alles wieder ausgegraben.

    • Schtroumpfette

      Für mich gehört Maurice nicht in die berühmte Schublade, wenn du das meinst. Er ist eher der kleine Bruder von André ein 80er Jahre-Kind. Maurice kommt aber nicht so häufig vor. Vielleicht haben Schreibfehler wie Morice einen schlechten Eindruck hinterlassen, dadurch rutscht ein Name ab. Moritz gibt es in meinem Umfeld erst ab den 2000er Jahren in größerer Zahl. Ich glaube nicht, dass Maurice und Moritz zur selben Generation gehören. (Andreas und André gab es aber nebeneinander.)

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