Großstadtnamen / Kleinstadtnamen

Manchmal kommt man beim Herumstöbern ja auf verrückte Ideen, und was bei dieser herausgekommen ist, hat mich selbst verblüfft. Irgendwie – fragt mich nicht wie – bin ich auf die Idee zu kommen, die Einwohnerzahl der Vornamen auszuwerten. Konkret habe ich mir jeweils die Top 200 der beliebtesten Jungen- und Mädchennamen des Geburtsjahrgangs 2018 vorgenommen und ausgerechnet, wie hoch die durchschnittliche Zahl der Einwohner des Geburtsorts der Babys mit dem jeweiligen Vornamen ist.

Großstadt auf Tablet © SasinParaksa - fotolia.com
Großstadt auf Tablet © SasinParaksa – fotolia.com

Ich hatte vor der Auswertung nicht damit gerechnet (als Wissenschaftler würde ich das jetzt These nennen), dass es überhaupt signifikante Unterschiede gibt. Tatsächlich liegen zwar nicht gerade Welten, aber immerhin die Einwohnerzahl einer Großstadt wie Hannover zwischen dem am meisten großstädtischen Vornamen Ava (durchschnittliche Einwohnerzahl ungefähr 660.000) und dem am meisten kleinstädtischen Vornamen Anni (durchschnittliche Einwohnerzahl ungefähr 120.000).

Großstadtnamen

Die Vornamen mit der größten durchschnittlichen Einwohnerzahl

Mädchen Jungen
  1. Ava (660.000)
  2. Alicia (510.000)
  3. Elisabeth (490.000)
  4. Daria (470.000)
  5. Alma (460.000)
  6. Liya (450.000)
  7. Amina (450.000)
  8. Rosa (440.000)
  9. Lorena (440.000)
  10. Medina (440.000)
  1. Leonardo (580.000)
  2. Jasper (540.000)
  3. Theodor (540.000)
  4. Frederik (500.000)
  5. Dean (500.000)
  6. Kian (490.000)
  7. Ilyas (490.000)
  8. Amir (480.000)
  9. Mateo (470.000)
  10. Nicolas (470.000)

Kleinstadtnamen

Die Vornamen mit der kleinsten durchschnittlichen Einwohnerzahl

Mädchen Jungen
  1. Anni (120.000)
  2. Jule (140.000)
  3. Marleen (140.000)
  4. Franziska (180.000)
  5. Lenia (180.000)
  6. Ina (180.000)
  7. Annika (190.000)
  8. Celina (190.000)
  9. Neele (200.000)
  10. Emmi (200.000)
  1. Samu (120.000)
  2. Thomas (150.000)
  3. Franz (150.000)
  4. Colin (160.000)
  5. Andreas (160.000)
  6. Bastian (160.000)
  7. Matthias (160.000)
  8. Phil (170.000)
  9. Hannes (170.000)
  10. Kurt (180.000)

Und außerdem …

22 Gedanken zu “Großstadtnamen / Kleinstadtnamen”

  1. Vielen Dank für diese Analyse! Ich vermute schon lange, dass es diesen Unterschied gibt. Mein Freund stammt aus einem 3000 Einwohner Örtchen und ich aus einer 500000er Stadt. Bei den Überlegungen, wie unsere Kinder zu nennen seien, entbrannten häufige Diskussionen darüber welche Namen wohl häufig oder normal seien. Wir hatten einfach sehr unterschiedliche Erfahrungen. Dass unsere erste Tochter Alma jetzt einen typischen Großstadtnamen hat überrascht mich nicht.

    • Wobei es egal ist, aus welchem Örtchen der Freund stammt, denn wenn das Baby in der benachbarten Großstadt zur Welt kommt, zählt es als Großstadtbaby.

    • Nein, in der Gegend gibt es keine Großstädte. Unsere Kinder sind aber im Ruhrgebiet geboren und somit Stadtkinder. Uns ist aber aufgefallen, dass ich viele der heute modernen Namen schon aus meiner Kindheit kenne. Ich bin in den 80ern mit einem Paul, einem Kjell, einer Greta, einer Frieda… zur Schule gegangen. Mein Freund hatte zwei Heinz-Peters in der Klasse. Ich fand Alma für unsere Tochter ziemlich normal, während er das sehr mutig fand. Vielleicht sind ländliche Gegenden konservativer? Der Effekt könnte ja sogar noch deutlicher sein, wenn man für die Berechnung nicht den Geburts- sondern den Wohnort nutzen würde, da ja in großen Städten einfach mehr Geburtskliniken sind.

  2. Interessante Auswertung!

    Spontan fällt mir auf, dass in Großstädten neun Mädchennamen auf -a enden, in Kleinstädten nur vier. Ich finde, die Kleinstadtnamen klingen dadurch insgesamt “süßlicher” (z.B. Anni, Jule, Neele und Emmi).

    Leonardo hätte ich (in Großstädten) nicht ganz oben vermutet!

    Die Jungennamen in Kleinstädten enden häufiger auf -s: Thomas, Andreas, Matthias, Hannes. Bei den Jungennamen in Großstädten finden sich nur zwei auf -s (Ilyas, Nicolas).

    Die Kleinstadtnamen passen eher in meine Generation (Ende 70er/80er Jahre).

  3. Das Thema ist so interessant, wie es schwer zu fassen ist. Großstädte sind in Deutschland meist politisch links oder linksliberal. Es gibt Massenunis, viele Ausländer, eine linksliberale Lehrerbourgeoisie (in Hannover in der List, in Köln in der Südstadt, in Heidelberg in Neuenheim) – das, was ich immer so gerne die Bionade-Bourgeoise nenne. Und es gibt aber auch überall „Problemstadtteile“. Aber eben auch stets Großbürger-Stadteile wie in Hannover das Zooviertel (immer noch gerne „Hindenburg-Viertel“ genannt) oder Kirchrode.

    Und praktisch jede deutsche Großstadt hat ihren „Speckgürtel“, der dann eher die CDU wählt. Das sind formell Kleinstädte, aber sie sind in sich auch soziologisch sehr unterschiedlich. In der ollen (@ cassis 😉 ) Wedemark nördlich von Hannover gibt es ausgesprochene „Spießer“-Gegenden, in denen die Leute SUVs fahren und des Sommers in Bermudashorts und Trekking-Sandalen rumlaufen. Aber es gibt dort auch ausgesprochen großbürgerliche Kleinstädte (Isernhagen, Großburgwedel), in denen einem schon mal ein ehemaliger Bundespräsident oder der zweitreichste Mann Niedersachsens (der mit den Drogerien…) über die Füße laufen können. Dann gibt es aber z.B. auch Garbsen, das teilweise „Spießer“-Speckgürtel ist, teilweise, nämlich mit dem Stadtteil Garbsen auf der Horst, aber auch das berüchtigste Asi-Viertel Hannovers.

    In Paris hingegen wohnen die noblen Leute *in* der Stadt, nämlich im 16. oder im 7. Arrondissement, während der Pöbel in den Vorstädten, dem berüchtigten Banlieues, wohnt. Aber auch in den Pariser Vorstädten gibt es krasseste soziale und soziokulturelle Unterschiede.

    In deutschen Großstädten gibt es – anders als es das Artikelbild suggeriert – normalerweise (mit der Ausnahme Frankfurts am Main) normalerweise keine „Downtown“ mit Hochhäusern, in denen die Bourgeoisie arbeitet, und Vorstädten, in denen die Leute wohnen. In Paris sind Hochhäuser gar verboten. Von Los Angeles andererseits hat man gar mal gesagt, die Stadt sei die Negation des Prinzips der Großstadt zugunsten der Vorstadt.

    Ein US-amerikanische Kommilitonin von mir (etwas älter als ich), die in Deutschland kleben geblieben war, meinte allen Ernstes mal, daß ihr deutsche Großstädte lieber seien, weil hier die Häuser im Durchschnitt höher seien als in den USA!

    Kurzum: Ich meine, daß man mit der Einwohnerzahl die Vielfalt der jeweiligen sozialen und soziokulturellen Milieus nur sehr schlecht fassen kann.

    Literaturtip: Julien Green: Meine Städte (Villes, 1985). Green ist einer meiner Lieblingsautoren!

  4. Hilfe! Ich habe die Jan-Anekdote vergessen! 🙁 Borge sie mir auf die Schnelle von Asfa-Wossen. Also:

    Auf einer Atlantik-Überfahrt auf einem Ocean-Liner läßt sich eine Bostoner Brahmanin auf ein sexuelles Abenteuer mit einem gutaussehenden Kleinbürger aus New York ein. Am nächsten Vormittag kommt dieser ihr und ihren Leuten kumpelhaft. Sie läßt ihn eiskalt abblitzen und scheucht ihn mit diesen Worten weg: „Sir. Mere sexual intercourse does not introduce into Boston circles.“ (= „Bloßer Geschlechtsverkehr führt noch nicht in die feine Gesellschaft Bostons ein.“)

    So große soziologische Unterschiede gibt es zwischen deutschen Großstädten wohl nicht. Abgesehen von dem zwischen Düsseldorf und Köln. 😀 Oder halt zwischen dem linksliberalen Größenwahns Berlins und dem übrigen Deutschland. Für mich bleiben die Hauptstädte Deutschlands Frankfurt als Krönungsstadt und Wien als Residenzstadt der Deutschen Kaiser. Das schöne Wien ist weit weg, und in Hannover machen wird dann schon, was wir wollen. 😉

  5. Aber in Deutschland ist 100.000 offiziell schon eine Großstadt. 🙂 Kleinstadt ist zwischen 5.000 und 20.000.
    Von anderer Seite, es ist meiner Meinung nach nicht mehr korrekt die Kleinstädte im Ruhrgebiet klein nennen, es ist eine einzige große Metropole. Natürlich, wie in jeder großer Metropole gibt es dort “edel” und “proletarische” Gebiete und Stadtviertel…

    • Rina,

      das Ruhrgebiet hatte ich bewußt außen vor gelassen. Es ist so eine Art deutscher Megalopolis – besteht aber rechtlich aus selbständigen Städten. De facto sind es Stadtteile, die sich untereinander gelegentlich nicht ausstehen können. Man denke an die Fußballrivalität zwischen Gelsenkirchen und Bochum.

      Diese (äußersten interessanten) Fußballrivalitäten gibt es aber auch in anderen Städten:

      – In Madrid zwischen Atlético und Real (ich bin, wie seine Majestät, Philipp VI. von Spanien, für Atlético).
      – In Belgrad zwischen Roter Stern und Partizan (bin für Roter Stern).
      – In der DDR früher zwischen dem Stasiklub BFC Dynamo und dem als systemkritisch verdächtigten Union Berlin („Eisern Union“); heute zwischen Union und der Herta (die freilich bis auf weiteres nicht in der gleichen Liga spielen).
      – In Rom zwischen dem AS Rom und Lazio Rom. Eine deutsche Bekannte von mir hat mal so ein römisches Derby gesehen – sie meinte, sie habe nur noch Angst gehabt. (Ich bin für Lazio.)
      – In Moskau zwischen ZSKA und Spartak
      – In Istanbul zwischen Galatasaray, Beşiktaş und Fenerbahçe. Die Fans sind – wörtlich – bis aufs Messer verfeindet. (Ich selbst bin immer für Beşiktaş. Schlachruf: „Wir sind gegen alles außer gegen Atatürk!“)
      – In Hamburg natürlich der zwischen dem „linksautonomen“ St. Pauli und dem bürgerlicheren HSV.
      (– Und so weiter und so sofort.)

      Ich zähle das so beflissen auf, um anzudeuten, daß die sozialen Differenzen innerhalb einer Großstadt oft deutlicher sind als die zwischen Stadt und Kleinstadt und Land.

      Andererseits: Wo geht es wohl „spießiger“ zu: In Lagos und Jakarta – oder in Zürich und Cambridge, Massachusetts? (Die Frage borge ich mir von meinem Lehrer in seiner „Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts“.)

      Die meisten klassischen deutschen Universitäten liegen in Kleinstädten oder Mittelstädten und eben nicht in der Großstadt: Marburg, Heidelberg, Tübingen, Göttingen, Freiburg, Münster, Greifswald, früher Dorpat.

    • Ja, tatsächlich sind die 100.000 EW das Kriterium, mit dem in Deutschland offiziell eine Großstadt definiert wird. Eine offizielle Kleinstadt-Definition gibt es aber nicht.

    • Eine soziologische Sonderform von Kleinstadt wären vielleicht noch die Kurorte, also „Bad [XY]“.

      Als ich so Mitte dreißig war, bin ich mit Kollegen öfter mal im Harz gewandert. Startpunkt war meistens Wernigerode. Dann hoch zum Brocken. Unser Rekord war mal: Wernigerode –> Brocken -> Bad Harzburg. 34 km mit knapp 1000 m Höhenunterschied. Mit Marschgepäck zwischen 7:30 morgens und dem frühen Nachmittag. Gar nicht so schlecht für untrainierte IT-Nasen, wa?

      Treffpunkt für diese Exkursionen war immer das Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof, üblicherweise um 6:00. 😉

      Wernigerode und Bad Harzburg haben 20.000 bzw. 30.000 Einwohner. Aber der soziologische Unterschied war mit Händen zu greifen:

      – Wernigerode. Eine oft noch etwas schäbbige Ex-DDR-Kleinstadt.
      – Bad Harzburg. Es stinkt nach BRD-Geld. In der Fußgängerzone jede Menge Juweliere und Pelzmäntelchen-Läden.

      Bin ja sehr dafür, daß Frauen Schmuck (und sei es billiger Modeschmuck, das ist ja eigentlich egal) und Pelze tragen – aber Bad Harzburg konnte einen schon nerven. Und ein Traum von mir wäre, noch einmal eine russische Uschanka-Mütze aus echtem sibirischen Zobelfell zu besitzen. 🙂 Wenn ich es mir als Student hätte leisten können, hätte ich ein oder zwei Exfreundinnen gerne einen Mantel aus dem Fell von Robben-Babys geschenkt. Gerade Blondinen steht das wunderbar. Konnte ich aber nicht. 🙁

  6. Und noch zu der von Nina erwähnten, in der der BRD halbamtlichen 100.000er-Untergrenze für eine Großstadt: Ich bin nie von dem Verdacht losgekommen, daß die vor allem erfunden wurde, um Provinzbonzen zu schmeicheln.

    Beispiele: Göttingen hat über 100.000 Einwohner, Münster gar 300.000. Aber es sind einfach keine Großstädte! Hannover hat 500.000, ist aber maximal eine kleinere Großstadt oder größere Mittelstadt. Natürlich braucht man als Statistiker wie Knud diese fixierten, quantitativen Grenzen – aber 100.000 hängt einfach zu niedrig.

    Nowosibirsk hat 1,5 Mio. Einwohner. Moskau etwa 11 Millionen.

    Eine Exfreundin von mir namens Natascha stammte aus Moskau. Es war das schon erwähnte Mädchen, das von ihrer Oma verdonnert worden war, Klavier zu lernen, weil sich das für ein Mädchen so gehöre. Als sie mal in Hamburg war, hatte sie ein Mann in der üblichen, etwas tumben Hamburger Lautstärke und Trampeligkeit anzubaggern versucht.

    Er, jovial: „Naaa, wie gefällt Dir denn so eine deutsche Großstadt?“
    Sie, eiskalt und von oben herab: „Es gibt in Deutschland keine Großstädte.“

    Übrigens ein schwerwiegender Fehler von BRD-Schnarchnasen, sich Russinnen als herzig, weich und untertänig vorzustellen. Russinnen mögen idealistische und „brennende“ Männer, die für ihre Überzeugung und ihr Vaterland ihr Leben einsetzen, nicht auf Langweiler. Mit Serbinnen ist es ähnlich, nur eher noch krasser.

    • Der Grenzwert von 100,000 Einwohnern als Großstadt-Klassifikation wurde vom l’Institut international de statistique 1887 festgelegt und ist seitdem zu einem internationalen Standard geworden.
      Damals gab es weltweit nur wenige Städte über 100 000 Einwohner und diese Städte waren für die damaligen Verhältnisse tatsächlich sehr groß. Deutschland hat 2018 mehr Städte über 100 000 Einwohner als die gesamte Welt Städte über 100 000 Einwohner im Jahr 1800 hatte (wobei die Einwohnerzahlen chinesischer Städte historisch nicht exakt festlegbar sind).

      1887 hatte Moskau 780 000 Einwohner (0,78 Millionen, in etwa soviel wie Frankfurt am Main) und Novosibirsk hatte 0 Einwohner, da die Stadt zu dem Zeitpunkt noch nicht gegründet war. 1887 hatte Barcelona 268 000 Einwohner und Rio de Janeiro hatte 1872 274 000 Einwohner, während Hamburg 1887 310 000 Einwohner hatte. Die Weltbevölkerung hat seitdem rasant zugenommen, dieser Definitionswert wurde jedoch nicht an heutige Verhältnisse angepasst bzw. er wurde nicht aktualisiert.

    • @ Xylophon

      Sehr interessant.

      Im Spätmittelalter war Köln die größte Stadt des Reiches mit (natürlich ex post geschätzten) 40.000 Einwohnern. Für heutige Verhältnisse also eine größere Kleinstadt oder kleinere Mittelstadt.

      Daß Nowosibirsk eine relativ junge Stadt ist, wird ja nun schon aus dem Namen deutlich.

      @ Nina

      Wenn ich eine neurechte Exfreundin von mir aus dem Tiefen Westen provozieren wollte, habe ich immer absichtlich Düsseldorf und Duisburg verwechselt – also Großstädte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Sozusagen, um Nonchalance und Desinvolture bei Kohlenpott-Angelegenheit rüberzubringen. Das hat tatsächlich regelmäßig geklappt, also in dem Sinne, daß die Frau explodiert ist und mich im Zorn für einen Hannoveraner Idioten erklärt hat.

      Angesichts des Duisburger Loveparade-Unglücks von 2010 hieß es irgendwo in der Presse mal sehr schön, man habe dort das Strukturprinzip der Parade gegen das des Intenierungslagers ausgetauscht. 😀

    • Noch etwas zu Xylophons Bemerkungen.

      Daß die Dichte an Großstädten in Deutschland sehr hoch ist, kann kaum verwundern. Deutschland ist ein wirtschaftlich (und natürlich kulturell) flächendeckend hochentwickeltes Land. Und es ist traditionell dezentral-föderalistisch. Trotz des Berlin-Hypes der letzten zwanzig Jahre hatte Berlin eben nie die Stellung von Paris in Frankreich, von Madrid in Spanien oder von Moskau (und zwischendurch St. Petersburg) in Rußland etc. Insofern ähnelt unser Vaterland eher den USA – Washington ist nun nicht gerade eine Weltstadt, und New York ist bei vielen Amerikanern aus dem Binnenland geradezu verhaßt.

      Nur die 100.000er-Grenze, die scheint mir heute abstrus zu niedrig. Heidelberg, Halle, Ingolstadt und Siegen als Großstädte! Lächerlich.

      Für deutsche Verhältnisse wären wohl 500.000 einigermaßen realistisch.

      In meinen Zivi- und Studententag hat Hannover immer an der 500.000er-Grenze rumgekrebst. Ein Zivikollege kam aus Langenhagen nördlich von Hannover. (Wie übrigens meine Exfreundin namens Nicole auch.) Bei dem wurde auf dem Ordnungsamt etc. immer angemeckert, er solle sich doch endlich mal ummelden. Er hat das nicht gemacht, weil in Langenhagen die Kfz-Steuer niedriger war als in Hannover.

      Langenhagen, 50.000 Einwohner, – dort liegt bekanntlich der Flughafen von Hannover – ist auch so ein spezieller Fall von Vorstadt. Mehrenteils schäbbig-proletig (wie die Straße meiner Ex*), einige bourgeoise Gegenden (wie das Eckchen, aus dem mein Kollege kam). Langenhagen gehört wirtschaftlich einwandfrei zu Hannover, aber eben nicht rechtlich. Ebenso ist es mit Laatzen im Süden Hannovers, das sozial und wirtschaftlich eng mit der Hannovermesse verwoben ist.

      *) Meine Güte, das war ein so hübsches Mädchen! Ein bißchen Kultura hätte ich ihr schon noch beigebracht. „My fair Lady“. Hat mal wieder nicht auf Dauer geklappt. 🙁

  7. Zu Jan.
    Ich stamme auch aus Russland, aus Moskau… Viel mehr als 12 Millionen, genug Menschen sind in der Heimatstadt angemeldet, obwohl sie schon mehrere Jahre in Moskau wohnen. Und Moskaugebiet (7 Millionen offiziell) teilweise pendelt zur Arbeit.
    Würde nicht aber sagen, dass es keine “echte” Großstädte in Deutschland gibt, ich reise viel und nach meiner Fühlung sind Hamburg, Berlin, Frankfurt a.M. und gesamtes Ruhrgebiet Großstädte. München und besonders Stuttgart aber eher nicht…

    Zu Knud
    Wiki sagt, dass 5.000-20.000 kommt auch aus Definition von 1887. Habe aber nicht geprüft.

    • Spannend, das hatte ich anders gelernt. Eventuell spielt die Kleinstadtdefinition in der Praxis nicht immer eine Rolle.

    • Rina d.J.,

      war mir natürlich klar, daß Du aus Rußland bist. 🙂 Und echt, aus Moskau?! Würde so gerne mal wieder im Arbat oder an der MGU auf den Sperlingsbergen sein! Oder noch besser in einer Stadt aus dem Goldenen Ring, die halt weniger international ist. Z.B. Kaluga. Oder im Großen Kaukasus. Ein Traum von mir wäre, den Elbrus zu besteigen. Und nach Sibirien muß ich auch nochmal. Kommt noch. Müßte vorher mein Russisch auffrischen… :-/

      Russen und Deutsche müssen immer zusammenhalten – aber das war jetzt mal wieder eine politische Meinungsäußerung, die recht wenig mit Vornamen zu tun hat. 😀

      Vielleicht sollte man den Begriff „Großstadt“ an die jeweiligen sozialhistorischen Gegebenheiten eines Landes anpassen?

      München nennt man ja gelegentlich „das Millionendorf“.

      Sehr herzlich

      Jan

    • Moskau ist echt schön. Und Russland auch.

      Zum Thema.
      Viele russische Städte führen eigene offizielle Namenstatistik, auch Moskau, monatlich. Leider ladet man nicht die aktuelle Daten hoch, jetzt finde ich nur September 2018.
      Gesamte Namenstatistik macht kein Sinn, zu viele Nationen im Land…

      Und in Moskau ist Top fast international.
      Mädchen: Sofia/Sofja, Maria, Anna, Alisa, Elisaweta (deut. Elisabeth), Viktoria, Polina (deut. Pauline), Anastasia, Ekaterina, Alexandra.
      Jungen: Alexander, Maxim, Michail (deut. Michael), Artjom, Ivan, Daniil/Danila/Danil (deut. Daniel), Dmitrij (lat. Demetrius), Matwej (deutsch Matthias), Lew (deut. Leo), Mark.

      Über seltsame Name wundert man nicht mehr besonders, ob es etwas altmodisches wie Lada und Klim, ausländisches wie Kamelia und Donald oder total untypisches wie Wesna (Frühling) und Dar (Geschenk) ist.

    • Rina d.J.

      „Moskau ist echt schön. Und Russland auch.“

      Weiß Gott! Das ist das größte und schönste Land der Welt! Du weißt besser als ich, daß es da immer noch große Probleme gibt, aber die Lage hat sich verbessert.

      Ekaterina (in der deutschen Umschrift eben Jekaterina als russische Form von Katharina) heißt unsere zukünftige Landesherrin. Ehefrau Ernst Augusts VI. und – mit Gottes Hilfe – demnächst Mutter von Ernst Augusts VII. 🙂 Sie ist in London sozialisiert, Modedesignerin. Ihr Label hießt „Jekat“, komischerweise also nicht in der angelsächsischen Transkription. Hinreißend schöne Frau! Bin als Hannoveraner sehr stolz auf sie.

      Man denke auch an Katharina (Jekaterina) I., die aus dem Nichts aufgetauchte hübsche zweite Frau Peters des Großen. Und natürlich an Katharina II. die Große, Begründerin des Hauses Romanow-Holstein-Gottorf. Eroberin Neurußlands, das heute lächerlicherweise von den ukrainischen Oligarchen für sich beansprucht wird.

      Katharina die Große hat zwar höchstwahrscheinlich ihren debilen Mann Peter III. umbringen lassen. Kann ich aber auch vollkommen verstehen. Aber sie hat sich gegenüber ihren zahlreichen Ex-Liebhabern immer loyal gezeigt: Sie hat keinen einzigen von ihnen umbringen lassen, sonder sie immer mit guter Apanage auf irgendein Landgut geschickt. Unter der Bedingung, sich nicht mehr in Petersburg sehen zu lassen. Auch hat sie den tapferen Pionieren in Russisch-Amerika (also Alaska) den Befehl gegeben, sich gegenüber den Eingeborenen milde und freundlich zu zeigen.

      Mein Liebligszar ist Nikolai I. Pawlowitsch, aber gleich danach kommt Katharina die Große.

      Kennst Du noch diese kuriosen „revolutionären“ Vornamen?

      – Rem (m., „Revoluzija, Elektrifikazija, Mechanisazija“)
      – Ninel (w. also Lenin rückwärts gelesen)

      Gibt/gab noch mehr, aber fällt mir gerade nicht ein…

      Außer dem vollends kuriosen Namen, von dem wohl kein Mensch weiß, ob er je wirklich vergeben wurde, oder ob es ein Witz ist: Ojuschminald. „Otto Juljewitsch Schmidt na lde” = „Otto Juljewitsch Schmidt aus dem Eis“. Halt nach dem großen Polarforscher.

    • Es war wirklich viele verrückte Namen nach Revolution
      Wladilen(a), Wladlen(a), Wilenin(a), Wilen(a), Wilij(a), Wil, auch von “Wladimir Iljich Lenin”; Oktjabrina und Nojabrina, weil Revolution in Oktober/November stattfand, Idea, von russischer “Idea”, deut. Idee; Lenar(a) – Lenin Armee; Marlen(a) – Marx und Lenin; Spartak, nach Spartacus aus Antikes Griechenland…

  8. Die in meiner Nähe gelegene kleine Großstadt (145.000 Ew.) ist stolz darauf sich Großstadt nennen zu dürfen. Und im Vergleich zu den Dörfern und Kleinstädten im Umfeld ist sie auch eine große Stadt.
    Aber Berlin, Hamburg, Hannover usw. sind eine ganz andere Nummer.

    Die Namensgebung in der Stadt und auf dem Land ist unterschiedlich. Meine weiterführende Schule lag in der Großstadt, die Schüler kamen aber auch von den Dörfern. Ich hatte sogar Doris und Irmgard (vom Dorf) in der Klasse, während die anderen Mädels Nicole, Stefanie, Sonja und Anja hießen.

    Und in den großen Großstädten ist es nochmal anders. Dort ist vieles offener, alles ist möglich. Über merkwürdige Namen wundert man sich nicht so schnell. “Neue” Namen werden zuerst in den ganz großen Städten vergeben. Ich kannte mal einen Dennis (geb.69) aus Berlin-Kreuzberg, der bei seiner Oma in Ostwestfalen, auf dem Dorf, Urlaub gemacht hat. Mal abgesehen von dem Kulturschock für ihn, er war der erste Dennis weit und breit.

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