Babynamen der Woche 22/2018

Emil Engelbert * Karl Dennis * Solveig * Erik * Laila Shirin * Henry John * Emily Lara * Nick Philipp * Maren * Clemens Alexander * Sophie Marleen * Leon Oscar * Lynda Madison * Novalee (f) * Sidney (m) * Ahalora (f) * Joseph Armando * Elyas Fjodor Jonah * Mya Stefania * Elissa Sarah * Sonja Hermine * Lionello Gabriel * Kati * Pia Lu-Ann * Quirina * Nikolai * Tarek Alexander * Immanuel Leopold

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  • Sophia & Lea
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  • Charlotte & Theresa
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  • Jim Henry Leeroy & Neo Jerome Mario

Und außerdem …

39 Gedanken zu “Babynamen der Woche 22/2018

  1. Ich wähle heute Erik & Sonja. Sie hätten meine Klassenkameraden sein können, aber wirken irgendwie auch zeitlos.

    Auffällige Mischungen:
    Tarek Alexander – klangvoll und von den Bedeutungen (Feldherr und Beschützer) her auch passend.
    Karl Dennis – Karl Daniel oder Karl Dominik hätte ich schöner gefunden.

    Hochgestochen aber passend: Immanuel Leopold

    Nicht mein Fall: Engelbert

    Braucht mehr Abwechslung der Vokale: Nick Philipp – Dann hätte z.B. Nikolas oder einfach Niko besser gepasst.

    Ach nein: Ahalora (f), Elyas Fjodor Jonah, Mya Stefania (möchte nicht Mia wählen, klingt aber trotzdem wie jeder im Kindergarten)

    Herkunft USA aber gut machbar in Europa: Elissa Sarah

  2. * Emil: nichts meins. Zu weich für einen Männernamen (Emilia hingegen gefällt mir gut!)

    * Engelbert: Sagen wir mal so – wenn Emil, Karl und Oscar “erlaubt” sind, warum nicht auch Engelbert? Ich empfinde keinen dieser Namen als passend für diese Zeit.

    * Karl Dennis: Diese Namen passen nicht zusammen, finde ich. Die Beliebtheit von Karl werde ich auch nie verstehen. Ich denke immer an Karl, den Kahlen …

    * Solveig: In Ordnung, aber ein Name, der dauernd buchstabiert werden muss.

    * Erik: an sich ein schöner Name – ich stelle aber fest, dass ich, je länger ich mich mit Namen beschäftige, solche “normalen” Namen schon fast als langweilig ansehe. Ich hätte hier noch einen Zweitnamen zugefügt, der seltener, besonderer ist.

    * Laila Shirin: Gefällt mir als Kombi. Laila mag ich auch gern. Shirin als Zweitnamen finde ich auch gelungen, als Erstnamen eher nicht.

    * Henry John: Henry ist noch in Ordnung, aber John gefällt mir einfach nicht.

    * Emily Lara: Lara Emily hätte für mich stimmiger geklungen. Mit den Namen geht es mir inzwischen ähnlich wie mit Erik – beide schön, aber irgendwie langweilig. Geht das jemanden noch so, dass er ganz normale Namen inzwischen schon als langweilig ansieht? Das hätte ich vor 5 Jahren noch nie gedacht!

    * Nick Philipp: Nick ist mir zu kurz, da gefielen mir Niklas oder Nico besser. Philipp siehe Erik.

    * Maren: finde ich in Ordnung, aber der Name wirkt etwas streng auf mich.

    * Clemens Alexander: beides in Ordnung, finde ich zusammenpassend. Begeisterung ruft es aber nicht hervor.

    * Sophie Marleen: Gefällt mir, auch wenn ich Sophie (siehe auch Erik!) zu häufig finde, vor allem bei den Zweitnamen. Marleen finde ich hübscher als Maren, das l und Doppel-e nehmen ihm die Strenge.

    * Leon Oscar: Leon siehe Erik, Oscar siehe Karl.

    * Lynda Madison: Lynda mit y klingt nach “mein Kind ist etwas ganz Besonderes!” Allerdings muss ich sagen, dass mir das Schriftbild so tatsächlich besser gefällt als bei Linda! Geschwungener. Für Madison braucht man einen passenden Nachnamen.

    * Novalee (f): zwar selten und besonders, aber trotzdem nicht meins.

    * Sidney (m): Den Namen mag ich weder für f noch für m. Klingt in meinen Ohren mehr nach f.

    * Ahalora (f): Weil “Aloha” nicht genehmigt wurde? Nee … Dieses “Aha” am Anfang finde ich inakzeptabel. Alora/Elora hätte mir noch gefallen.

    * Joseph Armando: Armando gefällt mir gut, Joseph ist mir zu religiös.

    * Elyas Fjodor Jonah: Elias finde ich in dieser Schreibweise besser, ist nur sehr häufig. Fjodor Jonah empfinde ich als Zungenbrecher. Nur Elias Jonah hätte mir besser gefallen. Fjodor erinnert mich zudem an Fondor von Maggi 😉

    * Mya Stefania: Fall 2 von “mein Kind ist etwas ganz Besonderes!” … Hier finde ich nicht mal das Schriftbild hübsch. Warum suchen solche Eltern bloß nicht einen Namen, der für sich TATSÄCHLICH etwas Besonderes ist? Mya wird ihr Leben lang die Schreibweise verbessern müssen … Stefania ist mir zu … gewaltig …

    * Elissa Sarah: Sarah Elissa hätte eine schönere Sprachmelodie. Elissa gefällt mir aber gut – besonders, trotzdem geschrieben wie gesprochen, das mag ich! 🙂 Sarah siehe Erik! …

    * Sonja Hermine: Die Kombi gefällt mir, Hermine finde ich als Zweitnamen in Ordnung, wirkt auch etwas streng, was aber durch “Sonja” gemildert wird.

    * Lionello Gabriel: Hier hätte ich die Reihenfolge geändert, dann gefiele es mir gut. Lionello als Erstnamen finde ich wiederum zu weich.

    * Kati: Ein Spitzname! Ich würde echt jedem empfehlen, die Langform zu wählen und das Kind selbst wählen zu lassen, ob es beim Spitznamen angeredet werden möchte. Ansonsten fände ich Katharina (siehe Erik!) zu langweilig. Katalina wäre gleich viel interessanter! Oder Kathalea. Alles gut für Kati als Spitznamen …

    * Pia Lu-Ann: Ich bin einfach kein Fan von kurzen Namen, auch nicht als Konglomerat! Pia mag ich auch von Klang und Bedeutung nicht (dann lieber Lia oder Nia!), Lou würde ich so schreiben.

    * Quirina: Ich finde den Namen spontan interessant.  

    * Nikolai: Gefällt mir gut, auch noch eine hübsche Alternative zu Nick!

    * Tarek Alexander: Mag ich beides, auch in Kombination.

    * Immanuel Leopold: Immanuel lässt mich an Kant denken … Leopold erinnert mich an ein Kinderlied 😉 Leonard mag ich viel lieber!

    • Fjodor erinnert mich zudem an Fondor von Maggi

      🙂

      Fjodor ist der russische Theodor!

      Eine ganze Reihe von russischen Zarinnen im 19. Jahrhundert hatte als Patronym Fjodorowna, also „Fjodors Tochter“ – unter anderem auch die letzte. Das waren waren aus Deutschland (damals das berühmt-berüchtigte „Gestüt Europas“) importiert adlige Bräute, die vor ihrer Heirat in einer dem hl. Theodor geweihten Kirche in Petersburg zur Orthodoxie konvertiert waren bzw. konvertieren mußten*. Da richtete sich das Patronym also nicht nach dem Vater, sondern nach dem (neuen) Schutzheilgen.

      Also: Bei dem kleinen Elyas Fjodor Jonah kann man wohl einen zumindest partiell russischen Hintergrund unterstellen. Dann paßt aber das orientalisch klingende Elyas überhaupt nicht. Und das neudeutsche Jonah auch nicht. Eine m.E. mißlungene Kombination.

      *) Diese Muß-Konversionen gibt es im Hochadel natürlich auch heute noch. In England darf bekanntlich kein Katholik König werden, in Holland sowieso nicht. Eine evangelische König von Spanien kann man sich kaum vorstellen – ich weiß aber nicht, wie das heute rechtlich geregelt ist.

      Und unsere künftige Hannoveraner Landesherrin Jekaterina (Frau von Ernst August VI.) mußte vor ihrer Heirat im letzten Jahr auch erstmal von der russischen Orthodoxie zum Luthertum konvertieren – ist welfisches Hausgesetz.

    • “Geht das jemanden noch so, dass er ganz normale Namen inzwischen schon als langweilig ansieht?”

      Ja, schon ein Weilchen … Vielleicht bringt die intensive Beschäftigung mit dem Thema das einfach mit sich? Manchmal gelingt es mir aber auch, die schlichte Schönheit von (am liebsten dann einzeln vergebenen) Namen zu würdigen 😉

    • Sehe ich tendenziell ähnlich. Bevor ich angefangen habe, hier mitzulesen, habe ich das neudeutsche Mia immer für knuffig gehalten. Mittlerweile ödet es mich auch etwas an – um nur ein Beispiel zu nennen.

      Was mir noch mehr auf die Klöten geht, ist die Sucht, unbedingt Zweitnamen vergeben zu müssen, die keine Nachbenennungen sind. „Bloß nix auslassen! Bloß nix falsch machen! Mein Kind soll sich das mal selbst aussuchen können!“ Das ist sehr oft neudeutsche Feigheit.

      Sollen die Leute, die Kinder mögen, halt wieder mehr Kinder kriegen – dann brauchen sie nicht jedes Kind mit mehreren Vornamen ohne Familien-Zusammenhang zumüllen.

      Erik empfinde ich übrigens eher als Namen meiner eigenen Generation. Erich wäre damals undenkbar gewesen – wie etwa auch Johann oder Erwin. Ein Schulkamerad von mir hingegen hieß Erik.

      Mir gefallen weiterhin „klassische“ und „traditionelle“ Vornamen am besten. Bei allem Problembewußtsein hinsichtlich dieser Begriffe.

    • Da habe ich tatsächlich die Zwillinge übersehen! 😮

      Sophia & Lea: Siehe Erik ……

      Merle & Malte: zu ähnlich und beides nicht meins.

      Levi & Jona: Empfinde ich in Kombination als lückenhaft – lieber Levin und Jonas!

      Mark & Marcel: VIEL zu ähnlich! Hätten sie die Kinder auch gleich Mark und Marc nennen können!

      Eva & Amaya: Als Eva würde ich immer denken: “Warum hat meine Schwester so einen schönen besonderen Namen gekriegt und ich so einen öden Durchschnittsnamen??!!” …

      Dario & Melina: Beides ok

      Pascal & Moritz: Geht zusammen, aber ich mag beide Namen nicht.

      Maria & Sophie: Siehe Erik!

      Minho (m) & Yuna: Mino ohne h oder Milo/Milan fände ich einfacher bzw. hübscher und passend zu Yuna.

      Charlotte & Theresa: Siehe Erik.

      Pauline Helga & Lone Majvi: Siehe Gedanken von Eva! Wobei ich Lone schlimm finde und Majvi lieber Mavie schreiben würde.

      Jeremy Maddox & Jonah Michael: Bin kein Fan von englischen Namen und gleichen Anfangsbucgstaben bei Zwillingen.

      Jim Henry Leeroy & Neo Jerome Mario: Jim und Neo sind nur zu kurz, die übrigen Namen nicht meins.

    • @Jan aus Burgund:

      Danke für die Info zu Fjodor, wieder was gelernt! Die Kombination empfinde ich dann auch als nicht stimmig.

      @Annemarie: Beruhigend, dass es nicht nur mir so geht! 🙂

      Zu den Zweitnamen: Das sehe ich tatsächlich komplett anders, würde es aber keinesfalls mit Angst gleichsetzen, sondern mit vorausschauendem Denken und dem Spaß an Sprachmelodien und Bedeutungsvielfalt (sofern darauf geachtet wird). Ich hätte mir einen zweiten Namen zu meinem ursprünglichen Namen sehr gewünscht, auf den ich früher hätte ausweichen können. Ich finde es sehr sinnvoll und auch fair dem Kind gegenüber, zwei Namen zu vergeben, das erhöht immerhin die Chance, einen gewählt zu haben, der ihm auch gefällt – schließlich weiß man nie, welchen Geschmack das eigene Kind einmal haben wird und ob der Name auch tatsächlich zu ihm passt bzw. von ihm selbst als passend empfunden wird (war bei meinem Ursprungsnamen beides nicht der Fall). Dann sehe ich einen Namen in gewisser Weise als Gesamtkunstwerk an und wenn ein zweiter Name klangvoll zum ersten passt und vielleicht noch eine schöne/starke Bedeutung hat – einfach toll!
      Nachbenennungen hingegen würde ich tatsächlich nur machen, wenn derjenige schon verstorben ist und eine wichtige Bedeutung für mich hätte. Bei meiner aktuellen Enttäuschung durch Menschen hätte ich immer Angst, mich in irgendeiner Form mit der namensgebenden Person zu überwerfen – und würde ich dann immer durch mein Kind an sie erinnert werden wollen? Nein! Oder das Kind könnte diese Person vielleicht nicht ausstehen können …
      Angst? Nein. Eher Sicherheitsdenken und das Abwägen von Eventualiäten.

    • Angst? Nein. Eher Sicherheitsdenken und das Abwägen von Eventualiäten.

      Schärfster Widerspruch zu diesen Darlegungen.

      Genau dieses „Sicherheitsdenken und Abwägen“ ist ein essenzieller Bestandteil der notorischen „German Angst”. Zweitnamen ohne Familienhintergund sind in diesem Sinne so ein bißchen wie Fahrradhelme – sie erhöhen die heißgeliebte Sicherheit, sehen aber lächerlich aus. (Immerhin fallen sie nicht so peinlich auf, insofern sie eh fast immer unter den Tisch fallen.)

      Namen werden von Eltern vergeben und nicht von den Kindern selbst ausgesucht. (Einen Spitznamen/Künstlernamen/Nick zulegen können sie sich dann ja immer noch.) Es ist vollends unerheblich, ob ein Vorname „dem Kind gefällt“. Namen sind die Prärogative der Eltern.

      Zumindest im evangelischen Norddeutschland ist/war es üblich, Nachbenennungen nach den Patenonkels oder Patentanten vorzunehmen – die naturgemäß noch leben, insofern sie ja über die christliche Erziehung des Kindes wachen soll(t)en, was von Toten nun kaum zu erwarten ist. Ob das Gör diese Paten dann mag oder nicht, ist wiederum vollkommen irrelevant.

      Es geht um die Tradition eines Kulturlandes.

      Kurzum: Ich halte Taleas Darlegungen für typisch neudeutsches Softie-Geschwurbel. „Bloß nix anbrennen lassen, bloß nix auslassen, bloß nix falsch machen!“

    • Das Wort “Angst” ist mir für diesen Sachverhalt zu gewaltig. Wenn ich tatsächlich Angst hätte, würde ich meinem Kind so viele Namen wie möglich geben, damit die von mir beschriebenen Probleme nicht auftreten. 😉 So ist es einfach ein mögliches Szenario der Zukunft, gegen das ich mich bestmöglichst wappnen würde.

      Insgesamt denke ich, steht hinter den unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema eher eine unterschiedliche Geisteshaltung: Ist man tendenziell eher traditionsbewusst und konservativ oder freigeistig und individualistisch? Ist einem die persönliche Selbstbestimmung sehr wichtig und möchte man diese auch seinem Kind zukommen lassen – oder legt man mehr Wert auf Regeln und verlangt Anpassung an Strukturen? Ich persönlich finde den eigenen Namen immens wichtig. Er begleitet einen im Normalfall schließlich sein Leben lang, ist fast immer mit das Erste, was man von einer Person erfährt. Wie viel schöner es ist, sich mit dem eigenen Namen wohlzufühlen, merke ich jetzt selbst (nach einer Namensänderung). Diese Bedeutsamkeit des Namens empfinden sicherlich viele nicht. Trotzdem wäre es mir wichtig, dass das eigene Kind den Namen einmal mögen wird. Diesen Gedanken überhaupt nicht zu haben, empfinde ich schon fast als eine Spur egoistisch. Das lässt mich an Eltern denken, die die Auffassung haben “solange das Kind die Füße unter meinen Tisch stellt, hat es zu tun, was ich sage”! (Dazu passt übrigens auch das Wort “Gör”!) Das ist vielleicht etwas überzogen, soll aber die Tendenz veranschaulichen. Ich fände es sogar am allerbesten, wenn jeder mit 18 Jahren selbst entscheiden dürfte, ob er seinen Vornamen behalten möchte oder sich einen neuen aussucht. Das wäre allerdings in unserem bürokratischen Land undenkbar! Ach ja, ich stamme übrigens aus Norddeutschland! 😉

    • Insgesamt denke ich, steht hinter den unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema eher eine unterschiedliche Geisteshaltung: Ist man tendenziell eher traditionsbewusst und konservativ oder freigeistig und individualistisch?

      Talea,

      das ist tendenziell, aber meines Erachtens aber auch nicht ganz richtig. Ich gehöre zum ersteren Lager, klar. Du glaubst gar nicht wie kulturkonservativ wir „Alt- und Salon-Stalinisten“ sein können. 🙂

      Eine Ausnahme mögen Leute sein, die wirklich unter ihrem Namen *leiden*. Das sei ihnen nicht zugemutet. Aber dafür gibt es – wie angedeutet – vielfältige Gegenmaßnahmen: eben Nicks, Spitznamen, Künstlernamen. Bis hin zur Namensänderung. Es sollte nur nicht alles so leicht und sicher sein – das wäre dann wieder der und wider den konservative Reflex.

      Nein, es geht nicht um die Sache mit dem „Füße unter den Tisch stellen“. Das mag jeder handhaben, wie er will. Es geht um das ureigenste Vorrecht der Eltern, nämlich die Namenswahl.

      Gör, Bastard, Blag, „unser Scheißer“ etc. sind ruppig-grummelige Aristokratensprache – „Baby“ oder gar das schauderhaft-rührselige „unser Kind“ hingegen sind oft (nicht immer) lächerlich kleinbürgerlich und mittelschichtig. Es kommt immer darauf an, sich von der riesenbreiten „Mitte der Gesellschaft“ abzusetzen – zur Not gerne auch unter Rückgriff auf Topoi und sprachliche Eigenheiten der Unterschicht. Aristokratie im besten Sinne geht immer gegen die Mitte. Daß es heute oft anders aussieht, ist mir natürlich klar. Mein Vorbild in meiner Generation sind die Alt-Torys, die – völlig erfolglos – versucht haben, die schauderhafte Margarete Thatcher zu verhindern.

      Und danke übrigens noch für den Hinweis, daß es Fondor-Pulver noch gibt. Wußte ich nicht. Ein Kinderfreund aus der Nachbarschaft von mir war geradezu süchtig danach – eben in Zeiten (70er), als es noch nicht so viele Glutamat-Bomben gab wie heute.

    • Na also, dann habe ich bei dir doch tendenziell schon mal ins Schwarze getroffen! 😉

      Warum sollte man die Welt denn nicht ein bisschen leichter und sicherer machen? Das finde ich nicht konservativ, sondern vernünftig …

      Zum Vorrecht der Eltern, den Namen vergeben zu dürfen: Dies ist doch kein Naturgesetz. Es ist eine Regel, die veränderbar wäre, wenn man nur wollte. (Dass sie es ZUERST tun müssen, ist natürlich klar.) Auch ist dies nicht in allen Kulturen gleich – bei den Aborigines zum Beispiel (jedenfalls, wenn die Romanlektüre korrekt recherchiert war) vergeben sie sich SELBST immer wieder einen neuen Namen, wenn der alte in der Bedeutung nicht mehr zur Persönlichkeit oder Lebensphase passt. Aus diesem Vorgang könnte man, wenn man wollte, eine eigene Tradition für die eigene Kultur erschaffen, eben die mögliche Wahl eines neuen Namens ab 18.

      Ein bisschen geht die Gesetzgebung ja sogar schon in diese Richtung, indem nun die Reihenfolge der Vornamen verändert werden kann. Da könnte man ansetzen und erlauben, sich (vielleicht erst mal zusätzlich) darüber hinaus noch einen neuen Namen eintragen zu lassen. Für mich hat das ganz viel mit Freiheit und Selbstbestimmung/Selbstverwirklichung zu tun. (Namensänderung ist übrigens nur in seltenen Fällen mit guten Gutachten und Kosten durchzuführen …)

      Also sprachlich kommen wir auch auf keinen gemeinsamen Nenner mehr! “Unser/mein Kind” empfinde ich nun als absolut neutralsten Ausdruck überhaupt! Was soll man denn sonst sagen? “Der Mensch, den ich gebar?” … Gör etc. hätte ich eher in die Unterschicht einsortiert ……….

      Da bin ich doch mal froh, dass der Fondor die Friedensfahne zwischen uns schwenkt! 😉

    • „Zweitnamen ohne Familienhintergund sind in diesem Sinne so ein bißchen wie Fahrradhelme – sie erhöhen die heißgeliebte Sicherheit, sehen aber lächerlich aus.”

      Jan, so schwarz-weiß ist die Sache nicht. Es gibt so viele andere Gründe für einen Zweitnamen. Unser Beispiel: ich hatte einen absoluten Lieblingsjungennamen, schon sehr lange. Klang in meinen Ohren wundervoll, die Bedeutung ebenso. Mein Mann mag diesen Namen auch, aber konnte ihn sich nicht als Rufname vorstellen. Ihm war es allerdings sehr wichtig, ihn auch aufgrund seiner tollen Bedeutung dann als Zweitname zu nehmen. Den Rufnamen haben wir dann gemeinsam ausgewählt – und irgendwie finde ich das auch schöner, als wenn wir „meinen“ Namen vergeben hätten, den ich ja schon vor ihm ausgesucht hatte und der so aufgedrückt gewesen wäre. Für unsere Tochter wollten wir dann dasselbe Prinzip: für den Zweitnamen kommt es uns auf die Bedeutung an, Aspekte wie beim Rufnamen wie maximal drei Silben, damit mindestens wir ihn auch wirklich so rufen werden, nicht buchstabierbedürftig etc. vernachlässigen wir. So trägt auch sie einen Zweitnamen, der nicht als Rufnamen in Frage kam, uns aber dennoch sehr wichtig ist.

    • So, ich modifiziere hiermit – im Rahmen der Selbstverwirklichung – nochmals meinen Nick in diesem Blog. Grund: Am Pfingstwochenende war hier im Hilfe-wie-soll-ich-Thread ein anderer Jan mit einer Frage aufgeschlagen. Der Name ist relativ häufig, und ich kann kein Monopol darauf erheben, möchte aber doch – im Rahmen der Selbstdarstellung – sofort erkennbar bleiben. Und das mit Burgund wird zu oft falsch (oder gar nicht) verstanden. (Es geht mir um das Großherzogtum Burgund zwischen 1363 und 1477.)

      Talea,

      aber ob die Aborigines in kultureller und ästhetischer Hinsicht nun sooo vorbildlich sind? Ferner frage ich mich oft, wie weit diese „gegebenen Namen“ bei den nordamerikanischen Indianern („Sitzender Bulle“, „Sein Pferd ist verrückt“, „Der mit dem Wolf tanzt“) wirklich verbreitet waren oder inwiefern sie ein westlicher Mythos sind.

      In den allermeisten Kulturen – eigentlich in allen – vergeben jedenfalls die Eltern die Namen. Auch die finstersten Diktaturen mischen sich da in der Regel nicht ein. Gut, die Nazifaschisten haben versucht, den Juden lächerliche Vornamen anzuhängen – aber in die Namenswahl der „Arier“ wurde eben nicht eingegriffen. Und in der stalinistischen Sowjetunion wurde auch niemand zu einem bestimmten Namen für seine Kinder gezwungen.

      Und grundsätzlich bin ich nun einmal politisch sehr links, aber kulturell sehr konservativ. Daher bin ich immer für die Tradition und tendenziell gegen die „Selbstbestimmung“.

      (An „unser Kind“ stört mich in diesem Sinne, daß da erfahrungsgemäß eine Frau für ihren Mann mitspricht. Vaddern schafft das Geld ran und hält das Maul – Muddern trifft die Entscheidungen innerhalb der Familie und sagt dann „Wir wollen, daß unser Kind [blabla]“. Außerdem klingt es mir einfach zu rührselig und kleinbürgerlich.)

      Was Vornamensänderungen heutzutage angeht: Wenn ich es richtig verstanden habe (das Thema hatten wir schon öfter), sind da die Regularien und Praktiken in den einzelnen Bundesländern recht unterschiedlich – also was den bürokratischen Aufwand, die Wartefristen und die Kosten angeht.

      Übrigens: Die Möglichkeit zur freien Namenswahl gab es zumindest bis vor gut zehn Jahren mal in bestimmten Berufsgruppen. Nicht im Sinne eines eingetragenen Künstler- oder Ordensnamens. Aber in vielen Informatik-nahen Firmen war es absolut Usus, sich gegenseitig mit den selbstgewählten Nicks anzusprechen. (Ich war „Harki“. 🙂 ) Dann kam die „Repersonalisierung” des Netzes durch Facebook und Twitter – Klarnamen, grinsende Bewerbungsfotos und „Ist er wirklich“-Häkchen inklusive.

      Wirst Du mir glauben, daß ich mir gestern (Sonnabend) im Supermarkt wirklich eine Dose Fondor gekauft habe? 😀 Eine kulinarische Leidenschaft wird das aber nicht werden. Sowohl Fondor als „Aromat“ von Knorr gibt es noch.

      (Zufallsfund beim gleichen Supermarkt-Besuch: „Vegetarischer Fleischsalat“. 😀 )

      neuhier,

      ja, das war mal wieder etwas zu kraß formuliert.

      Du mußt aber zugeben, daß es normalerweise umgekehrt läuft wie bei Euch:

      Die Leute geben den Kindern exzentrische („individuelle“) Erstnamen – und dann kommt als Fahrradhelm ein „klassischer“ Zweitname drauf.

      Fahrradhelme. Ich weiß als Vielradfahrer: Man sollte eigentlich einen tragen. Bei 700 schwerverletzten Radfahrern pro Jahr allein in Hannover wird ansonsten die Unversehrtheit der eigenen Schädelbasis zu einer Frage des Nichtzutreffens der Wahrscheinlichkeitsrechung. Aber die Dinger sehen halt einfach scheiße aus. Daher bleibe ich auch auf dem Rad Baskenmützen-Träger.

      Boah, war das in Sermon! 😀

    • Ich finde manches an der Kultur der Aborigines faszinierend! 🙂 Sicher nicht mit Deutschland zu vergleichen – aber warum nicht woanders die Rosinen rauspicken?

      Aber ich glaube, das Ganze ist ausdiskutiert. 😉 Spitznamenvergabe ist natürlich immer möglich … Aber den kennen halt nur Eingeweihte. Viel zu oft muss man sich mit dem Passnamen vorstellen …

      Freut mich mit dem Condor! 😉

  3. Angeblich (habe ich auf Facebook gelesen) sind Erik, Shirin, John, Emily, Philipp, Maren, Alexander, Sophie, Leon und Oscar Namen von Darstellern der TV-Serie GZSZ.
    @Sabrina: Absicht oder Zufall?

    • “Absicht oder Zufall”?

      Sowohl als auch:

      Zuerst hatte ich unabhängig voneinander Maren und Erik gefunden und dann im Klinikum Heidelberg Emily Lara, Nick Philipp und Henry John und in Berlin Laila Shirin – ich schätze, ich habe einfach in den “richtigen” Galerien geschaut.
      Als ich in der Galerie des Heidelberger Klinikums Emily Lara, Nick Philipp und Henry John gefunden habe, ist mir aufgefallen, dass Emily, Philipp und John Rollen in GZSZ sind.

      Könnte die Namensvergabe durch GZSZ inspiriert worden sein?

      Jedenfalls hat mich daraufhin interessiert, ob jemandem die Übereinstimmung von Emily (Lara), (Nick) Philipp, (Henry) John und (Laila) Shirin und GZSZ auffällt.

  4. Spontan wähle ich diese Woche
    Sonja Hermine & Nikolai

    Bei Ahalora denke ich außer an Aloha auch an den Harry-Potter-Spruch “Alohomora”. Öffnet Türen und Fenster 🙂 Zum Glück für das Kind lässt sich der Name ganz gut mit Lora abkürzen, das ist doch o.k.

    Bei den Zwillingen Merle & Malte fehlt übrigens das &.

  5. Wahlpflicht
    Clemens Alexander * Clemens gefällt mir – ei Fach, klassisch, zeitlos und hübsch. Einer der echten Zeitlosen. Ich kenne in fast jeder Altersgruppe einen Clemens.
    Charlotte * sie hätte gut noch einen Namen vorangestellt bekommen können.

    Wild geschüttelt
    Karl Philipp Immanuel * nach Carl Philipp Emanuel Bach. Haha. Die Kombination passt einfach. Das Stigma durch die Nachbenennung eines großen Musikers könnte ich aber nicht verantworten.
    Henry Oscar * einfach und international.
    Statt Lynda gerne Linda Hermine oder eine Laila Charlotte. Obwohl mir Laila zu weich ist, finde ich immer noch, dass dieser Name gut ist, wegen der Internationalität und Verbindung der Kulturen. Der Name ist ein Brückenbauer.

    Mein Senf:
    Pia Lu-Ann * mehr kurze Namen mit Vokale könnte man nicht unterbringen
    Ahalora (f) * War das nicht ein Zauberspruch bei Harry Potter? Alohomora!
    Levi & Jona: passend von Herkunft und Schriftbild.
    Mark & Marcel: viel zu ähnlich!!!
    Maria & Sophie: Langweilig. Einer langweiliger als der andere.
    Charlotte & Theresa: Klassisch, passend, gut. Toll finde ich die Verbundung durch -tte und The-!

    • Clemens Alexander * Clemens gefällt mir – ei Fach, klassisch, zeitlos und hübsch. Einer der echten Zeitlosen.

      Aber gleich zwei Papstnamen hintereinander? Ich weiß nicht… Gut, bei Alexander mag das weniger eindeutig sein als bei Clemens. Aber man denke an den berühmtem und berüchtigten – und gerade im 19. Jahrhundert oft zu unrecht geschmähten – Alexander VI., Rodrigo Borgia. Vater von Cesare Borgia (Machiavellis „Fürst“!) und der hübschen Lukrezia Borgia.

      Ich kannte allerdings auch einen Clemens, der heute so um die siebzig sein dürfte. Generell aber finde ich diese Papstnamen (auch Leo und erst recht Pius und Sixtus) als Personennamen nicht gut. Nicht aus Anti-Katholizismus, sondern sozusagen aus Pietät.

    • Papstname hin oder her. Das ist mir nicht wichtig. Dann könnte kein Kind mehr Benedikt oder Paul heißen.ich denke bei Clemens zuerst an die Bedeutung, die Zeitlosigkeit und den Klang. Ich habe nicht so viele Assoziationen zu Namen außerhalb meines Bekanntenkreises.

      Negativ behaftet sind für mich tatsächlich nur die großen Klopper:
      Adolf, Judas, Lucifer, Lilith, Bathseba.
      Dazu kommen noch ein paar, deren Bedeutung ich nicht weitergeben wollen würde, wie Lea (Wildkuh).

    • Es ging mir darum: Ein Name verliert nicht schon deshalb alle Aufladungen, Assoziationen und Konnotationen, weil er „klassisch“, „traditionell“ oder „zeitlos“ ist.

      Und Clemens und Alexander sind nun einmal Papstnamen. Bei Alexander ist das weniger eindeutig als bei Clemens oder gar Linus, Pius oder Sixtus – weil natürlich Alexander der Große von Makedonien den Namen überstrahlt, aber es ist m.E. doch hörbar. Als Protestant (der ich nicht bin) würde ich mal schön die Finger davon lassen.

      Paul und Benedikt sind auch nicht „zeitlos“. Ein Paul wäre in meiner Generation X nahezu unvorstellbar gewesen, es ist ein Retroname. Benedikt hat (wie etwa auch Johannes) bis heute einen Drall ins Katholische. (Und zwar schon bevor Ratzinger Papst wurde.)

    • Clemens hat in Westfalen und im Rheinland nichts mit Päpsten zu tun.
      Vorbilder sind der Erzbischof von Köln Clemens August I. und der sicher auch schon nach ihm benannte Clemens August von Galen.

    • Das änderte, wenn es denn stimmte, aber nun freilich wenig, eher gar nichts, am katholischen Unterton von Clemens, nicht wahr?

      Clemens August von Galen übrigens war mir immer zu grobschlächtig und zu polterig… So sinngemäß: „Für die Geistesschwachen sind wir zuständig und nicht die Nazis!“ Bei allem schuldigen Respekt für den „Löwen von Münster“ – eine große Leuchte war das nicht.

      Seinen Amtsvorgänger (300 Jahre früher…) und Verwandten Christoph Bernhard von Galen hingegen hab ich als junger Mann bewundert. Vor einiger Zeit habe ich mal irgendwo gelesen, daß Christoph Bernhard von Galen auch das geistige Vorbild von Tebartz-van Elst in Limburg gewesen sei. Aber die Stiefel des „Bomben-Bernds“ waren denn wohl doch ein bißchen zu groß für ihn.

  6. Wahlpflichtspiel:

    Sonja (Hermine)
    Nikolai

    Nikolai gefällt mir richtig gut. Ich mag fast alle Nebenformen von Nikolaus.

    Diese Namen gefallen mir auch noch:
    Erik
    Maren
    Sophie Marleen

    Emil Engelbert – Engelbert ist bestimmt der Opa. Eine Nachbenennung finde ich immer gut. Emil gefällt mir nicht so gut, er wird aber damit zurecht kommen

    Karl Dennis – Eine etwas merkwürdige Kombi. Dennis könnte der Patenonkel sein. Die Kombi erinnert mich an den türkischen Namen Can Deniz, ob das nun Zufall oder Absicht ist, wer weiß.

    Diese Zwillingsnamen gefallen mir:
    Sophia und Lea
    Merle und Malte
    Maria und Sophie

    und einzeln gefällt mir:
    Mark
    Eva
    Moritz
    Theresa
    Pauline

    Jonah/Jona, in deutscher Aussprache, gefällt mir nur mit einem guten Zweitnamen. Z. B. Jonah Philipp oder Jonah Alexander

    Ich habe mir abgewöhnt Namen nur deshalb nicht zu mögen, weil sie häufig sind. Ich mag z. B. Julia, Lena, Sophie, Laura … immer noch. Es ist nicht schlimm für Kinder, wenn noch jemand den selben Namen hat. Auch Namen aus meiner Generation wie Sonja, Maren und Erik gefallen mir immer noch und ich finde, die kann man auch gut vergeben.

    • Wieder einmal völlige Zustimmung zu Deiner grundsoliden Einschätzung, was häufige Namen angeht. 🙂

      Knud hatte hier ja auch mal geschrieben, daß die halbe Handball-Mannschaft Thorsten geheißen habe. Und bei mir in einem Job mal die Mehrzahl (!) der Kollegen Michael (bei ca. 12 Leuten insgesamt). Das ist wirklich kein Problem. Das Problem scheint mir eher die arschverkniffene Suche nach Individualität.

      Bei Nikolai bin ich wegen der beiden russischen Zaren dieses Namens gespalten. Ich bewundere (neben Peter dem Großen und gerade Katharina der Großen*) keinen russischen Zaren mehr als Nikolai I. Pawlowitsch in seinem knurrigen, aber weltläufigen Reaktionärstum, verabscheue aber Nikolai II. Alexandrowitsch, einen plumpen, im Grunde spießbürgerlichen Nationalisten und Schwärmer. Bei aller persönlichen Bewunderung für Präsident Putin: ich finde es nicht gut, daß unter seiner Herrschaft Alexander III. und Nikolaus II., diese dummen Totengräber des Russischen Vielvölker-Reiches, zu neuen Ehren gekommen sind.

      Ja, ich mag grundsätzlich auch Nikolaus-Derivate! 😀

      *) Iwan IV. „der Schreckliche“ ist ein komplizierter Sonderfall.

    • Nikolai
      Ich würde wohl die Variante Nicolai nehmen, wenn ich den Namen vergeben würde. Ich finde, Nicolai passt auch zu einem deutschen Jungen, kann man mit Nico abkürzen, wenn man möchte.

    • Mjä, Du kennst ja mittlerweile vermutlich meine persönliche Aversion gegen Anglizismen – ich würde im Zweifelsfall immer eher mit k als mit c schreiben… Und gerade der russische Nikolai (Николай). Im Russischen gibt es eben kein c, daß wie k gesprochen würde. Es paßt meines Erachtens nicht, sondern sieht irgendwie windschief aus. Und Niko geht doch auch…

      Wenn ich Claas hieße, sähe das aus wie ein Mähdrescher. 😀 Das wäre übrigens eine weitere naheliegende (gerade im ländlichen Niedersachsen, wo jeder diese Landmaschinen kannte!) Hänselmasche gewesen, die ich als Kind *nie* zu hören bekommen habe. Ich weiß nicht genau, wie es heute aussieht, die Zeiten sind sicher brutaler als damals in den 70ern – aber ich halte diese Hänsel-Panik wegen des Vornamens, wie schon öfter dargelegt, für maßlos übertrieben bis herbeiphantasiert. Typische „German Angst“.

    • Das du Anglizismen nicht magst, das weiß ich.

      Ich mag die meisten Varianten von Nikolaus, weil der Name meines Sohnes ist die französische Form von Nikolaus ist, in deutscher Aussprache natürlich. So wie es auch André, Louis und Charlotte hier mit deutscher Betonung und Aussprache gibt. Der Name war ein Kompromiss, mein Mann wollte gerne einen Konstantin (bin froh, dass es der nicht geworden ist). Er hat noch einen Zweitnamen (Johannes) von Opa und Uropa. Für einen heutigen Schüler im 7. Schuljahr ist das ein guter Name. Die deutsche Form Nikolaus wäre ihm allerdings peinlich gewesen, das hat er mich in einem Gespräch darüber mal wissen lassen.

    • Die Claas-Mähdrescher und die anderen Landmaschinen von Claas kenne ich auch. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Aber der Vorname Claas/Klaas ist mir das erste Mal während der Kindergartenzeit meiner Kinder begegnet. In Ostwestfalen ist der Name jedenfalls selten, auch wenn es hier eine Vorliebe für nordische Namen gibt. Stattdessen gibt es Nils auch unter den Erwachsenen.

      Die Schreibweisen mit K oder mit C sind Modeerscheinungen. Es gab Zeiten, da wurden auch Conrad oder Catharina mit C geschrieben.

    • Klar, das stimmt. Und daß man Köln und nicht Cöln oder Cölln schreibt, wurde erst kurz vor 1900 endgültig fixiert – wie im Grunde die ganze deutsche Rechtschreibung. Traditionen sind immer jünger, als man denkt. Nur *heute* sieht ein c eben oft nach Anglizismus aus.

      Und ha! 🙂 Ich hatte gestern mal nachgegoogelt und gelesen, daß das Claas-Stammwerk in der Tat in Ostwestfalen (Gegend von Gütersloh) liegt. 🙂 Das war mir neu. Mir ging es ja auch nur darum: Jeder bei uns auf dem niedersächsichen Lande kannte diese hellgrünen Mähdrescher mit der roten Aufschrift „Claas“, aber es wurde bei mir *nie* als Ansatzpunkt für Hänseleien genommen.

      Auch mit „Klaas Klever“ bin ich übrigens nie aufgezogen worden, obwohl das wegen meiner Brille naheliegend gewesen wäre. Daß dieser Konnex hergestellt erwähnt wurde, habe ich nur einmal erlebt – und da war es absolut lieb, harmlos und freundlich gemeint und kam von meinen Lieblings-Kollegen als Zivi, mit dem ich lange zusammen Krankenwagen gefahren bin.

      „Keine Angst vor Hänseleien wegen des Vornamens!“ – darum ging es mir mal wieder.

    • “In Ostwestfalen ist der Name jedenfalls selten, auch wenn es hier eine Vorliebe für nordische Namen gibt.”

      Klaas ist ja auch nicht nordisch, sondern niederdeutsch. Und als ich um 2000 herum im östlichen Westfalen (aber nicht OWL) einen ersten Klaas (Jg. 88) kennenlernte, habe ihn bedauert: besonders bescheuerte Leute hiessen in meinem Bekanntenkreis “Dämelklaas”. Keine Ahnung, woher der Begriff stammte, aber damit war der Name natürlich unten durch.

      Nikolaus finde ich passender, Nic/kolai ist für mich eine Kirche, und deren Endung hat im Genitiv ihren Ursprung. Bis auf Klaus, den heute die meisten altbacken finden, mag ich keine der (in der Regel auf NIK beginnenden) Kurzformen.

    • Basiu,

      ich weiß ja nicht, was es mit Deinem „Bekanntenkreis“ so auf sich hat, aber auch das Schmähwort „Dämelklaas“ höre ich von Dir zum erstenmal. Scheint sozial und regional doch eher begrenzt verwendet zu werden.

      Nikolai ist im Lateinischen ein Genitiv, natürlich von Nicolaus – man denke an die berüchtigte Nikolai-Kirche in Leipzig und wohl hunderte andere Kirchen in Deutschland, die so heißen. Im Russischen aber ist es ein Nominativ; der russische Genitiv zu Nikolai wäre „Nikolaja“.

  7. Leon Oscar–finde ich klanglich sehr gelungen. Oscar gefällt mir als Name auch äußerst gut–in Deutschland lieber mit K. Leons habe ich in jeder Schulklasse, die ich unterrichte, ein bis zwei. Dazu dann noch die ganzen Leonies, auch in jeder Klasse mindestens eine. Irgendwie wird es mir doch zu viel–dafür mag ich den an und für sich ganz guten Namen doch nicht genug. Bei Oskar wäre das anders–da dürften Duzende von Schülern so heißen und könnten mir diesen klangvollen interessanten Namen doch nicht verleiden.

    Henry John–im Englischen ist John Henry eine traditionelle, früher häufige Kombi. Ist irgendwie verwirrend, das umgekehrt zu sehen. In Norddeutschland passt John, deutsch gesprochen, ganz gut. Im Rest Deutschlands ist es dann doch eher ein Anglizismus. Henry geht in Deutschland einigermaßen, finde ich. Aber wie herrlich wäre es, wenn mal wieder ganz viele Heinrichs und Heinze auf den Plan träten….

    Clemens Alexander–
    Clemens finde ich einen wunderschönen alten Namen, der trotzdem problemlos in die heutige Mode passt, jedoch immer noch nicht häufig vorkommt. Höre das englische “clement/clemency”, also “mild/Milde”, heraus, was natürlich die Bedeutung des lateinischen Namens ist: der Milde. Alexander ist überhaupt kein milder Name–eher ein wilder Name, wenn man an das Namensvorbild Alexander den Großen denkt. Von dieser Assoziation her würde Alexander für mich dann doch nicht zu Clemens passen. Allerdings sind beides klassische Namen aus der gräko-römischen Antike, insofern passen sie von ihrem kulturellen Ursprung her zueinander.

    Karl Dennis–

    Wie andere Kommentatoren auch schon feststellten, finde ich die Passung der zwei Namen hier nicht ideal. Wenn der alte, hehre Karl von etwas flotterem gefolgt werden soll, dann bitte doch nicht zu flott–Dennis wirkt einfach zu kontrastreich. Wie oben bereits vorgeschlagen, dann doch lieber so etwas wie Karl Daniel oder Karl Lukas.

    Unter den Zwillingen fielen mir Mark und Marcel auf. Den Eltern ist schon klar, dass Mark und Marcel im Grunde genommen der gleiche Namen sind? Beides kommt von dem römischen Kriegsgott Mars. Das ist so ähnlich, als ob man seine Zwillingstöchter Elisa und Lisbeth nennen würde. Mark finde ich im Deutschen gar nicht so toll (während mir der Name im amerikanischen Kontext, wo er total traditionell ist und auch besonders schön gesprochen wird, sehr gefällt). Im Deutschen finde ich Markus viel besser (wobei ich wiederum im Englischen Marcus nicht so toll finde). Marcel ist auch in einem anderen Sprachkontext wunderschön, aber im Deutschen klingt es zu importiert. Natürlich sind aber beide Namen in Deutschland schon mindestens seit den 1970ern total etabliert.

  8. Elyas. Kann mir mal bitte einer auf die Sprünge helfen? Ich weiß bis heute nicht, wie man das aussprechen soll. /ELL-Yas/ oder /Eh-LÜH-yas/? Oder sonstwie? Wir hatten den Namen hier schonmal durchgekaut, es soll woll irgendein Pop-Kultur-Sternchen dieses Namens geben… Gucke aber kein Fernsehen, und die übliche Aussprache ist mir weiterhin schleierhaft.

    • Elyas spricht man genauso aus wie Elias. Arabische Elyasse schreiben sich wohl meist mit Y, wenn ihr Name trankribiert wird–warum, weiß ich nicht. Die Eltern dieses Elyas Fjodor Jonah sind aber offensichtlich keine Araber. Wahrscheinlich wollten sie eine ungewöhnliche/exotische Note.

      Elyas M’Barek ist der Star der “Fack ju Göthe!”-Filme, die ich nur vom Hörensagen kenne, und die sich für mich ziemlich bescheuert anhören. Er ist tunesischer Abstammung.

      Fragen zu Pop-Sternchen? Wendet Euch an mich…

    • Fragen zu Pop-Sternchen? Wendet Euch an mich…

      :mrgreen:

      Jäp, danke für die Auskunft!

      Gut möglich, daß es da irgendein Umschrift-System aus dem Arabischen gibt, in dem der i-Laut mir y wiedergegeben wird. (Wüßte jemand näheres?) Ich war als jüngerer Mann mal kurz mit einer Halbaraberin zusammen; Vater war auch Maghrebiner. Die hieß Myriam und sprach sich selbst /MIIriam/ aus, also wie Miriam. Aber natürlich wurde das im Deutschen andauernd zu /MÜÜriam/.

      (Daß ich diese kuriosen „Fuck you, Goethe“-Filmchen auch nicht gesehen habe, kann man sich wohl denken.)

  9. Diese Woche gefallen mir:

    Emily Lara * Maren * Nikolai

    Sophia & Lea, Eva & Amaya, Maria & Sophie, Charlotte & Theresa

  10. Ich habe mich erstmal gefreut, das ein Koreanisches Zwillingspärchen dabei ist:

    Minho und Yuna !

    Minho (eigentlich Min-Ho) ist tatsächlich einer meiner Lieblingsnamen aus dem Koreanischen, ein Model/Schauspieler aus einer sehr erfolgreichen koreanisches Serie, die auf einem Japanischen Manga basiert, heißt Min-Ho Lee,könnte als Namenspate stehen,ebenso die Eiskunstläuferin Yuna Kim (eigentlich Yu-Na).

    Wahlpflicht : Henry John wenn mein Nachname aus dem englischsprachigem Raum stammt,
    Nikolai
    Erik
    Clemens Alexander
    Novalee -> so heisst die fast 3 Monate alte Tochter meiner Arbeitskollegen. Je häufiger ich den Namen höre, desto mehr gefällt er mir.

    Zwillinge:
    Charlotte und Theresa
    Maria & Sophie
    Minho & Yuna

    Wild gemischt:

    Zwillinge: Nikolai und Fjodor oder Alexander und Fjodor oder Alexander und Nikolai

    Philipp Immanuel
    Quirina Sophie
    Charlotte Sophie
    Emil Nick
    Clemens Emil

    Als Zwillingskombis finde ich gelungen,auch wenn mir entweder beide Namen oder mind. ein Name nicht gefallen:

    Sophia & Lea
    Merle & Malte
    Levi & Jona
    Mark & Marcel
    Dario & Melina

    • Minho (eigentlich Min-Ho) ist tatsächlich einer meiner Lieblingsnamen […] Yuna Kim (eigentlich Yu-Na).

      Wie funktioniert das eigentlich mit der Umschrift des Koreanischen mit lateinischen Buchstaben bzw. ins Deutsche? Also was die Bindestriche angeht…

      Jeder weiß, daß die koreanische Schrift eine Silbenschrift ist (im Süden heute teils noch mit chinesischen Zeichen gemischt, im Norden hingegen nicht) – aber wird dann wirklich in lateinischer Umschrift ein Bindestrich dazwischen gesetzt? Tut mir leid, ich habe wirklich keine Ahnung vom Koreanischen, würde mich aber mal interessieren…

      In der Hepburn-Umschrift des Japanischen, auch inklusive der mit Hiragana geschriebenen Wörter, ist das vollkommen unüblich. (Und bei Katakana-Schreibung eh, weil die fast ausschließlich zu Wiedergabe von westlichen Begriffen dient.)

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