Babynamen der Woche 35/2015

Alessia * Olivia Rose * Elisavet * Nya * Lessaro-Pablo * Koda * Finn Lukas * Luzie Victoria * Noah Sky * Marcel * Lennya Sophie * Jannis * Richard * Hira * Louan Dean * Lou Amelie * Elnathan * Ayla * Vincent Christian * Yolanda Leopoldine * Alea Lorin * Emil Volker * Matteo * Tyler Daniel Dierk * Enno * Lotte * Lina Jasmin * Kayrel * Franz Georg * Melissa Krimhilde

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

24 Kommentare zu "Babynamen der Woche 35/2015"

  1. Mark sagt:

    Wow–echt interessante Kombis, heute, muss ich sagen!

    Alessia–
    Viel lockerer und flotter als das sehr förmliche und langatmigere Alexandra, und ohne den recht harten X-Laut. Kann schon verstehen, dass verschiedene romanischen Formen von Alexandra beliebt geworden sind. Trotzdem bin ich, wie man das wohl von mir gewohnt ist, wieder mal für deutsche Kulturpflege und für in Deutschland herkömmliche Namensformen.

    Übrigens schrieb ich bewusst „langatmiger“ und nicht „länger,“ denn die Silbenzahl von Alessia ist die gleiche wie bei Alexandra. Allerdings wirkt Alexandra auf mich länger und gedehnter, eben weniger flüssig und flott.

    Olivia Rose–

    Die Olive und die Rose. Zwei schöne Pflanzen mit Symbolwert, aber passen sie zueinander? Die Kombi ist mir doch zu sehr ein Botanikmix. Rose finde ich in der deutschen Aussprache sehr schön; eine pseudoenglische Aussprache mit deutschem Akzent fände ich unvorteilhaft. Olivia ist ein schöner Name.

    Lessaro-Pablo–

    Hier fände ich es interessant zu wissen, ob es sich um dein deutsches oder spanisches Kind handelt. Lessaro–verwandt mit Lazaro, dem deutschen Lazarus?

    Finn Lukas–

    Eine schöne Kombi, wirkt aber dadurch einfallslos, dass es sich um zwei superhäufige heutige Modenamen handelt. Allerdings finde ich solche Einfallslosigkeit viel besser als zu gewollte Kreativität und Exotik. Letztlich, wie gesagt, eine schöne Kombi.

    Luzie Victoria–

    Wunderschön! Luzie, „das Licht,“ Victoria „der Sieg,“ beides lateinische Namen. Luzie finde ich in dieser eingedeutschten Schreibweise mit Z für Deutschland besonders passend; hätte dann allerdings auch Victoria als Viktoria eingedeutscht.

    Noah Sky–

    Passt insofern, als die Noahgeschichte sehr viel mit Himmelsgeschehen zu tun hat–vierzigtägiger Regen und dem Regenbogen als Gotteszeichen. Fände diese potenziell theologisch bedeutsame Kombi im englischsprachigen Raum toll; für Deutschland finde ich Sky freilich nicht so passend.

    Marcel–

    Nicht schlecht, aber im Deutschen fände ich Marzellus/Marcellus klassischer und besser.

    Louan Dean–

    Irgendwie kann ich mit Louan nichts anfangen, und Dean finde ich im Deutschen nicht so passend, gerade auch weil die meisten Deutschen es garantiert wie „Dien“ aussprechen, ohne den gleitenden englischen Vokallaut hinzukriegen.

    Elnathan–

    gläubiges Elternhaus? Finde den Namen toll!

    Yolanda Leopoldine–

    Finde Yolanda sehr schön. In den USA ist der Name schon etwas verbreitet, besonders unter Afroamerikanern und Latinos. Weiße Angloamerikaner vergeben diesen Namen eigentlich nie. Klanglich ist er angenehm. Leopoldine als Erstname würde auch mich überladen wirken; als Zweitnamen finde ich ihn einen schönen barock-extravaganten Zusatz zu Yolanda. O, L und N sind die verbindenen Laute in dieser Kombi.

    Emil Volker–

    Mag beide Namen sehr, aber in Kombination wirken sie nicht ganz stimmig. Volker hätte ich noch vor Emil bevorzugt–liebe die alten germanischen Namen!

    Melissa Krimhilde–

    Auch hier sage ich, Mut zum Vergeben des germanischen Namens als Erstnamen! Hier finde ich die Kombi von ihrem klanglichen Effekt her stimmiger als die obige, vielleicht weil es mehr verbindende Laute gibt und weil beide Namen auch etwas Hartes haben.

    Franz Georg–

    Schön!

  2. Mark sagt:

    Hier noch eine Frage–wer Lust hat, kann sie beantworten.

    Was sind ganz seltene und eher unbekannte Namen, denen ihr Popularität und „Wiederentdeckung“ gönnen würdet?

    Dabei meine ich nicht einfach altmodische Namen, denn, z.B. ein Name wie Werner ist wegen den älteren Generationen in Deutschland noch jedem bekannt. Der Name Liborius, hingegen, wäre so ein Beispiel eines fast kaum noch bekannten Namens.

    Meine Kandidaten: Miltraud und Milburga finde ich wundervolle germanische Frauennamen! Die erste Silbe bedeutet tatsächlich „mild,“ was man ja noch heraushört. Traud bedeutet Kraft und Burga bedeutet Schutz, Geborgenheit, Bergung.

    Was männliche Namen angeht: Wunnebrecht und Wunnibald finde ich toll! Da hört man das Wort „Wonne“ heraus, und Brecht bedeutet berühmt/glänzend (wie englisch „bright“), während Bald „kühn“ bedeutet.

    Was nichtgermanische Namen angeht, wie wäre es mit Zölestin und Zyprian?

    • Jan Wilhelms sagt:

      Der Name Liborius, hingegen, wäre so ein Beispiel eines fast kaum noch bekannten Namens.

      Du hattest den Namen hier schon mal erwähnt, nicht? Ich muß dabei sofort an den Liborius-Schrein zu Paderborn denken, den der „tolle Christian“ (Herzog von BS-Wolfenbüttel aka „der tolle Halberstädter“) im Dreißigjährigen Krieg hat einschmelzen lassen, um „Christians-Taler“ daraus schlagen zu lassen. Inschrift: „Gottes Freund, der Pfaffen Feind“.

      Wie auch Zölestin klingt mir der Name einfach zu pfäffisch.

      Und was die germanischen Namen angeht: Ich teile Deine sprach- und kulturpflegerische Grundverortung vollkommen. Dennoch ist dieser Rückgriff auf (angebliche oder tatsächliche) germanische Namen in Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts eben auch mit einem gewissen, nun ja, nationalistischen Odeur behaftet. Bitte, das soll keine Verdachtschöpferei sein, aber es gibt nun einmal auch diese unschöne Traditionslinie. Ich halte Deinen philologisch-germanistischen Ansatz für sehr achtbar, denke aber eher historisch.

      Kommt Wunne-xy nicht von Wunja, also „Weide“ (Viehweide, nicht der Baum)?

      Nicht schlecht, aber im Deutschen fände ich Marzellus/Marcellus klassischer und besser.

      Für geschichtsbewußte Nordlichter klingt Marcellus freilich unheilverheißend… Nämlich wegen der Marcellusflut von 1362 – „de Grote Mandrenke“, in der das sagenumwobene Rungholt untergegangen ist.

      Franz Georg. Wunderbar, diese Woche mein Favorit. 🙂

      Im Hannöverschen findet man Georg als Zweitnamen bei älteren Herrschaften (dann meist mit Bindestrich davor) noch relativ häufig. Diese Namensvergabe war bis nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel eine Referenz an das 1866 von den preußischen Besatzern und „Erbfeinden“ so schändlich gestürzte Welfenhaus.

      Olivia Rose. Ist doch klar: Oliven als Vorspeise, Rosenwasserkonfekt zum Dessert. Deutschland mediterranisiert sich. Natürlich streng vegan, daher gehen gebratene Schnepfen als Hauptgang leider nicht.

      Und schon wieder Jannis! :mrgreen: Varoufakis scheint die Deutschen wirklich tief beeindruckt zu haben.

    • Jan Wilhelms sagt:

      Ach so, vergessen (Mark liefert einfach zu viele gute Denkanstöße 😉 ):

      Yolanda Leopoldine. Für mich zeigt der Name auch deutlich nach Schwarzafrika. Und zwar nicht nur wegen des eigentlich ehrwürdigen Yolande, das aber auch ein bißchen „Yoruba“, oder so, denken läßt. Sondern eben auch und gerade wegen des Leopoldine. Man denkt an König Leopold von Belgien, der so schauderhaft im Kongo gehaust hat.

      Kurzum: Der Name klingt nach ungeschicktem Afro-Migranten-Stolz (wie etwa Angela Merkel Adé aus Hannover 😉 ).

    • elbowin sagt:

      Liborius ist ein so seltener Name, dass er inzwischen sogar vom Wort LIBOR (ein extrem technischer Begriff aus der Finanzwelt, bekannt geworden durch die großangelegten LIBOR-Manipulationen durch die wichtigsten „systemrelevanten“ Banken) überschattet wird. Der Bruder darf dann Euriborius heißen.

    • Martina sagt:

      Mir gefallen Gilbert ( deutsch ausgesprochen) und Eugenia sehr gut.

    • Mark sagt:

      @Jan:

      Danke für die Kommentare, freue mich natürlich immer über Kommentare und Erwiderungen.

      Die Sache mit den historischen Nationalismus um die germanischen Namen ist mir schon bewusst. Hoffe aber darauf, dass das jetzt in den Hintergrund treten darf, und dass wir unser altes deutsches Kulturerbe wieder unbefangener feiern dürfen, so wie wir jetzt auch unbefangener die deutsche Flagge schwenken, ohne deshalb zu neue Nazis geworden zu sein… Finde es irgendwie unerträglich, wenn die Namen, die unserer Muttersprache entspringen, zum großen Teil als unvergebar gelten. Als Amerikaner habe ich sowieso ein anderes Verhältnis zum Patriotismus als viele Deutsche–habe schon so oft in meinem Leben bei diversen Anlässen der amerikanischen Flagge und der „one nation, indivisible, under God“ ewige Treue geschworen.

      Wunnibald und Wunnebrecht–der erste Namensbestandteil hängt etymologisch tatsächlich mit dem Wort „Wonne“ zusammen, nach mehreren Quellen (und auch nach dem was Knud im Namenslexikon stehen hat). Wobei Viehweide für mich Dörfler auch eine total positive Bedeutung wäre–am liebsten würde ich ja auf den siebenbürgischen Bauernhof meiner Schwiegereltern ziehen und mein Leben mit Kühen, Schweinen und Kartoffeln verbringen…

      Was Du zu der Bedeutung des Namens Georg im Hannoveranischen sagst, finde ich total interessant. Übrigens nannte Prince William seinen Sohn George in Anlehnung an seine hannoveranischen Vorfahren, von denen ja auch ganz viele Georg/George hießen. Erst durch die Hannoveraner wurde George zum traditionellen englischen Königsnamen.

      @Elbowin: LIBOR–wieder mal was, auf das ich selbst nie gekommen wäre. Da merkt man, dass Du das Zeitgeschehen doch etwas aufmerksamer verfolgst als ich.

      @Martina:

      Gilbert finde ich einen ganz tollen Namen! Wohnte als Collegestudent in einem Wohnheim namens Gilbert Hall–finde den Namen auf Englisch und auf Deutsch sehr schön. Eugenia gefällt mir auch gut, in der deutschen Aussprache sogar noch besser als im Englischen. Den beiden Name würde ich auch Popularität gönnen!

    • Jan Wilhelms sagt:

      @Mark

      Ich beneide Dich immer wieder um Deine Möglichkeiten und bewundere Dich für Deine Fähigkeiten, zwischen US-amerikanisch-angelsächsischer Außenperspektive und deutscher Binnenperspektive auf hohem bildungsbürgerlichen und – das darf ich wohl unterstellen – wertkonservativen Niveau hin- und herzuschalten. Das muß mir leider qua Geburt versagt bleiben.

      Über den Stolz auf die eigene Kultur im allgemeinen und über das Sprachbewußtsein und die Sprachpflege im besonderen ließe sich sooo viel sagen. Und dabei kann man sich auch wunderbar bei allen möglichen Leuten in die Nesseln setzen – dessen magst Du von einem Links-Patrioten herzlich versichert sein. Was soll’s?

      Aber nun zu der Sache mit den germanischen Namen… Asserate schreibt sehr treffend vom „Zeitstil“. Man kann noch so überzeugende, historisch begründete und kluge Argumente dafür finden, daß Spitzenjabot, Kniebundhosen, Seidenstrümpfe und Schnallenschuhe besser aussehen als lange Hosen, Anzugjacke und Budapester. Oder als Jeans und Turnschuhe. Und dennoch kann man heute nicht rumlaufen wie im 18. Jahrhundert. Es geht nicht. So ähnlich scheint es mir mit den Namen: Deine Argumente treffen – aber Namen wie Ragnhild oder Wunnibald haben nun einmal einen Beiklang, der wenig damit zu tun hat, wo sie eigentlich herkommen und was für sie spricht.

      Andererseits: Wie haben ja nun gerade im Blogbeitrag gesehen, daß z.B. Krimhilde (wieder) vergebbar ist, ohne daß den Leuten ein Zacken aus der Krone fällt. Ja, das ist Vergessen. Ist es segensreich, ist es kulturlos? Ich weiß es nicht. (Jetzt mal ganz abgesehen davon, daß die Krimhild des Nibelungenliedes wirklich eine vielschichtige und im Grunde rührende Gestalt ist.)

      Ach je, man könnte Bücher zu dem Thema schreiben, und es ist jetzt spät.

      Ganz wichtig aber ist mir noch eines:

      Wobei Viehweide für mich Dörfler auch eine total positive Bedeutung wäre–am liebsten würde ich ja auf den siebenbürgischen Bauernhof meiner Schwiegereltern ziehen und mein Leben mit Kühen, Schweinen und Kartoffeln verbringen…

      Absolute Zustimmung! 🙂 (Also mal abgesehen davon, daß ich keine Schwiegereltern in Siebenbürgen habe.) Meine Bemerkung war auch überhaupt nicht despektierlich (sondern nur besserwisserisch 😉 ) gemeint!! Noch in meiner Großelterngeneration wäre man sehr, sehr froh gewesen, eigene Weiden zu haben! Hombre, ich bin Niedersachse: Wenn ich Bemerkungen mit landwirtschaftlichem Kontext mache, sind sie grundsätzlich freundlich gemeint! 🙂 Klar also: Kartoffeln, Kühe, Schweine, Äpfel – das ist wichtig und gut und schön. 🙂

    • Mark sagt:

      Jan,

      Wollte nur sagen–ich hatte die etymologische Viehweidenbedeutung auch nicht als Negativbewertung gesehen. Wollte nur sagen, dass ich die Namen Wunnibald und Wunnebrecht von beiden Herleitungen her sehr mögen würde. Hatt damit nicht implizieren wollen, die Viehweidenableitung sei negativ gemeint.

      Dass man seinen kulturell-gesellschaftlichen Kontext nicht einfach bei der Namensvergabe ignorieren kann erkenne ich trotz ganz stark ausgeprägtem typischen Akademikeridealismus auch an. Mein Idealismus schiebt mich da etwas weiter an die Grenzen, als das bei vielen anderen der Fall ist–würde bei der Namensvergabe mehr wagen als viele, glaube ich… Meine Frau setzt da aber viel engere Grenzen, so dass unser Nachwuchs eigentlich nichts zu befürchten hat. Habe das Gefühl, dass man sich bei germanischen Namen heutzutage wieder hervortasten darf. Karl und Frieda gehen ja heutzutage sowieso, Otto auch; Milburga würde vielleicht auch gehen, bei Miltraud wird es schon kritischer, wegen der immer noch als total out empfundenen „Traud“-Endung. Wunnibald? Weiß nicht, ob das tatsächlich irgendwie gehen könnte, aber vielleicht schon. Das ist dann halt „der Wunni.“ Wäre schon etwas riskant.

      Der von Martina vorgeschlagene Gilbert wäre ein total unproblematischer germanischer Name, glaube ich.

    • Ruth sagt:

      Ich mag Mädchennamen, die auf Konsonant enden, zum Beispiel Isis, Hedwig, Hjördis, Shulamith, und, ganz abgefahren, Shammuramat. Habe letztens eine Gyde kennengelernt, das fand ich auch ganz nett. Oder Cassandra kann von mir aus ruhig häufiger werden. Lysistrate ist zwar ein ausgedachter Name, gefällt mir trotzdem immer noch gut.
      Eine in meiner Heimatstadt erfolgreiche Sportlerin hieß Nike, das fand ich hübsch und passend.

      Jesse und Isaak finde ich nett für kleine Jungs. Oder Amos. Moses kann auch mal wieder vergeben werden – hätte ich Zwillinge bekommen, hätte ich drüber nachgedacht, sie Silas und Moses zu nennen.

    • Jan Wilhelms sagt:

      Mit dem Weinglase jonglierend und zwischen den Bettpfosten hantierend hier nur kurz eine Bemerkung dazu:

      Was Du zu der Bedeutung des Namens Georg im Hannoveranischen sagst, finde ich total interessant. Übrigens nannte Prince William seinen Sohn George in Anlehnung an seine hannoveranischen Vorfahren, von denen ja auch ganz viele Georg/George hießen. Erst durch die Hannoveraner wurde George zum traditionellen englischen Königsnamen.

      Ah, interessant! 🙂

      Heinrich und Ernst hatten (haben?) hier teils eine ähnliche Konnotation: halt als im Welfenhaus häufig vergebene Namen.

      Ernst Jünger und sein Bruder Friedrich Georg Jünger stammen aus den welfischen Landen, eben aus dem Hannöverschen – die Namensvergaben sind mit Sicherheit kein purer Zufall. (EJ hat sein Notabitur 1914 auf der Schule gemacht, auf der ich mein Abi gemacht habe.)

      Mein Lehrer (geb. Ende der 30er) hieß/heißt Hans-Heinrich. Seine gestrenge, welfentreue Großmutter hat noch nach dem Zweiten Weltkrieg (!) immer auf Bismarck geschimpft, der den armen, blinden König Georg so grausam vertrieben hat. :mrgreen:

      Ein anderer Prof, bei dem ich viel gehört habe, hieß Hans-Georg – der wurzelte in der sehr welfentreuen katholischen Minderheit hier.

      Natürlich hat da niemand seinen Sohn Ernst August genannt! Das war (und ist) eben der Name des Chefs. Aber so kleine Referenzen waren eben bei den Vornamen drin und wurden gerne erwiesen.

      So auch gerne bei den Mädchen: Sophie, Dorothea und Charlotte…

    • Mark sagt:

      @Ruth:

      Hjördis fand ich schon immer einen besonders schönen nordischen Namen. Hedwig ist ein Lieblingsname von mir. Isaak und Jesse finde ich auch toll. Die anderen finde ich interessant–danke für’s Mitmachen!

      Finde es auch immer ganz angenehm, wenn nicht alle weiblichen Namen auf A enden–über Konsonantenendungen freue ich mich dann auch!

      @Jan:

      Finde die hannoveranische Namenssymbolik echt interessant, auch das der hannoveranische Patriotismus noch so lange nachlebte. Hier in Hessen war Bismarck auch nicht beliebt–man nannte sich nach 1866 die „Muss-Preußen.“ Oh Mann–wenn Bismarck sein zweifelhaftes Zweites Deutsches Reich nicht forciert hätte, dann hätte es vielleicht auch nie ein Drittes Reich gegeben….

      Die ganzen Schlösser der Kurfürsten von Hessen-Kassel und Großherzöge von Hessen-Darmstadt (Schlösser wie Wilhelmshöhe und das Bad Homburger Schloss) wurden von den preußischen Königen/deutschen Kaisern okkuppiert, um diese als „Sommerresidenzen“ zu nutzen. Die hatten dann plötzlich hunderte von Sommerresidenzen, die fast immer leer standen… Und die lokalen Herrschaftshäuser waren alle enteignet. Bin selber auch nicht gut auf die Preußenhegemonie und auf Bismarck zu sprechen….

    • Jan Wilhelms sagt:

      @ Mark

      Tja, Hannover und die beiden Hessen haben eben 1866 auf der falschen Seite gestanden. 😉 Das mit den Schlössern war mir neu, danke! Das hiesige Welfenschloß hat auch nie die Bewohner gefunden, für die es gedacht war – heute ist es das Hauptgebäude der Hannoveraner Uni.

      Und ach, Preußen – welch ein Thema. Kurioserweise wird man heute in Süddeutschland als Norddeutscher gelegentlich pauschal als Preuße bezeichnet. Und das ist eigentlich auch das einzige halbwegs populäre Überbleibsel dieses Begriffs. Es sind eben, bei aller Kontinuität, doch einige Erdstöße aufgetreten seit 1866.

      SKH Ernst August – vulgo „der Prügelprinz“ – hat mal einem süddeutschen Journalisten eine gescheuert, weil der ihn irgendwo in Schwaben gefragt hat, wie ihm denn „als Preuße die schwäbische Küche“ schmecke? „Ich bin kein Preuße!“ Boing! :mrgreen:

      Es hat aber auch doch noch vor 1914 so eine Art Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welfen gegeben – nämlich die Heirat von Viktoria Luise, der einzigen Tochter Wilhelms II., mit dem damaligen Chef der Welfen. Das war natürlich auch ein Ernst August, und die beiden sind die Großeltern des Prügelprinzen. Kurioserweise hatte Viktoria Luise dann nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Tod 1980 hier in den welfischen Landen fast den Status einer Ersatzmonarchin; sie war enorm populär, und das als gebürtige Preußin! Diese Beliebtheit war freilich auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß ihr Sohn, der eigentliche Chef des Hauses (ich muß wohl nicht mehr sagen, wie der hieß), eine eher blasse Figur war. (Und die Sache ist auch noch merkwürdig mit dem innerwelfischen Dauergegensatz zwischen Hannover und Braunschweig verbunden, aber das führt hier zu weit.)

      @ Ruth

      Danke, etwas zur Ehrenrettung des schönen Namens Isis gesagt zu haben! Ob ich ihn vergeben würde, ist eine andere Frage – aber die hübsche Göttin hat es nicht verdient, daß ihr Name von Namenlosen derart geschändet wird.

      Jesse und Nike würden heute freilich fast zwangsläufig englisch, also /dzhEssi/ und /nAIki/ ausgesprochen – von Jesse kommt nicht mehr die Art. 😉

      Freilich: Nichts gegen Jesse James und Jesse Owens! 🙂

    • Ich habe mal tief in meine Vornamendatenbank geguckt: Der Name Heinrich wurde in der Postleitregion 31… (Hannovers Umland) in den letzten zehn Jahren deutlich häufiger vergeben als anderswo. Georg, Ernst und August dagegen sind in anderen Regionen beliebter.

    • Jan Wilhelms sagt:

      @ Knud

      Tausend Dank für die Mühen – das ist für mich wirklich interessant!

      Und so generell denke ich mir, daß die von mir diagnostizierte dynastische Nostalgie so etwa ab 1950/60 dann doch von der Tatsache überdeckt wurde, daß alle fraglichen „Welfen-Namen“ dann in der öffentlichen Wahrnehmung zuerst einmal Opa-Namen waren, die, wie so viele andere auch, kaum noch vergeben wurden.

    • Rina sagt:

      Alte Namen, denen ich ein Comeback gönnen würde? Nun, dass sind bei mir natürlich vor allem antike Exemplare. Amphion finde ich wunderbar (Niobe – vom Klang her – auch, aber die ist leider ein äußerst negatives Namensvorbild), Atreus, Iason (in seiner originalen Aussprache), Alpheos, Ianthe, … Mir fallen unzählige griechische Beispiele ein, auch die von Ruth bereits erwähnte Kassandra (da bestehe ich allerdings auf die Schreibung mit K). Aus dem Lateinischen fände ich z.B. Ennius, Naevius/Naevia u.Ä. mal wieder angesagt. Oder auch Maro – ist zwar nur ein Beiname, klingt aber super, und nebenbei trägt mein Lieblingsdichter ebendiesen Beinamen.
      Unter den hebräischen Namen vermisse ich auch viele. Edna, Nuri, Elon – es gibt da so tolle Namen. Wobei Edna vielleicht gar nicht mehr ganz so selten ist. Ich habe trotzdem noch nie eine getroffen.
      Bei den germanischen Namen kenne ich mich nicht so gut aus. Ich mag beispielsweise Irma und Alvar, erstere ist wohl aber noch nicht wieder dran. Von den mittelalterlichen könnten Auberlin und Gerlin gerne wiederkommen. Ein paar nordgermanische gibt es noch, die ich toll finde: Arnor, Ivar, Hedin, Kari, Grima, Bera, Herdis, … Ich weiß aber nicht, inwiefern die in Skandinavien nicht vielleicht sogar noch aktuell sind.

    • Mark sagt:

      Rina,

      Danke für die vielen interessanten Namen, von denen mir der Großteil noch nicht bekannt war!

      Alpheos und Maro gefalen mir besonders gut.

      Hatte übrigens eine Großtante namens Edna, in den USA–dort war der Name im frühen zwanzigsten Jahrhundert sehr verbreitet. Fand schon immer die Namen meine amerikanischen Großtanten sehr schön, zumindest m Engischen: neben Edna auch Ida Mae, Mildred, Thelma, Clara, Louise, Alice, Lydia, Emma, Pauline, Esther, usw.

    • Jan Wilhelms sagt:

      Zu Maro:

      Aus der Aeneis stammt der hübscheste und heldischste mir bekannte Vater-Sohn-Ratschlag der Weltliteratur:

      Lerne, Sohn, von mir Mut und wahrhafte Stärke,
      Den Erfolg von den anderen.

      🙂

      Borges (dem ich die Kenntnis des Zitats verdanke), nennt das sehr schön „den elementaren Geschmack des Heldischen“.

  3. elbowin sagt:

    Elisavet * Eine hebräische Elisabeth? Oder eine slawische Form?
    Lessaro-Pablo * Ich habe wegen des Reimes bei Lessaro sofort die Assoziation „Pessar“ (ein eher unübliches Verhütungsmittel …). Das P von Pablo verstärkt das noch
    Koda * Wo kommt das her? Erinnert an das italienische Wort „coda“ aus der Musik (aber auch mit der ganz profanen Bedeutung „Schwanz“)
    Yolanda Leopoldine * Sicher frankophon. Bei Leopoldine fällt mir die Tochter Victor Hugos ein, die den schönen Kurznamen Didine hatte
    Kayrel * Was ist das für ein Name … neugierig
    Melissa Krimhilde * Richtig stilecht wäre Melissande Krimhilde gewesen

  4. Sabina sagt:

    Meine Favoriten diese Woche:

    Olivia Rose * Finn Lukas * Luzie Victoria * Lennya Sophie * Jannis * Ayla * Matteo

  5. Leon sagt:

    Nya, Koda, Elnathan, Kayrel – ???
    Lessaro-Pablo – Lessaro ist mir völlig neu, und ich bin immer noch kein Freund von Bindestrichen
    Lennya Sophie – ich persönlich bevorzuge die Schreibweise mit nur einem „n“
    Melissa Krimhilde – wer’s mag; altgermanische bzw. althochdeutsche Namen sind insgesamt so gar nicht meins, da ist höchst selten mal was dabei, was mir wirklich gefällt
    Yolanda Leopoldine – Leopoldine sieht für mich aus, als hätte man fest mit einem Leopold gerechnet und den Namen dann einfach ins Weibliche verlängert, außerdem ist er mir zu lang; Yolanda finde ich aufgrund unangenehmer persönlicher Erfahrungen einfach nur fürchterlich

  6. valentine sagt:

    Mein Stinker heisst Levin, den Namen hat mein Grosser aussgesucht. Aber den Namen Valencis finde ich auch ganz toll. Für ein Mädchen, definitiv Laelia.

  7. celia sagt:

    mir gefallen am besten:

    Lina Jasmin
    Olivia Rose
    Lou Amelie
    Lotte

    Franz Georg
    Vincent Christian
    Finn Lukas
    Marcel
    Richard
    Emil Volker

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