Mein seltener Name und ich: Wynona

So viel lässt sich über die Zukunft schon sagen: Wenn unsere Kinder zwanzig, dreißig Jahre alt sind, werden sie häufiger auf Menschen mit seltenen Namen treffen – und seltener auf Menschen mit häufigen – als wir seinerzeit. Das dürfte auch die Reaktion auf seltene Namen verändern. Fragt sich nur, wie sehr. So oder so finde ich es immer wieder interessant, mit Trägern ungewöhnlicher Namen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Wynona konnte ich mir da keinesfalls entgehen lassen.

Ja, Wynona, wie die vor allem in den 90ern populäre Winona Ryder, nur dass das y aus deren Nachnamen quasi nach vorne gewandert ist. „Meinen Eltern gefiel der Name dieser Schauspielerin einfach sehr gut“, weiß Wynona, die 1994 geboren wurde und im Raum Bremen aufwuchs. „Sie wollten mich auch erst mit i schreiben. Weil der Name nicht anerkannt werden sollte, mussten sie sich vom amerikanischen Konsulat bestätigen lassen, dass es ihn wirklich gibt. Das Konsulat bestätigte dann beide Schreibweisen – da sind meine Eltern noch mal umgeschwenkt, weil sie fanden, dass es so schöner aussieht.“ Ihre Eltern selbst tragen für ihre Generation sehr häufige Namen: Petra und Carsten.

Mein seltener Name und ich

Ausgesprochen wird Wynona deutsch: Wie-no-na. „Das machen aber viele falsch.“ Englisch-amerikanische Aussprache und auch Menschen, die mit Fiona oder Ilona völlig auf dem falschen Dampfer sind: kennt Wynona alles. „Es kommen ständig neue Varianten dazu.“ Einen Film ihres Namensvorbilds hat sie nie gesehen. „Menschen Ü40 kommen immer wieder an mit ‘Ah, Winona Ryder’, wenn ich mich vorstelle, das nervt ziemlich.“ Ihre ältere Schwester heißt Valeska. Damit hat sie es besser getroffen, findet Wynona: „Der Name ist zwar auch eher selten, kommt aber immer mal wieder vor. Er ist leicht aussprechen, sie muss einfach nicht so viel erklären wie ich.“

Mittlerweile mag Wynona ihren Namen. Früher wollte sie gern anders heißen. „Ein einfacher klassischer Name“ wie Julia, der in ihrem Geburtsjahr und auch in den 80ern mehrfach auf Platz 1 der Namens-Charts stand, hätte ihr gefallen. Mit ihrem Namen geärgert wurde sie aber nie. Schon früh etablierte sich der Spitzname Wynni, „aber selbst da ist die Schreibweise immer eine andere. Es gibt auch Freunde, die mich einfach nur Wyn nennen oder auf der Arbeit werde ich auch mal Vino genannt. Ehrlich gesagt finde ich Wynni inzwischen einfach zu niedlich, wer möchte mit fast 20 noch wie ein gelber Bär genannt werden?“

Welcher Bär? Ich bin an dieser Stelle tatsächlich kurz ins Grübeln gekommen, wohl weil ich bei y im Namen oft auch ein ü mithöre. Gemeint ist aber natürlich Winnie the Pooh.

11 Gedanken zu “Mein seltener Name und ich: Wynona

  1. Wenonah (in dieser Schreibweise) gehoert zu meine Lieblingsnamen im Englischen. Der Name ist in den USA seit dem 19. Jahrhundert verbreitet und ist im ganzen Land ein Traditionsname. Bekannt wurde er durch “The Song of Hiawatha,” einem Versepos des populären amerikanischen Dichters Henry Wadsworth Longfellow: “Fair Nokomis bore a daughter, / And she called her name Wenonah,/ As the first-born of her daughters.” Wenonah ist die große Liebe des Helden Hiawatha. Der Name bedeutest “first-born daughter.”

    In vielen amerikanischen Städten gibt es eine Wenonah Street, denn die literarische Figur der Wenonah war eben wahnsinnig popular im 19. Jahrhundert.

    Wenonah ist die traditionelle, von Longfellow geprägte Schreibweise des Namens. In der Popkultur der 90er Jahre war neben Winona Ryder noch Winona Judd, die Countrysängerin, bekannt (weiss nicht mehr, vielleicht wird sie Wynona geschrieben?). Der Name hat inzwischen eine (angenehm) altmodische Aura.

    Die amerikanische Seite meiner Familie stammt aus Elgin, Illinois, wo bis in die 1960er Jahre eine Dramatisierung des Hiawatha-Epos im historischen Lords Park aufgeführt wurde. Die Stadt war bekannt für ihr Hiawathafestival. Es gibt dort einen Hiawatha Drive; allerdings ist mir in Elgin noch nie eine Wenonah Street aufgefallen. In vielen anderen Städten schon.

    Heutzutage kennt leider niemand mehr den Hiawatha-Epos. Die Zeiten, als Longfellow noch Pflichtlektüre war, sind (leider, finde ich) vorbei.

  2. Ich mag Winona sehr gern, aber dann eher mit englischem w. Allerdings nicht als “Wainona”, nur ein i vorn 😉
    Wirklich vergeben würde icj den Namen aber wohl doch nicht, eben wegen genau den Problemen, die Wynona beschreibt.

    Wynona und Valeska find ich interessant als Geschwisterkombi, wenn ich auch verschiedene Buchstaben gleich ausgesprochen nicht wirklich mag.
    Und bei dem Gedanken frage ich mich gerade, ob es Vinona/Vynona auch gibt 🙂

  3. Ich habe mal vor ein paar Jahren eine geburtsanzeige von zwillingen namens wyatt und wyona gelesen.
    Wyona wird wahrscheinlich wie wyatt englisch ausgesprochen und nicht wie wiona.
    Ich find wyona sogar schöner als wynona

  4. Winona, Wynona, Wenonah, usw. werden alle in den USA gleich ausgesprochen–niemals als Wainona, immer als Wah-nona (also, eine Art Schwa-Laut hinter dem W–Weiss nicht wirklich, wie ich das im Deutschen schriftlich wiedergeben kann).

  5. @Mark:
    Ich dachte wirklich immer das Winona Ryder Wainona und nicht Wahnona ausgesprochen wird.
    Aber danke, man lernt nie aus.

    Ich hätte dann mal noch eine Frage bzgl amerikanischer Namen.
    Angeblich ist oder war der Name Nevaeh in der USA mal sehr beliebt, weil er rückwärts heaven bedeutet…
    Ich hab keine Ahnung wie man diesen Namen ausspricht.
    Bei mir klingt das etwas nach Nivea Creme 😉
    Vielen dank für die Hilfe

    • Gaya,

      Die Aussprache des Namens Nevaeh ist in den USA strittig–es gibt verschiedene moegliche Aussprachen. Viele sprechen ihn so aus: Ne-vey-eh (Schwalaut hinten). Er klingt auch an das spanische Wort fuer Schnee an, was den Amerikanern bewusst ist, weil hier Spanisch eine große Rolle spielt.

      Der Name ist weiterhin beliebt–allerdings hat er schon so ein leichtes Klassenstigma.

  6. Lustig und ich dachte meine Schwester wäre die einzige die Wynona in Deutschland heißt sowieso die einzige im Raum Bremen da kommt sie nämlich auch her 😀 , meine Mama musste außerdem auch beweisen das es den Namen tatsächlich gibt allerdings nicht mit einem Konsulat sondern nem Namensbuch 😀

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