Cäthe musiziert

Das lokale Anzeigenblättchen mal wieder. In diesen Tagen berichtete es über die Preisträger beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“. Die Namen der Talente, acht bis elf Jahre jung, die die Jury „mit ihrem ausdrucksstarken Klavierspiel beeindruckten“: Sophia, Cäthe-Emma, Amalia und Clara-Marie. Lauter klassisch-bildungsbürgerliche Namen also, wobei die seltene Cäthe – zumal in dieser Schreibweise – schon fast gewagt wirkt. Dem Nachnamen nach handelt es sich bei Clara und Cäthe um Geschwister; der Name der kleinen Schwester, Cäthe, wurde offenbar dem Initial der großen angepasst.

Mädchen mit Geige © artisticco - Fotolia.comWeitere Preisträger aus der Region heißen Anna Luisa, Rosa, Elisa (alle Geige), Julia Lilli (Harfe), Maximilian David (Cello) und Constantin (Klavier), 12 bis 14 Jahre alt. Natürlich ist Maximilian ein Maximilian, kein schnöder Max, und Constantin schreibt sich mit C, nicht mit K, was in der vorliegenden, allerdings sehr kleinen Namensriege für Nachwuchs-Pianisten zum guten Ton zu gehören scheint. Ich finde es frappierend, dass es bei diesem Schema keinen einzigen Ausreißer gibt: Cäthe und Clara brillieren mit Hausmusik, während Chiara und Cheyenne auf ihren Smartphones herumdaddeln. Oder? Die Vorliebe für klassische Namen, klassische Musik und klassische Talentförderung scheint jedenfalls Hand in Hand zu gehen, während diesbezügliche Anlagen von Kimberley oder Keanu eher unentdeckt bleiben.

Der Vollständigkeit halber habe ich geschaut, wo die Erstnamen der jungen Musikanten vor zehn oder 15 Jahren standen – und 2013. Und siehe da: Bei ihrer Vergabe waren die meisten weniger populär als heute, die Klassik-Eltern somit doch ein bisschen Trendsetter. Nur Julia hat an Beliebtheit eingebüßt (1999 Platz 5, heute Platz 32), Anna konnte ihren Platz in etwa behaupten (von Platz 2 auf 5). Dafür ist Sophia vorgeprescht, von Platz 29 auf 4. Maximilian hat sich zwischen 1999 und 2004 von Rang 26 eine Top-Ten-Platzierung gesichert und ist dort noch heute zu finden. Clara, 2004 auf der 34, thront mittlerweile elf Plätze weiter oben. Elisa (heute Platz 50), Constantin (Platz 63), Amalia (141) und Rosa (201) durften in der allerdings auch nicht so umfassenden Liste von vor zehn Jahren noch gar nicht mitspielen. Und Cäthe? Die war und bleibt vorerst Exot, besetzt als Käthe aber zumindest Platz 423.

Wie wohl die „Jugend musiziert“-Gewinner im Jahr 2030 heißen?

Namensgeschmack und Kinderkleidung – noch eine verblüffende Korrelation: Vom Floh gebissen.

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

21 Kommentare zu "Cäthe musiziert"

  1. Kathrin sagt:

    Dass klassische Talentförderung einhergeht mit der Wahl klassischer Vornamen und Chiara und Cheyenne nur auf dem Smartphone rumspielen… Ganz so einfach ist es nicht, denke ich (und ich nehme mal an, auch nicht so gemeint). Vielleicht gehen Chiara und Cheyenne lieber zum Sport und bewegen sich, statt den ganzen Tag im Kämmerlein zu sitzen (ebenfalls nicht ganz ernst gemeint). Man müsste sich also parallel die Instrumentenvorlieben von Kindern mit weniger klassischen Namen ansehen (vielleicht E-Gitarre?), die nicht bei Jugend musiziert auftauchen. Oder mal den örtlichen Sportverein durchforsten, welche Kindernamen da so auftauchen. Aber klar ist: Hier in Bayern taucht der Name Maximilian überall auf, egal in welcher Bevölkerungsgruppe. Von Jugend musiziert bis hin zu den „Verhaltensauffälligen“.

    Ich habe lange ein klassisches Instrument gelernt und habe mich als Kind immer geweigert bei diesen Wettbewerben mitzumachen. Mein Vorurteil war, dass dort nur „Instrumenten-Nerds“ waren, die den ganzen Tag im Kämmerlein verbringen und völlig spaßbefreit durchs Leben gehen 😉

  2. Motte sagt:

    Die hiesigen Preisträger des Regionalwettbewerbes „Jugend musiziert“ heißen:

    Adina
    Anastasia
    Laura
    Hanna
    Christina
    Madeleine Klara
    Johanna
    Chun Kit
    Melissa
    Louisa
    Anna Luise
    Marietta
    Clemens
    Torben
    Janek
    Lennart
    Benedikt
    Leon
    Elena
    Nils
    Hedwig
    Katharina
    Christoph
    Claudius

    • Annemarie sagt:

      Madeleine Klara, Anna Luise, Hedwig und Claudius passen perfekt ins Bild – Claudius spielt sicher Klavier?! 😉 Aber ich geb’s zu, hier sind auch durchschnittlichere Namen dabei.

    • Motte sagt:

      Sorry, aber Claudius spielt Horn 😉

    • Motte sagt:

      Die KlavierspielerInnen sind Laura, Chun Kit, Louisa, Torben, Benedikt, Leon und Nils.

  3. Schtroumpfette sagt:

    Cäthe mit C sieht schon sehr befremdlich aus. Mir fällt dazu gerade Cäsar ein, dessen Anfangslaut im Deutschen ja anders wiedergegeben wird. Mit der Schreibweise Caesar verhält es sich wiederum anders….
    Durch ihre viersilbigen Bindestrichnamen wären die beiden Schwestern m.E. schon auffällig genug verbunden gewesen. Aber naja, mit C oder K kann es jeder halten, wie er will, und wenn man in der Musik mit einem C besser beraten ist, nur zu!

    Interessant finde ich immer wieder, dass der Name Clara den Stempel „klassisch“ erhält und Chiara als italienische Form von Clara hier ständig abgewertet wird. Mädchen namens Chiara dürfte dank des „C“s zumindest in der Musikbranche doch nichts im Wege stehen, oder? Ganz übel ist’s bestimmt, wenn man Kiara heißt. Diese alternative Schreibweise für Chiara wird vom klassischen Bildungsbürgertum bestimmt gerne als total falsch abgestempelt, während Cäthe natürlich ganz was Besonderes ist…. 😉

    Wer weiß, vielleicht ist bei den „Jugend musiziert“-Gewinnern im Jahr 2030 der Name Chiara vertreten!? Zumindest kenne ich eine vierjährige Halbitalienerin dieses Namens, die, wie sich das für Mädchen mit einem Vornamen mit C gehört, in die Musikschule geht. Ihre Eltern bereuen die Namenswahl übrigens – nicht wegen o.g. Vorurteile, sondern weil der Name hierzulande falsch ausgesprochen wird. Die kleine Schwester hat aus diesem Grund einen „unproblematischeren“ Namen bekommen. Sie heißt Melissa.

    • Annemarie sagt:

      Ich muss bei Chiara (leider) immer an Frl. Ohoven denken – selbst schuld, wenn man zu viel „Exclusiv“ schaut 😉 Immerhin vermute ich, dass Klein-Chiara in diesem Fall auch Klavierunterricht hatte …

  4. Chiara sagt:

    Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso Chiara mit Cheyenne zusammengepackt wird, während Clara zu den „gehobenen“ Namen gehört.
    Clara und Chiara sind genau der gleiche Name, nur auf zwei verschiedenen Sprachen – ich verstehe deshalb nicht, wieso der eine „besser“ ist als der andere.

    Ich selber heiße Chiara und müsste mich zu den Violinen gesellen, da ich selber Geige spiele (passt gerade). Ich bin schon auf Probleme bei der Aussprache und Schreibweise gestoßen, habe aber von sehr vielen Leute auch Anerkennung für meinen Namen bekommen.

    Wenn es Richtung Kira oder Kiara geht, da rollen sich mir die Zehennägel hoch – das geht gar nicht!
    Aber ich finde Chiara ist ein schöner Name, sowohl geschrieben, als auch gesprochen. Wenn ich für mich zwischen Chiara und Clara entscheiden müsste, würde ich Chiara bevorzugen.

    Ich mag meinen Namen sehr, er hebt sich ab von den ganzen Annas, Lauras, Lenas .. da draußen. Ich finde es nur sehr, sehr schade, dass der Name in die „Chantal-Cheyenne-Jaqueline“-Schublade gesteckt wird.

    • Annemarie sagt:

      Ich kann gut verstehen, dass so eine stereotype Zuordnung nervig ist. Mir ist natürlich klar, dass auch Cheyennes und Summers, Kevins und Lennys prima Geige spielen können 🙂 Mit meiner Überspitzung wollte ich v.a. Eltern, die noch unentschlossen sind, zum Nachdenken anregen.

      Für mich liegt der (feine, aber gravierende) Unterschied zwischen Clara und Chiara gerade darin, dass Nr. 1 deutsch bzw. in Deutschland lange verbreitet ist und so gesprochen wird wie man ihn schreibt, während die Aussprache bei Nr. 2 viel anspruchsvoller ist und der Name nicht so gut mit vielen deutschen Nachnamen harmoniert. Tendenziell sind solche Namen gerade eher nicht beim Bildungsbürgern beliebt 😉 Das mag vor 15 Jahren noch anders gewesen sein.

      Ein Stück weit macht es (wieder: für mich) auch die relative Häufigkeit des Namens. Ich kenne z.B. eine deutsche Giovanna: auch nicht einfach auszusprechen. Weil ich diesen Namen in D aber sonst nicht höre, weder bei Kindern noch bei Erwachsenen, würde ich ihn nicht als „Schubladen-Beispiel“ heranziehen.

    • Nadja sagt:

      Ich finde es amüsant, dass du deinen Namen vehement verteidigst, aber „Kira“ und „Kiara“, wo doch zweites auch genau der gleiche Name ist, quasi die Daseinsberechtigung ansprichst. Du denkst also ganz ganz genauso in Schubladen, wie diejenigen, von denen du dir auf den Schlips getreten fühlst.

    • Jan Wilhelms sagt:

      Ich würde auch sagen, daß im Zweifelfall immer das K- besser ist. Und zwar nicht nur (aber auch), weil es „deutscher“ ist.

      Was soll das: „Constantin“? Also eigentlich ein erzgriechisch-oströmisch-„byzantinischer“ Name. Wer, wenn nicht der? Das C ist da ein albernes lateinisches Einsprengsel.

      (Ich meine jetzt nicht die Namen, die im Griechischen mit Chi anfangen, das ist vielleicht ein eigenes Thema, sondern die, die mit Kappa beginnen… Aber „Chiara“ ist schon einmal überhaupt kein Name, sondern eben irgendwas, eine Lautanhäufung.)

      Im Kyrillischen gibt es die Wahlmöglichkeit zwischen C- und K- gar nicht – es ist immer K-.

      Also: Im Zweifelsfall mit bzw. auf K. C-Namen sehen meisten unbeholfen angelsächsisch und/oder mittelschichtig aus.

  5. Kristina sagt:

    Ich amüsiere mich gerade über den Artikel und die Kommentare. Möglicherweise wird unsere Tochter ihr Talent auch einmal zur Show stellen. Sie ist eine begnadete junge Pianistin und sie heißt Chiara und eben nicht Clara oder Klara. Wir haben wir uns ganz bewusst für die italienische Variante entschieden. Gruß an alle Chiaras – ihr könnt stolz sein, einen solch wundervollen, melodischen Namen zu tragen. 😉

    • Jan Wilhelms sagt:

      Gut nur, daß offenbar weder Clara Petacci noch ihre Eltern noch ihr Geliebter gewußt haben, daß Chiara die „italienische Variante“ von Clara sein soll! Es wäre Ben und Clara ansonsten noch peinlicher gewesen, anno 45 in Mailand ganz bewußt zur Show gestellt zu werden. Gott sei Dank, die begnadeten Deutschen wissen es mal wieder besser.

      😉

  6. Karin sagt:

    Wer will schon zu Jugend musiziert? 😉 Heutzutage macht man sich doch eher als You Tuber wie nigahiga (welch ein Name ;-))…oder als Modebloggerin wie Chiara Ferragna (schön, schlau und unheimlich erfolgreich) einen Namen. In den letzten zwei Jahren hat sich da wohl viel getan. Am Smartphone hocken und zocken jetzt auch die Sprösslinge der vermeintlichen Elite. Clara ist ein Allerweltsname geworden, Anna auch, Rosa muss Kommentare über sich ergehen lassen, warum sie nicht Lila getauft wurde. Ob diese Namen also die richtige Wahl sind? Wohl eher kaum.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ich kenne eine ganze Reihe Jugendlicher (ca. 15/16) die bei Jugend musiziert, sogar recht erfolgreich teilnehmen, einige davon studieren sogar an der Musikhochschule). Mit jüngeren habe ich weniger Kontakt, indirekt weiß ich da aber auch von einigen.
      Musik und Smartphone schließt sich aber nicht aus, ich kenne auch Leute, die gerne klassische Musik hören und spielen,trotzdem auch moderne Musik sehr gerne mögen und ansonsten gar nicht so wirken.
      Namen der mir bekannten „Musiker“ (in Anführungsstrichen, weil es Jugendliche sind)
      Manuel (Bruder Rafael, die Namen der weiteren Geschwister kenne ich nicht, argedntinischer Hintergrund) (Cello)
      Cosima (Bruder Thorben) (Geige)
      Janna (Bruder Paul) (Blockflöte)
      Aron (polnischer Hintergrund) (Klavier (und Cello))
      Linda (mit chinesischer Hintergrund) (Geige)

    • Jan sagt:

      Meine Güte, bin ich froh, daß ich erstens zu alt bin und zweitens zur Unterschicht gehöre und drittens auch keine Kinder zu erziehen habe – mir mithin keine Gedanken mehr über Mittelschichten-Themen wie „Jugend musiziert vs. Youtube-Karriere” machen muß. 😀

      Bei „Jugend forscht“ habe ich auch nie mitgemacht, obwohl wir in den frühen 80ern schon mit 13 gewußt haben, wie man Rohrbomben baut, ganz ohne Internet. 😉

      @ Karin

      Ich meine, daß jedenfalls Anna, wohl auch Rosa und Klara, so zeitlos sind, daß sie nie ganz passé sein werden. Rosa Luxemburg und Clara Zetkin!

    • Rebecca Sophie sagt:

      Zum Thema Rosa und Lila fällt mir übrigens ein Geschwisterpaar ein, dass eben so heißt. Ein potentieller Bruder hätte (zumindest nach Meinung des Vaters) Blue geheißen.

  7. Andrea sagt:

    Bei Clara muss man leider auch immer dazu sagen – mit „C“ geschrieben und nicht mit „K“. Ansonsten mag ich sowohl die C-Variante viel lieber als die Vornamen, die mit K beginnen. Das gilt für Clara und auch Chiara. Beide sehr schön und wohlkingend. Sein Kind Rosa (wie Rosa Luxemburg, die für die Zeit des Marxismus steht) zu nennen, finde ich ganz furchtbar. Angesehen davon würde ich kein Kind nach einer Farbe nennen, auch wenn sie dann bessere Chancen bei Jugend Musiziert hätte (Augenzwinkern). Ist aber eben alles Geschmackssache. Mit Andrea bin ich auch nicht so glücklich ;-)…

    • Jan sagt:

      Sein Kind Rosa (wie Rosa Luxemburg, die für die Zeit des Marxismus steht) zu nennen, finde ich ganz furchtbar.

      Wer sagt denn, daß diese Zeit vorbei ist? 🙂

      Man könnte bei dem Namen Rosa (den ich auch nicht sooo toll finde) übrigens auch Rosa Schanina denken.

  8. Website Visitor sagt:

    Und die LANDESSIEGER von Jugend Forscht 2016 heissen:
    Chiara, Moritz, Tobias, Henrik, Laura-Emely, Pia, Nina, Arta und Eva Lea.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Alle Typen bunt durcheinander, eigentlich ein gutes Zeichen, auch wenn ich die klassischen am liebsten mag.

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