Mein seltener Name und ich: Salloa

Mit Türken spielen wir nicht.“ Ein Satz, der vor 35 Jahren auf irgendeinem norddeutschen Spielplatz fiel. Salloa, damals sieben Jahre alt: „Ich auch nicht.“ Damit wollte sie nicht etwa besonders schlagfertig sein. Sie hatte zur der Zeit nur einfach keine türkischen Freunde und verstand nicht, dass ihr fremdartiger Name und ihre dunklen Locken sie in den Augen der anderen zur „Türkin“ machten. Aus dem gemeinsamen Spiel wurde nichts, natürlich.

Salloas Vater ist Araber, ihre Mutter Deutsche. Die beiden wählten ganz bewusst einen arabischen Namen für ihr Kind (Bedeutung: „So wie Allah“). „Ich sollte aus dieser Welt etwas mitnehmen für mein Leben. Tatsächlich erinnert mein Name mich stets daran, dass meine Vorfahren aus einem kleinen arabischen Bergdorf kommen.“ Salloa mag ihren Namen und wollte nie anders heißen. In der Schule kam es allerdings zeitweilig zu Problemen: „Meine Mitschüler fanden den Namen nicht immer so toll, deutete er doch auf eine ausländische Herkunft hin. Damit hatten sie so ihre Schwierigkeiten und ich dann kurzzeitig auch. Darauf hätte ich verzichten können.“

Je älter Salloa wurde, desto lieber war es ihr, einen seltenen Namen zu haben. „Heute erlebe ich nur positive Reaktionen und der Nebeneffekt, dass jemand, der den Namen einmal verinnerlicht hat, ihn auch nicht mehr vergisst, hat mir schon oft geholfen.“ So hat sie auch ihren Kindern seltene Namen gegeben, wenn auch keine arabischen, sondern eher norddeutsch-skandinavische, die – Zufall oder nicht?! – klanglich dennoch gut mit Salloa harmonieren. „Ich fand es schön, ihnen Namen zu geben, die ihre Einmaligkeit unterstreichen und die zeigen, dass sie nicht dem Mainstream nachgeben müssen, sondern ihren eigenen Weg gehen können. Wenn Freundinnen meiner Tochter sich einigen müssen, welche Katharina genannt wird und welche Kati oder welche Emmi und welche Emma Lou, damit es nicht zu Verwechslungen kommt, freue ich mich.“

Versuche, Salloa einen Spitznamen zu geben, gab es einige. Sie wurden jedoch stets abgewehrt: „Ich nahm ernst, was meine Mutter mir zu dem Thema sagte: ‚Hättest du Sally oder ähnlich heißen sollen, hätte ich dich so genannt. Wenn du mit deinem Namen nicht zufrieden bist, müssen wir uns etwas einfallen lassen.‘ Ich war zufrieden. Deswegen blieb es immer bei Salloa.“ Wenn auch mit der kleinen Einschränkung, dass die richtige Aussprache – mit kurzem a vorn – vielen zunächst schwerfällt. Auch Buchstabendreher (-ao statt -oa) kommen vor. „Sehr oft nennt man mich auch Salome. Zu Schulzeiten gern auch Sandra.“ Eine andere Salloa kennt sie nicht, hat aber schon einmal bei der Namenswahl inspiriert: „Meine Mutter hatte eine Schülerin, deren kleine Schwester nach mir benannt wurde, weil den Eltern der Namen so gut gefiel.“

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

2 Kommentare zu "Mein seltener Name und ich: Salloa"

  1. Mark sagt:

    Ich finde es wichtig, dass man seinen Kindern ihre eigene Familiengeschichte irgendwie mitgibt. Meine Frau stammt aus einem siebenbürgischen Dorf, in dem ihre Vorfahren schon seit dem Mittelalter leben, ganz ungebrochen. Diese Wurzeln wollten wir unserem Sohn mitgeben. Er soll nicht einfach amerikanisch oder deutsch sein, sondern eben auch einen Bezug zu dieser langen und reichhaltigen Familiengeschichte und zu seinem eigenen kulturellen Hintergrund haben. Und so gaben wir ihm den rumänischen Namen Timotei. Er wird sich auf ganz andere Weise mit seinen rumänischen Ursprüngen verbunden fühlen, wenn sein Name ihn nicht davon abtrennt. So geht es mir auch mit meinem eigenen Namen: hieße ich Stefan oder Christoph oder so, dann würde ich das so empfinden, als sei mir der Zugang zu meiner amerikanischen Identität irgendwie versperrt. Aber als ein Mark passe ich sehr gut in meine amerikansiche Zweitkultur hinein. Ich finde, man sollte ein kulturell „gemischtes“ Kind eher im Rahmen der Kultur benennen, mit der es keine ganz automatische Verbindung hat; also, im Rahmen der Kultur, in der das Kind nicht aufwächst. Denn zu dieser Kultur kann der „innere Zugang“ leicht versperrt werden.

    • lenchen sagt:

      blöd ist es allerdings, wenn man sich dann für einen namen einigt, den man im land, in dem man lebt, niemals richtig aussprechen kann, weil es zb diese lautkombination nicht gibt. das klingt dann immer schrecklich finde ich.

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