Wenn der Familienname ein Vorname ist …

Levke Moritz wundert sich, dass sie als einzige Frau im Volleyballteam der Männer mitspielen soll – wie konnte das passieren?

girl playing volleyball © .shock - Fotolia.com
Foto © .shock – Fotolia.com

Alexander Albrecht und Julia Otto: es gibt einige Menschen, die so heißen. Vermutlich erleben es diese Personen nur selten, dass ihr Vorname und ihr Familienname durcheinander gebracht werden. Denn Albrecht und Otto sind zwar weit verbreitete Vornamen, gehören aber gleichzeitig zu Deutschlands häufigsten Familiennamen. Alexander und Julia andererseits sind als Familienname nur selten anzutreffen, als Vorname dagegen sehr populär. Bei Alexander Albrecht und Julia Otto weiß man also normalerweise, was Vor- und was Familienname ist.

Schwerer haben es da Severin Jonas, Jordan Philipp und Levke Moritz. Die Namen Jonas, Philipp und Moritz sind als Vorname gerade sehr in Mode, als Familienname aber nicht so häufig anzutreffen. Auch wenn die Vornamen Severin, Jordan und Levke alle in der aktuellen Top 500-Liste der beliebtesten Vornamen vertreten sind, sind sie doch nicht jedem als Vorname geläufig. Die Folge: In mancher Adressdatenbank landet Severin Jonas als „Herr Severin“ mit dem Vornamen Jonas. Und Levke Moritz ärgert sich ganz besonders über die Anrede „Lieber Moritz“. Und findet sich womöglich als einzige Frau im männlichen Volleyballteam wieder.

Was lernen wir daraus? Eltern mit einem beliebten Vornamen als Familiennamen sollten davon Abstand nehmen, ihrem Kind einen ungewöhnlichen Vornamen zu geben! Diese Regel ist natürlich kein Naturgesetz und es kommt immer auf den Einzelfall an. Die betroffenen Eltern sollten aber zumindest mal darüber nachdenken.

Alle diese Namen habe ich beispielhaft ausgewählt; ich kenne niemanden persönlich, der oder die so heißt. Und wenn mir nicht jemand von seinen eigenen leidvollen Erfahrungen berichtet hätte, wäre ich wohl nie auf dieses Problem aufmerksam geworden.

Zum Schluss noch einige Vornamen, die in Deutschland häufig als Familiennamen vorkommen:

Friedrich Lorenz Peter * Albert * Thies * Steffen * Michel * Wilhelm * Ulrich * David * Daniel * Moritz * Paul * Ewald * Adam * Reinhardt * Henning * Urban * Jonas * Jordan * Arndt * Heinrich * Heinz * Jacob * Berndt * Werner * Bernhardt * Thomas * Timm * Frank * Gabriel * Reinhold * Simon * Albrecht * Conrad * Franz * Arnold * Ernst * Stephan * Otto * Rudolph * Horst * Karsten * Kurt * Walter * Knuth * Günther * Martin * Bertram * Hartwig * Klaus * Augustin * Ludwig * Götz * Lutz

Wer kennt weitere?

68 Gedanken zu “Wenn der Familienname ein Vorname ist …”

  1. Bernhard
    könnte ich noch beisteuern.
    Außerdem als literarische Figur Gerhart Hauptmanns Rose Bernd
    hier weiblich, Vorname Rose, Nachname Bernd – aber auch umgekehrt denkbar…

  2. Wir hatten einen Mitschüler, Reiner Rudolf, beide Namen waren damals sehr gängig, bei jedem Lehrer/in als erstes die Frage, Reiner oder Rudolf?

  3. Mein bester Kumpel hat zwei Vornamen und einen Nachnamen.
    Und mir fällt erst nach 32 Jahren auf, das es alle drei Namen als Vor- und Nachname gibt 😀 :

    Jonas Paul Ewald
    Paul Jonas Ewald
    Ewald Jonas Paul
    Jonas Ewald Paul
    Ewald Paul Jonas
    Paul Ewald Jonas

    Krass 😀

  4. Es fällt wieder auf, daß Nachnamen eigentlich immer männlich sind. Obige Nachnamensliste enthält ausschließlich Namen, die als Vorname männlich wären. In Kombination mit einem eindeutig weiblichen Vornamen wäre also unmittelbar klar, daß der weibliche Name der Vorname sein muß und es sich um ein Mädchen/eine Frau handelt.

    • Es gibt auch weibliche Vornamen als Nachnamen, Christa und Dora sind mir bekannt und einige jüdisch klingende Namen wie Judith und Ruth.
      Männliche Namen sind durchaus sehr viel öfter. Eine patriarchale Struktur ist halt auch darin ersichtlich.
      Gibt’s zu den “weiblichen” Nachnamen irgendwo was aufgelistet?

  5. Nach langem Nachdenken fallen mir zwei Menschen ein, die einen “weiblichen” Nachnamen tragen. Das ist aber wirklich extrem selten. Übrigens tatsächlich beides Namen, die auch Vorname sein könnten. Doch wird man solche Nachnamen wie “Müllerin”, “Zimmerfrau”, “Beckerin”, “Hoffrau” etc. wohl vergeblich suchen.

    • Könnte das aus einer westslawischen Sprachen stammen? Also aus dem Polnischen oder aus dem Tschechischen? Da sind diese Nachnamen auf -a ja nicht ganz selten… Gomulka, Kawalla, Vodicka etc.

      Die Rechtschreibung könnte germanisiert sein wie etwa bei Dombrowski (von poln. Dąbrowski).

      Das ist Spekulation, aber es paßt in die europäische Migrationsgeschichte und schiene mir plausibler als eine direkte Ableitung von dem Mädchenvornamen Franziska…

  6. Heute in einer Todesanzeige gelesen: gängiger deutscher “älterer” männlicher Vorname, dazu der Nachname Lea (eindeutig, da ein Foto eines älteren Mannes mit abgebildet war)

    • In unserem Ort gibt es auch einen Mann, der mit Nachnamen Lea heißt. Er ist jedes Jahr der Darsteller des St. Martin beim Martinsspiel. Der Vorname ist ein völlig normaler deutscher Name.

      Kirsten habe ich als Nachnamen auch schon mal gehört. Ich kenne aber keinen persönlich. Kirsten kann aber, wenn auch selten, ein männlicher Name sein.

      Steffen oder auch Steffens gibt es hier als Nachnamen. Ebenso Peter/Peters und Jürgens (Jürgens nur mit angehängtem s).

    • Steffen/Steffens bzw. Jürgen/Jürgens fallen auch in Norddeutschland überhaupt nicht auf, es sind ganz normale Nachnamen. Man denke an Andrea Jürgens unseligen Angedenkens oder an Jochen Steffen alias „Kuddel Schnöf“. (Udo Jürgens war immerhin gebürtiger Österreicher, glaube ich… Und weiß auch nicht, ob das ein Pseudonym war… Vermutlich.)

      Ich hatte einen Schulkameraden mit Nachnamen Liese. Das ist zwar hier in Niedersachsen auch nicht häufig, fällt aber auch keineswegs als skurril auf. Vielleicht auch, weil Liese auf platt halt „leise“ bedeutet(e). Ich wäre gar nicht darauf gekommen, das mit dem Vornamen Liese zu verbinden.

    • Udo Jürgens hieß Udo Jürgen Bockelmann. Mit dem Nachnamen konnte (oder wollte) er wohl keinen Blumentopf gewinnen. Seine Kinder heißen übrigens John und Jenny. Da sind wir wieder bei den englischen Namen, die ich aber beide in Deutschland in Ordnung finde.

    • Ich würde auch lieber John mit Vornamen als Bockelmann mit Nachnamen heißen. 😀

      John hieß übrigens auch der leibliche Vater von Willy Brandt, seinerseits Jahrgang 1913… Sein Vater hat sich dann bald abgesetzt, aber das tut ja nichts zur Sache. (Abgesehen von dem neudeutschen Komplex „Eltern haben ihre Kinder sooo furchtbar lieb!“) Halt die hanseatische Schiene mit den eindeutig englischen Namen.

      Eine Ex-Freundin von mir hieß Peggy. 🙂 (Und heißt hoffentlich immer noch so.)

  7. Kenne eine Familie Liese. Allerdings bezieht sich der Name nicht auf den Mädchennamen Liese, sondern auf Leise oder einen Flurnamen/Bachnamen, lis- Ried, Sumpf.

  8. Ich kenne sogar zwei Familien, die mit Nachnamen Moritz heißen, trotzdem ist auch mir der Name als Vorname geläufiger. Zur Liste ergänzend fallen mir noch Fritz, Hermann, Johannes, Matthias, Matthis, Dietrich und Levi ein, zu diesen Vornamen kenne ich jeweils mindestens eine Person, die mit Nachnamen so heißt. Außerdem kenne unzählige Menschen mit Nachnamen auf -sen, wie Steffensen, Jansen, Petersen oder Johannsen, wobei diese natürlich lediglich einen Vornamen enthalten, aber ursprünglich Nachnamen nach dem Vornamen des Vaters sind.

  9. Mir sind auch schon Adolph, Anton, Bastian, Benedikt, Janik, Leonhard, Marian, Oswald, Richard, Till, Veit als Nachnamen begegnet.
    Außerdem fallen mir aus der deutschen Fußballnationalmannschaft die Herren Rudy und Rüdiger ein.

  10. Es gibt da aber noch ein Problemchen: Es gibt in gewissen Milieus die ruppig-ehrenvolle, grobianistische Anrede nur mit dem Nachname.

    Nein, nicht nur im 70er-Jahre-Kindergarten unter Jungs, beim Militär oder im Knast, sondern z.B. auch an Unis. Ich weiß noch, wie unglaublich stolz ich Ende den 90er war, als ein Prof im Seminar gesagt hat: „Bähre hat gerade gesagt, daß man mit Blick auf die Erste Polnische Teilung eigentlich nicht [blablabla]“.

    Es folgte harte Kritik an meinen Äußerungen – aber man gehörte auf einmal irgendwie zum Klub. 🙂 Man wurde als gleichberechtigter Gesprächspartner ernstgenommen; man war plötzlich nicht mehr „nur“ Schüler oder „nur“ Student. Das war fast ein Ritterschlag.

    Die Anrede mit Vornamen und Sie (das „Hamburger Sie“ oder „englische Sie“ also, so schön es eigentlich ist) war was für weibliche Hiwis und männliche Kofferträger: „Simone, würden sie bitte zum nächsten Dia schalten?“ „Alexander, machen Sie mir doch bitte dreißig Xerokopien davon!“.

    Aber die Anrede nur mit Nachnamen durch einen leibhaftigen Professor, den man sehr geachtet hat – das war etwas ganz besonderes. 🙂 Es war eine hohe, hohe Auszeichnung. Eigentlich kostbarer als ein akademischer Titel.

    So. Und diese Anrede mit Nachnamen ohne „Herr“ (bei Frauen sollte man das wohl lieber doch nicht machen) funktioniert eben besser, wenn der Nachname nicht auch ein Vorname sein kann. „Thomas hat gerade gesagt, daß […]“ Das geht viel schwerer über die Zunge als „Müller hat gerade gesagt, daß […]“

Schreibe einen Kommentar