Mädchen- und Jungennamen immer ähnlicher

Die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Damaris Nübling von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat in einer Forschungsarbeit herausgefunden, dass die bevorzugten Mädchen- und Jungennamen mit der Zeit immer ähnlicher geworden sind. Das betrifft zum Beispiel die Anzahl der Silben und das Verhältnis von Vokalen und Konsonanten. Die Einzelheiten zu diesem Projekt habe ich im Artikel “Sprachliche Unterschiede zwischen Mädchennamen und Jungennamen” zusammengestellt.

In einer Veröffentlichung zu diesem Thema bewertet die Forscherin auch die deutschen Vornamenstatistiken:

Valide und das gesamte Bundesgebiet abdeckende offizielle Daten gibt es bis heute nicht. Dies gilt auch für die jährlich in der Presse erscheinenden Rufnamenstatistiken, die von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GDS) ermittelt werden. […]

Da die GDS immer nur die zehn häufigsten Rufnamen errechnet und dabei […] die Zweit- und Drittrufnamen mitzählt, das heißt wie Erstrufnamen behandelt statt sie herauszurechnen, verzerren typische, immer wiederkehrende Zweitrufnamen wie Marie, Maria, Sophie schon seit Jahren die Top 10, indem sie dauerhaft die ersten Ränge besetzen beziehungsweise blockieren.

Deshalb beziehe ich mich auf eine andere Quelle, nämlich ‚www.beliebte-vornamen.de’. Diese Statistik zieht ebenfalls Standesämter heran, zusätzlich Geburtskliniken, Geburtshäuser und andere Quellen. Hier werden jeweils die ersten 250 Ränge errechnet. Dies ist – neben der guten Zugänglichkeit im Internet – ein entscheidender Vorteil gegenüber den GDS-Daten: Man kann ermitteln, was sich jenseits der Top 10 beziehungsweise Top 20 abspielt. Im Gegensatz zu den Daten der GDS gehen bei ‚beliebte-vornamen’ die Zweit- und Drittrufnamen nicht in die Häufigkeitsstatistik ein, sie werden herausgenommen und extra gezählt. […]

Wegen der Überzahl an positiven Argumenten liegen den nun folgenden Berechnungen die Top 20 der Internetseite ‚www.beliebte-vornamen.de’ zugrunde.

  • Ungekürzter Text: Beliebte-Vornamen.de als wissenschaftliche Quelle
  • Quelle: Damaris Nübling; “Von Monika zu Mia, von Norbert zu Noah: Zur Androgynisierung der Rufnamen seit 1945 aus prosodisch-phonologischer Perspektive.” In: Beiträge zur Namensforschung 44, S. 67 – 110.

4 Gedanken zu “Mädchen- und Jungennamen immer ähnlicher

  1. Der Erstname ist ja nicht in jedem Fall der Rufname, deswegen finde ich die Forderung die Zweitnamen herauszunehmen nicht so gelungen. Mein Rufname wäre in meinem Geburtsjahr dann nicht in dieser Liste aufgetaucht!

    • Meistens ist der erste Vorname aber der Rufname. Darum wird eine Auswertung der häufigsten Rufnamen aussagekräftiger, wenn man sich jeweils auf den ersten Vornamen beschränkt, als wenn man alle Vornamen einbezieht. Ungenauigkeiten muss man leider in Kauf nehmen, weil der wirkliche Rufname nicht in Dokumenten auftaucht.

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