Namen als Karrierebremse

Das Wiener Magazin derStandard.at hat untersucht, ob sich eine ungünstige Namensgebung als Karrierebremse erweisen kann. Im Zuge der Recherche zu diesem Artikel hat der Autor Oliver Mark auch mich befragt, hier meine Antworten:

Es heißt, dass Kevin oder Jaqueline kein Name ist, sondern mehr eine Diagnose: Stimmen Sie dem zu?

Der Name Kevin steht mittlerweile schon sprichwörtlich für bildungsferne und verhaltensauffällige Menschen. Den meisten Kevins wird damit Unrecht getan, denn Kevin war 1991 in Deutschland der am häufigsten vergebene Jungenname. So ist es kein Wunder, dass es viele verhaltensauffällige Jungen namens Kevin gibt – es gibt eben besonders viele Kevins. Auch unter den aktuellen Abiturjahrgängen findet man besonders viele Kevins!

Wie wichtig ist der Name für den beruflichen Erfolg?

Ich denke, dass ein bekannter und angesehener Familienname für die Karriere eine größere Rolle spielt als der Vorname.

Gibt es milieubedingte Unterschiede bei der Namensgebung? Sprich, gibt es mehr Kevins oder Chantals in „bildungsferneren“ Schichten?

Verlässliche Auswertungen gibt es dazu nicht. Mein Eindruck ist, dass es eher am Alter als am Bildungsniveau der Eltern liegt, welche Namen vergeben werden. Je jünger die Eltern sind, umso mehr werden ungewöhnliche oder aus den Medien bekannte Vornamen bevorzugt. Und das wiederum ist statistisch erwiesen: Bildungsferne Eltern bekommen tendenziell früher Nachwuchs als gebildetet Eltern. Sofern meine These stimmt, kann man anhand der Kindernamen also vermuten, wie alt die Eltern sind – aber nicht was diese gelernt haben!

Welchen Rat haben Sie für Eltern bei der Namensgebung?

Vermeiden Sie Sonderzeichen, die sie auf der PC-Tastatur nicht sofort finden. In anderen Ländern sind selbst deutsche Umlaute problematisch!

Ist es wichtig, dass Vor- und Nachname harmonieren? Zum Beispiel: Chantal Müller oder Justin Moser.

Vor- und Nachname sollten zusammen gut auszusprechen sein. Einen deutschen Nachnamen mit einem internationalen Vornamen zu kombinieren muss nicht grundsätzlich falsch sein; Hauptsache es klingt gut.

Würden Sie empfehlen, einem Kind mehrere Vornamen zu geben, damit es sich gegebenenfalls später für einen entscheiden kann?

Ja, ich empfehle zwei Vornamen zu vergeben – vor allem, wenn die Eltern einen besonders exotischen Rufnamen bevorzugen. Nicht nur wegen der Chance, diesen mal zu wechseln. Ein zusätzlicher, gewöhnlicher Name erleichtert auch manches im Alltag, weil z. B. das Geschlecht aus dem ungewöhnlichen Namen nicht erkennbar ist. Ein weiterer Vorteil von zwei Vornamen ist, dass man sich von Namens-Doppelgängern unterscheiden kann. Angesichts der allgegenwärtigen weltumspannenden Kontakte über das Internet ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen.

Die Hitliste der Lieblingsnamen: Ist man damit auf der sicheren Seite, oder sind das 0815-Namen?

Die Hitparaden-Namen sind heutzutage gar nicht so häufig, wie viele denken. So heißen nur ca. ein Prozent der Neugeborenen des Jahrgangs 2010 Mia oder Leon – und das sind immerhin die häufigsten Namen in der deutschen Vornamenhitparade. Der Anteil der Namen auf Platz 100 liegt sogar bei geringen 0,1%, ab Platz 400 fällt der Prozentwert unter 0,02.

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

3 Kommentare zu "Namen als Karrierebremse"

  1. Helena sagt:

    Super Interview! Sie können sehr stolz auf sich sein Herr Bielefeld! Ich finde gut, dass sie nicht auch noch auf den armen Kevin eindreschen. Vorurteile brauchen kein Zunder.

  2. Thomas Marcus sagt:

    Sehr gute Antworten in diesem Interview. Heute stand ich um 10 Uhr im Sekretariat einer Grund- und Hauptschule, als eine Lehrerin kam und die Notfall-Telefonliste suchte, um Eltern anzurufen.

    „Hallo Herr XXXX, ihr Sohn Kevin ist heute nicht zur Abschlussprüfung gekommen, so geht das nicht…..“

  3. Kevin XY sagt:

    Ich kann es allmählich nicht mehr hören, sehen, lesen.
    Ständig wieder irgendwelche negativen Diskussionen und Beiträge zum Namen Kevin und andere.
    Auch wenn Herr Bielefeld meiner Ansicht nach in seinem Interview sehr gut Stellung zu dem Thema nimmt, verstehe ich nicht warum „mein Name“ (=Kevin) immer wieder für so viel Gesprächsstoff sorgt.
    Ich studiere Jura im Endstadium und hatte in meiner Schulzeit nie irgendwelche Probleme mit Lehrern und/oder Noten bezüglich meines Namens.
    Ich kann auch nicht bestätigen, dass meine früheren Lehrer in irgendeiner Art und Weise negativ voreingenommen waren als sie meinen Namen hörten.
    Alle Eltern deren Kinder wie ich Kevin oder ähnlich heißen, können also zunächst einmal beruhigt sein, denn solche Vorurteile, die einem aufgrund des Namens anscheinend neuerdings auferlegt werden, müssen ja auch erst einmal von jedem selbst, der den Namen trägt, erfüllt werden.
    Es ist aber schon sehr interessant zu sehen welche Namen überhaupt von der deutschen Bevölkerung als der Unterschicht zugehörig und bildungsfern angesehen werden.
    Nämlich nur ausländische Namen, wie eben Kevin, keine deutschen Namen. Allein dies sollte vielleicht schon zum Nachdenken anregen, denn ist es nicht viel mehr wieder dieses Gefühl der Deutschen, dass wir das, was wir nicht kennen, weil es eben nicht von uns kommt (kein deutscher Name)und weil es nicht schon immer bei uns etbliert war, als ungewöhnlich, fremd und falsch betrachten?!
    Wenn ich Sätze von einer LEHRERIN(!!!)aus einer Studie (2008) höre, wie „Kevin ist keine Name, sondern eine Diagnose“, frage ich mich wer hier bildungsfern ist. Ich = Kevin, oder die Lehrerin? Dieser Satz, der im Rahmen dieser Studie als Kernessenz hervorgehoben wurde, enthält nichts wissenschaftlich Wertvolles (nebenbei: durch diese Studie 2008, die im Rahmen einer Abschlussarbeit einer Lahramtsstudentin geschrieben wurde, wurde der ganze Hipe um den Namen „Kevin“ ja erst ausgelöst), sondern ist einfach nur der Ausdruck eines sehr dummen Menschen, der das Amt einer Lehrperson wohl in keiner zufriendenstellenden Weise ausfüllen kann.
    Auch Artikel wie der vom „Kevinismus“ gehören einfach nur gelöscht und verboten. Wir sprechen immer wieder in sämtlichen Medien von Kindern, die andere im Internet mobben. Was in diesem Kevinismus-Artikel gemacht wird ist nichts anderes, im Gegenteil: Hier mobben nicht unreife Kinder, sondern erwachsene Menschen, die es eigentlich schon lange besser wissen sollten. Aber anstatt solche Artikel negativ zu betrachten wird über sie gelacht und sie werden fleißig weiter mit neuen Artikeln und Studien unterfüttert. Wie kann dies einfach so gebilligt werden?

    Anstatt mehr und mehr gegen „Kevin“ zu arbeiten sollte das ganze Thema vielleicht besser in die andere Richtig gelenkt werden.
    Der Artikel von Herrn Bielefeld ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung, danke!

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