
Internationales Handbuch der Vornamen – noch vor wenigen Jahren galt es als wichtigstes Nachschlagewerk der deutschen Standesämter. Wenn ein Name nicht darin verzeichnet war, dann musste man einen Nachweis erbringen, dass es sich tatsächlich um einen Vornamen handelte.
Aber gilt das auch umgekehrt? Also wenn ein Name in dem Buch steht, dann wird er auf jeden Fall anerkannt? Beim Stöbern sind mir ein paar Zweifel aufgekommen.
Meine Fundstücke
Schauen wir uns ein paar meiner Fundstücke an:
Schneewittchen, Rapunzel und Winnetou.
Belzebub, Pimpernelle und Lohengrin.
Schubert, Mozart und Händel.
Noch harmlos? Dann wird’s jetzt interessanter:
Muschi. Poppo. Titte.
Ja, die stehen tatsächlich drin.
Wenn es nach diesem Buch geht, dann könnt ihr eure Kinder auch Ficke und Blasi nennen.
Kombinationen für Geschwisternamen
Hier habe ich noch ein paar schöne Kombinationen für Geschwisternamen entdeckt:
- Töffel und Gamelbert
- Malle und Lanzarote
- Happy und Hippo
- Rind und Burger
- Ekelina und Faula
- Rüpel und Nazi
Zum Schluss meine absoluten Favoriten aus dem Handbuch der Vornamen: Schamhut und Jürnjochen.
Große Namensvielfalt
Heutzutage hat das Internationale Handbuch der Vornamen nicht mehr den Stellenwert, den es mal hatte. Die Namensvielfalt ist in den letzten Jahren einfach viel zu groß geworden, so dass die Herausgeber mit den vielen neu erfundenen und neu entdeckten Vornamen nicht mehr Schritt halten können. Obendrein lässt es sich im Internet viel besser recherchieren als in einem Buch.
- Namensrecht: Gutachten über umstrittene Vornamen
- Jesus & Luzifer: Die offizielle Liste der Vornamen, die in Deutschland verboten sind
Wahnsinn, was für Fundstücke.
Poppo ist mir ein Begriff gewesen, der Name war im deutschen Mittelalter durchaus beliebt und divverse Bischöfe und Grafen hießen so, und es gibt auch ein Adelsgeschlecht, das als Popponen bezeichnet wird.
Winnetou ist mir im echten Leben schon begenet, Schneewittchen war hier schon in den Babynamen der Woche. Die drei genannten Komponisten sind mir nicht als Vornamen begenet, aber ich kenne einen Wagner (Brasilianer).
Muschi (männlich!, hatte einen Bruder namens Machli) und Schamhut (auch männlich) kommen in der Bibel vor. Gamelbert ist ein in Bayern lokal verehrter Seliger, und Nazi ist eine bayerische Kurzform zu Ignaz (was ein Argument gegen diesen Namen ist, da hilft kein Semmelweiß).
Mehr Rechercheergebnisse: Rind und Faula sind tiefe Griffe in die Mythologiekiste.
Rind (w) ist aus der nordischen Mythologie, eine Riesin und Mutter von Vali.
Faula ist aus der römischen Mythologie und war Geliebte des Herakles.
Ich muss zugeben: Winnetou hat was. Auch der Spitzname Winne (kenne ich nur als Abkürzung für Winfried) ist ganz nett. Ich habe das Buch noch nie gelesen, aber für viele ist er bestimmt auch positiv besetzt, auch wenn man natürlich inzwischen die ganze Kritik kennt. Auch zur Bedeutung des Namens gibt es einen interessanten Beitrag bei Wikipedia.https://de.wikipedia.org/wiki/Winnetou
Bei einigen Namen hört man ja die „Namigkeit“ zum Beispiel bei Gamelbert, Malle, Burger (deutsch gesprochen) und Ekelina. Aber wie setzen sich Happy, Rind und Faula zusammen?
Würde ich gezwungen, aus diesen Namen zu wählen, würde ich Winnetou und Rapunzel wählen. Das ist dann doch noch harmloser als Schamhut.
Wurden irgendwelche dieser Namen in den letzten Jahren oder Jahrzehnten tatsächlich vergeben, lässt sich das nachvollziehen?
Da fällt mir eigentlich nur Maria Winnetou Guttenbrunner (*1926) ein, die Tochter von Alice Herdan-Zuckmayer und Carl Zuckmayer.
Ich kenne einen jungen Mann (Mitte 20), der mit Zweitnamen Winnetou heißt.