
Louise und Gabriel waren 2025 in Frankreich die am häufigsten vergebenen Vornamen.
Die Aufsteiger in die Top 100 (im Vergleich zum Vorjahr) sind die Jungennamen
- Elyo
- Noam
- Imrân
- Marcel
und die Mädchennamen
- Rym
- Sophia
- Éléonore
- Lise
- Zélie
- Jennah
- Andréa
Top 100 aus Frankreich (2025)
| Mädchen | Jungen |
|---|---|
|
|
Quelle: Institut national de la statistique et des études économiques. Schreibvarianten wurden separat gezählt.
Wow, einige spannende Namen sind gerade in den französischen TOP-100.
Aufsteigerin Rym ist eine Variante des arabischen Namens Rim (auch als Reem transkribiert). Im Deutschen Kontext muss ich da aber an München-Riem denken (früher Flughafen, jetzt Messgelände).
Alix als Alice-Variante fällt mir auf, eine Prinzessin von Hessen-Darmstadt trug den Namen in dieser Schreibweise.
Joy in den TOP-100 von Frankreich ist auch eine Überraschung.
Bei den Jungen erstaunt mich Malo (kenne ich eigentlich nur aus dem Namen der Stadt St. Malo, bekannt durch ein Gezeitenkraftwerk).
Côme (deutsche Entsprechung: Kosmas) steht auch sehr hoch im Kurs.
Diverse Ypsilonismen fallen mir ins Auge (Mädchen: Alya, Lyana, Lyna, Lya, Jungen: Elyo, Charly). Hat die Strenge der französischen Standesämter da nachgelassen, die früher nur französische Namen in Französischer Orthografie zuließen)?
„Hat die Strenge der französischen Standesämter da nachgelassen, die früher nur französische Namen in Französischer Orthografie zuließen?“
Hier ein grober Überblick über die aktuellen Richtlinien: https://www.service-public.gouv.fr/particuliers/vosdroits/F882
Was ich dem u.a. entnehme:
Man kann den in der franz. Sprache vorkommenden Buchstabensatz verwenden (d.h. bspw. kein ‚ß‘), u. gibt die gewünschte Schreibweise bei der Geburtenmeldung an.
Der Vorname sollte dem Kindeswohl nicht entgegenstehen (bspw. nicht beleidigend sein) u. nicht zu Verwirrung mit dem Nachnamen anderer Personen führen.
Im vorgegebenen Rahmen darf man auch neue Namen kreieren.
Die Standesbeamten (officier de l’état civil) können die von den Eltern gewählten Vornamen übrigens nicht ablehnen, lediglich die Staatsanwaltschaft (procureur de la République) benachrichtigen, u. diese wiederum einen Richter für Familienangelegenheiten (Jaf), welcher schließlich urteilt, ob ein Name im Widerspruch zu den Interessen d. Kindes od. Rechten anderer Personen steht.
Eine Verpflichtung zu franz. Namen in franz. Orthografie, die von der Strenge d. Standesbeamten abhängt, kann ich dagegen an keiner Stelle entnehmen.
Die Historie der Gesetze od. Verwaltungsvorschriften zum franz. Standeswesen kenne ich nicht – jedoch einige in Frankreich geborene Franzosen, mit u. ohne Migrationshintergrund, heute früheres bis höheres Erwachsenenalter, die definitiv keinen klassischen franz. Vornamen in klassischer franz. Schreibweise tragen.
Ich kann mich an einen Fall erinnern (ca. 1990), wo der Name July mit y, nicht Julie, für ein Mädchen nur deswegen genehmigt wurde (von wem auch immer, ob Standesamt, Staatsanwaltschaft oder Gericht) weil der Vater ein Deutscher war. Diese Geschichte hat sich in meinem weiteren persönlichen Umfeld zugetragen.
Außerdem gab es eine bretonische Familie, die ihren vielen Kindern bretonische Vornamen geben hat und die französischen Behörden haben die Namen irgendwann (ab dem vierten oder fünften Kind) verweigert, mit harschen Konsequenzen: Die Kinder existierten für den französischen Staat nicht und bekamen keine Sozialleistungen und durften auch nicht in die Schule gehen. Diese Geschichte habe ich bei Nancy Man gefunden, die normalerweise sehr sauber recherchiert. Leider konnte ich sie nicht mit einer Suchmaschine wiederfinden, aber die Website ist schwer durchsuchbar.
Mit etwas mehr Suche habe ich noch dashier gefunden, ein Überblick über den Wandel der französischen Namensgesetze seit 1803. 1993 gab eine entscheidende Liberalisierung.
Der Streit um zulässige Namen in Frankreich ist längst nicht vorbei, das Bretonische hat den unfranzösischen Buchstaben ñ, und der Namenswusch Fañch ging bis zum europäischen Gerichtshof … wo er endlich genehmigt wurde. Das war letztes Jahr (2025).
Wenn du hier https://www.insee.fr/fr/statistiques/3532172 in den offiziellen statistischen Daten bspw. auf die Top 100 der Jahrgänge 1982-1992 filterst, also das Jahrzehnt vor der von dir erwähnten Liberalisierung, findest du u.a. Namen wie Anthony/Tony, Jeremy, Geoffrey, Jimmy, William, Teddy, Steve(n), Cindy, Fanny, Myriam, Johanna, Nelly, Kelly, … – teilweise ähnlich verbreitet od. sogar noch häufiger als ihre französischen Entsprechungen. In meinem persönlichen Bekanntenkreis ist das Bild recht ähnlich. Nach einer allgemeinen Pflicht zu französischen Namensformen in französischer Orthographie schaut das für mich wahrlich nicht aus.
Wie sich Einzelfallgeschichten genau zugetragen haben, kann ich nicht beurteilen.
Bei Frañch war der Buchstabe, der nicht im klassischen Zeichensatz der franz. Sprache vorkommt, das Problem; u. nicht, dass es kein François od. ein bretonischer Vorname war. Francesco, Franzerl, Ferenc, Franny, … u. vermutl. auch Franch dürften dagegen konform sein.
Dass man die Verwendung von Sonderzeichen einschränkt, kann ich aus rein pragmatischen Gründen irgendwo nachvollziehen – nicht jede Maschine u. nicht jeder Mensch weiß diese darzustellen. (Habe selbst schon auf nicht-germanophonen Behörden erlebt, wie ein Umlaut die Mitarbeiter ins Schwitzen gebracht hat ;-)).
Capucine vom Kapuzinerorden, der auch das Bier braut? immerhin mal etwas Anderes.
Ismael ist auch immer gut, das Buch Moby Dick beginnt mit dem Satz: Call me Ishmael…
Capucine ist auch die Kapuzinerkresse. Blumen gehen immer …
Ich hab kürzlich eine etwas überdrehte frz. Filmkomödie gesehen „Jagen auf Französisch“, derzeit in der ZDF Mediathek. Plot:
Pariser Ehepaar mit 2 Kindern ist genervt von der Enge der Stadt. Tochter heißt Romy, nachdem es in Paris im Kindergarten aber zahlreiche Romys gibt, erfundener Rufname Michelle zur Unterscheidung, denn“so heißt niemand heutzutage“
Umzug aufs Land, 1. Tag im Kindergarten: „Was für ein schöner ausgefallener Name, Romy! Michelle haben wir hier mehrere“
Also heißt Romy hier wieder Romy 🙂
https://www.zdf.de/filme/jagen-auf-franzoesisch-movie-100#t=details
Das ist finde ich lustig. Ich habe mir gerade den Teaser durchgelesen. Da kommt auch der Name Adélaϊde vor – ein Fest für alle Sonderzeichen-Fans.
und – fun fact – der kleine Bruder von Romy heißt Léon und in Wirklichkeit mit Vornamen Marceau (siehe Liste)
Uh wie spannend! Sieht ja stellenweise schon sehr ähnlich aus zur deutschen Vornamenshitliste. Jules und Lou gefallen mir besonders gut. Bei Eden frage ich mich was zuerst kam – der Fussballer oder der Namenstrend?
in mehreren anderen europäischen Ländern sind Alba, Alice, Charlie gerade beliebt, in Deutschland kaum.
Wie wird denn Lise gesprochen? Liiis?
Ja, mit einem stimmhaften „s“ am Ende. Dahinter kann ein Schwa leicht zu hören sein.