Mein seltener Name und ich: Amonte

Mein seltener Name und ich

Der in den Neunzigern populäre historische Roman „Der Medicus“ erzählt die Geschichte des Waisenjungen Rob Cole, der im elften Jahrhundert auf abenteuerlichen Wegen von London nach Persien reist, um Arzt zu werden. An einen Stoff von ähnlichem Kaliber muss ich bei der Namensgeschichte meiner heutigen Interviewpartnerin denken.

Amonte wurde 1960 geboren und wuchs in der Nähe von Hamburg auf. Ihren Vornamen verdankt sie ihrer elf Jahre älteren Schwester, die gehört hatte, wie auf der Straße eine Frau so angesprochen wurde. Amonte trägt außerdem noch einen Zweitnamen, Viktoria.

Wie eine Ägypterin?

So weit, so gut – doch nun der richtig spannende Teil: „Mein Vater war Historiker und hat Nachforschungen angestellt“, erzählt Amonte. Den Ergebnissen zufolge sei der Name etwa 500 n. Chr. von Missionaren aus Ägypten mitgebracht worden, über eine Zwischenstation in Süditalien bis an die Nordseeküste zu den Friesen. Als Bedeutung des Namens ermittelte er demnach „die von Gott Auserwählte“.

Hui! Nach dem Gespräch habe ich mich selbst an Recherchen versucht, bin aber auf keinen grünen Zweig gekommen. Nicht mal dokumentierte Friesinnen (oder Italienerinnen) namens Amonte konnte ich finden, von einer Anfang der Neunziger geborenen Journalistin mal abgesehen.

Was die KI sagt

Wikipedia kennt zumindest die als Frau dargestellte altägyptische Gottheit Amaunet, auch als Amonet (sic!) bekannt. Zu erwähnen wäre auch der hebräisch-ägyptische Jungenname Amon, hierzulande wohl am ehesten bekannt durch den österreichischen SS-Offizier Amon Göth. Ansonsten habe ich Amonte häufiger als amerikanischen Familiennamen vorgefunden, der vom Nach- zum (meist männlichen) Vornamen wurde.

Die (mit Vorsicht zu genießende) KI rückt ihn in die Nähe zu „monte“ für „Berg“. Mein innerer Assoziations-Apparat will noch das gleichnamige Milchcremedessert beisteuern sowie Anemone (die Blume) und „amandes“, französisch für Mandeln.

… oder lieber Sabine?

Doch zurück zu Amonte, des Historikers Tochter. Wie für viele Menschen mit seltenen Namen ist es für sie selbstverständlich, ihren Vornamen zu buchstabieren, weil er sonst nicht verstanden wird. „Aus mir wurde schon mal eine Amanda gemacht.“ Immer mal wieder wird sie auch als „Herr Amonte …“ angeschrieben.

Ansonsten sei sie stets gut mit dem Namen klargekommen. „Nur in der ersten Klasse hatte ich eine Phase, in der ich mich – und meine Mutter – gefragt habe, warum ich nicht auch Sabine heiße. In meiner Klasse gab es gleich mehrere, dazu mehrere Jungs namens Thomas.“ Oh ja, Sabine und Thomas: Von 1960 bis 1966 standen diese beiden unangefochten an der Spitze der deutschen Namenshitlisten.

An die Tochter vererbt

Die Erklärung ihrer Mutter, dass der Vorname doch etwas Eigenständiges sein sollte, stellte Amonte völlig zufrieden. „Ich kann es wertschätzen, dass meine Eltern diesen Namen für mich ausgesucht haben.“ Sie mag auch die Spitznamen, die mitunter von ihrem Namen abgeleitet wurden (Monti, Montifee) und hat ihren Namen sogar an eines ihrer Kinder weitergegeben: an ihre 1991 geborene Tochter Amonte Josephine. Rufname ist aber Josephine, „zweimal derselbe Rufname in einer Familie wäre schwierig.“

Die Umstände der Schwangerschaft waren besonders: „Ich musste mehr als 18 Wochen in der Klinik verbringen.“ Vor dem Hintergrund fiel die Entscheidung, der Tochter den Namen der Mutter mitzugeben. Im Standesamt habe Amonte tatsächlich für Irritation gesorgt. „Aber weil ich schon so heiße, war es dann kein Problem.“

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