
Als Kind hatte ich einen Freund, der hat eine Tante, die heißt Gudrun. Ich habe die Frau nie kennengelernt, aber mein Spielkamerad sprach oft über sie. Von Konsonantenclustern, klangvollen Vokalen und Namensmoden wusste ich damals natürlich noch nichts, aber den Vornamen Gudrun fand ich damals schon seltsam und nicht schön.
Der Name muss mich wirklich nachhaltig verstört haben, wenn sich mir diese Kindheitserinnerung so tief eingeprägt hat. Umso beruhigender, dass ich mit meinen Gudrun-Assoziationen nicht allein bin! Gerade habe ich „Das Leben fing im Sommer an“ von Christoph Kramer gelesen und bin dabei auf diese Stelle gestoßen:
Wir nannten sie Gudrun, weil sie aussah wie eine Gudrun. Hellgraues, lockiges Haar. Dazu ein bisschen zu viel Lippenstift, zu viel Rouge auf den Wangen und deutlich zu viel blauen Lidschatten. Gudrun halt.
Welche Namen haben euch so tief bewegt?
- Umstritten: Gudrun – der unmodernste Vorname
- Namenslexikon: Herkunft, Bedeutung und Statistik des Vornamens Gudrun
Spannend, dass es ausgerechnet der Name Gudrun ist, der dich so irritiert hat. Immerhin teilst du mit Gudrun den Vokal und zwei Konsonanten, es hätte ja gut sein können, dass dir genau das vertraut und sympathisch vorkommt.
Tatsächlich hatte ich als Kind eine Phase, in der ich den Namen Knut (mit t) ziemlich witzig fand. Das muss aus einer Spielsituation heraus entstanden sein, ich kannte niemanden, der so hieß.
Ansonsten fällt mir gerade nur Corrado ein, so hieß der Sohn meiner Lehrerin in der Grundschule. Ich fand es völlig abwegig, dass man so heißen kann, und machte „Kohlrabi“ daraus. Dafür schäme ich mich heute noch.
Als ich die Beitragsüberschrift gelesen habe, dachte ich übrigens an ein ganz anderes Thema: an Eltern, die ihre Namenswahl so begründen – „er sah aus wie ein Henri“ – „sie war einfach keine Carlotta“. Das ist auch spannend und für mich in vielen Fällen schwer nachzuvollziehen, wenn ich daran denke, wie Neugeborene aussehen.
Gar nicht unwahrscheinlich, dass mich diese Ähnlichkeit der Namen unbewusst getriggert hatte. Wobei dieses Wort vor 50 Jahren wohl noch nicht gebräuchlich war.
Hellgraues, kurzes Haar mit zu viel Lippenstift, Rouge und Lidschatten ist dann Ursula ;-).
Bei den meisten Namen gleichen sich Assoziationen irgendwann aus – vielleicht auch ein Vorteil von häufigeren Namen: die werden schneller überschrieben.
Ein Name, der mich schon als kleines Kind bei „Luzie der Schrecken der Straße“ gucken irritiert hat war Oswald. Erscheint mir für ein Kind ziemlich ungeeignet und auch die Abkürzungen Ossi und Waldi sind beide nicht gerade positiv. Das Lustige war dann, dass meine kleine Schwester mit ungefähr 5, als eine Geburt bevorstand genau Oswald als Namen vorgeschlagen hat. Das Kind wurde dann stattdessen Marshell (übrigens wirklich diese Schreibweise. Nicht Marshall) genannt. Da hätte ich dann glaube ich doch Oswald bevorzugt, da denkt man immerhin nicht an einen Hund aus der Kinderserie Pawpatrol.
Bei mir ist es Agnes…
Das Phänomen ist schon spannend. Ich hatte instinktiv denselben Eindruck vom Namen Gudrun. Habe mal aus Neugierde gecheckt und in den Top 500 der Mädchen exakt 0 Namen mit zwei u darin gefunden. Bei den Jungen waren es dagegen 6 Stück. Ich nehme mal an das zweifache u wird momentan einfach sehr maskulin wahrgenommen.
Witzig, dass das in der Generation der jetzt um die 70-/80-jährigen so ganz anders war. Cousinen meiner Mutter heißen/hießen Gudrun, Ursula, Ruth und Gertrud.
Meist sind es bei mir spitznamige Abkürzungen oder Verkleinerungsformen, die als Vornamen vergeben werden. Was ja zur Zeit in Mode zu sein scheint.
Leni
Fritzi (ganz schlimm)
Bastian
Hannes
Johnny
Oder Namen, bei denen ich unweigerlich ein bestimmtes Bild im Kopf habe:
Molly oder Holly (klingt mindestens nach „mollig“, eher noch stark übergewichtig)
Emily (so hieß der ziemlich häßliche Hase einer Cousine)
[…] (mein erster Vorname, den ich hier nicht preisgebe, zum Glück konnte ich den Rufnamen wechseln, wenn auch viel zu spät)
Lotta (Lotterwirtschaft)
An anderer Stelle hatte ich schon erwähnt, wie ich Namen auf -is, -itz oder -lei/-lai finde.
Eine Stimme FÜR Gudrun, ich habe einige kennengelernt und allesamt waren sehr sympathische, damals noch jüngere Frauen ohne graue Locken und Rouge.
Für mich ist dagegen Mechthild ein absolutes no go!
Ich finde es spannend, mit welchen Namen man warum ein ( kleineres) Problem haben kann.
Bei mir ist es Ferdinand. Erinnert mich an Pferd und die Ferdinands, die ich kennengelernt habe, waren auch recht speziell (und das sage ich, die ich selbst nerdig bin). Ferdi finde ich auch einfach keine nette Abkürzung. Dank ähnlich dazu Frederik und Freddy/i, da denke ich an Piggeldy und Frederik und mir ging Frederik als kleines Kind so unfassbar auf die Nerven, vielleicht mochte ich auch einfach die Synchronstimme und die Art des Sprechens nicht.
Ich ergänze Karl und Karla. Hier wird das „Kaaal“ und „Kaaala“ ausgesprochen und Pepe und Lars.
Wobei ich Calla, Clara und Lasse in Ordnung finde.
Ferdinand war in der DDR ein Clown aus dem Kinderfernsehen. Clown Ferdinand, ich habe noch ein Buch mit ihm. Wir hatten noch einen zweiten Clown im TV, das war Clown Hoppla.
Spannend, wie unterschiedlich man Namen empfindet. Ich wprde Gudrun nicht vergeben, aber der Name ist für mich positiv besetzt und der Klang gefällt mir. Es klingt „gut“ an, das „run“ hat etwas Geheimnisvolles, ebenso der dunkle Klang durch die beiden u.
Dagegen fand ich Emma immer total schrecklich. Eine ältere Verwandte (geboren in den 20er Jahren) hieß so und sie haderte mit ihrem Namen. Sie erzählte die Geschichte, wie sie zu ihrem Namen kam, so: Sie war eine überraschende Zwillingsgeburt, es musste schnell ein Name her (wahrscheinlich wegen Nottaufe) „und da ist meinem Vater nichts anderes eingefallen“. Die Verwandte mochte ich gern, aber ihr Name gefiel mir nich
Ich erinnere mich auch noch, dass ich sehr irritiert war, als in meiner Parallelklasse eine Sophie auftauchte, deren Schwester Emma hieß. Die Namen fand ich beide ziemlich unmöglich. Sophie gefiel mir später und gefällt mir bis heute sehr gut. Emma assoziierte ich in meiner Vorstellung immer mit einer dicken alten Frau.
Dass Emma in den Hitlisten plötzlich so weit nach oben stieg und in Namensforen als „toller Name“ bejubelt wurde, konnte ich nie nachvollziehen. Irgendwann habe ich mich aber an kleine Emmas gewöhnt und durch eine sehr nette Kindergartenfreundin meiner Tochter habe ich inzwischen eine positive Assoziation dazu.
Bei einigen Namen hat sich mein Empfinden und meine Einstellung komplett geändert.
Petra fand ich z.B. früher schrecklich, inzwischen finde ich es einen starken Namen (vergeben würde ich ihn allerdings nicht).
Dagegen fand ich mal die Namen Roberta, Lioba und Marina toll, die mir heute nicht mehr gefallen.
Ich hatte in der Grundschule (Mitte der 90er) einen Waldemar in der Klasse. Ich weiß gar nicht genau, was mein Problem mit dem Namen war, aber ich glaube, für mich war die Assoziation dazu „unfreundlicher und ungepflegter alter Mann mit speckiger Mütze, der Menschen (und besonders Kinder) hasst“ oder sowas in der Richtung und mir war daher vollkommen unverständlich, wie man *das* seinem Kind antun kann!?
Den Namen mag ich tatsächlich bis heute nicht so gern, obwohl der Klang eigentlich sogar ganz nett ist.
Mein Kind trägt jetzt übrigens einen Namen, den ich als Kind/Jugendliche gar nicht schön und eigentlich sogar ziemlich merkwürdig fand. Als mein Mann den dann vor 10 Jahren vorschlug, als ich mit besagtem Kind schwanger war, musste ich deswegen ein, zwei Nächte drüber schlafen, aber dann gefiel er mir richtig, richtig gut – und tut’s immer noch. So kann sich das also auch ändern… 😀
Als Kind waren es bei mir die Namen Barbara und Babette. Ersteren konnte ich mir einfach nicht merken oder dachte immer an Rhabarber. Die Trägerin des Namens Babette war im Alter von 10-12 Jahren ein ziemlich rabiates kleines Mädchen und ich dachte bei dem Namen eher an eine süße kleine Ballerina.
Heute sind es Namen wie Hugo und Bruno, die in mir aus irgendeinem Grund Unbehagen auslösen und die ich nicht „namig“ finde. Obwohl ich sogar einen „Onkel“Bruno kannte, aber das war damals ein für mich uralter Mann, der immer Zigarre rauchte und sein Holzbein im Zimmer in die Ecke stellte . Aber er war immer freundlich und ich mochte ihn. Trotzdem würde ich ein Kind nie so nennen.
Aber es ist schon seltsam, was Namen in einem so auslösen können.
Bei Barbara ging es mir ganz genauso. Eine Freundin meiner Mutter hieß so und ich hab mir nie diesen Namen merken können.
Die schlimmsten Namen für mich waren immer Ulla und Ulf. Ich hab mich eine Zeitlang regelrecht geweidet an dem Schauder, der mich bei dem dumpfen Klang immer überläuft. Ulla, Ulf, uh, uh… Ulrike finde ich nicht ganz so schlimm, wahrscheinlich liegt es am Doppel-Konsonanten. Ähnlich geht es mir aber mit Hugo und Bruno. Ich kannte nur einen Bruno in meinem Leben, aber der entsprach leider genau dem Bild des prolligen, schnurrbärtigen, übergewichtigen Mannes, das ich seit jeher mit Bruno assoziiere. Naja, ich denke es gibt Gründe, warum das U aktuell nicht der beliebteste Buchstabe ist.
Eine Entschuldigung geht im Übrigen raus an alle Ullas, Hugos und Brunos, die natürlich nichts für ihre Namen können. Und auch an die Eltern im Blogbeitrag nebenan, die gerade Hugo als Geschwisternamen zu ihrem kleinen Bruno in Betracht ziehen. Es liegt mir fern, jemanden des Namens wegen zu diskriminieren. Ist halt alles Geschmackssache 😉
Zu den Namen, die ich immer seltsam fand, gehört Karsten. Das klingt für mich wie Kasten.
Bei Pelle habe ich erst als Erwachsene verstanden, dass es eine schwedische Variante von Per ist, wobei mir immer noch unklar ist, wie man von Per auf Pelle kommt. Als Kind fand ich den Namen jedenfalls komisch, weil Pelle doch Haut bedeutet.
Und beim Klang von Renate sehe ich immer eine mittelalte, rothaarige Frau mit viel Make-up und einem großen roten Muttermal vor mir, die (natürlich) stark nach Penatencreme riecht und zu laut lacht… eine komische, etwas unangenehme Assoziation. Und das, obwohl ich mehrere Renaten kannte, die zwar alle mittelalt waren, aber ansonsten nicht unbedingt dem Bild entsprachen. Wer weiß, was da für Erinnerungen aus der frühen Kindheit auftauchen.
Interessant finde ich auch das Phänomen, dass man bisweilen mehrere Namensträger mit den gleichen Eigenschaften trifft. Alle Saskias in meiner Schulzeit (mindestens drei) waren unausstehliche Zicken. Zwei mir bekannte Constantins waren etwas seltsam, mit leichter geistiger Einschränkung, weshalb Constantin für mich immer mit geringer Intelligenz und dummen Sprüchen verbunden sein wird. Dass ein erfolgreicher, sprachgewandter Politiker den Namen Konstantin von Notz tragen kann, irritiert mich ehrlich gesagt nach wie vor.
Ein Bekannter von mir wird übrigens seit seiner Jugend von allen Freunden Theo genannt. Er heißt eigentlich anders, aber sie waren damals der Meinung, er sähe aus wie ein Theo. Sein richtiger Name war in Vergessenheit geraten. Ich habe ihn irgendwann mal gefragt und es stellte sich heraus, dass er eigentlich Maximilian heißt.
Oh, Konstantin von Notz wurde erwähnt — ich wohne in seinem Wahlkreis zur Bundestagswahl. Sein Bruder heißt übrigens Börries mit Vornamen, was ich mir eigentlich für die Namensfundstückereihe notiert hatte.
Ähnliche Story aus meiner Kindheit: Ein Christoph, der von allen nur Udo genannt wurde.
Hugo gefällt mir übrigens ausgesprochen gut und würde ich auch selbst vergeben. Die Bedeutung „der Denkende“ empfinde ich als äußerst positiv und ich denke bei dem Namen ein cleveres, lustiges (im Sinne von lebensfroh) Kind.
Bruno ist hingegen gar nicht mein Fall. Br empfinde ich als eher unangenehme Lautkombination und ich assoziiere mit dem Namen einen Kettenhund, evtl Bulldogge.
Die Bedeutung „braun“ finde ich jetzt auch nicht so dolle..
Durch eine tolle Gudrun in meiner Kindheit war der Name für mich immer positiv besetzt. Später hatte ich eine Kollegin, die so hieß und die war auch so. Der Sohn der ersten Gudrun hieß Dirk, fanden einige komisch, ich aber zwischen etlichen Dennis/Denis erfrischend als Kind.
„Negativ“ geprägt hat mich Norbert. In jedem Buch, inklusive Fibel, das mir als Kind unterkam gab es ein Kind, das so hieß. Fand ich in den 80er Jahren sehr merkwürdig.
In einem Bilderbuch meines Sohns kommt ein Kind namens Fritz als Hauptperson vor. In seinem neuen Malbuch außerdem ein Bruno, dessen Schwester Lisa heißt. Abgesehen davon, dass ich Fritz total aus der Zeit gefallen und Bruno unschön finde, wie bereits geschrieben, passen Bruno und Lisa irgendwie nicht zusammen als Geschwisternamen.
In einem weiteren Bilderbuch heißen die Geschwister Lisa und Emil. An Emil habe ich mich fast schon wieder gewöhnt, den höre ich wirklich oft. Vielleicht muss ich mich mit Bruno notgedrungen auch noch irgendwann anfreunden.
Mich stört das immer so, wenn die Namen nicht gleich alt sind. Fritz Schwester könnte Elsa, Alma oder Clara sein, Lisas Bruder hingegen müsste dann Jonas, Philipp oder Patrick heißen und Emils Schwester dann Lotta, Ella oder Ida.
Wobei es auch zu Fritz‘ Hochzeiten Elisabeths gab, die Lisa genannt wurden, aber da waren andere Kurzformen doch häufiger, zumindest in meinem Umfeld.
Vielleicht schreibe ich im Sommer eine Artikel dazu, ich könnte dazu ganze Seiten füllen.
Gerade ist mir beim Durchstöbern alter Blogbeiträge eine Namensliste aus Island aufgefallen. Dort scheint Gudrun ja klanglich nicht so unschön empfunden zu werden. Jedenfalls war Guðrún 2021 auf Platz 9 der beliebtesten Namen Islands. (https://www.beliebte-vornamen.de/2586-islaendische.htm)
Wahrscheinlich wird es aber auch ganz anders ausgesprochen.
Namen, die heute nicht mehr so chic sind: Elfriede, Regina, Renate, Lothar, Gotthilf, Gottfried, Sybille, Hilde, Ilse.