Mein seltener Name und ich: Marbod

Wie alt ist jemand, der Marbod heißt? Woher stammt er? Hat er kreative Eltern, die ein Namensunikat zusammengebastelt haben? Und: Ist es überhaupt ein Er (immerhin gibt es ja den Frauennamen Margot)? Wenn ich Marbod nicht interviewt hätte, ich hätte keinen blassen Schimmer.

Der Name gehört zu jenen Raritäten, die zwar im Vornamens-Duden Eingang gefunden haben, die man aber nicht mal in den eigenwilligsten Neugeborenen-Galerien findet. Dabei klingt „alter deutscher männlicher Vorname“ absolut solide. Der Duden leitet den Namen von den althochdeutschen Begriffen für Pferd (marah) und Gebieter (bodo) ab. Auch von berühmt (mari) und Bote (boto) könnte Marbod stammen. Gebieter der Pferde oder berühmter Bote?! An Bodo musste ich tatsächlich denken. „Der Name ist bekannt durch den Markomannenkönig Marbod.“ Ah ja.

Mein seltener Name und ich

Marbods Eltern sind weder Geschichtslehrer noch Archäologen. Seinen Namen fanden sie einfach in einem Namensbuch. Martin, Marcel, Markus, Marc: Sie alle standen in Marbods Geburtsjahr 1986 in den Top-25. Schon komisch, dass die (zugegeben: unübliche) Endung -bod statt -tin, -cel oder -kus einen Eindruck von solcher Exotik hervorrufen kann. Marbod wuchs in Krefeld auf, er hat noch einen zweiten Vornamen: Frederick. Bei seinem Bruder ruderten die Eltern in puncto Seltenheit ein ganzes Stück zurück, die Wahl fiel auf Malte.

Marbod mag seinen Namen. Der Klang gefällt ihm, obwohl es „manchmal ein wenig nervig ist, ihn zwei- bis fünfmal sagen zu müssen, bis er verstanden wird. Dafür hat man dann immer ein Thema für Smalltalk. Meist bleibt mein Name den Leuten dann auch ganz gut im Gedächtnis.“ Mitunter wird er gefragt, ob Marbod sein Nachname sei. Wird sein Name falsch ausgesprochen oder falsch verstanden, empfindet er das schon als störend. „Manchmal wurden früher auch die falsch verstandenen Formen wiederholt und sich darüber lustig gemacht. Das war aber nie besonders schlimm. Ansonsten sind die Reaktionen meistens eher positiv und interessiert.“ Daran, dass er buchstabieren muss, wenn es auf die Schreibweise ankommt, ist er gewöhnt. „Die häufigste falsche Schreibweise ist Marbot, es gab aber auch schon Mabot, Mabott, Marbott, Marbo oder Margot.“

Dass jemand aus dem Stand sagt, „Ach, wie der Markomannenkönig“, ist ihm erst wenige Male passiert (kein Wunder!). Andere Marbods konnte er bislang nur virtuell ausfindig machen, „zwei oder drei. Wir haben dann etwas gechattet.“ In den letzten Monaten war die Namensfindung auch bei Marbod ganz großes Thema: Er ist gerade das erste Mal Vater geworden. Ob ihn sein seltener Name dabei beeinflusst hat? „Im Endeffekt wahrscheinlich schon. Ich wollte jedenfalls keinen besonders häufigen Rufnamen. Ich hatte auch keine Sorge, dass ein Name zu außergewöhnlich ist.“ Sein Sohn trägt jetzt den Namen Ben Taro, der Rufname ist Taro. „Ben ist uns einfach zu sehr im Trend. Ich mag auch Benjamin gern, das wäre uns aber insgesamt zu lang gewesen.“ Mir fällt auf: Vater und Sohn haben im Rufnamen jeweils dieselben Vokale in derselben Reihenfolge: A und O.

  • Noch ein seltener Name mit Mar-: Marlitt

Anzeige

8 Gedanken zu „Mein seltener Name und ich: Marbod“

  1. Ich finde es toll, dass es noch jemanden gibt, der einen alten deutschen Namen hat. Leider hab ich bisher noch niemanden gefunden, der den gleichen Namen trägt wie ich, schade eigentlich 🙂

    LG Josepha

    Antworten
    • Josepha ist mir in Österreich öfter begegnet …
      Schöner Name! Als “altdeutsch” würde ich den allerdings nicht bezeichnen ….

      Wenke

    • In Frankreich kenne ich eine Josépha. Sie sagt, ihr Name sei portugiesischen Ursprungs.

    • Es gab vor ca. zehn Jahren den hinreißenden und bewegenden Historien-Spielfilm „Schwabenkinder“ (es geht um Kinderarbeit im Grenzgebiet Oberschwaben/Tirol um 1900…). Da taucht auch eine Josepha als Mit-Heldin auf. Ob das (also die Namensgebung) historisch ist, weiß ich nicht, den Film habe ich seitdem auch nicht mehr gesehen. Ich höre Josepha aber auch eindeutig als süddeutsch-österreichisch…

  2. Den Namen Marbod kannte ich tatsächlich schon, und zwar aus dem alten deutschen Namensbuch, das meine Eltern bei meiner eigenen Benennung verwendet haben. Der Name fiel mir einfach als interessant auf, durch die ungewöhnliche bod-Endung. Finde ihn unheimlich schön.

    Mit Taro ist man dann aber wieder ganz weit weg von jeglicher deutschen Tradition–das finde ich schade.

    Antworten
  3. Hallo ,

    ich bin einem Marbod Dietmar , Geburtsjahr 2008 begegnet.

    Sie wollter zu den Brüdern Martin Dietrich & Markus Dieter die gleich Initialen wie die Mutter Maria Dagmar.

    Soviel zu – tin – kus -ia – bod.

    Lach aber die beiden ersten sind okay und normal.

    Die mar- mar Version wie die Mutter klingt richtig ” staubig” und “antiquarisch”.

    Aber unverwechselbar.
    Lach :0)
    Das wollte diese Familie unbedingt.

    Das Kind hat keinen Namenvetter im Internet
    Und jede menge email Möglichkeiten.

    Nun Ja.
    Lach
    Mm

    Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Maria Theresia Antworten abbrechen