Wettbewerb für den perfekten Vornamen

Soll das Kind nach Opa Gustav heißen oder nach Fußballstar Ronaldo? Eine neue Namenvorschlagsmaschine im Netz verwendet Algorithmen, die auch Internet-Kaufhäuser verwenden.

Ob Junge oder Mädchen – wie schwer es sein kann, einen passenden Vornamen für das eigene Kind zu finden, erlebte der Kasseler Informatiker Folke Mitzlaff, als vor einem Jahr die Geburt seiner jüngsten Tochter anstand. „Anders als früher beziehen Eltern heute eine Vielzahl von Faktoren in die Entscheidung mit ein“, sagt Mitzlaff: „Folgen wir dem Trend oder missachten wir ihn bewusst? Gleichzeitig sind Rollenmodelle, Vorbilder oder auch abschreckende Beispiele durch die globale Vernetzung viel präsenter als noch vor zwei Generationen.“

Der Informatiker Mitzlaff wendete Methoden der Wissensverarbeitung auf das Problem an. Dabei entstand Anfang 2012 die Vornamensuchmaschine Nameling, die werdenden Eltern Empfehlungen unterbreitet. Die Suchmaschine wurde nun erweitert und greift auf ein Verfahren zurück, wie es auch erfolgreiche Internet-Kaufhäuser anwenden: Statt „Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, kauften auch…“ heißt es bei Nameling „Eltern, denen Gustav gefällt, gefällt auch ….“

Schon bisher konnte Nameling mehr als ein klassisches Vornamen-Lexikon: Die Suchmaschine fragte den Nutzer nach einem Namen, der ihm gefällt und schlug Alternativen vor, die im Internet in ähnlichen Kontexten auftauchen. Nun gehen die Kasseler Informatiker noch einen großen Schritt weiter. „Wir können die Vorschläge jetzt personalisieren“, erklärt Mitzlaff. Die Nutzer erhalten Empfehlungen nun nach Suchprofilen – dem eigenen oder denen von früheren Nameling-Nutzern. Also: Viele Nutzer, die nach Gustav suchten, haben vielleicht auch nach Theodor oder Emil oder Adalbert gesucht und positiv bewertet. „Nach einem Jahr Betrieb von namling.net haben wir dafür jetzt genügend Daten“, so Mitzlaff: Bisher haben über 65.000 Nutzer aus über 40 Ländern Nameling verwendet. Zudem können Nutzer gezielt nach passenden Vornamen zu den Namen der Eltern oder Geschwister suchen, denn Nameling bietet nun die Möglichkeit an, Namensvorschläge zu einer Liste mehrerer Namen anzuzeigen.

Die Informatiker Jürgen Müller und Folke Mitzlaff
Die Informatiker Jürgen Müller (hinten) und Folke Mitzlaff vom Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel. Foto: Uni Kassel.

Wie genau die Suchmaschine programmiert wird, ist Gegenstand eines wissenschaftlichen Wettbewerbs, an dem sich 17 Forscherteams oder einzelne Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler aus aller Welt beteiligen. In Zusammenarbeit mit Jun.-Prof. Dr. Robert Jaeschke vom Forschungszentrum L3S in Hannover, Prof. Dr. Andreas Hotho von der Universität Würzburg und seinen Kasseler Kollegen Stephan Doerfel und Jürgen Müller hat Mitzlaff die Ausschreibung für die Ausrichtung der 15. „Discovery Challenge“ gewonnen. Dieser jährliche internationale Wettbewerb im Rahmen der „European Conference on Machine Learning and Principles and Practices of Knowledge Discovery“ findet zum nächsten Mal im September 2013 in Prag statt. Als Koordinator des Projekts ruft er nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt dazu auf, werdenden Eltern bei der Suche nach einem passenden Vornamen zu helfen.

Die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler programmieren dafür konkurrierende Module, die jeweils die Beantwortung von Anfragen übernehmen können. Anfragen werden dann anonymisiert zu den Teilnehmenden nach Brasilien, in die USA oder nach Deutschland weitergeleitet und müssen vom jeweiligen Modul in weniger als einer Sekunde beantwortet werden. Es gewinnt das Forschungsteam, dessen Ergebnisse den Nutzern von Nameling am besten gefallen haben. Für die Nutzer ist der Wettbewerb hinter der Suchmaschine unsichtbar. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 23. September.

Systeme wie Nameling können werdenden Eltern die Entscheidung, welches der richtige Name für das eigene Kind ist, nicht abnehmen. Sie können jedoch bei der Suche helfen und Alternativen zu populären Namen anbieten.

Manche Eltern sind durch Berichte über soziale und wirtschaftliche Benachteiligung von Kindern aufgrund ihres Vornamens verunsichert. In Zukunft könnte Nameling einen Hinweis zu geben, wenn ein Name in einem kulturellen oder geographischen Kontext mit negativen Vorurteilen behaftet ist. Dazu wollen die Wissenschaftler am Fachgebiet Wissensverarbeitung untersuchen, wie sich die subjektive Wahrnehmung von Namen aus öffentlichen Daten sozialer Plattformen wie Twitter ableiten lässt („Opinion Mining“).

  • Quelle: Folke Mitzlaff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel

5 Gedanken zu “Wettbewerb für den perfekten Vornamen

  1. Wenn man die Alternativen-Suche nutzt, kommen da komplett andere Sachen raus, die nicht mal annähernd dem eingegebenen Namen ähnlich sind… und mir gefielen jeweils 3, höchstens 4 Namen, aber das war auch eher Zufall, weil sie mir halt sowieso gefallen, eine gute Alternative hab ich da nicht gefunden…. mich überzeugt die Seite noch nicht.

  2. Nameling suxt!

    Ich habe verschiedene Dinge getestet (drei, vier Namen mit einer eindeutigen Gemeinsamkeit) und Nameling gibt nur die üblichen Allgemeinplätze raus.

    Die können es einfach nicht!

  3. Es gibt ja bereits Namenlexika, in denen die Vornamen auch nach gleichen Endungen (Jungennamen auf –ian etc.) sortiert werden oder Vornamen mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung (z. B. Stella und Estelle) zusammen aufgelistet werden.
    Auf dieser Seite soll wohl auch auf einzelne Vokale, Konsonanten, Silbenanzahl etc. geachtet werden, was die Namensuche auf jeden Fall erleichtern könnte, wenn die Seite noch weiter „ausgebaut“ würde. Die Idee finde ich gut, aber momentan finde ich „meine“ Ergebnisse auch nicht so überzeugend…

  4. Also, ich muss mich dem anschließen, dass, vorallem bei gruppierten Namen, hauptsächlich Abwandlungen der angegebenen Namen erscheinen und keine wirklichen Alternativen. Allerdings war ich deutlich überrascht, als bei Eingabe meines Namens unter den 25 Vorschlägen tatsächlich der Name meiner Schwester und der, den ich im Alter von etwa drei Jahren meinem Kuscheltier gab, auftauchten. Irgendwie fällt es mir aber schwer, zu glauben, dass da tatsächlich System dahintersteckt.

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