Neues von Kevin, Mohammed und Milan

Screenshot Kevinometer V2.01

2017 wurden in Deutschland 3.700 Kinder Oskar genannt, 2006 waren es nur 800. Ganz anders die Beliebtheit von Kevin: Es gibt 2.100 Kevins des Jahrgangs 2006 und nur 100 aus dem Jahr 2017.

Ich habe gerade ein Update für meine Smartphone-App Kevinometer fertiggestellt. Neu in der aktuellen Version sind die Daten des Jahrgang 2017. Außerdem kann man jetzt die Häufigkeit von mehr als 4.000 Vornamen (vorher 2.000) abfragen, jeweils für die Jahrgänge 2006 bis 2017. Das Berechnungsverfahren der Kevinwahrscheinlichkeit habe ich auch verbessert.

Was passiert, wenn man sich in Deutschland als Mohammed vorstellt?

Die ZEIT hat mit einigen Männern darüber gesprochen, was man in Deutschland erlebt, wenn man Mohammed heißt. Eine Erkenntnis: „Wer Mohammed heißt, hat religiös zu sein. Im Grunde ist das rassistisch.“

Es gibt tatsächlich Leute, die behaupten, dass Vornamenstatistiken aus politischen Gründen gefälscht würden. Die WELT hat sich damit auseinandergesetzt und versucht, die Tücken der Vornamenstatistik anhand des Namens Mohammed deutlich zu machen. Leider bringt es die Autorin nicht auf den Punkt und eiert ziemlich rum.

Entzückt von Milan

Nicht mehr ganz aktuell, aber trotzdem interessant, was die Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Kongress im Oktober 2015 über den Vornamen Milan erzählte:

Mich hat es dann sehr berührt als mir ein Vertreter der Kurden im Nordirak erzählt hat, dass das Wort Milan jetzt ein Vorname für Babys ist – für männliche Babys – weil die so entzückt sind von der Wirkung dieser Waffe.

Promibaby Chicago

Bielefeld gibt es nicht als Vorname, Hagen dagegen schon. Die Kindernamen Sydney und Brooklyn sind nichts besonderes mehr, aber San Diego klingt weiterhin gewöhnungsbedürftig. Paris war ein Personenname lange bevor die französische Hauptstadt so bezeichnet wurde.

Jetzt gibt es einen vielversprechenden Neuzugang in der Reihe der Städtenamen-Babynamen: Das amerikanische Promipaar Kim Kardashian und Kanye West hat seine jüngste Tochter Chicago genannt. Der Vater des Mädchens ist in Chicago aufgewachsen. Das Paar hat schon zwei Kinder: ein Mädchen namens North und ein Junge namens Saint.

Chicago

Der Name der Stadt Chicago hat seinen Ursprung im Wort „Shikaakwa“: So hatten die Ureinwohner der Gegend ein dort in großer Menge vorkommendes Lauchgewächs bezeichnet. Französische Entdecker machten „Checagou“ daraus und nannten so den Ort. Beim Verschieben in die englische Sprache ergab sich „Chicago“.

Diese Promibaby hat eine große Medienpräsenz. Darum wird es – so meine Meinung – ab sofort auch in Deutschland kein Problem mehr sein, sein Kind Chicago zu nennen. Wobei ein Name mit der Endung -o hierzulande eher als Jungenname angesehen wird. An dieser Stelle sei mir ein Aufruf an meine Verwandtschaft gestattet: Egal ob Junge oder Mädchen, bitte sucht Euch einen anderen Vornamen für Euren Nachwuchs aus. „Chicago Bielefeld“ klingt doof.

 

Babynamen der Woche 03/2018

Milosz * Miklas * Valentin Gustav Kai * Kerim * Yahya * Sharbel * Gerta Elisabeth * Annalena * Eliano * Laynie * Panagiotta Maria * Bennet Kjell * Jolinda Dalina * Chris-Noah * Leonas Lucius * Chiara-Charlyn * Maria Medina * Hedda Irene Anna * Coco * Mila Florentin * Jadon * Lukas Damyjan * Aeryn Ara * Theo Anton * Jan-Wolfgang * Torben * Emily Jalisa * Kevin Constantin * Andrija * Zoe Lou * Yasin Johannes * Josefina Michaela * Laila Paige * Levi Valentino

Zweitnamen 2017 im Detail

Neulich hatte ich gezeigt, wie klein der Anteil der häufigsten ersten Vornamen an allen 2017 vergebenen Vornamen ist. Auf besonderen Wunsch folgen jetzt die Prozentwerte der beliebtesten zweiten Vornamen des Jahrgangs 2017. Es ist nicht zu übersehen, dass immer noch extrem viele Mädchen mit zweitem Vornamen Sophie oder Marie heißen. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer, denn im Vergleich zu 2016 nehmen die Anteile ab.

Prozentvergleich´Mädchen Zweitnamen 2017

Bei den Jungennamen ist der Vorsprung des Spitzenreiters nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Mädchennamen. Allerdings konnte Alexander 2017 den Abstand zu den nachfolgenden Namen vergrößern. Zur Erinnerung: Dieses sind die beliebtesten Zweitnamen. Die beliebtesten Erstnamen waren 2017 Emma und Ben.

Prozentvergleich Jungen Zweitnamen 2017

Prozentwerte

Mädchen Jungen
  1. Sophie / Sofie (10,06%)
  2. Marie (8,62%)
  3. Maria (3,63%)
  4. Sophia / Sofia (1,72%)
  5. Louise / Luise (1,6%)
  6. Charlotte (1,29%)
  7. Emilia (1,28%)
  8. Louisa / Luisa (1,25%)
  9. Katharina (1,16%)
  10. Elisabeth (1,10%)
  1. Alexander (3,09%)
  2. Elias (2,22%)
  3. Maximilian (2,15%)
  4. Luca (1,74%)
  5. Paul (1,31%)
  6. Luis / Louis (1,28%)
  7. Joel (1,14%)
  8. Noel (0,98%)
  9. Michael (0,97%)
  10. Carl / Karl (0,89%)

Alle Angaben sind jeweils geschlechtsbezogen (d. h. 10,06 Prozent aller Mädchen, die einen Zweitnamen haben, heißen Sophie und 3,09 Prozent aller Jungen, die einen Zweitnamen haben, Alexander).

Grundlage dieser Auswertungen ist eine repräsentative Stichprobe aus 212.942 Geburtsmeldungen, die ungefähr 27 Prozent aller 2017 geborenen Kinder ausmacht.

Sophie hat es böse erwischt

„Kräftig durcheinandergewirbelt wurde im vergangenen Jahr die Top 10 der beliebtesten Vornamen in [beliebige Stadt Deutschlands].“ Die Standesämter vermelden gerade ihre Listen der beliebtesten Vornamen und versetzen die Lokalpresse in Aufregung. „Sophie hat es böse erwischt“ heißt es da und „Der langjährige Spitzenreiter Alexander kam nicht mehr unter die Top 10“ liest man dort.

Was ist passiert? AutiSta, eine Software für deutsche Standesämter mit einem Marktanteil von fast hundert Prozent (laut Herstellerangabe) hat ein Update bekommen. Bisher unterschied das Vornamenmodul des Computerprogramms nicht zwischen den ersten und weiteren Vornamen. Die äußerst beliebten Zweitnamen Sophie, Marie und Alexander führten darum immer die Vornamenhitlisten der Standesämter an. Seit dem Update werden die Erstnamen separat gezählt – so wie ich es schon immer gemacht und befürwortet habe. Einige Städte haben diese schwerwiegende Änderung der Auswertungsmethode in ihrer Pressemitteilung leider verschwiegen; einige Lokalredakteure waren damit überfordert, den Unterschied zu verstehen. Ergebnis: Es werden Äpfel (die 2016er Vornamenhitliste) mit Birnen (die 2017er Vornamenhitliste) verglichen.

Böse Sophie

Dafür darf man die neuesten Standesamtsmeldungen mit meinen aktuellen Ergebnissen vergleichen, denn unsere Auswertungsmethoden sind jetzt sehr ähnlich. Eine Abweichung gibt es noch: Ich fasse gleichklingende Schreibvarianten zusammen, die meisten Ämter nicht. Zum Beispiel Hanna fehlt oft in den amtlichen Top 10-Listen weil Hannah und Hanna dort getrennt gezählt werden.

Musterbeispiel: Alles richtig gemacht hat die Stadt Kassel mit Ihrer Veröffentlichung („Allerdings hat das Standesamt bei der Vornamens-Statistik diesmal nur die ersten Vornamen berücksichtigt, während bis 2016 alle auch weitere Vornamen hineingerechnet wurden“). Die Lokalredaktion der HNA hat den Sachverhalt korrekt an ihre Leser weitergegeben und außerdem sehr viele interessante Besonderheiten der Kasseler Vornamens-Statistik herausgearbeitet. Das läuft ja super in Kassel, kann ich da Urlaub machen?

Babynamen der Woche 01/2018

Emily Julia * Amina * Florian Leonhard * Mylo * Fynn-Leonid * Miron * Naomi Sara * Jordan * Greta Sophie * Wolke * Nikola * Marie Eva * Katharina Maria * Pavlos * Andrei * Elisabeth Sophie * Ayan * Esma * Ella Johanna * Len Joel Oliver * Jaydèn * Sinan * Yago Moritz * Aleeza * Ümran * Malina Anna * Arian * Jette-Marie * Lugin * Jule Emma * Liv Emilie * Ben Louis * Leni Marlene * Felicitas Anastasia * San

Schöne, furchtbare, normale, exotische, verrückte, lächerliche, populäre und ungewöhnliche Vornamen von Neugeborenen der letzten Tage

Die originellsten Vornamen des Jahres 2017

Nicht nur nach den häufigsten, auch nach den originellsten Vornamen des Jahres werde ich gefragt. Darum habe ich vor der Veröffentlichung der Vornamenhitlisten auch wieder die Vornamen herausgesucht, die ich aus den Vorjahren noch nicht kannte. Einige davon sind ja schon von diversen Medien verkündet worden, aber für die Blogleser habe ich noch ein paar weitere originelle Vornamen aus dem Geburtsjahrgang 2017 vorbereitet:

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Prost Neujahr

Ein Keno in Ostfriesland, ein Xaver in Oberbayern oder ein Kjell in Dithmarschen: keine Aufreger. Für Überraschungen sorgen die regionalen Unterschiede bei den Vornamen nur, wenn diese lokalen Besonderheiten außerhalb ihrer üblichen Region vergeben werden.

Noch viel ausgeprägter als bei den Vornamen sind die regionalen Unterschiede in der Alltagssprache. Letzte Nacht haben wir mit „Prost Neujahr“ auf das Jahr 2018 angestoßen, obwohl bei uns rund um Hamburg eigentlich ein „Frohes neues“ gewünscht wird. Jetzt weiß ich endlich, warum wir da abweichen: Seit Jahren feiern wir Silvester gemeinsam mit Freunden aus Ostfriesland und da ist „Prost Neujahr“ üblich – siehe Karte!

Prost Neujahr

Diese Karte stammt aus dem Buch „Grüezi, Moin, Servus! Wie wir wo sprechen“. Die Wissenschaftler Stephan Elspaß, Adrian Leemann und Robert Möller sowie der Datenjournalist Timo Grossenbacher erklären darin, warum die gemeinsame Sprache nicht immer ein verbindendes Element ist. Jede Region im deutschsprachigen Raum hat ihre eigene Art, den Dingen einen Namen zu geben. Wo sagt man zu gebratenen Hackfleischklößen Frikadelle und wo Hacktätschli? Antworten darauf und warum der eine nicht so babbelt wie der andere schwätzt, finden Sie in diesem Buch: witzig erklärt und illustriert mit schönen Karten.

Grüezi, Moin, Servus! Wie wir wo sprechen

Autoren: Stephan Elspaß, Timo Grossenbacher, Adrian Leemann, Robert Möller
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 15.12.2017
176 Seiten
ISBN: 978-3-499-63330-0