Elbowins Namensfundstücke Spätherbst 2025

Auf meinem Zettelblock sind wieder etliche spannende Namen zusammengekommen. Das Zeitmagazin hat über eine Großfamilie mit 17 Kindern berichtet, die Kinder heißen in der Reihenfolge Odilo, Ronald, Torulf, Arrigo und Allard (Zwillinge), Varuna (w), Elfrun, Angela, Orlando, Sven, Kai, Elke, Maleika, Carena, Dunja, Ronja, und Falk. Davon sind die Namen der Zwillinge sowie Varuna und Elfrun außergewöhnlich genug, um auch hier als Fundstücke durchzugehen.


Die weiteren Fundstücke sind Columbus, Dinknesh, Ermenlinda, Grimaldo, Hyazintha, Indianara, Iliqna, Nilda, Reike, Syrinx und Wilora

Arrigo ist eine italianisierte Form von Heinrich. Fußballfans erinnern sich an Arrigo Sacchi, einen sehr erfolgreichen italienischen Trainer.

Allard ist eine Verkürzung von Adalhart.

Columbus als Vorname ist sehr ungewöhnlich, es ist der eingetragene Vorname eines deutschen Malers, der als Colombo Max (1877–1970) oder auch Max Colombo bekannt wurde.

Dinknesh (w) kommt aus dem Äthiopischen und bedeutet „die Wunderbare“. Es ist der äthiopische Name für die Frühmenschenfrau, die im Westen als Lucy bekannt wurde.

Elfrun ist selten in freier Wildbahn anzutreffen, auch wenn der Name in gängigen Namensbüchern steht.

Ermenlinda habe ich in einer Todesanzeige gefunden, die Nachname wirkt spanisch oder südamerikanisch auf mich. Der Vorname selbst ist germanischen Ursprungs, der Anfang Ermen- ist mit Irmin- bzw. Irm- wie in Irmgard verwandt.

Grimaldo ist mir als Nachname eines Torschützen beim FC Bayer Leverkusen aufgefallen. Es kann auch ein Vorname sein, der dem deutschen Grimwald entspricht.

Hyazintha habe ich wieder aus einer Todesanzeige. Ein schöner Blumenname, der auch von einer katholischen Heiligen getragen wird – sucht man den Namen findet man auch reichlich Ordensschwestern, die so heißen. Die Verstorbene war aber keine Nonne, und die Anzeige hat noch den Rufnamen Zintha verraten.

Indianara ist mir als Vorname der brasilanischen Wissenschaftshistorikerin Indianara Silva aufgefallen.

Iliqna Diese Namensform hat mich erstmal vor Rätsel gestellt. Sie ist gar nicht selten im Internet zu finden, meistens in Verbindung mit sozialen Netzwerken oder als Benutzername, und kommt offensichtlich aus Bulgarien. Aber im Bulgarischen gibt es gar kein Q. Meine erste Idee war, dass das Q vielleicht für den kyrillischen Buchstaben Ч (tsch) stehen könnte, ähnlich wie im Albanischen, aber Ilitschna macht immer noch keinen Sinn. Am Ende stellt sich heraus, dass das Q eine populäre Romanisierung des Я (ja) ist, dass es sich also um eine Ilijana handelt.

Nilda finde ich erstmal nicht sooo außergewöhnlich, aber ich habe eine außergewöhnliche Geschichte dazu entdeckt: Dieser Name wurde seit 2009 in der Türkei über 5000mal vergeben! Schuld daran ist eine argentinische Telenovela (Sos mi vida), die ab 2007 in der Türkei im Fernsehen war.

Reike, nicht Heike, ist ein echter nordfriesischer Name, die Namensträgerin, die mir aufgefallen ist stammt von der Insel Föhr.

Syrinx kannte ich vorher nur als das Stimmorgan der Vögel, aber nicht als Vornamen. Ich habe ihn an einer Professorin der Uni Münster entdeckt. Syrinx ist außerdem das griechische Wort für Panflöte und der Name eine Nymphe in der griechischen Mythologie.

Varuna (w) Varuna ist hierzulande schon sehr ungewöhnlich, und noch ungewöhnlicher ist die Verwendung für ein Mädchen, ist doch die altindische Gottheit Varuna männlich.

Wilora ist ein Name aus der Sowietunion, es ist die weibliche Form zu Wilor, ein Akronym mit der Bedeutung Wladimir Iljitsch Lenin, Organisator der Revolution. Wenn man die Bedeutung nicht kennt: Als Klanggebilde passt der Name doch ganz gut in die heutige Namenslandschaft.

31 Gedanken zu „Elbowins Namensfundstücke Spätherbst 2025“

  1. Nilda und Wilora (erinnert an Winona) finde ich ganz schön. Elfrun hat auch was – klingt etwas nach LARP-Familie 🙂

    Meine Funde:
    Halfdan
    Neska
    Avik
    Urbine (zu nah an Turbine?)
    Minonna-Nell
    Lemalian
    Turi (f)
    Elidia
    Nigina

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    • Schöne Fundstücke Deinerseits!

      Halfdan ist ein wenig seltsam, bedeutet der Name doch „Halbdäne“. Ein legendärer dänischer König hieß so.

      Zu Urbine assoziiere ich den Papstnamen Urbinus, ich finde den Namen von daher vergebbar. Der Reim mit Turbine ist natürlich da, wenn sie ein richtiger Wirbelwind ist, kann das ein passender Spitzname sein.

      Lemalian läutet eine Glocke bei mir … nachguck: Ah, „Die weiße Massai“ (Film), die männliche Hauptfigur heißt so.

      Nigina ist ein tadschikischer Name. Ist mir aber zu nah an Nagini aus Harry Potter.

    • Minonna-Nell ist doch eine Figur aus einem Kinderbuch. War es eins von Astrid Lindgren? Als Kind ist mir der Name aufgefallen.
      Ich selbst habe in der letzten Zeit nur kuriose Nachnamen gelesen: Boden und Jacke.

  2. Wilora ist hübsch.

    Syrinx heißt die niedliche männliche Chimäre in der „Crescent City“-Reihe.

    Hier sind meine Fundstücke:

    Nkosinathi Emmanuel „Nathi“ Mthethwa, südaf. Politiker

    Vahe,
    König von Armenien (4. Jh. vor Chr.)

    Ersilia Caetani-Lovatelli
    italienische Klassische Archäologin

    Theobert

    Gerhild (2 x )

    Adelesia von Sardinien, ma. Adlige

    Vulgrin II.
    Graf von Angoulême

    Eimer
    Ilda (beide Abspann The Woman in Cabin 10)

    Binia

    Romelia Alarcón Folgar
    guatemaltekische Dichterin, Journalistin und Suffragette

    Prunella Scales, bri. Schauspielerin

    Carmelita Geraghty
    US-amerikanische Schauspielerin

    Benvenuto Cellini
    italienischer Bildhauer und Goldschmied, Vertreter des Manierismus (1500–1571)

    Immo Stabreit, deutscher Botschafter

    Hark Bohm
    deutscher Schauspieler

    Van (m)
    Yve (f)
    Quddus

    Polyxena von Hessen-Rotenburg
    durch Heirat Königin von Sardinien-Piemont

    Wlada Kolosowa, Journalistin, Die Zeit

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    • Den schönen Namen Ilda habe ich noch aus „Der Spurenfinder“ von Marc-Uwe Kling und seinen Töchtern im Ohr, so heißt da ein junges Mädchen. Ihr Verehrer heißt Naru (Zwillingsbruder von Ada).

  3. Schöne Fundstücke, Miez!

    Eimer und Hark sind natürlich Hardcore-Friesennamen, beide kommen auch im Artikel von Eiken Bruhn vor: https://www.beliebte-vornamen.de/550-friesische.htm

    Die passen dann zu Reike, nicht Heike.

    Der römisch-mythologische Name Ersilia passt natürlich perfekt zu einer klassischen Archäologin, im Italienischen ist nur das H am Anfang weggefallen.

    Und Theobert hat nichts mit Gott zu tun, am Anfang steht das germanische Theod- „Volk“, dieselbe Etymologie hat auch der Name Dietbert.

    Adelesia ist wohl von Adelheid, nachdem es durch mehrere europäische Sprachen gereicht wurde.

    In Vulgrin sehe ich noch den Namen Wulfgrim.

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  4. Mir ist im beim Schauen eines Eiskunstlaufbewerbs im Fernsehen der wunderschöne Name Jean-Hans (Fourneaux) bei einem jungen Eiskünstläufer aufgefallen. Mich würde die Geschichte dahinter echt interessieren…

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  5. Nachtrag zu NIlda: Die Benutzerin Eleutheria hat sich bei behindthename die Mühe gemacht, Namen zusammenzustellen, die durch Fernsehshows in der Türkei plötzlich groß geworden sind. Die Liste findet sich hier

    https://www.behindthename.com/bb/fact/5647595

    Was auch interessant ist: In den USA wurden türkische Produktionen gesendet und haben insbesondere bei HIspanics türkische Vornamen populär gemacht.

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    • Schöne Fundstücke!

      Karenlise ist eine dänische Ergänzung zu den zweiteiligen deutschen Namen der letzten Ausgaben dieser Namensfundstücke.

    • Noch ein ungewöhnlicher Doppelname: Idalena (Rentnerin hier aus Hamburg, ich kenne sie persönlich).
      Außerdem aufgefallen ist mir nicht Sarina, nicht Serafina, sondern Seraina. Es ist der Vorname einer Schweizer Mediävistin, die vor einigen Jahren im Alter von 48 Jahren starb.

    • Idalena ist schön. Seraina kommt aus dem Rhätoromanischen und ist in der Schweiz gar nicht sooo außergewöhnlich (in Deutschland schon).

      Es wird langsam Zeit, dass ich eine Winterausgabe Namensfundstücke zusammenstelle …

    • Pero kommt wohl aus dem Kroatischen und ist eine Form von Peter. Ich muss aber auch an das Spanische Wort für „aber“ denken.

      Heilswind starre ich fassungslos an. Den Namen gab es im Frühmittelalter tatsächlich, aber es gibt meines Wissens keine Heilige oder Selige dieses Namens. Wie kamen die Eltern darauf, garade diesen Namen auszugraben?

    • Wow, Heilswind ist wirklich speziell. Da muss man ja schon Experte sein (wie elbowin wahrscheinlich – was machst du eigentlich so beruflich? 😉 ), um so einen Namen überhaupt zu kennen.

    • gibt es andere Namen mit -wind? also der Name an sich klingt sehr cool, das Wort Heil ist irgendwie ein bisschen überschattet von der deutschen Geschichte. oder ist der Bestandteil -swind? da fallen mir auch keine Namen ein.

    • @mgl

      Der Namensbestandteil ist natürlich -swind, verwandt mit dem neuhochdeutschen Wort „geschwind“ und der Bedeutung „stark, schnell“. Namen mit -swind sind sehr selten, Amalasuintha fällt mir noch ein, oder Gerswind. Die Namen auf -swith berühren sich mit denen auf -swind (Anglo-Friesisch entfällt das n vor th), dann kommt noch Roswitha dazu.

    • @mgl Das vorher geschriebene schließt natürlich nicht aus, dass heutige Eltern den Namen etymologisch falsch aufteilen und so etwas wie „Wind des Heils“ hineinlesen. Problem: Der Wind ist grammatisch männlich, das passt dannt nicht als Mädchenname.

    • In meiner Familie kursiert die Legende, ein Arbeitskollege von jemandem hätte seine Tochter Regiswindis genannt. Noch ein -swind?

  6. Ein paar Namen, die ich in den vergangenen Monaten entdeckt habe:

    Terrica (w, USA)
    Calouste Sarkis Gulbenkian (armenischer Kunstsammler, 19. Jahrhundert)
    Gebremeskel (m, offenbar in Äthiopien häufig)
    Thymen Arensman (niederländischer Radrennfahrer)
    Aleyd (w)
    Reint Gropp (Wirtschaftsforscher)
    Ildevert Mathurin Mouanga (kongolesischer Geistlicher)
    Paschalis (m)
    Grafton Elliot Smith (australischer Anatom, 19. Jahrhundert)
    Xanthé Mallett (schottische Kriminologin und Fernsehmoderatorin)
    Einhard Bezzel (Ornithologe, 2022 verstorben)
    Argeo Bämayr (Psychologe, 2025 verstorben)
    Egzona (w)
    Oral (m, türkisch)
    Hectorina
    Eulises und Mayeli (ich habe mir nur aufgeschrieben: venezolanisch – weiß leider nicht mehr, woher ich sie habe)
    Nakisa (w, persisch)
    Ilanit Spinner (Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk)
    Peta (ich konnte nicht herausfinden, ob m oder w)
    Judalon (w, USA)

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    • Schöne Namensfundstücke Deinerseits!

      Terrica erinnert mich an das russische Wort Terrikon „Bergehalde“, wohl as griechisch-lateinischen Elementen mit der Bedeutung „Erd-Kegel“ abgeleitet
      Reint ist so eine typische norddeutsch-friesische Kurzform zu Reinhard
      Oral ist im Türkischen gar nicht so ungewöhnlich, es ist aber wegen der lateinischen und medizinischen Bedeutung von „oral“ im Deutschen nicht wirklich deutschlandtauglich
      Eulises wirkt wie ein durch mehrere Sprachen getriebener Ulysses (Odysseus) auf mich
      Ilanit klingt neuhebräisch und israelisch
      Judalon: da musste ich spicken, der Name ist wohl für einen Film (The Iron Mistress 1952) erfunden worden.

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