Interview: Die wichtigsten Fragen zum Namen Mohammed

Mohammed

Eines Tages, vor vielen Jahren, rief mich der Chefredakteur eines bekannten deutschen Nachrichtenmagazins an. Er wollte alles wissen, was ich über die Popularität des Vornamens Mohammed in Deutschland wusste. Da er längst nicht der Erste mit dieser Frage war, konnte ich ihm eine ganze Reihe von Fakten und Hintergründen liefern. Vermutlich entsprachen sie nicht seinen Erwartungen. Denn der Artikel, den er offenbar schreiben wollte, ist nie erschienen.

Die Popularität des Namens Mohammed beschäftigt Menschen jedoch bis heute. Immer wieder erreichen mich dazu Anfragen von Journalist:innen, Forscher:innen und Rassist:innen. Vor Kurzem wandte sich eine Wissenschaftlerin einer europäischen Universität an mich. Weil ihre Fragen einige relevante Aspekte des Themas berühren, möchte ich das Interview hier dokumentieren. Die Fragen habe ich aus dem Englischen übersetzt.

Mohammed in den Großstädten

Frage: Mir ist aufgefallen, dass Mohammed vor allem in Berlin, Bremen, Hamburg zu den Top 3 der häufigsten Jungennamen gehört. Kannst du erklären, woran das liegt? Warum ist der Name nur in einigen großen Städten so beliebt?

Knud: Mohammed und seine Varianten kommen in allen großen Städten häufig vor. Die Städte Berlin, Hamburg und Bremen sind gleichzeitig Bundesländer und fallen nur im Vergleich mit anderen Bundesländern auf. Zum Beispiel gehören München und Nürnberg zum Bundesland Bayern und Dortmund, Köln und Düsseldorf zu Nordrhein-Westfalen. Tendenziell kommt der Name Mohammed in großen Städten häufiger vor als in kleinen Städten. Das liegt sicherlich daran, dass der Anteil der Muslime in Großstädten größer ist als in Kleinstädten.

Sie verlieren ihre Identität

Frage: In einer Aussage eines Politikers heißt es: „In England ist der am häufigsten vergebene Vorname Mohammed und in Berlin, der Hauptstadt Deutschlands, ist der am häufigsten vergebene Vorname ebenfalls Mohammed. Sie verlieren ihre Identität, sowohl ihre religiöse als auch ihre ethnische Identität.“ Was kannst du dazu sagen? Siehst du irgendeinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen?

Knud: Tatsächlich ist Mohammed ein Sonderfall unter den Vornamen. Kein anderer Vorname wird unter Muslimen auch nur annähernd so auffällig häufig vergeben.

In einigen Familien (zum Beispiel aus Syrien oder Pakistan) ist es üblich, dass alle Söhne mit erstem Vornamen Mohammed heißen, manchmal sogar auch die Töchter. Als Rufname wird dann oft ein Folgename verwendet, aber in den Vornamenstatistiken wird der erste Vorname gezählt.

Nur darum kann Mohammed sich in Deutschlands Vornamenranglisten so weit vorn behaupten. Die Vornamenstatistik wird also keineswegs von muslimischen Vornamen dominiert – Mohammed ist statistisch ein Ausreißer. Ein Indikator für den Verlust der religiösen und ethnischen Identität ist die Vornamenrangliste nicht.

Sehr viele Schreibvarianten

Frage: Ich habe auch gesehen, dass es verschiedene Schreibweisen von Mohammed gibt. Deshalb möchte ich fragen: Wie beeinflusst die Methodik bei der Zählung unterschiedlicher Schreibweisen eines Namens dessen Platzierung in Ranglisten beliebter Vornamen?

Knud: Es sind sehr viele Schreibvarianten gebräuchlich. Am häufigsten ist in Deutschland zur Zeit Muhammed, aber die bekannteste Variante ist Mohammed.

Auf den vorderen Plätzen der Vornamenhitlisten ist Mohammed nur, wenn man alle Schreibvarianten zusammenfasst. Einzeln gezählt stehen weder Mohammed noch Muhammed in den Top 10. Die Auswertungsmethode spielt dabei also eine große Rolle.

Hintergrund: Herkunft, Bedeutung und Statistik von Mohammed

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