Cheerio, Miss Sophia! Knud Bielefeld im Interview

Silvesterbabys sind keine dabei, Christkinder aber schon: Für seine Top 500 der beliebtesten Vornamen Deutschlands hat Knud Bielefeld die Namen von insgesamt 196.158 Kindern, die 2016 bis einschließlich 28. Dezember geboren wurden, gesammelt und akribisch ausgewertet. Schließlich hat Bielefeld den Tag vor Silvester als Festtag für alle Namensinteressierten geprägt, ebenso wie seine Bezeichnung als „Hobby-Namensforscher“. Auch in diesem Jahr erfasst der 49-jährige Wirtschaftsinformatiker aus Ahrensburg in dieser Funktion wieder etwa 26 Prozent der hierzulande geborenen Babys. Eine amtliche deutsche Vornamensstatistik gibt es nicht.

Annemarie Lüning: Wie ist das nun mit den Silvesterbabys – würde es etwas ändern, wenn sie mit in deine Auswertung eingehen würden?

Knud Bielefeld: Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Stichprobe vom 31.12. untersucht, das waren ganz normale Namen. Es müssten sich schon extrem viele Eltern auf einen speziellen Namen einschießen, damit das etwas in der Hitliste ändern würde, seien es nun Silvester oder – nach den „Dinner for One“-Darstellern – Freddie und May.

AL: Mia und Ben sind wieder Spitzenreiter, im Fall von Ben schon im sechsten Jahr in Folge. Waren die beiden 2016 in Gefahr, von ihrem Thron gestoßen zu werden?

KB: Nein, beide haben einen deutlichen Vorsprung, es war schon lange klar, dass sie das Rennen machen würden. Immerhin hätte es bei den Mädchen um ein Haar einen Wechsel auf Platz 2 gegeben: Sophia hat stark zugelegt. Viel mehr als die Siegernamen fasziniert mich aber, was neu auf die Liste kommt und wie sich Trends entwickeln. Zum Beispiel Fiete: Er ist mir zuerst in Mecklenburg-Vorpommern aufgefallen. Mittlerweile breitet er sich immer weiter aus und ist auch etwa in Nordrhein-Westfalen beliebt.

AL: Welche Namen sind denn bundesweit am stärksten im Aufwind?

KB: Die stärksten Aufsteiger sind 2016 ganz klar Milan, Oskar und Theo sowie Sophia, Mila und Alessia. Zu Milan ist mir sogar mehrfach, wenn auch sehr selten, eine Neubildung aufgefallen: Janmilan.

Aufsteiger 2016

AL: Wenn dir jemand erzählt, dass er sein Baby Mila Sophie nennen möchte, vielleicht noch mit dem Zusatz „Wir haben uns da was Besonderes überlegt“, sagst du da etwas?

KB: Wenn meine Meinung gefragt ist oder ich merke, dass die Eltern etwas Besonderes möchten, sage ich schon, dass es sich um eine sehr häufige und damit leider recht langweilige Kombination handelt. Immerhin sind solche Namen aber besser als total exotische Sachen, die keiner richtig schreiben oder aussprechen kann, oder auch als Namen, zu denen sich üble Assoziationen aufdrängen. Wenn ich einen Namen nur nicht schön finde, sage ich eher nichts. Wenn die Eltern aber offensichtlich auf dem Holzweg sind und einen Namen beispielsweise als „schön schwedisch“ anpreisen, wo ich genau weiß, das stimmt nicht – ja, dann bringe ich mich schon ein.

AL: Wollen Eltern denn heute eher ausgefallene Namen oder doch eher solche, mit denen man nicht groß aneckt?

KB: Jedes zweite Kind bekommt einen Namen aus den Top 60 – zu ungewöhnlich soll es für die meisten also doch nicht sein, auch wenn sich natürlich nicht jeder über die Platzierung seines Lieblingsnamens im Klaren ist.

AL: Mir ist aufgefallen, dass der bisherige Hamburger Lieblingsname Henry in der Hansestadt mehrere Plätze verloren hat und dort nun Finn an der Spitze steht. Wie kommt’s? Zeigt sich hier etwa doch ein Einfluss der neuen Star-Wars-Figur Finn?

KB: Eher nicht. Die Platzierung von Finn hat sich bundesweit ja kaum verändert. Der Effekt dürfte eher daran liegen, dass in den Listen der Stadtstaaten und des Saarlands wegen der geringeren Geburtenzahl mehr Bewegung ist. Natürlich kann es auch sein, dass die Schlagzeile vom letzten Jahr, „Henry ist der häufigste Name in Hamburg“, einige Eltern dazu gebracht hat, sich anders zu entscheiden.

AL: Was waren deine persönlichen Highlights bei beliebte-Vornamen im Jahr 2016, und welche Pläne hast du für 2017?

KB: Erst mal waren natürlich unsere Buchveröffentlichungen Highlights, erstmals in Zusammenarbeit mit einem Verlag, und das Kevinometer. Für diese App plane ich Erweiterungen, zu denen ich allerdings noch nichts verraten möchte. Außerdem konnte ich 2016 die Liste der Namen, für die man sich die Regionalverteilung anzeigen lassen kann, stark aufstocken. Auch hier bleibe ich weiter am Ball.

Babynamen der Woche 53/2016

Obbo * Berit * Daymien * Anton Lasse * Elmedina * Hennes Henri * Noma Alva * Kinan * Amaniel * Rudi Piet * Matilda Greta Marie * Erbay * Audrey Claire * Cyprian * Gian Cornelius * Amélie Gioia * Rufus * Dante Augustin * Julius Karl Albert * Fehmke * Alessio * Ella Christina * Sixian * Zahra * Qwinten Philipp * Meliya Inaya * Thure * Benne Julian * Thara Kimberly * Amina

Vornamenhitlisten 2016 [Top 10]

Wie schon in den Vorjahren stehen Mia und Ben auch 2016 an der Spitze der Hitliste der beliebtesten Vornamen der in Deutschland geborenen Babys.

Mädchen Jungen
  1. Mia
  2. Emma
  3. Sophia / Sofia
  4. Hannah / Hanna
  5. Emilia
  6. Anna
  7. Marie
  8. Mila
  9. Lina
  10. Lea
  1. Ben
  2. Paul
  3. Jonas
  4. Elias
  5. Leon
  6. Finn / Fynn
  7. Noah
  8. Louis / Luis
  9. Lukas / Lucas
  10. Felix

beliebteste Vornamen 2016
Für diese Hitliste habe ich im Jahr 2016 196.158 Geburtsmeldungen aus 558 Standesämtern, Geburtskliniken und Geburtshäusern aus ganz Deutschland ausgewertet. Das sind ca. 26 Prozent aller im Jahr 2016 in Deutschland geborener Babys. Ich habe für die obige Hitliste ausschließlich die ersten Vornamen gezählt und gleichklingende Namen zusammengefasst.

Das sind die beliebtesten zweiten Vornamen des Jahres 2016:

Mädchen Jungen
  1. Sophie / Sofie
  2. Marie
  3. Maria
  4. Sophia / Sofia
  5. Louise / Luise
  6. Emilia
  7. Charlotte
  8. Louisa / Luisa
  9. Katharina
  10. Elisabeth
  1. Alexander
  2. Elias
  3. Maximilian
  4. Luca
  5. Paul
  6. Joel
  7. Louis / Luis
  8. Noel
  9. Johann
  10. Carl / Karl

Joshua (es ist kompliziert)

Den Vornamen Joshua kann man deutsch aussprechen (jo-schu-ah) oder englisch (djo-schwa). Für den Namen gibt es sogar eine deutsche Schreibvariante, Joschua – aber selbst in Deutschland kommt diese Schreibweise nur selten vor. Zumindest die Ausprache dürfte bei Joschua eindeutig sein, die englische Aussprache wäre hier doch sehr seltsam. Seltsam finde ich es auch, den Namen Joshua jos-su-ah auszusprechen, denn da passt die Namensform Josua viel besser. Ich fürchte aber, dass genau das demnächst in Mode kommt, nachdem es der Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich kürzlich ins Gespräch brachte. Sein Vorname wird schon von Geburt an jos-su-ah ausgesprochen, aber offenbar haben sich seine Eltern bei der Schreibweise vertan. Mal sehen, wie viele Nachahmer auftauchen.

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Zu viel des Guten?

„Zu viele Vornamen fürs Kind sind einfach nur peinlich und unterschichtig.“
„Wieso? Die Kinder in den Königshäusern haben doch auch immer viele Namen.“
„Eben.“
„???“

So oder ähnlich läuft er ab, der typische Dialog zwischen Ein- und Vielnamenbefürwortern, die niemals auf einen Nenner kommen. Wie viele Namen sind wirklich zu viel – drei, vier, fünf? Fällt es ins Gewicht, wenn mit Familientradition bzw. Bezügen auf Oma, Opa, Patentante argumentiert werden kann? Irgendwo, irgendwie passt dieser Klassiker der Vornamensfragen ganz gut in die Weihnachtszeit, in der viele von uns allzu viel haben, seien es Plätzchen, Gänsebraten oder Geschenke für die Kinder. Vor einem Jahr habe ich über Namen aus meinen liebsten Weihnachtsbüchern und -filmen geschrieben, an denen ich mich auch 2016 wieder erfreut habe. Dabei bin ich in „Hilfe, die Herdmanns kommen “ auf eine schöne Passage gestoßen, in der die unterschichtigen Herdmann-Kinder die Weihnachtsgeschichte hören und sich darüber wundern, dass Maria nicht den Namen für ihr Baby aussuchen durfte („Eugenia: ‘Ich hätte ihn Willi genannt.’“):

„Was hat denn der Engel gemacht? Ist der einfach gekommen und hat gesagt: ‘Nenne ihn Jesus’?“
„Ja“, sagte Mutter, weil sie schnell fertig wollte.
Aber Alice Wendlaken musste ihren vorlauten Mund aufmachen. „Ich weiß, was der Engel gesagt hat“, flötete sie. „Er sagte: ‘Sein Name wird sein Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst.’“
Ich hätte sie erschlagen können.
„Mein Gott“, sagte Eugenia. „Der wäre nie über die erste Klasse hinausgekommen, wenn er das alles hätte schreiben müssen!“

Ob die Namen Jesu nun ein Argument für oder gegen x Vornamen sind? Das dürfen Sie gerne selbst entscheiden. Mir bleibt an dieser Stelle nur, allen Blog-Lesern – um mit dem „Kleinen Lord“ zu sprechen – ein frohes, gesegnetes Fest zu wünschen!

Babynamen der Woche 52/2016

Arona * Fiori Magdalena * Cleo Fee Elise * Keno Mattis Balduin * Shaylene * Valentin Nico Xaver * Romy Emilia * Jawero * Maxima Carlotta * Ferdinand * Paula Laura * Neo Lounis Wilfried * Hannah Carlotta * Leopold Martin * Magnus Florian * Luna Maria * Nepomuk Jakob * Adrean * Damian Jamie * Malia Antonia * Gioshua * Emil Willi * Benedikt Nikolaus * Christina Isabell * Manon * Wlada * Magdalena Clara Diotima

Zwillinge:

  • Turan & Baran
  • Cinar & Arjen
  • Alicia & Noah
  • Matthias & Dominik
  • Aurora & Sophia
  • Erik & Maik
  • Kilian & Valentin
  • Emil & Max

Jahresrückblick 2016: Aufschlag Angelique

Wie immer wild gemischt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Wir blicken zurück auf zwölf Monate und ihre Namen.

Januar

Ob dieser Tage wohl mehr Davids geboren werden, dem verstorbenen Mr. Bowie zu Ehren? Im Sportbereich punktet der Name Angelique, nachdem er bislang eher mit 70er-Jahre-Bestsellern verbandelt war („Unbezähmbare A.“): durch Angelique Kerbers Triumph bei den Australian Open. Gründlich in Verruf bringen dagegen Beatrix von Storch (weitere Vornamen: Amelie Ehrengard Eilika), die gegenüber Flüchtlingen Waffen zücken will, sowie ihre AfD-Genossin Frauke Petry ihre Namen. Und dann fällt mir noch der neue Hamburger Innen- und Sportsenator Andy Grote auf. Der gebürtige Niedersachse ist der Beweis dafür, dass man es auch mit einem kecken Kurznamen zu Amt und Würden bringen kann.

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Babynamen der Woche 51/2016

Alexandra Hildegard * Soraya Marleen Brunhilde * Morris * Ruba * Lotta-Madita * Naira Nadira * Melina Maria * Rôman * Fiete Raúl * Marcellina * Julian Franz Martin * Dylan Sophia * Maggie * Abby Malou * Wolke Mathilda * Gyda Anna * Ilian * Izabela * Tjark Peter * Sudenas * Yves Juan * Milea Alexandra Sascha * Enya Katharina * Lowenna Anna * Frank Michael * Fiby * Mathilda Rosemarie * Wilmina Sophia * Antonin * Coco Sue * Emilia Lien * Karlina