Von Alarich bis Zilpha

Kinderbücher von Alarich bis Zilpha

Meine liebsten Kinderbücher haben mir immer kleine Fluchten ermöglicht. Gerade auch in doofen Zeiten, als ich schon längst erwachsen war. Sich mal wieder mit Lisa aus Bullerbü über das neue eigene Zimmer freuen, mit Nesthäkchen Annemarie „Lotte“ Braun Puppenweihnacht feiern oder mit „Dicki“ (Dietrich Ingbert Carl Kronstein!) und seinen Freunden den Dorfpolizisten hinters Licht führen – einfach schön!

Seit ich Mutter bin, hole ich meine Schätze fast nur noch aus dem Regal, um sie meinem Kind schmackhaft zu machen (Erfolg: durchwachsen). Nun ist mir aber beim Abstauben aufgefallen, dass es meine Bücher waren, die mich zuerst in Kontakt mit neuen Namen gebracht und so mein Interesse an der Thematik geweckt haben. In Kindergarten und Grundschule hieß man um mich herum schließlich nur Claudia, Heike, Thomas oder Thorsten; das Exotischste waren einzelne türkische Mitschüler oder auch Namen von Pädagogen (mein Kaninchen hatte ich nach meiner Lehrerin Charlotte getauft).

Viele Namen sind für mich mit den Figuren verbunden, an denen ich sie schmökernd kennengelernt habe. Mancher hat bei mir deshalb einen dicken Stein im Brett. Faszinierend fand ich aber auch die Namen der – oft englischsprachigen – Autoren. Bei einigen wurde mir erst viel später klar, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelte.

Jetzt aber endlich eine Beispiels-Rundtour durch mein Regal (leider sind viele Bücher nur noch antiquarisch zu bekommen):

Alarich aus „Zauberei im alten Haus“

Ich hatte zwar einen Ulrich („Uli“) in der Klasse – mit dem Namen Alarich habe ich das aber gar nicht zusammengebracht. Alarich, so heißt ein 12-jähriger Naturwissenschaftsfreak in „Zauberei im alten Haus“, einem Roman von Elaine Horseman, der 1971 zuerst auf deutsch erschien. Alarich, seine Schwester Sarah und die befreundeten Geschwister Charlotte, Jonathan und Peter finden darin ein Zauberbuch, mit dessen Hilfe Alarich sich zeitweise in einen schwarzen Kater verwandelt (Vielsafttrank lässt güßen!). Später lernen die Kinder fliegen und gehen auf Zeitreise. Alarich zuliebe mag ich heute auch die Namen Alarik und Alrik.

Enid, die Vielschreiberin

Bis ich auf der Rückseite irgendeines Kinderkrimis ein Bild von Enid Blyton entdeckte, hatte ich keinen Schimmer, dass sich eine Frau „Hops, Fips und Taps“ – eine zu Unrecht vergessene Wichtelgeschichte –, „Hanni und Nanni“, „Dolly“ und natürlich die „Geheimnis um …“-Reihe sowie die „Fünf Freunde“ ausgedacht hat. Meinem Namensduden zufolge hat dieser geheimnisvolle Name einen keltischen Ursprung und geht auf eine Gestalt aus der Artussage zurück, aha.

Colin aus „Der geheime Garten“

Bisher dachte ich immer, es läge an Colin Firth, dass ich diesen Namen (mit einem l!) ganz gern mag. Der Blick in mein Regal lehrt mich aber etwas anderes: Colin Dann ist der Verfasser des wunderbaren „Als die Tiere den Wald verließen“. Auch in der „Schwarze Sieben“-Reihe von Frau Blyton gibt es einen Träger dieser Kurzform des Namens Nikolaus, in „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett (Verfasserin vom „Kleinen Lord“) ebenfalls. Gerade an „Der geheime Garten“, in der zwei Kinder Kraft aus Spiel und Arbeit in einem verwilderten Garten ziehen, denke ich dieser Tage öfter.

Harriet – neugierig in New York

„Harriet – Spionage aller Art“ von Louise Fitzhugh, 1964 zuerst erschienen, erzählt von einer neugierigen Elfjährigen aus New York, die Schriftstellerin werden will – oder eine zweite Mata Hari. Harriet beobachtet alles und jeden um sich herum und notiert ihre bissigen Betrachtungen in Notizbüchern, die (natürlich!) irgendwann in falsche Hände geraten … Übrigens nennt sich das Mädchen selbst nur „Harriet M. Welsh“, obwohl es gar keinen zweiten Vornamen hat.

Malcolm und noch ein Garten

Neben dem „Geheimen Garten“ gibt es noch ein zweites Buch in meinem Regal, das den Rückzug in einen Garten als bereichernde Erfahrung beschreibt: „Ein Garten so groß wie die Welt“, verfasst von dem US-amerikanischen Schriftsteller Malcolm Bosse (1984). Ein Name, den ich damals ganz bestimmt falsch ausgesprochen habe. Zum Glück heißt die Hauptfigur des Buches einfach Eric.

Myron und die erste Liebe

Myron Levoy schrieb unter anderem „Drei Freunde“, eine Geschichte um erste Liebe, Freundschaft und Eifersucht mit den Teenagern Joshua (das Schachgenie), Karen (die Hübsche) und Lori (die Künstlerin) in den Hauptrollen. In der Schreibweise Miron gefällt mir der Name noch besser.

Myrtle hinter den Hügeln

Der nächste Name fiel für mich sowohl in die Kategorie „Männlein oder Weiblein?“ als auch in „Kann ich nicht aussprechen“ („Mörtel?!“). Heute denke ich natürlich an die „Maulende Myrte“ („Moaning Myrtle“) aus „Harry Potter“, klar. Eine Dame namens Myrtle Archer verfasste jedenfalls „Feuer hinter den Hügeln“ (deutsch 1980), die spannende Geschichte eines Jungen, der sich während des amerikanischen Bürgerkriegs mit Mutter und Schwestern in der Wildnis versteckt.

Tonke aus den Niederlanden

„Der Brief für den König“ ist nicht nur eine brandneue Serie auf Netflix, sondern vor allem ein tolles Jugendbuch, 1962 zuerst erschienen, die Geschichte des jungen Ritters Tiuri. Auf dem Cover steht „Tonke Dragt“ – und obwohl Tonke wohl eigentlich ein seltener Jungenname ist, handelt es sich hier um eine Frau: die niederländische Autorin Antonia „Tonke“ Johanna Willemina Dragt.

Willo, nicht Willi

Nachdem Willi zuletzt bei Babyeltern beliebter geworden ist, könnte ja auch Willo ein Name mit Potenzial sein? Oh, halt: Soeben habe ich herausbekommen, dass es sich bei Willo Davis Roberts – den Namen auf dem packenden 70er-Jahre-Kinderkrimi „Der Zeuge im Kirschbaum“ – um eine Frau handelt. Menno! Wegen Willow hätte ich drauf kommen können, nur kannte ich den Namen als Kind natürlich noch nicht. Nun ist mir Willo zu unisexig.

Zilpha und der Poltergeist

Immerhin lag ich bei Zilpha Keatley Snyder richtig: Das 1971 erschienene Buch „Amanda und der Poltergeist“, das auch bei meinem Kind super ankommt, stammt aus einer weiblichen Feder. Die Geschwister David, Jenny, Esther und Tim raufen sich darin mit ihrer Stiefschwester, Möchtegernhexe Amanda, zusammen, und auch ein Geist kommt vor … Der Name Zilpha (Silpa) stammt aus dem Alten Testament. Ob es den wohl auch hierzulande, dann in deutscher Aussprache gibt?

Und jetzt bin ich gespannt: Welche besonderen Namen aus Kinderbüchern oder von Autoren sind es bei Ihnen/Euch?

Post von Autorin Auer – Magische Tiere II

Wie seid ihr auf den Namen gekommen? Ich kann längst nicht mehr zählen, wie oft ich das Eltern in den letzten Jahren gefragt habe. Mal beim Kennenlernen, mal nach längerer Bekanntschaft. Bei ungewöhnlichen Namen liegt die Frage womöglich näher, doch auch bei erwartbareren interessiert mich die Antwort sehr. Wenn ich aber mal Gelegenheit habe, von einem Schriftsteller Substanzielles über die Namensfindung für seine Figuren zu erfahren … bäm! Dann muss ich das – im Geiste auf und ab hüpfend – natürlich gleich mit der Leserschaft dieses Blogs teilen.

WeiterlesenPost von Autorin Auer – Magische Tiere II

Wo magische Tiere Schule machen

Ein sprechendes Tier als Freund, das wäre was! In der Buchreihe „Die Schule der magischen Tiere“ von Margit Auer wird dieser Kindertraum Wirklichkeit. Und das ebenso raffiniert wie charmant: Für Uneingeweihte (Muggel … äh, Eltern) sehen die magischen Begleiter nämlich wie Stofftiere aus. Band für Band bekommen mehr Kinder „ihr“ Tier – die Autorin arbeitet eine ganze Schulklasse ab –, erleben damit Abenteuer und, ja, lernen fürs Leben.

magische Tiere
Wenn die magischen Tiere sich in Kuscheltiere verwandeln, heißt das in den Büchern “versteinern”.

Die Schüler sind ein bisschen, aber nicht viel älter als die Leseempfehlung „ab acht Jahren“. Mit ihren Stärken und Schwächen, Nöten und Namen dürften sich heute viele Leser identifizieren können. Hier die Mädchen- und die Jungenliste, bei der ich jeweils die Platzierung 2003 (= zehn Jahre vor Erscheinen von Band 1 als in etwa angenommenem „Geburtsjahr“ der Kinder) und in der aktuellsten Hitliste von 2018 angefügt habe. (2003 reicht die Hitliste von beliebte-Vornamen.de nicht annähernd so weit zurück.)

WeiterlesenWo magische Tiere Schule machen

Nöstlinger-Namen

Tatsächlich habe ich mit meiner Tochter gerade ein Nöstlinger-Buch gelesen – „Man nennt mich Ameisenbär“, empfehle ich gerne! –, als neulich der Tod von Christine Nöstlinger (geboren 1936) durch die Medien ging. An Bücher der österreichischen Kinderbuchautorin erinnere ich mich gerne. Sie war so schön auf Seiten der Außenseiter, der Aufmüpfigen und der Mütter, die ob ihrer gedankenlosen Familie in den Haushaltsstreik traten. Mich brachte sie zuerst in Kontakt mit spannenden Wendungen und Vokabeln: heuer, Paradeiser oder Fuzerl („ein kleines Stück“). Auch der bestimmte Artikel vor Namen begegnete mir Nordlicht erstmals in ihren Büchern.

WeiterlesenNöstlinger-Namen

Mordsnamen aus dem Norden

Mordsnamen

Was bist du groß geworden, kleiner Kalle! Und mit was für Abgründen du dich herumschlagen musst! Dabei erschien uns deine Welt einmal so idyllisch, voller Walderdbeeren, rot gestrichener Holzhäuser und Elche. Doch damit war es in den 90ern vorbei, zumindest für Erwachsene, als mit Henning Mankell der Boom skandinavischer Krimis und Thriller einsetzte. Natürlich brachten die blutrünstigen Schmöker Namen mit, von denen sich mancher – trotz der meist gebrochenen Charaktere – in den Köpfen festsetzte. Ihre Nachbarn haben ein Kind mit einem seltsamen nordischen Namen? Dann blättern Sie doch mal bei Jussi Adler-Olsen (Dänemark), Unni Lindell (Norwegen) oder Håkan Nesser (Schweden) nach! Jedenfalls sofern es sich bei Ihren Nachbarn nicht bloß um begeisterte Wintersport-Gucker oder Fjord-Touristen handelt.

WeiterlesenMordsnamen aus dem Norden