Zehn Namen – ein Buch 3

Heute mal wieder ein Ratespiel: Die folgenden Namen kommen alle in dem Buch vor, das ich zuletzt gelesen habe. Wer erkennt es? Und welche dieser Namen gefallen Ihnen?

1. Marie: Platz 8 bei den beliebtesten Mädchennamen, Platz 2 bei den Zweitnamen – der Name Marie ist heute wirklich in fast jeder Krabbel- oder Kitagruppe vertreten, nur eben oft als stumme Beigabe. Auf Preise für Originalität sind Marie-Eltern sicher nicht aus, stattdessen erfreuen sie sich am weiblichen, doch nicht weichlichen Klang dieses Klassikers und darüber, dass ihn jeder gleich richtig schreibt und spricht. Ach ja: Umgangssprachlich kann mit „Marie“ auch Geld gemeint sein.

2. Marius: Lange habe ich bei Marius gleich zu „Müller-Westernhagen“ durchgeschaltet, doch das hat sich in letzter Zeit gegeben. Wenn man sich die Statistik anschaut, scheint Marius ein Kind der späten 80er und der 90er zu sein, im Jahr 1994 kam er sogar in die deutschen Top-50 (Platz 47). Was im Umkehrschluss heißt: So richtig beliebt war dieser bekannte, einfach zu schreibende Name nie – ein Geheimtipp?! Interessant finde ich, wie anders der eher in den frühen 70ern populäre Mario wirkt. Mir fällt da unweigerlich ein kleiner, etwas beleibter Italo-Klempner mit Schnauzbart ein. Na super!

3. Joseph: Josef mit f ist vor allen in Bayern verbreitet und auch sonst häufiger als die vielleicht etwas „internationaler“ scheinende Variante mit ph. Rund 3.400 zwischen 2006 und 2018 in Deutschland geborene Jungen schreiben sich Josef, etwa 900 dagegen Joseph – aber dazusagen müssen sie ihre Schreibweise wohl so oder so. In Nord- und Ostdeutschland ist der Name generell selten. Assoziationen gefällig? Maria & Josef, der Bernhardiner von „Heidi“, außerdem Beuys, Goebbels, Stalin, von Eichendorff.

4. Josefina: Auch hier gewinnt das f. Josefina wurde in Deutschland von 2006 bis 2018 ungefähr 890-mal als erster Vorname vergeben, Josephina circa 570-mal. Wer Spitznamen mag, dürfte mit Josie und Fina auf seine Kosten kommen. Es handelt sich bei dem Namen um eine Erweiterung von Josefa, dem Josef-Pendant; alle drei teilen sich die Bedeutung „Gott möge vermehren“. 2019 landete Josefina/Josephina auf Platz 350 der beliebtesten Vornamen – ein ganzes Stück hinter Josefine/Josephine (Platz 66), bei der man sich allerdings (im Fall von ph) bei der Aussprache nicht so sicher sein kann.

5. Oscar: Wiederum ist es die seltenere Schreibweise, die in meinem Buchrätsel eine Rolle spielt. Ganze 82 Prozent der zwischen 2008 und 2018 hierzulande geborenen Träger dieses neuen alten Modenamens (zuletzt Platz 17) schreiben sich Oskar. Der Name wurde Ende des 18. Jahrhunderts über die Ossian-Dichtung des James Macpherson bei uns bekannt (der seine Zeitgenossen gehörig an der Nase herumführte, weil er sein Werk als Aufzeichnung einer gälischen mündlichen Überlieferung ausgab). Ich denke eher an den Filmpreis, den grünen Griesgram aus der „Sesamstraße“, den Jungen, der nicht wachsen will („Die Blechtrommel“), Oscar Wilde, den kleinen Prinzen von Schweden – ja, und daran, dass Jungs namens Oskar/Oscar besonders oft in Ostdeutschland leben.

6. Oscara: Diese Mädchenvariante von Oscar ist mir noch nie irgendwo begegnet, nur in dem besagten Buch. Bei näherem Hinsehen gar nicht mal so übel, oder? Immerhin steht der Name Cara auf Platz 303, vermutlich befeuert durch Model und Schauspielerin Cara Delevingne. Dazu ist der Anfangsbuchstabe O für ein Mädchen fast ein Alleinstellungsmerkmal: Außer Olivia gibt es da nicht viel. Den originellen Kommentar „Ach, wolltet ihr eigentlich einen Oscar …?“ müssten Eltern allerdings aushalten können.

7. Eugenie: Leitet sich aus dem Griechischen ab und steht für „edel, wohlgeboren“. Mir fallen dazu ein: ein Urgroßonkel mit dem hoffnungslos (?!) altmodischen Namen Eugen, Eugenia Herdmann, Eugenie von York, leider auch die Eugenik sowie last but not least der richtige Name der männlichen Hauptfigur in „Rapunzel – Neu verfönt“, den ich in einem Namensforum schon mal in der … na sagen wir, kreativen Schreibweise „Jogien“ entdeckt habe.

8. Etienne: Anders als Eugenie erfreut sich der Name Etienne bei uns doch immerhin so großer Beliebtheit, dass er zuletzt auf Platz 397 landen konnte. Ich kann mir das nicht so recht erklären. Am End-Achtziger-Jahre Hit „Étienne“ samt frivolem Skandal-Video wird es ja wohl nicht mehr liegen – oder? Seltsam fand ich es auch schon immer, dass es sich hier um eine französische Form von Stefan handeln soll.

9. Zenaide: Jetzt wird es aber mal so richtig ausgefallen! Dieser Name soll „Leben aus Zeus“ bedeuten und mit Zenobia (kennen Sie eine?) verwandt sein. Mich erinnert Zenaide an „Tausendundeine Nacht“, wohl wegen Scheherazade, und an meine Interviewpartnerin von vor drei Jahren, die als Zuleyka geboren wurde. Tipp zur Aussprache: Zena-ide ist richtig, was auch mit dem Trema, dem liegenden Doppelpunkt, auf dem i verdeutlicht werden kann. Allerdings dürfte sich dieses Sonderzeichen in Deutschland eher als lästig erweisen, wie auch in „Noel mit Pünktchen auf dem e“ erläutert wird.

10. Desideria: „Die Ersehnte, die Erwünschte“ – die Bedeutung von Desideria dürfte vielen Eltern gefallen. Dennoch und obwohl er ziemlich einfach zu sprechen und zu schreiben ist, handelt es sich bei diesem Namen um einen absoluten Exoten. Fünf Silben in einem Namen sind eben schon eine Hausnummer. Zwar werden süße Kurzformen – Desi und Ria – gleich mitgeliefert, der Gesamteindruck ist aber trotzdem eher formell. Brüder könnten zum Beispiel Apollonius oder Valerianus heißen.

Na, erkannt – ohne groß im Netz herumzusuchen? Was hat Sie auf die Spur gesetzt? Psst: Einige markante Namen aus meinem Rätselbuch habe ich weggelassen und dazu noch ein bisschen getrickst …

Teil eins und Teil zwei der Reihe Zehn Namen – ein Buch

Von Alarich bis Zilpha

Kinderbücher von Alarich bis Zilpha

Meine liebsten Kinderbücher haben mir immer kleine Fluchten ermöglicht. Gerade auch in doofen Zeiten, als ich schon längst erwachsen war. Sich mal wieder mit Lisa aus Bullerbü über das neue eigene Zimmer freuen, mit Nesthäkchen Annemarie „Lotte“ Braun Puppenweihnacht feiern oder mit „Dicki“ (Dietrich Ingbert Carl Kronstein!) und seinen Freunden den Dorfpolizisten hinters Licht führen – einfach schön!

Seit ich Mutter bin, hole ich meine Schätze fast nur noch aus dem Regal, um sie meinem Kind schmackhaft zu machen (Erfolg: durchwachsen). Nun ist mir aber beim Abstauben aufgefallen, dass es meine Bücher waren, die mich zuerst in Kontakt mit neuen Namen gebracht und so mein Interesse an der Thematik geweckt haben. In Kindergarten und Grundschule hieß man um mich herum schließlich nur Claudia, Heike, Thomas oder Thorsten; das Exotischste waren einzelne türkische Mitschüler oder auch Namen von Pädagogen (mein Kaninchen hatte ich nach meiner Lehrerin Charlotte getauft).

Viele Namen sind für mich mit den Figuren verbunden, an denen ich sie schmökernd kennengelernt habe. Mancher hat bei mir deshalb einen dicken Stein im Brett. Faszinierend fand ich aber auch die Namen der – oft englischsprachigen – Autoren. Bei einigen wurde mir erst viel später klar, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelte.

Jetzt aber endlich eine Beispiels-Rundtour durch mein Regal (leider sind viele Bücher nur noch antiquarisch zu bekommen):

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Post von Autorin Auer – Magische Tiere II

Wie seid ihr auf den Namen gekommen? Ich kann längst nicht mehr zählen, wie oft ich das Eltern in den letzten Jahren gefragt habe. Mal beim Kennenlernen, mal nach längerer Bekanntschaft. Bei ungewöhnlichen Namen liegt die Frage womöglich näher, doch auch bei erwartbareren interessiert mich die Antwort sehr. Wenn ich aber mal Gelegenheit habe, von einem Schriftsteller Substanzielles über die Namensfindung für seine Figuren zu erfahren … bäm! Dann muss ich das – im Geiste auf und ab hüpfend – natürlich gleich mit der Leserschaft dieses Blogs teilen.

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Wo magische Tiere Schule machen

Ein sprechendes Tier als Freund, das wäre was! In der Buchreihe „Die Schule der magischen Tiere“ von Margit Auer wird dieser Kindertraum Wirklichkeit. Und das ebenso raffiniert wie charmant: Für Uneingeweihte (Muggel … äh, Eltern) sehen die magischen Begleiter nämlich wie Stofftiere aus. Band für Band bekommen mehr Kinder „ihr“ Tier – die Autorin arbeitet eine ganze Schulklasse ab –, erleben damit Abenteuer und, ja, lernen fürs Leben.

magische Tiere
Wenn die magischen Tiere sich in Kuscheltiere verwandeln, heißt das in den Büchern “versteinern”.

Die Schüler sind ein bisschen, aber nicht viel älter als die Leseempfehlung „ab acht Jahren“. Mit ihren Stärken und Schwächen, Nöten und Namen dürften sich heute viele Leser identifizieren können. Hier die Mädchen- und die Jungenliste, bei der ich jeweils die Platzierung 2003 (= zehn Jahre vor Erscheinen von Band 1 als in etwa angenommenem „Geburtsjahr“ der Kinder) und in der aktuellsten Hitliste von 2018 angefügt habe. (2003 reicht die Hitliste von beliebte-Vornamen.de nicht annähernd so weit zurück.)

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Nöstlinger-Namen

Tatsächlich habe ich mit meiner Tochter gerade ein Nöstlinger-Buch gelesen – „Man nennt mich Ameisenbär“, empfehle ich gerne! –, als neulich der Tod von Christine Nöstlinger (geboren 1936) durch die Medien ging. An Bücher der österreichischen Kinderbuchautorin erinnere ich mich gerne. Sie war so schön auf Seiten der Außenseiter, der Aufmüpfigen und der Mütter, die ob ihrer gedankenlosen Familie in den Haushaltsstreik traten. Mich brachte sie zuerst in Kontakt mit spannenden Wendungen und Vokabeln: heuer, Paradeiser oder Fuzerl („ein kleines Stück“). Auch der bestimmte Artikel vor Namen begegnete mir Nordlicht erstmals in ihren Büchern.

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