Minerva oder: Wie nervig sind Assoziationen?

Einerseits gefällt mir der Name Minerva. Schöne Bedeutung („Die Kluge“), klare Schreibweise, drei Vokale. Ich mag seltene Dreisilber und außerdem Minerva McGonagall bei „Harry Potter“. Andererseits denke ich bei Minerva aber automatisch „Meine Nerven!“. Ich finde auch Lavinia schön, habe aber mal vom irgendwem gelesen, der damit „Lawine“ verband. So eine Fremd-Assoziation klebt wie alter Kaugummi. Ich zumindest kriege sie nicht aus dem Kopf. Und der romantische Doktor-Schiwago-Name Tonya, für mich viel spannender als Lara? Klingt leider ein wenig nach Tonne.

Assoziationen können einem die schönsten Namen vermiesen. Die Frage ist nur: Wollen wir das zulassen? Irgendwelche Anklänge an Worte oder Personen bringen viele Namen mit sich. Wobei zu unterscheiden wäre zwischen negativen, positiven und neutralen Assoziationen sowie jenen, die nur wenige Eingeweihte oder Um-die-Ecke-Denker haben, und anderen, die sich jeder Nicole Müller/jedem Stefan Meier unweigerlich aufdrängen. Zu Rhea fällt sicher vielen die Reha ein. Doch nur wenige wissen, dass Amelie nicht nur ein Name, sondern auch eine Krankheit – das angeborene Fehlen von Gliedmaßen – ist.

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Bella liebt Edward … und nicht nur sie!

Ein bisschen gedauert hat es. Aber dann war es unübersehbar: 2010 stiegen die Namen Edward und Bella auf Platz 320 und 351 in die deutschen Top 500 ein. Vier Jahre nachdem die Übersetzung des ersten Bandes von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga, „Bis(s) zum Morgengrauen“, Teenager ebenso wie ihre Mütter verzückt hatte. Vorausgegangen war im Jahr 2009 eine wahre Vampir-Offensive: Gleich zwei „Twilight“-Filme kamen in die deutschen Kinos, und der letzte Band der Liebesgeschichte um den Edel-Vampir Edward und das etwas verhuschte, aber äußerst attraktive Menschenmädchen Bella ließ die Kassen klingeln.

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Bela, Mina und Lilith – Gruselnamen mal anders

„In echt heiße ich Carolin. Aber mein Vampirname ist Avariella.“ Uiuiui. Wo bin ich hier hingeraten?!

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Es ist Halloween. Kleine Geister ziehen süßhungrig durch die Nacht, und ich find’s gut. So wollte ich diese Woche einmal über Namen schreiben, mit denen ich klassischen Grusel assoziiere, über „Twilight“ übrigens (noch!) nicht. Und bei der Recherche dann das … Man hätte es sich ja denken können. Trotzdem bin ich verblüfft: Es gibt tatsächlich viele, sehr viele Online-Orte, an denen junge Menschen nach „guten Vampirnamen“ suchen. Für Rollenspiele, aber auch „weil ich ein Buch schreibe“. Ah ja.

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Namen ohne Verfallsdatum

Verfallsdatum © shootingankauf - Fotolia.comEmmas sind 94 oder 4, aber wohl kaum 44. Jordan-Joelles sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich minderjährig, ebenso wie Milas und Finns. Was tun, wenn man nicht möchte, dass dem gewählten Namen automatisch ein bestimmtes Alter zugeordnet wird? Wenn man sich den Emilisten (lieben alte Namen) nicht zugehörig fühlt – und den Kevinisten oder Chantalisten (mögen’s neu und nicht deutsch) schon mal gar nicht? Ich sehe da drei Möglichkeiten:

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Tante Irmgard und die Avantgarde

In der letzten Woche schrieb ich an dieser Stelle über den Namen Thusnelda und kam dadurch auf eine neue Fragestellung, die da lautet: Wann gilt ein einer früheren Epoche zugeordneter Name als altbacken – und wann als Avantgarde? Eine Spurensuche im Reich der Retro-Fans …

Als ich zur Schule ging, in den 80ern, wurden Mitschüler namens Hans, Helga oder Herbert eher bedauert. Dagegen würden Kinder mit diesen Namen heute, ein Vierteljahrhundert später, zumindest in den angesagten Eltern-Vierteln deutscher Großstädte nicht sonderlich auffallen. Schließlich sind alte Namen dort – gerade unter später gebärenden Akademikern – längst wieder an der Tagesordnung, und es kann ja nicht jeder Friedrich oder Theodor heißen. Doch waren Eltern, die ihren Sohn in den 70ern Hans nannten, deshalb Trendsetter? Doch wohl eher: ihrer Zeit hinterher.

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Was ist eigentlich mit Thusnelda?

Eigentlich hat sie das Zeug zur Neuentdeckung: nicht so herb wie Hildegard, Heidrun oder Gertrud, nicht so religiös geprägt wie Christel. Dieselbe Endung wie der neue alte Modename Mathilda, markanter und einprägsamer als die üblichen Zweisilber. Ein Name mit Charakter, bei dem bei Bedarf auch die niedlichen Kurzformen Nell oder Nelli denkbar wären. Eigentlich.

Tatsächlich ist es aber so: Nahezu jeder Deutschsprachige dürfte den Namen Thusnelda kennen, doch niemand vergibt ihn (mehr). In der bis 1890 zurückreichenden Datenbank von beliebte-Vornamen.de findet sich sogar nur eine einzige Thusnelda, Jahrgang 1918. Auch wenn die Sammlung nicht vollständig ist – derzeit wird etwa jeder vierte Name erfasst – und vermutlich doch die eine oder andere alte Dame oder Vorfahrin Thusnelda heißt: ein vernichtendes Urteil. Und schuld ist natürlich die Tussi.

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Nimm doch was Personalisiertes!

Da Wanda, das ist weder ein Ausruf beim Ansichtigwerden der Trägerin eines seltenen Vornamens noch Kathy Bates’ Kampfname aus „Grüne Tomaten“ (der lautet Towanda). Es handelt sich vielmehr um einen florierenden Online-Marktplatz für Selbstgemachtes. Und – um einen Namen: Für die Benennung ihrer Plattform für designende Mamas und Serien-Häkler haben die Macher einen afrikanischen Frauennamen gewählt, der „die Einzigartige“ bedeutet.

Auf DaWanda nun und natürlich auch andernorts macht sich ein eindeutiger Trend breit: Es gibt immer mehr Produkte mit Namen darauf. In meiner Jugend beschränkte sich das noch auf ein paar mehr oder minder geschmackvolle beschriftete Eierbecher oder Sparschweinchen, die man, von A bis Z sortiert, in Geschenk- und Souvenirläden finden konnte (bei den cooleren Sachen war mein Name selten dabei). Auf dem Weihnachtsmarkt gab es vielleicht noch einen Stand, an dem man sich per Brennpeter ein Frühstücksbrettchen beschriften lassen konnte. Aber das war’s dann auch.

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Das lachende A – Namen und das Schreibenlernen

Es ist schwer, etwas wegzuwerfen, was einen nett anlacht. Es ist sogar fast unmöglich. Und so stapele ich, liebende Mutter einer Viereinhalbjährigen, weiter Kinderzeichnung auf Kinderzeichnung und verstaue in immer korpulenteren Mappen Mondgesichter und lachende Sonnen, Strichmännchen und -mädchen, Kritzelkatzen sowie Zwerge, die in der Hauptsache aus dem Buchstaben A (mit Gesicht und ausgemaltem Spitzhut) bestehen.

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