Juli 2022: Bero, Han und Ota – und mehr

Ohne dass es geplant gewesen wäre, sind mir in diesem Monat überwiegend kurze Namen ins Auge gefallen. Es sind lauter allesamt von echten Menschen getragene Namen (okay, ein Spitzname ist dabei):

Bero * Han * Ota (m) * Charla * Kimsy * Arnfrid * Mine * Jost * Janette


Annemaries Namen des Monats
Kurze Jungs: Bero, Han und Ota

Bero gefällt mir. So heißt ein Neunjähriger, von dem ich als Kinderreporter in „Dein Spiegel“ gelesen habe. Die Bedeutung dieses althochdeutschen Namens ist wirklich die, die auch anklingt: Bär. Als Star-Wars-Fan denke ich zudem an die Tante von Luke Skywalker, die allerdings Beru heißt, Beru Lars. Von dort zu Han (Solo) ist es nicht weit. Deshalb ist Han aber nicht auf meiner Monatsliste gelandet, sondern weil ich verblüfft festgestellt habe, dass zu den Köpfen der Pharmabranche ein Niederländer Anfang 60 gehört, der tatsächlich diesen Vornamen trägt. Ob er wohl Star Wars mag? Laut meinem Vornamens-Duden ist Han eine Kurzform von Johann.

Ota ist mir im Bücherregal meiner Tochter begegnet, Ota Hofman (1928–1989) war ein tschechischer Schriftsteller, (Mit-)Erfinder von Pan Tau (den wohl nur ältere Semester noch kennen?) und „Luzie, dem Schrecken der Straße“. Sein Name ist verwandt mit Ottokar. Übrigens gibt es auch Otta als Namen – unisex. Wikipedia zufolge ist Otta im Dänischen, Norwegischen, Schwedischen und Isländischen Kurzform von Ottilia und Lotte.

Lesefunde: Charla, Kimsy und Arnfrid

Aus zwei Büchern, die ich diesen Monat gelesen habe, stammen die nächsten Funde. Charla ist der Name der amerikanischen Verfasserin eines der beiden. Weil der Schmöker autobiographisch angehaucht ist und die Autorin nicht nur verrät, dass ihr Vater Charlie hieß, sondern sogar, dass ihre Mutter mit Stolz ein Parfüm desselben Namens trug, kann man sich wohl ausrechnen, wie es zu diesem Mix aus Carla und Charlotte kam.

Buch zwei war eine Sammlung mit Weltverbesserungstipps für Jugendliche, zu dem auch die frühere MTV-Moderatorin Kimsy von Reischach etwas beigesteuert hat. Ich kannte die Dame bislang nicht, aber ihr echter Name – Kimberly Karen Daisy Louise Gräfin von Reischach (Jahrgang 1974) – ist schon beeindruckend. Der Journalist Arnfrid Astel (1933–2018) wurde im selben Buch kurz zitiert, wie Kimsy sieht sein Name für mich nach einer Verschmelzung aus (Arno plus Frida oder so). Alte deutsche Namen sind ja oft aus zwei Elementen zusammengesetzt.

Forscherin und Dienstleister: Mine, Jost und Janette

Mine Kühn arbeitet am Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Ihren Namen finde ich erwägenswert für alle, denen Mina zu häufig (na ja, Platz 79) und Hermine zu Harry Potter ist. Und zuletzt Jost und Janette: Beide Namen sind mir in unserer Stadt auf Fahrzeugen von Dienstleister*innen aufgefallen. Beim vor allem in Niedersachsen beliebten Jost kriege ich immer Appetit: der Name erinnert mich an Toast und, wohl wegen Jobst, an Obst. Bei Janette wüsste ich gern, ob man sie spricht wie Anette mit deutschem J davor (und stummem e?) oder wie Jeanette – und ob Janettes, Janetts etc. ihren Namen wohl ebenso oft korrigieren müssen wie Jaquelines.


20 Gedanken zu „Juli 2022: Bero, Han und Ota – und mehr“

  1. warum spricht man Charlotte Scharlotte, aber Jacqueline und Jeannette nicht Schakline und Schanette? wer hat sich das ausgedacht?

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    • Da wird man niemanden Verantwortlichen finden. Charlotte und Jacqueline sind französische Namen und die französische Sprache hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Irgendwann hat sich etabliert, ch als sich zu sprechen und j nicht.

    • meinte eher warum hat man sich bei Charlotte überlegt den Auslaut e mitzusprechen, den Namen also einzudeutschen und bei den anderen nicht, die bleiben in französischer Aussprache.

    • Ach so. Da ist ja keineswegs einheitlich. Einige sprechen das -e, andere nicht. Das gilt für viele weitere Namen, z. B. Janine, Caroline und Nadine. Es hat sich also niemand ausgedacht, sondern jede:r denkt für sich.

    • Wobei es einen Grund gibt, dass das -e bei Charlotte häufiger gesprochen wird als das bei Jacqueline: Charlotte ist schon viel länger in Deutschland gebräuchlich, auch schon zu Zeiten, als es noch nicht so verbreitet war, Französisch zu lernen.
      Interessantes Thema, das kommt auf die Liste für zukünftige Blogbeiträge.

    • Es gibt ja auch noch Annette und Bernadette, die meistens mit -e Endung ausgesprochen werden. Gerade Annette wird schon so lange in Deutschland vergeben, das ich den Namen gar nicht mehr als französisch wahrnehme.

    • einmal bin ich einer Geraldine begegnet, die wurde auch mit e am Ende gesprochen, das war ungewohnt, das hätte ich automatisch weggelassen. Geral-diin.

    • In Kirchenbüchern des 19. Jh. ist mir mehrfach tatsächlich „Scharlotte“ in schriftlicher Form begegnet. Das fand ich wesentlich obskurer.
      Es könnte mit der eigenen Fähigkeit, „fremde“ Laute auch nach der Phase des Spracherwerbs zu erlernen, zu tun haben. Manche sind da begabt, andere weniger. Eine Bekannte pflegte eine französische Julie stets „TschÜlie“ auszusprechen. Das weiche „sch“ und die Betonung auf der zweiten Silbe waren ihr nicht beizubringen.

  2. Ota hätte ich für weiblich gehalten, überdies erinnert er mich an die niedlichen Otter.

    Mine finde ich ganz hübsch, aber der Name erinnert mich an die Bleistiftmine. Dann doch lieber Mina.

    Charla erinnert mich an den türkischen Mädchennamen Çağla, der Tschala gesprochen wird. Meine Cousine heißt so.

    Bero finde ich ganz nett. Viel besser als Bruno bei der gleichen Bedeutung (ich mag Bären).

    Ich habe diesen Monat auch einige Namen gesammelt:

    Adelhild
    Adama
    Brix(m)
    Laiza (Leisa)

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    • Laiza sieht sehr spannend aus: Weißt Du mehr über den Hintergrund des Namens, oder ist es einfach die Erzwingung einer engischen Aussprache von Lisa?

  3. Ich habe auch zwei interessante Fundstücke: Weisgin und Drutgin, so hießen die Ehefrauen des Weinhändlers und Rechtsgelehrten Hermann Weinsberg, der im 16. Jahrhundert in Köln lebte.

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    • Ich würde die beiden Frauennamen ungefähr wie Weis-chen und Drutchen aussprechen, dann werden sie deutlich transparenter. Im Kölsche Dialekt jibt es ja den Buchstaben je jar nicht.

  4. Wir wohnen sehr nah am Heimatschloss von Kimsy Reischach; bin schon oft an der Torklingel des Schlosses Riet vorbeigelaufen und habe dort den Namen Kimberly Gräfin von Reischach gelesen. Hatte keine Ahnung, dass sie bekannt war oder etwas mit dem Fernsehen zu tun hatte. Für mich war sie einfach die Gräfin, die in dem hübschen ehemaligen Wasserschloss am Strudelbach in Riet, einem Teilort von Vaihingen an der Enz, wohnt.

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    • Das ist ja ein lustiger Zufall 🙂 Ich kannte sie ja auch nicht, MTV war nicht meine Welt.

  5. Ota ist ein spannender Name, mir fällt Ota Šik ein, der die Wirtschaftsreformen des Prager Fühlings (3. Weg, nicht mit der heutigen Nazipartei zu verwechseln) erdacht hat.

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  6. Ich warte im Zuge der „kulturellen Aneignung“ auf die Forderung, dass Deutsche ihren Kindern nur deutsche Namen geben dürfen. Lateinische oder hebräische Namen gehen dann natürlich auch nicht mehr.

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  7. Zu Ota: Mir ist letztens ein kleines Mädchen namens Oda begegnet, das klang erstmal ungewohnt. Sobald man aber die Verbindung zu Odette oder Ute hergestellt hat, kommt es einem gleich geläufiger vor.
    Ota als männlicher Name hingegen klingt für mich japanisch.

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