Namen in Fantasybüchern – es ist kompliziert

Namen in Fantasy-Büchern

Ich liebe Fantasybücher (und -filme und -serien, aber um die geht es vielleicht ein anderes Mal). Magie, fremde Götter und Welten, die einem dem Atem rauben, all das finde ich faszinierend, auch die Namensvergabe. Ja, die finden mein namensverliebtes Gehirn und ich eigentlich immer und überall spannend, aber in Fantasybüchern sind sie doch etwas Besonderes. Denn dort dürfen die Namen ja ausgefallener sein, ohne dass eine komplizierte Erklärung erfolgen muss. Ich bin immer gespannt, ob sich die Autorinnen und Autoren an ihr eigenes Namenskonzept halten und welchen Regeln dieses unterliegt (nordisch, römisch, immer mit „ia“ etc.). Namen in Fantasybüchern sind ein weites, sehr faszinierendes Feld, das ich mir heute näher anschauen möchte.

Normale Namen

Da gebe es die normalen Namen in normalen Schreibweisen, bei denen jeder denkt „Ja, habe ich schon mal irgendwo gehört.“ wie Harry, Hermine und Ron (Harry Potter), Gwen & Gideon (Rubinrot), Lucinda & Joaquín (Blutbraut), Bella & Edward (Biss zum Morgengrauen), Elena & Raphael (Engelskuss).

Andererseits gibt es Namen, die zwar bekannt sind, wenn auch eher für ein anderes Geschlecht wie bei der Protagonistin Sasha Duncan aus Leopardenblut oder Namen, die doch seltener vergeben werden wie Lilith (Die dreizehnte Fee), Prosper & Bo (Herr der Diebe) oder Amaia & Nóar (Cassardim). Ungewöhnlich Namen, aber als solche erkennbar (und abgesehen von Prosper auch alle in den aktuellen Top 500).

Der Kreativität freien Lauf lassen

Und dann, dann sind da diese Geschichten, bei denen die Autoren ihrer Kreativität freien Lauf gelassen haben. Meistens spielen diese größtenteils oder vollkommen in anderen Welten. Und wie lässt sich leichter zeigen, dass man nicht mehr in Kansas ist? Richtig, mit ungewöhnlichen oder erfundenen Namen. Stellenweise werden bekannte Namen umgeschrieben, so wird Peeta aus Die Tribute von Panem, welcher wie die englische Version von Peter gesprochen wird oder man verwendet Pflanzenbezeichnungen als Namen wie bei der Protagonistin Katniss, die nach dem englischen Wort für Pfeilkraut benannt wurde, und ihrer Schwester Primerose „Prim“. Katniss konnte sich als Vorname übrigens noch nicht etablieren, was mich etwas verwundert. Reiht er sich doch gut neben Katharina (aktuell Platz 97) und Cataleya (akutell Platz 175) ein. Jetzt könnte man sich natürlich streiten, ob man Die Tribute von Panem als Fantasyroman bezeichnet, wo es doch in einer dystopischen Zukunft spielt und daher eher in die Si-Fi-Ecke gesteckt werden müsste, aber das ist eine andere Geschichte. Nun aber zurück zur Namensbildung:

Stellenweise werden einzelne Buchstaben ausgetauscht Sofea (Waldtochter) oder weggelassen wie bei den Schwestern Tajann und Liljann (Der Winter der schwarzen Rose). Tajan habe ich nur als Jungennamen gefunden, Tajana kann einerseits eine Kurzform zu Tatjana sein, andererseits von dem serbisch/kroatischen Wort tajiti (ein Geheimnis bewahren).

Buchstaben ergänzen

Manchmal werden Buchstaben auch ergänzt wie bei Lijanas (Der Kuss des Kjer). Hier habe ich lange Lijana gelesen, was mir persönlich wesentlich besser gefällt. Ich habe da nämlich manchmal ein kleines Problem. Ich habe zwar ein gutes Namensgedächtnis, neige aber beim Lesen dazu, Namen unbewusst zu korrigieren. So habe ich Einsame Spur mehrmals gelesen, bis mir auffiel, dass die Protagonistin gar nicht Aria hieß (was mir immer schon zu ähnlich zu dem Protagonisten Riaz war), sondern Adria. Auch der Autor von „Tintenherz“ im gleichnamigen Roman von Cornelia Funke, bereitet mir bis heute Kopfzerbrechen. Anfangs las ich Fengolo, dann Fengolio, aber beides ist nicht richtig, der Mann heißt eigentlich Fenoglio (da gefallen mir meine Versionen aber wesentlich besser).

Komplizierte Aussprache

Mit komplizierten Namen kann ich leben, wenn ich weiß, wie ich sie ungefähr aussprechen muss. Ist dies nicht der Fall, muss die Geschichte so unglaublich gut sein, dass ich darüber hinwegkommen kann wie in der Reich der sieben Höfe-Reihe von Sarah J. Maas. Die Protagonistin der ersten vier Bände heißt Feyre, den Namen habe ich konsequent „Fäj-rie“ ausgesprochen. Die Aussprachehilfe der Autorin (Fey-ru) wurde zwar recht früh im Roman erwähnt, ich hatte mir aber schon diese Aussprache zurechtgelegt und mir gefiel meine Version besser. Im echten Leben würde ich so etwas nie machen. Ich weiß selbst, wie nervig es sein kann, wenn der eigene Name wieder und wieder falsch ausgesprochen wird. Aber in Büchern ist das irgendwie anders. Der Name erklingt ja nur in meinen Gedanken, in denen die Welt beim Lesen entsteht.

Es kommt hin und wieder vor, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, wie ein Name ausgesprochen werden soll. Wenn der Autor oder die Autorin mir keine Aussprachehilfe geben (oder für mich einfach zu spät) und die Geschichte mich nicht von einem auf das andere Wort in ihre Welt zieht, dann wird es für mich manchmal sehr schwer, in die Geschichte hineinzukommen, besonders, wenn es der Name der Hauptfigur ist und mir partout keine Aussprache einfallen will.

Am besten hat mir das Cover gefallen

So ging es mir mit Seelenkuss von der sonst großartigen Autorin Lynn Raven, ihre Enden sind zwar immer zu abrupt, aber der Rest ist wunderbar. Bei diesem Roman hat mir hingegen am besten das Cover gefallen. Es fing mit den Namen an. Prinzessin Darejan (deutsch ausgesprochen, englisch? Därejän? Fakefranzösisch Daredschan?) und Königin Seloran (was soll das sein?), Javreen etc. Keiner der Name klang irgendwie vertraut oder hatte auch nur eine gewisse Ähnlichkeit mit einem mir bekannten Namen. Dadurch blieben mir die Protagonisten fremd. Wie bei einem neuen Medikament, das man nicht bei seinem Markenamen XYZ nennt, sondern nur nach seiner Funktion (das Antibiotikum, der Hustensaft, die Schmerztablette) ordnete ich die Figuren meine wenig charmante Wertung zu und schuf so eigene Namen „Die Heldin, die mir auf die Nerven geht und total unsympathisch ist“, „die böse Königin“, „der Typ ohne Gedächtnis“.

Tatsächlich hat Lynn Raven den Namen Darejan nicht erfunden. Nestan-Darejan ist die Protagonistin aus dem Epos Der Ritter und das Tigerfell des georgischen Dichters Shota Rustaveli aus dem 12. Jahrhundert. Leider habe ich immer noch nicht herausfinden können, wie der Name nun ausgesprochen werden soll (Fans des Epos können sich an dieser Stelle gerne melden). Zu Javreen konnte ich leider auch nichts finden, dafür wurde ich auf die Existenz von Jarven und Javin hingewiesen. Auch zu Seloran alias „die böse Königin“ liefen meine Recherchen ins Leere. In solchen Fällen würde ich mir wirklich eine Liste mit Aussprachehilfen am Anfang eines Romanes wünschen. Dies würde den Zugang zu den Bücherwelten doch sehr erleichtern. Aber vielleicht denken die Autorinnen und Autoren auch einfach nicht so weit, denn in ihren Köpfen ist die Aussprache ja ganz klar.

12 Gedanken zu „Namen in Fantasybüchern – es ist kompliziert“

  1. Ich finde auch die Namen in den Zamonien-Romanen von Walter Moers bemerkenswert. Sie spielen auf einem fiktiven Kontinent und es gibt dort unter anderem eine Stadt, die nur den Büchern gewidmet ist. Die Autoren, die in den Büchern vorkommen, sind alle Anagramme von realen Autorennamen, z.B. Dölerich Hirnfidler (Friedrich Hölderlin) oder Perla La Gadeon (Edgar Allen Poe). Das sind jetzt zwar nicht nur Vornamen, aber trotzdem. 😉

    Die anderen Vornamen in dem Büchern, wie etwa Hildegunst (m), Danzelot, Volzotan, Colophonius oder Rumo sind auch ungewöhnlich.

    Antworten
    • Eine Stadt, die Büchern gewidmet ist, klingt fantastisch.
      Die Namensgebung finde ich sehr interessant, gerade die Anagramme.

      Ist Perla la Gadeon eine Frau?

    • Oh ja, Walter Moers ist einfach ein Genie! Durch ihn bin ich dazu gekommen, meinen Charakteren außergewöhnliche Namen zu geben. Beispielsweise anstatt Esmeralda habe ich die Buchstaben etwas verdreht und Esmarelda draus gemacht. Ich mag Namen, die einfach aber trotzdem ungewöhnlich klingen. Hatte es aber auch schon oft, dass ich die Namen aus Büchern einfach in meinem Kopf sehr eigenartig ausprochen habe.

  2. Bei Fantasybüchern (meine Lieblingsbücher) bin ich mir manchmal auch unsicher, wie man die Namen (auch bekannte), ausspricht, gerade wenn es in einem erfundenen Land spielt.
    Ich hatte aber noch nie das Problem, dann keinen Zugang zu dem Charakter zu finden. Da geht es schließlich um die Taten und Worte der Person.

    Antworten
    • Die Taten und Worte sind definitiv wichtiger als die Namen. In dem oben genannten Beispiel fiel leider alles zusammen. Weder Taten,Worte noch Namen konnten mich von der Geschichte überzeugen.

  3. Perla La Gadeon wird nur erwähnt, ist aber kein/e Protagonist/in. Daher kann ich die Frage leider nicht beantworten, der Name klingt aber weiblich.

    Das Buch heißt übrigens „Die Stadt der Träumenden Bücher“ und die Hauptfigur ist der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz. 🙂 Wäre vielleicht was für dein namenverliebtes Hirn.

    Antworten
    • Ist jetzt offtopic, aber: Ich hab mich durch dieses Buch durchgequält … Dass ich es nicht abgebrochen habe, war eine reine Willensleistung. Trotz der interessanten Namen. Aber Geschmäcker sind ja verschieden 🙂

  4. Auch wenn’s jetzt keine Fantasy ist: Ich hatte an anderer Stelle schon mal erwähnt, dass es im Star Wars-Universum auch mal eine Zeitlang extrem „in“ war, Charakteren und Dingen möglichst unaussprechliche Namen zu geben. (ca. Mitte der 90er, als halt nichts verfilmt wurde. Sie dachten sich wohl, wenn die Figuren eh nur auf dem Papier existieren, stört das keinen, ob man die Namen aussprechen kann oder nicht) Speziell Timothy Zahn war ein wahrer Meister dieser Marotte, und es gab in Fankreisen hitzige Diskussionen darüber, wie genau man denn nun „Vornskr“, „C’Baoth“ und „Pellaeon“ auszusprechen hätte. (Auf einer Convention haben wir den Autoren mal gefragt. Er sagte [Sí-Bauth]. Das deutsche Hörspiel zum Buch machte ihn allerdings zu [Säbäjoth] – jeweils mit englischem -th. Soviel dazu.) Es war in jeder Hinsicht einfach nur frustrierend und sehr hinderlich beim Lesen. Zum Glück hat sich die Mode wieder gegeben…

    Antworten
    • Die Tribute von Panem ist ja streng genommen auch kein Fantasyroman. Also immer nur her mit komplizierten Namen
      🙂

      C‘Baoth hätte ich einfach deutsch gesprochen. Die Aussprache der Hörspielversion find ich doch recht kompliziert.

    • C’baoth erinnert mich an Kirchenlieder bzw. Gebete, wo von Gott Zebaoth die Rede ist, z.B. in dem sehr bekannten Lied „Großer Gott wir loben dich“, 3. Strophe:
      Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
      Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
      Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.
      Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Serafinen
      Stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
      Rufen dir stets ohne Ruh‘: „Heilig, heilig, heilig!“ zu.
      Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere!
      Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere
      Sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Zebaot

    • @MariaTh

      Stimmt! Ich mag das Lied. Beim Lesen kam mir gerade die Melodie in den Sinn und de Gedanke, dass ich mal wieder in die Kirche gehen könnte.

Schreibe einen Kommentar zu Moni Antworten abbrechen