Was es mit dem Namen Mohd auf sich hat

Das ist kurios: Der Name Mohd ist zwar einer der häufigsten Vornamen in Indien, in den meisten Vornamenlexika ist aber nichts über ihn zu finden. Was hat es mit diesem Vornamen auf sich? Auf die richtige Fährte lockt der Hinweis, dass es sich um einen muslimischen Namen handelt. Tatsächlich handelt es sich um die in offiziellen indischen Dokumenten gebräuchliche Transkription des Namens Muhammad. Dieser wird unter den Muslimen in Indien sehr oft als erster Vorname eingetragen, weshalb meistens der zweite (signifikante) Vorname als Rufname benutzt wird und Muhammed nur als stummer Namenszusatz dient – wenn fast jeder Muhammed heißt, taugt der Name nicht, um jemanden zu identifizieren oder anzusprechen. Unter diesen Umständen hat sich in Indien (und auch in vielen südostasiatischen Staaten wie den Philippinen, Thailand, Indonesien und Malaysia) etabliert, anstelle des vollen Namens die Abkürzung Mohd zu schreiben.

Mohd

Allerdings gibt es eine Verschwörungstheorie, wonach „der Westen“ das eingefädelt habe, um den Vornamen Muhammad zu verunglimpfen. Die Personen hinter dieser Verschwörung behaupten auch, das englische Wort mosque (bedeutet „Moschee“) sei aus dem spanischen Wort mosquito (bedeutet „Moskito“) gebildet worden, um sich über den muslimischen Glauben lustig zu machen. Diese Verschwörungstheorien wurden sprachwissenschaftlich widerlegt, aber Wissenschaft und Verschwörungstheorien sind ja noch nie besonders gut miteinander ausgekommen. Viele indische Muhammads möchten ihren Namen nicht mehr Mohd schreiben und setzen sich dafür ein, dass die lange Schreibweise anerkannt wird. In den indischen Territorien Jammu und Kashmir – beide mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit – sind diese Bestrebungen auf fruchtbaren Boden gefallen, weshalb Mohd dort ab sofort nicht mehr amtlich verwendet werden soll.

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7 Gedanken zu „Was es mit dem Namen Mohd auf sich hat“

  1. Also ich kann beide Seiten verstehen.
    Es gibt hier für mich drei Ebenen:
    – Wenn alle gleich heissen, dann verliert der Name seine Nutzen und verliert gleichzeitig an Bedeutung
    – Eine Abkürzung ist ein gängiges pragmatisches Mittel effizienter zu Schreiben. Passt daher auch in die Verwaltung.
    – Der Name ist de facto bedeutungstragend und sollte wie andere Namen auch von seiner Umgebung wertgeschätzt werden.

    Mich wundert viel mehr die Abkürzung. Es gibt so viele Varianten dieses Namens, wobei die einzige Konstante die Konsonanten zu sein scheinen. Nein, der letzte Buchstabe ich auch manchmal ein T… Dann blieben nur noch MHM. Das vereinfacht vermutlich nichts. Vielleicht Mh.

    Ein ähnliches Phänomen gibt/gab es in Deutschland mit Maria, mit einem vergleichbar religiösen Hintergrund. Auf mich wirkt diese Vergabe auch absolut gleich. Ob die Eltern ihr Kind Maria oder Mohammed nennen, ist die Intention in der Regel doch meist eine ähnliche, nur die Religion variiert.

    Wenn man jetzt alle Marias und Mohammeds in Deutschland in den Papieren mit M. abkürzt… Dann bekommen wir Christoph M. Herbst.

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    • Ich verstehe auch beide Seiten, zumal früher auch in Deutschland abgekürzt wurde, was man auf alten Gräbern sehen kann.
      Aus Katharina wird Kath.
      Aus Elisabeth wird Elis.
      Aus Margaretha wird Marg.
      Die Abkürzungen waren auf den Stein platzsparend.

      Aber in offiziellen Dokumenten sollte der Name ausgeschrieben stehen, denn er ist Teil der Identität.

  2. Hallo Knud, freut mich sehr, dass dich mein Kommentar neulich zu diesem Artikel inspiriert hat
    Das von gleiche, @Tameri erwähnte Phänomen mit dem Namen Maria kenne ich aus Spanien, wo gefühlt jede Frau Maria heißt, meist mit Titel, also bspw Maria del Carmen, Maria del Pilar, Maria de los dolores…meist wird der Titel oder eine Kurzform davon dann zum eigentlichen Rufnamen (Carmen, Pilar, Lola).
    Abgekürzt wird das dann auf manchen Dokumenten mit Mª del Carmen, etc.

    Mir ist allerdings nicht bekannt, ob strenggläubige Katholiken damit Probleme haben.

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    • Dieser Sonderstatus durch die besondere Schreibung, könnte den Namen genauso gut auch hervorheben. Auf die Perspektive kommt es wohl an.
      In meinem vorangegangenen Beitrag darf man „Deutschland“ gern ersetzen durch „christlich geprägte Bevölkerung“. Das wäre rückblickend passender.

    • Oh ja, danke, dass du das aufgebracht hast. Ich finde das Thema zu interessant, um es in den Abgründen der Website-Kommentare schlummern zu lassen und habe es darum ins Blog gehoben.

  3. Kann durchaus verstehen, dass sie nicht wollen, dass der religiös bedeutende Name abgekürzt wird. Interessante Situation. Manchmal vergisst man, wie muslimisch Indien ist, weil man eher an den dominanten Hinduismus denkt.

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  4. Der König von Marokko – Mohammed VI. – soll von den Marokkanern wohl einfach „M6“ genannt werden.
    Vermutlich würden sie ihn persönlich etwas förmlicher ansprechen. Aber um den Überblick bei den Königen zu behalten, genügt das so wohl.

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